30.11.2025 -- 162.913 // Zuwachs zum 31.10.2025: 9.801
Die Einwohner der Metropole Moskau unterstützen den russischen Angriffskrieg laut einer aktuellen Untersuchung des Lewada-Instituts, die Menschen vom Land weit weniger. Dafür ziehen aus wirtschaftlicher Not die Männer aus den abgelegenen Dörfern Russlands in den Krieg, die Männer aus Moskau dagegen sehr, sehr viel weniger.
Wir sind heute im Dorf Nischnee Babalarowo im Südwesten Baschkortostans mit rund 200 Bewohnern. Ainur Walejewitsch Murzagildin wurde am 12. November 2025 beigesetzt, er hatte sich freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet. Durch die vielen Kriegstoten in Baschkortostan kommen nur noch wenige Dorfbewohner zu den Beerdigungen.

Aus der Großstadt Komsomolsk am Amur in der Region Chabarowsk im Fernen Osten Russlands hat uns ein kurzes Video über gefallene Soldaten im Krieg gegen die Ukraine erreicht. Komsomolsk am Amur hat rund 230.000 Einwohner und liegt etwa 300 km von der Pazifikküste entfernt. Der Strom Amur ist im Stadtgebiet etwa 2,5 km breit.
Im KI-generierten Video salutieren die getöteten Soldaten. Das hat uns zur Überschrift inspiriert, die eigentlich heißt „Ave Caesar, morituri te salutant (Heil dir Cäsar, die Todgeweihten grüßen dich)“. Im alten Rom mussten verurteilte Sträflinge gegeneinander kämpfen. Wer überlebte, wurde begnadigt. Damals war die Situation auch nicht viel anders als heute, wo Straftäter für Selbstmordangriffe an die Front geschickt werden.
Welche Ausmaße die Rekrutierung zum Krieg in der Ukraine im Autonomen Kreis der Tschuktschen angenommen hat, zeigt das Beispiel der Goldstadt Bilibino mit ihren etwa 5.500 Bewohnern. Wir haben über die langsam verfallende Stadt Bilibino bereits berichtet. Der Kindergarten „Skazka (Märchen)“ der Stadt veranstaltete im Oktober einen Malwettbewerb, bei dem die Kinder ihre Väter zeichnen sollten, die alle sich als Freiwillige zum Krieg gegen die Ukraine verpflichtet haben. Immerhin 14 Kindergartenkinder kamen aus dem kleinen Städtchen zusammen. Darunter war ein Vater, dessen Todesmeldung wir heute registriert haben und den wir nachstehend vorstellen wollen.
Am 30. Oktober 2025 wurden im Parlament von Tuwa, dem Obersten Chural, an 16 Familien Orden und Urkunden für gefallene Familienangehörige übergeben, die im Krieg gegen die Ukraine getötet wurden. Wir wollen anhand der dabei erstellten Fotos dokumentieren, aus welchem sozialen Umfeld jene Gefallenen stammen.
Die Überschrift auf der Stellwand lautet: Gardist! Schneller, höher, stärker!
Wir sind im Dorf Wosnesenka mit rund 1.000 Bewohnern im Nordosten Baschkortostans. Die Bewohner des Dorfes sind überwiegend russischer Abstammung. Im Dorf lebte Daniil Aleksejewitsch Obwintsew, geboren am 27. Dezember 2005. Er war überzeugtes Mitglied in der russischen Jugendarmee „Junarmija“ und nahm mit seinen Kameraden aus Baschkortostan auch an Wettbewerben in Russland teil . Auf dem Foto oben, wahrscheinlich im Sommer 2023 aufgenommen, steht Daniel in der vorderen Reihe, Dritter von rechts.

Die Gräber der Brüder
Im Dorf Bolschije Prudy in der Region Krasnojarsk starben innerhalb eines Monats drei Brüder im Krieg in der Ukraine. Insgesamt zogen sieben Männer aus dem Dorf in den Krieg, von denen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Textes nur noch einer am Leben war.

Ukrainische Soldaten untersuchen ein zerstörtes russisches BMP-2-Kampffahrzeug im Dorf Storozhevoye / Region Donezk
Im ersten Halbjahr 2025 wurde eine Rekordzahl von Russen wegen „militärischer Fälschungen“ (207.3 Strafgesetzbuch der Russischen Föderation) verurteilt. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres fällten die Gerichte Urteile gegen 45 Personen – innerhalb von zwei Jahren hat sich diese Zahl um das 2,5-fache erhöht. Im Jahr 2025 wurde den Medien zum ersten Mal seit Beginn des Krieges ein Fall bekannt, in dem ein Gericht im Rahmen dieses Artikels des Strafgesetzbuches einen Soldaten wegen „defätistischer Äußerungen” verurteilt hatte.
Das Foto der betagten Mutter eines gefallenen russischen Soldaten hat uns veranlasst, diesen kurzen Bericht zu veröffentlichen.
Wir befinden uns im abgelegenen Dorf Gluchowka mit weniger als tausend Bewohnern in der Region Belgorod. Das Dorf besitzt eine Sekundarschule, die Mitte Februar 2025 einen „Heldenschreibtisch" für den ehemaligen Schüler Jurij Iwanowitsch Klischin (07.11.1974 - 17.06.2024) einweihte. Jene Heldenschreibtische stellen eine landesweite Aktion der Partei „Einiges Russland" dar, zum Gedenken an die vielen getöteten Soldaten im Krieg gegen die Ukraine.
Wie in allen, ziemlich gleichgeschalteten Veranstaltungen werden die Kriegstoten zu Helden überhöht, den Schulkindern wird Soldatentum und das Sterben im Krieg als höchste patriotische Aufgabe vermittelt. Hier in der Schule wurde extra eine Soldatenecke mit Munitionskisten und Tarnnetzen aufgebaut.
Wir geben den Text der Schule im übersetzten Original wieder:
Wenn man mit der Transsibirischen Eisenbahn von Moskau aus nach Osten fährt, dann zweigt ein Schienenstrang in die Volksrepublik China ab. An diesem Zweig in der russischen Region Transbaikalien liegt am Streckenkilometer 6.371 die Ortschaft Mogoitui mit rund 10.000 Einwohnern. Mogoitui ist eines der burjatischen Kulturzentren der Region. Etwas südöstlich davon liegt das Dorf Tsagan-Chelutaj mit rund 1.000 Bewohnern.
Das Dorf hat zwei russische Helden vorzuweisen. Der erste war Fähnrich Andrei Wladimirowitsch Dneprovski ( 06.05.1971 - 21.03.1995), der allerdings nur zwei Jahre im Dorf lebte und im ersten Tschetschenienkrieg getötet wurde, nachdem er "sagenhafte" Heldentaten vollbracht hatte. Immerhin kam sein Foto auf eine Briefmarke (Bild links).
Der zweite Held ist allerdings eher ein Opfer - ein Opfer jener militärisch-patriotischen Erziehung vom Kindergarten an bis zur Berufsschule. Maxim Sergejewitsch Basenko ist im Dorf aufgewachsen und ging dort zur Schule. Er wurde keine 19 Jahre alt.
Wladimir Wladimirowitsch Gamota, geboren am 27. Februar 1996, Rufname „Raptor (Räuber)“, lebte in der baschkirischen Großstadt Salawat. Beruflich war er Lagerleiter, verheiratet, zwei Kinder. Er wäre der perfekte Ehemann gewesen, berichtete seine Frau der Presse:
Er konnte einfach alles: reparieren, renovieren, die Wohnung putzen, Zeit mit den Kindern verbringen, kochen. Sein Lieblingsgericht war Schaschlik. Niemand konnte ihm das Wasser reichen
Doch ein ruhiges, friedliches Leben war wohl nicht die Sache von Wladimir. Von einem Tag auf den anderen entschloss er sich, einen Militärvertrag zu unterschreiben und in den Krieg gegen die Ukraine zu ziehen.
Es kam eine traurige Nachricht. Ohne Details. Auf diesem Foto bin ich der Einzige, der noch lebt...
Sergej Astachow, St. Petersburg (Link)
Dorf Tayturka
Die Arbeitersiedlung Tayturka liegt an der Transsibirischen Eisenbahn, 75 km vor der Regionalhauptstadt Irkutsk. Die Siedlung hat rund 5.000 Bewohner und liegt nahe an zwei großen Militärstützpunkten.
Auch in dieser Siedlung wird heftig um Freiwillige für den Krieg in der Ukraine geworben. Der Text der Anzeige in den Siedlungsnachrichten verspricht:
Wie die Realität dann aussieht, zeigt das Schicksal der Brüder Losew aus der Siedlung, die sich freiwillig gemeldet hatten.

Ruslan Anatoljewitsch Baranowski war 56 Jahre alt, als er im Krieg gegen die Ukraine getötet wurde. Er stammte aus Nowouralsk, einer geschlossenen Stadt, in der Atomwaffen fähiges Uran angereichert wird. Ruslan war auch kein friedlicher Bürger. Er schloss sich im Oktober 2022 der Söldnergruppe Wagner an, überlebte den „Fleischwolf“ bei der Stadt Bachmut und machte nach Auflösung der Gruppe Wagner gleich mit dem Töten weiter - diesmal für die russische Armee. Am 31.07.25 war damit Schluss.

Nachdem die Aufmerksamkeit zu unseren Veröffentlichungen wächst, eine kurze Information zu OskarMaria.
Unter diesem Pseudonym war der Initiator im Internet seit über 25 Jahren recht unregelmäßig präsent. Ab dem Jahr 2014 hat er hier über die Situation in den von Russland besetzten Gebieten des Donbass geschrieben. Als einer der ersten Journalisten überhaupt informierte er über die damals neu gegründete Gruppe Wagner.
Beruflich war er seit den 80-iger Jahren Geschäftsführer von diversen Medienunternehmen im Printbereich. Jetzt im Ruhestand, Kinder erwachsen, bleibt etwas mehr Zeit, die gesammelten Erfahrungen zusammen mit wenigen Mitstreitern für dieses Projekt zu nutzen.
Nachtrag: OskarMaria– das ist eine kleine Verbeugung vor dem beinahe vergessenen Schriftsteller Oskar Maria Graf. In Zeiten der Bücherverbrennungen wurden seine Werke von den Nazis verschont, ja sogar teilweise empfohlen. „Verbrennt mich!“ schrieb er 1933 in der Wiener Arbeiterzeitung, „nach meinem ganzen Leben und nach meinem ganzen Schreiben habe ich das Recht, zu verlangen, dass meine Bücher der reinen Flamme des Scheiterhaufens überantwortet werden und nicht in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbanden gelangen!“ Schließlich floh er in die USA – dort lebte er in bescheidenen Verhältnissen. Deutschland wollte den unbequemen Mann nach dem Krieg nicht wieder haben. Er starb 1967 in New York.
Literaturempfehlung: Wir sind Gefangene - Autobiograhie 1927.
Seit dem Jahr 2022 wurden in Usbekistan 338 Strafverfahren gegen eigene Bürger eingeleitet wegen Beteiligung an bewaffneten Konflikten im Ausland. Fast alle dürften auf Seiten Russlands im Krieg gegen die Ukraine gekämpft haben.
Laut usbekischer Darstellung wurde die überwiegende Mehrheit der Beteiligten durch Täuschung in den militärischen Konflikt hineingezogen oder nach Kontakt mit kriminellen Organisationen in Kampfgebiete geschickt. In seltenen Fällen erfolgte die Teilnahme aus finanziellen Gründen.
Eine unserer Informationsquellen aus Baschkortostan ist seit Beginn des Krieges der Telegram-Kanal „Aspekte Baschkortostan“. Er lieferte Einblicke in die bevölkerungsreichste russische Teilrepublik und veröffentlichte auch Namen der im Krieg gegen die Ukraine gefallenen Soldaten. Um nicht unter Zensurmaßnamen zu fallen, beschränkte sich der Kanal ausschließlich auf die Berichterstattung aus der Region und verzichtete auf Kommentierungen und Wertungen.
Das hat alles nichts geholfen. Am 21. November 25 wurde auch Aspekte als „ausländischer Agent“ eingestuft. Das russische Justizministerium schreibt in seiner Erklärung:
„Die Publikation verbreitete Falschinformationen über Entscheidungen und Maßnahmen russischer Regierungsstellen und lehnte die Militäroperation in der Ukraine ab. Sie war an der Erstellung und Verbreitung von Botschaften und Materialien ausländischer Agenten an die Öffentlichkeit beteiligt.“
Die Publikation „Aspekte – Baschkortostan“ wurde vom Team von Echo Moskwy in Ufa kurz nach der Schließung ihres Radiosenders im Frühjahr 2022 ins Leben gerufen. Die erste Sendung wurde am Morgen des 1. April 2022 auf dem YouTube-Kanal des Projekts ausgestrahlt. Seitdem konzentriert sich „Aspekte“ auf regionale Nachrichten.
Jetzt prangt über jedem Beitrag von Aspekte der großgeschriebene Satz: „18+ DAS VORLIEGENDE MATERIAL (INFORMATIONEN) WURDE VON EINEM AUSLÄNDISCHEN AGENTEN DER INTERNETPUBLIKATION „ASPEKTE VON BASCHKORTOSTAN” VERÖFFENTLICHT ODER BEZIEHT SICH AUF DIE TÄTIGKEIT EINES AUSLÄNDISCHEN AGENTEN DER INTERNETPUBLIKATION „ASPEKTE VON BASCHKORTOSTAN”.
Zwei Journalisten des Projekts, Ruslan Walijew und Jewgeni Konoplin, haben Russland inzwischen verlassen und leben in Deutschland.
Wladimir Wachidowitsch Otschkassow, geboren am 17.10.1998, lebte in der Stadt Kursk und war ein junger Idiot. Ohne große Suche wurden wir in zwei Strafverfahren fündig. Am 21.09.21 wurde er wegen öffentlichen Randalierens unter Alkohol zu einer Ordnungsstrafe verurteilt. Und am 10.01.23 bekam er eine Haftstrafe in einer Anstalt des strengen Regimes wegen Diebstahls eines Smartphones. Die Dauer wurde allerdings nicht veröffentlicht. Auch Wladimir wollte lieber sein Leben riskieren, als im Knast zu sitzen. Am 24.01.2025 suchte sein Bruder öffentlich nach ihm. Da war er schon tot, gefallen am 29.12.2024.
Im KI-generierten Video durfte er sich dann ordentlich von seiner Familie verabschieden.
Angesichts der hohen Verlustzahlen des russischen Militärs müssen alle Regionen zusammen ständig neue Zeitsoldaten anwerben. Wir hatten vor vor knapp einem Jahr geschrieben, dass Russland jeden Monat etwa 30.000 neue Soldaten für den Krieg in der Ukraine rekrutiert. Daran hat sich nichts geändert. Janis Kluge von der Stiftung Wissenschaft und Politik hat aktuell die Daten aus dem russischen Haushalt zur Personalbeschaffung ausgewertet. Danach akquiriert das Land auch im Jahr 2025 durchschnittlich etwa 30.000 Zeitsoldaten, um die Reihen der Armee wieder aufzufüllen (Diagramm).
Auch die russischen Militärausgaben sind weiter angestiegen. Janis Kluge schreibt: „Im 3. Quartal stiegen sie im Vergleich zum 2. Quartal um über 3,6 Billionen Rubel. Im Jahr 2024 betrugen die Militärausgaben im 3. Quartal nur 2,6 Billionen Rubel, was bedeutet, dass die Ausgaben – nominal – in diesem Jahr 38 % höher waren als im Vorjahr.“
Den gesamten Beitrag in englischer Sprache gibt es hier.
Ende April 2023 fand eine Gerichtsverhandlung im Dorf Debjesi in Urtmurtien statt. Angeklagt war Sergej Wladimirowitsch Golubkow, der bereits mehrfach wegen kleinerer Diebstähle zu Gefängnisstrafen verurteilt worden war. Diesmahl ging es wieder um einen Diebstahl. Sergej war in den Keller eines Mehrfamilienhauses eingedrungen, hatte das Türschloss aus der Halterung gerissen und einen Sack Saatkartoffeln geklaut - mit einem Gewicht von 38,55 kg und im Wert von etwa zehn €. Danach ging er mit einem Kumpel nach Hause, stellte den Kartoffelsack neben seinen Wohnzimmersessel und ging ins Bett. Essen konnte er die Kartoffeln nicht, denn am nächsten Tag beschlagnahmte die Polizei die Sore.
Sergej bekam am Ende der Verhandlung glatte zwei Jahre Haft verordnet, abzusitzen in einer Strafkolonie mit strengem Regime. Auch Sergej tauschte die Kolonie gegen den Kriegsdienst ein. In der Kreiszeitung „Neuer Weg“ vom 15.08.2025 wurde sein Tod gemeldet.
In der Oblast Uljanowsk wird für die Dauer des Krieges gegen die Ukraine das mobile Internet stark eingeschränkt. Dies beträfe in erster Linie Gebiete mit sensiblen Wirtschafts-, Regierungs- und Militäreinrichtungen. Dazu gibt es eine weiße Liste mit Webseiten und Funktionen, die nicht gesperrt würden, wie zum Beispiel der Regierungsdienstleister Gosuslugi, die russische Technologieplattform Yandex, die sozialen Netzwerke Vkontakte und Odnoklassniki, die Online-Marktplätze Ozon und Wildberries sowie das Zahlungssystem Mir. Doch es häufen sich Klagen, dass auch diese Dienste häufig nicht aufzurufen wären. Der Staat empfiehlt besser über lokale WLAN-Zugänge das Internet zu nutzen, da diese nicht eingeschränkt wären.
Inzwischen wird in vielen russischen Regionen das mobile Internet regelmäßig temporär abgeschaltet, wenn ukrainische Drohnen über Russlands Himmel auftauchen. Es wird befürchtet, dass die Drohnen auch über das russische mobile Internet Daten senden und empfangen könnten.
Das Dorf Werchnewiljuisk mit rund 6.500 Einwohnern liegt in der russischen Teilrepublik Sacha (Jakutien). Im Dorf gibt es ein Waisenhaus, einige jugendliche Bewohner hatten die Rockband „Chatan"gegründet. Die Brüder Wladimir und Wassili Klimowski, Andrej Kirillin, Aichal Fedotow und Konstantin Oppojew waren so gut, dass sie im Jahr 2017 das Waisenhaus bei einem bundesweiten Fernsehwettbewerb "Du bist super!" vertreten durften.
Die Karriere von Aichal Fedotow (Foto) hat acht Jahre später der Krieg gegen die Ukraine beendet. Der jakutische Telegram-Kanal "Die Toten aus Sacha" meldete seinen Tod.
Russische Soldaten rennen einen Feldweg entlang. Auf einer Strecke von etwa 200 Meter liegen links und rechts verteilt die Körper von getöteten Kameraden. Manche Soldaten versuchten im Gebüsch Schutz vor den Drohnen zu finden - meist erfolglos. Wir haben auf der kurzen Strecke etwa 25 Leichen gezählt.
Das ist das Produkt der aktuellen Taktik der russischen Armee mit kleinen Gruppen oder einzelnen Soldaten vorzurücken, um die ukrainische Verteidigung zu infiltrieren.
Man hofft, dass sich Soldaten hinter den ukrainischen Linien sammeln und den Nachschub für die ukrainischen Stellungen unterbrechen können. Hohe Verluste werden dabei billigend in Kauf genommen. Die getöteten Soldaten sind schwer zu bergen, zudem agieren die Kommandanten gerne mit dem Begriff vermisst, um die wahren Verluste zu verschleiern.
Das Video dokumentiert wieder einmal die grausame Realität dieses russischen Angriffskrieges. Das menschliche Leben gilt nichts. Für Kinder und Jugendliche ist das Video ungeeignet - Link.
Das Lewada-Zentrum in Moskau hat am 21.10.25 eine neue Umfrage veröffentlicht. Es ging um die materielle und finanzielle Unterstützung der Soldaten an der Front und um Hilfe für die vom Krieg betroffenen russischen Regionen durch die russischen Bürger. Das Lewada-Zentrum fasst das Ergebnis so zusammen:
Im vergangenen Jahr sammelten vier von zehn Befragten Geld und Hilfsgüter für Teilnehmer an der Spezialoperation. Jeder Vierte half Bewohnern von Grenzregionen, die von Militäraktionen betroffen waren. Diese Zahlen sind im Vergleich zum Vorjahr nahezu unverändert. Fast die Hälfte der Befragten ist bereit, 1.000 bis 2.000 Rubel pro Monat zu spenden, um die Armee zu unterstützen und die Gehälter der an Spezialoperationen teilnehmenden Soldaten zu erhöhen. Dieser Anteil ist in den zweieinhalb Jahren seit der letzten Umfrage unverändert geblieben.
Am 30. August wurde in der Großstadt Miass in der Oblast Tscheljabinsk der 20-jährige Danil Jurjewitsch Trubejew beigesetzt. Wann und wo Danil im Krieg gegen die Ukraine gefallen ist, wurde nicht mitgeteilt. Doch das Schicksal von Danil hat eine Vorgeschichte.
Bereits im Herbst 2024 war der damals neunzehn Jahre alte Danil in unkrainische Kriegsgefangenschaft geraten. Ukrainische Soldaten gruben vier russische Kämpfer aus dem Schutt eines eingestürzten Hauses aus, darunter auch Danil. In einer Befragung beklagte sich die ganze Gruppe, dass ihre Kommandeure sie bewusst im Stich gelassen hätten, indem sie sie mit einem Sturmgewehr gegen einen Panzer geschickt hätten (Video)
Bei einem Gefangenenaustausch wurde Danil dann im April 2025 gegen ukrainische Kriegsgefangene ausgetauscht. Da durch die Gefangenschaft nach russischem (und auch ukrainischem) Recht der Vertrag mit dem russischen Militär nicht beendet wird, musste auch Danil wieder zurück in den Krieg. Er hat den zweiten Einsatz an der Front nicht überlebt.
Auch die Oblast Samara kürzt die Antrittsprämie für Freiwillige drastisch. Ab dem 1. Januar 2025 hatte die Region 3,6 Millionen Rubel für jeden Freiwilligen ausgelobt, dazu kamen noch einmal 400.000 Rubel aus Moskau (insgesamt ca. 40.000 €). Ende Februar 25 wurde dann die regionale Präme auf 2,1 Millionen gesenkt.
Jetzt gibt es nur noch 400.000 Rubel in Samara plus jene 400.000 von der Zentralregierung, also in der Summe umgerechnet etwa 8.000 €. Über die Gründe gibt es viele unterschiedliche Meinungen, die wir am Beispiel von Tatarstan aufgelistet haben.
Die Antrittsprämien bei Unterzeichnung eines Vertrags zum Kriegsdienst schrumpfen in einigen Regionen stark. Für jede Unterschrift zahlt Moskau konstant 400.000 Rubel (ca. 4.000 €), dazu gab es in der Vergangenheit zusätzliche Prämien aus den Regionen umd manchmal auch aus den Bezirken.
Die Republik Tatarstan hatte im September 2025 noch 3,1 Millionen Rubel für eine Unterschrift ausgelobt - 2,7 Millionen kamen aus Tatarstan, 400.000 Rubel aus Moskau. Ohne öffentliche Ankündigung wurden die Zahlungen auf insgesamt 800.000 Rubel (ca. 8.000 €) gekürzt - 400.000 Tatarstan, 400.000 Moskau.
Auch die Republik Baschkortostan hat gekürzt - statt 1,7 Millionen Rubel gibt es jetzt nur noch 1,4 Millionen Rubel für eine Unterschrift. Aus den Regionen Belgorod, Mari El, Nischni Nowgorod, Samara und Tschuwaschien werden ähnliche Kürzungen berichtet.
In den Medien gibt es unterschiedliche Erklärungen für diesen Trend:
Was immer von diesen Gründen richtig sein mag - gleichzeitig bietet die Region Tjumen ab dem 7. Oktober drei Millionen Rubel gegenüber 1,5 Millionen zuvor.