30.09.2026 -- 241.171// Zuwachs zum 31.08.2026: 11.032

Sergej Wjatscheslawowitsch, 21 Jahre
Für all die vielen russischen Kriegstoten ist ein 74jähriger Mann im Kreml direkt verantwortlich, der ohne Not einen Krieg gegen einen Nachbarstaat Russlands angezettelt hat. Jedes einzelne im Krieg verlorene Leben ist schlimm genug, manche Soldateneltern bekommen dazu noch eine extra Portion Leid: Sergej Wjatscheslawowitsch Kamysch wurde am 29. August 2005 in der burjatischen Stadt Gussinoosjorsk geboren. Nach der Schule absolvierte er eine Berufsausbildung und danach kam der Wehrdienst. Die jungen Leute werden häufig während ihres Pflichtjahres bedrängt, einen Zeitvertrag mit dem Militär abzuschließen. Auch Sergej konnte dem Druck nicht widerstehen, im September 2025 ging es an die Front. Im April 2026 wurde er schwer verwundet und ins Krankenhaus eingeliefert. Nach einem langen Kampf um sein Leben, ohne jemals wieder das Bewusstsein zu erlangen, starb Sergej am 14. September 2026.

Danila Aleksejewitsch, 19 Jahre
Danila veröffentlichte dieses Foto am 2. September 2026 in seinem VKontakte-Status. Seine Mutter Nina schickte ihm als Antwort zwei große rote Herzchen. Sie war so stolz auf ihren Filius. Acht Tage später war Danila tot. Danila Aleksejewitsch Nowikow (13.08.2007 - 10.09.2026) wuchs im Dorf Iljinsko-Podomskoje im Süden der Region Archangelsk auf. Eine Berufsausbildung hat er wahrscheinlich nach der Schule nicht ergriffen, dafür meldete er sich ohne militärische Vorkenntnisse im Mai 2026 freiwillig zum Kriegsdienst in der Ukraine. Seine Mutter hat versagt, ihn in dieser Entscheidung unterstützt, statt ihn aufzuhalten. Dafür spendet seine ehemalige Schule noch dumme Worte zu seinem Tod: „Er erwies sich als wahrer russischer Patriot, bereit, sein Leben für die Sicherheit unseres Landes und die friedliche Zukunft seiner Landsleute zu opfern.“
Roman Romanowitsch Konyschew (01.10.2005 – 21.08.2026) lebte in der Stadt Dalnegorsk am östlichen Ende Russlands. In der Stadt wird Blei, Zink & Bor in Bergwerken abgebaut, die Stadt gehört zu den verschmutztesten Orten der Erde. Junge Leute wollen da möglichst schnell weg. Doch an der Front ist die Luft auch blei- und dynamithaltig, Roman, mit der Anmutung eines Kindersoldaten, traf die falsche Wahl.

Alexander Afanassjewitsch, 20 Jahre
Telegram-Kanal „Die Toten aus Sacha (Jakutien)“ vom 22.09.26

Tamerlan Irekowitsch, 20 Jahre
Russlands Präsident hat seine eigene Jugendbewegung, die „Bewegung des Ersten“. Die Organisation hat in Russland etwa fünf Millionen Mitglieder, die Leitung wird von Wladimir Putin persönlich besetzt. Und was vollbringt jene Bewegung? Sie organisiert „patriotische“ Veranstaltungen. Tamerlan war Leiter der Bewegung an seiner Berufsschule, stellvertretender Vorsitzender in seiner Stadt und Mitglied des Rates seiner Region. Als so indoktrinierter „Patriot“ meldete er sich nach der Berufsschule freiwillig in den Krieg und wurde einen Monat nach seinem 20. Geburtstag getötet. Tamerlan Irekowitsch Kuwatow (27.07.2006 - 25.08.2026) wuchs in der Großstadt Orsk in der Region Orenburg auf. In Abwandlung einer Zeile von Bob Dylan „Don't follow leaders, watch the parking meters“ würde man gerne Tamerlan zurufen „Folge keiner Elite, riech lieber an der Margerite" - zu spät.

Nikita Iwanowitsch, 18 Jahre
„Herr, warum haben sie ihn sterben lassen? Warum haben sie ihn nicht davon abgehalten? Warum haben sie ihn nicht zurückgehalten?
Er ist doch noch ein Kind.
Herr, welch ein schreckliches Leben. Möge der Herr ihre Seelen erretten.
Und auch unsere, denn Kinder sterben zu sehen, ist entsetzlich“, schrieb Onisja am 6.08.26 zu obigem Foto. Nikita Iwanowitsch Alymow kam aus der Oblast Nowosibirsk.

Alexander Jurjewitsch, 23 Jahre
Valentina hat ihren Sohn im Krieg gegen die Ukraine verloren. In ihrem VKontake-Status schreibt sie: „Unser Sohn Sascha ist verstorben. Er war stets ein fröhlicher und gütiger Mensch. Er versuchte, ein rechtschaffenes Leben zu führen und anderen zu helfen. Er hatte Pläne, war jung und wollte natürlich unbedingt leben. Doch er starb im Einsatzgebiet der Spezialoperation, wo er seine Pflicht bis zum Ende erfüllte.“ Doch die Adjektive fröhlich, gütig, rechtschaffend, helfend und lebensbejahend passen schwer zu einem jungen Mann, der freiwillig in den Krieg zog, um die Bewohner eines anderen Landes zu töten. Alexander Jurjewitsch Drigunow (15. August 2002 – 9. August 2026) kam aus Ulan-Ude und studierte in Moskau öffentliche Verwaltung - wahrscheinlich ohne Abschluss.

Alexander Wiktorowitsch, 20 Jahre
„Während er sich im Einsatzgebiet befand, schickte mein Sohn Fotos und Videos. Alles geschah so plötzlich und unerwartet“, sagt Mutter Inna und meint damit den Tod ihres Sohnes Alexander. Nur - der Tod ist im Krieg kein unerwartetes Ereignis, sondern die logische Konsequenz. Alexander Wiktorowitsch Tschimitow, geboren am 16. Juni 2006, wuchs in der Siedlung Ust-Ordynski in der Oblast Irkutsk auf. Nach der Schule studierte er an einer Fachschule Hydrologie. Im April 2026 schmiss er die Ausbildung und meldete sich freiwillig zum Krieg in der Ukraine. Von seinem Einsatz schickte er noch voller Stolz ein Video an seine Mitschüler. Am 20.08.26 war auch sein junges Leben beendet.

Sergej Nikolajewitsch, 18 Jahre
„Es gibt keine Situationen ohne Ausweg. Es gibt Situationen, deren Ergebnis einem nicht gefällt“, war das Motto von Sergej laut seinem VKontakte-Status. Leider falsch - Sergej hatte sich freiwillig zum Krieg gemeldet und landete in einer ausweglosen Situation. Zudem dürfte das Ergebnis ihm auch nicht gefallen haben, denn Sergej wurde an der Front getötet. Sergej Nikolajewitsch Akschumow, geboren am 14. Dezember 2007, wuchs in der Stadt Nischni Nowgorod auf. Am 4.09.26 wurde er begraben. Und auch Swetlana, die die Beisetzung öffentlich machte, irrt, wenn sie schreibt: „...verabschieden Sie sich von dem Mann, der im Alter von 18 Jahren für Ihre Sicherheit starb.“ Sergej wurde getötet, weil er ein fremdes Land mit erobern wollte.

Alexej Sergejewitsch, 18 Jahre
Schnelle Autos und junge Frauen, junge Frauen vor schnellen Autos, darüber ein vermummter Soldat, das ist in etwa die Zusammenfassung seines VKontakte-Status. Alles nur ein Jungmännertraum. Alexej Sergejewitsch Schabajew, geboren am 2. Dezember 2007, wuchs in der Stadt Belowo in der Oblast Kemerowo auf. Als er 18 Jahre alt wurde, wollte er schnell viel Geld verdienen, um seine Träume wahr werden zu lassen und meldete sich freiwillig zum Kriegsdienst. Nur 109 Tage lang war er 18, am 20.03.2026 war er tot.
Vitali Sergejewitsch, 18 Jahre
Der junge Mann im Film heißt Vitali Sergejewitsch Smyschljajew, geboren am 29.10.2007. Er wuchs in einem Waisenhaus in Kaliningrad auf. Im Spätsommer 2024 hatte seine Psychologin einen Betreuer für Vitaly gefunden - Motto: Lebe im Jetzt, blicke in die Zukunft. Von den Begegnungen der beiden handelt das kurze Video. Nach der Schule absolvierte Vitaly eine Ausbildung zum Schiffsbauer - und dann? Mit 18 Jahren müssen die jungen Leute das Waisenhaus verlassen und eigentlich, sollte der Staat ihnen eine Wohnung zur Verfügung stellen, was meist nicht passiert. Diese Waisen sind das bevorzugte Ziel der russischen Kriegsanwerber: „Melde dich freiwillig zum Militär, da verdienst du viel Geld und wenn du nach einem Jahr zurück kommst, garantieren wir dir eine Wohnung, Arbeit und alles andere.“ Der Betreuer, der ihm jene Zukunft bringen sollte, hat ihm den Tod vermittelt. Seinen 19. Geburtstag erreichte Vitaly nicht mehr, er wurde am 15.08.26 getötet.

Anton Iwanowitsch, 21 Jahre
„Möge Anton in Frieden ruhen und mögen seine Eltern die Kraft finden, diesen Schmerz zu ertragen. Ihr habt einen wundervollen Mann großgezogen“, schrieb Tatjana unter den Nachruf von Anron. Leider war Anton alles andere als ein wundervoller Mensch. Am 5. Juli 2025 war er ohne Führerschein mit dem Auto unterwegs und hatte dabei einen Menschen zu Tode gefahren. Laut Gesetz kann die Strafe fünf bis zwölf Jahre betragen. Dem Prozess hat er sich entzogen, indem er einen Vertrag zum Kriegsdienst mit dem russischen Militär abschloss. Anton Iwanowitsch Belogolowzew wurde im Jahr 2005 geboren und lebte im aussterbenden Dorf Bobylewka in der Oblast Saratow. Schlimm genug einen Menschen durch Leichtsinn getötet zu haben. Doch den jungen Mann dafür in den Tod zu schicken, ist eine staatlich gewollte sadistische Grausamkeit.

Wladimir Jurjewitsch, 19 Jahre
Wowa wuchs im kleinen Dorf Oschkukow im Südosten der Oblast Swerlowsk auf. Auf dem Foto ist er elf Jahre alt und hatte ziemlich genau noch acht Jahre zu leben. Damals wollte er ein starker Mann werden mit schnellen Autos. Vielleicht zog er deshalb in den Krieg, um das zu erreichen. Das Ziel hat er verfehlt. Es dauerte über ein Jahr bis Wladimir Jurjewitsch Sidorow (26.05.2005 - 03.04.2025) in seinem Dorf beigesetzt wurde.

Daniil Vitaljewitsch, 18 Jahre
Daniil konnte es kaum erwarten, 18 Jahre alt zu werden. Kurz nach seinem Geburtstag schmiss er die Berufsausbildung und meldete sich freiwillig zum Krieg in der Ukraine. Drohnenpilot, wie cool. Oder besser, wie dumm. Nach seiner dreimonatigen Drohnenausbildung war dann auch gleich Schluss - für immer. Daniil Vitaljewitsch Rymar (Рымарь Даниил Витальевич) wurde am 26.12.2007 im Dorf Zakladnoje in der Region Altai geboren. Der Dorfname heißt sinnigerweise Hypothek. Im Januar 2026 meldete Daniil sich freiwillig, am 10.05.26 war er tot.

Kirill Pawlowitsch, 18 Jahre
„Drohnenpilot - wie cool, fast wie ein Computerspiel, nur in echt! Und dazu das viele Geld, das man verdienen kann!“ Knapp vier Wochen nach seinem 18. Geburtstag, am 25.05.26, unterschrieb Kirill einen Vertrag mit dem Militär. Er wurde als Drohnenpilot ausgebildet und an die Front geschickt, wo er bereits am 7. August getötet wurde. „Er war ein freundlicher, fleißiger, aktiver, hilfsbereiter und fröhlicher Junge, der stets zur Stelle war, wenn man ihn brauchte. Er begeisterte sich für Autos und Motorräder und bastelte gerne mit Holz.“ schreibt der Nachruf. Kaum zu glauben. Kirill Pawlowitsch Zelenin (30.04.2008 - 07.08.2026) wuchs im Dorf Kuschtomak in der Region Perm auf.

Alexander Nikolajewitsch, 20 Jahre
Im Südosten der russischen Teilrepublik Mari El liegt das Dorf Bolschoj Koschlajal. Im Jahr 2004 zählte das Dorf 45 Häuser (37 aus Holz und 8 aus Stein) und 128 Einwohner. Bis 2022 schrumpfte die Einwohnerzahl auf etwas über 70. Alle Haushalte besitzen Grundstücke von bis zu einem Hektar Größe und bauen Kartoffeln und Gemüse an. Die Bewohner nutzen Brunnenwasser. Die Straßen im Dorf sind unbefestigt. Es gibt keine Kanalisation. Alexander Nikolajewitsch Jegorow wurde am 21.03.2006 in diesem Dorf geboren und versuchte sich nach der Schule an einer Berufsschule im Bezirksdorf Morki. Vermutlich hat auch er die Berufsausbildung abgebrochen, um als Drohnenpilot in der Ukraine richtige Menschen zu töten und dabei reichlich Geld zu verdienen. Im Jahr 2026 meldete er sich, solch eine Drohnenausbildung dauert etwa drei Monate, bereits am 4. Juni 2026 wurde Alexander laut russischer Diktion zum Helden oder einfach nur getötet.

Pawel Sergejewitsch, 18 Jahre
Pawel Sergejewitsch Martschenko wurde am 3. Oktober 2007 in der Stadt Slanzy geboren. Der Name der Stadt bedeutet Schiefer und Ölschiefer ist noch immer der Hauptwirtschaftszweig der Stadt mit 33.000 Bewohnern. Pawel absolvierte die Schule, danach kam keine Berufsausbildung. Er hätte in verschiedenen Betrieben der Stadt gearbeitet, schreibt der Nachruf. Was bedeutet, er hatte keine feste Anstellung und arbeitete mal hier und dort - wenn überhaupt. Da lockte das viele Geld als Freiwilliger im Kriegsdienst. Im November 2025 unterschrieb er den Vertrag, am 7. August 2026 wurde er getötet. Den 19. Geburtstag hat er nicht mehr geschafft. Der wohlwollende Nachruf fabuliert: „Seine Angehörigen erinnern sich an ihn als einen mitfühlenden und gütigen Mann, der stets hilfsbereit war, sein Land von ganzem Herzen liebte und stolz darauf war, dem Vaterland zu dienen.“

Vitaly Aleksejewitsch, 18 Jahre
„Im zarten Alter von 18 Jahren verteidigte er sein Vaterland. Sein Leben war kurz, doch Vitaly lebte es ehrenvoll und gab ein Beispiel für unerschütterlichen Mut, Standhaftigkeit und selbstlose Hingabe an das Vaterland“, texte ein Nachrufschreiber. Vitaly wollte Elektrmonteur werden, brach seine Ausbildung ab und wollte stattdessen sich beim Töten beweisen. Er verteidigte kein Heimatland und war eher ein Beispiel für grenzenlose Selbstüberschätzung. Vitaly Aleksejewitsch Paschentsew wurde am 09.10.2007 in der Stadt Nowodwinsk in der Oblast Archangelsk geboren. Im Februar 2026 hätte sein Herz aufgehört zu schlagen.

Ilja Sergejewitsch, 18 Jahre
„Der 16-jährige Ilja Sergejewitsch Wysotin verschwand am 5. August 2024 in Usolje-Sibirskoje. Er verließ sein Zuhause, und sein Aufenthaltsort ist derzeit unbekannt. Er könnte sich überall in der Region Irkutsk aufhalten. Beschreibung: 168 cm groß, von durchschnittlicher Statur, hellbraunes Haar und grüne Augen. Er trug schwarze Shorts der Marke Forward mit russischen Symbolen, ein graues Langarm-Sweatshirt und blaue Turnschuhe“, meldeten im August 2024 lokale Medien der Stadt Ussolje-Sibirskoje. Zwei Jahre später ist er wieder verschwunden - endgültig. Meldungen zu seinem Tod im Krieg gegen die Ukraine haben diesmal nicht gefunden. Die Initiative „Menschen vom Baikal“ haben die Plakette auf seinem Grab fotografiert. Ilja Sergejewitsch Wysotin (30.09.2007 - 26.05.2026) wuchs in der Stadt Ussolje-Sibirskoje in der Oblast Irkutsk auf.

Kirill Alexejewitsch, 19 Jahre
Als ihr Sohn den Wehrdienst im Mai 2025 antrat, war Mama stolz. „Du bist in den Dienst deines Vaterlandes gegangen, mein Schatz! Wir sind stolz auf dich“, schrieb Maria in ihren VKontakte-Status. Und sie blieb auch stolz, als Sohnemann im Oktober 2025 einer Kampfeinheit zugeteilt wurde. Er hatte sich wohl freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet. Für Sohn Kirill ging der Krieg schnell zu Ende, am 21. Juli 26 wurde er getötet. „Der Schmerz einer Mutter lässt sich nicht lindern... Ich verneige mich vor dir, mein Lieber, weil du uns alle beschützt hast“, schrieb Mama Maria dann zur Todesanzeige. Doppelt falsch, Kirill hat niemanden beschützt, er hat Krieg in einem fremden Land geführt. Und es wäre Aufgabe einer liebenden Mutter gewesen, ihren Sohn zu beschützen, ihn vom Kriegsdienst abzuhalten und nicht seinen Entschluss zu fördern. Kirill Alexejewitsch Below kam aus Nischni Nowgorod.

In der Frauenklinik Nr. 22 in St. Petersburg gab es Druck auf die Angestellten einen Militärvertrag zu unterschreiben. Der Chefarzt kam der Aufforderung des örtlichen Militäramtes nach, unbedingt Personal für die Front abzustellen. Die Ärztin Xenia Andrejewna Kisielewa, geboren am 14. Mai 1990, brauchte wohl das Geld und meldete sich „freiwillig“. Nur - wozu braucht man eine Gynäkologin an der Front? Am 19. September endete auch Xenias Beitrag zum Krieg.

Nachdem die Aufmerksamkeit zu unseren Veröffentlichungen wächst, eine kurze Information zu OskarMaria.
Unter diesem Pseudonym war der Initiator im Internet seit über 25 Jahren recht unregelmäßig präsent. Ab dem Jahr 2014 hat er hier über die Situation in den von Russland besetzten Gebieten des Donbass geschrieben. Als einer der ersten Journalisten überhaupt informierte er über die damals neu gegründete Gruppe Wagner.
Beruflich war er seit den 80-iger Jahren Geschäftsführer von diversen Medienunternehmen im Printbereich. Jetzt im Ruhestand, Kinder erwachsen, bleibt etwas mehr Zeit, die gesammelten Erfahrungen zusammen mit wenigen Mitstreitern für dieses Projekt zu nutzen.
Nachtrag: OskarMaria– das ist eine kleine Verbeugung vor dem beinahe vergessenen Schriftsteller Oskar Maria Graf. In Zeiten der Bücherverbrennungen wurden seine Werke von den Nazis verschont, ja sogar teilweise empfohlen. „Verbrennt mich!“ schrieb er 1933 in der Wiener Arbeiterzeitung, „nach meinem ganzen Leben und nach meinem ganzen Schreiben habe ich das Recht, zu verlangen, dass meine Bücher der reinen Flamme des Scheiterhaufens überantwortet werden und nicht in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbanden gelangen!“ Schließlich floh er in die USA – dort lebte er in bescheidenen Verhältnissen. Deutschland wollte den unbequemen Mann nach dem Krieg nicht wieder haben. Er starb 1967 in New York.
Literaturempfehlung: Wir sind Gefangene - Autobiograhie 1927.
Die Rekrutierung von Zeitsoldaten für den russischen Angriffskrieg ist straff organisiert. Jede Region hat eine bestimmte Quote an neuen Freiwilligen zustellen, die von der Zentralregierung festgelegt wird. Die Regionalregierungen wiederum geben diese Quoten weiter und schreiben den Bezirken und Städten vor, wie viele Freiwillige diese akquirieren müssen. Die Höhe der ausgelobten Antrittsprämie richtet sich danach, wie schwierig es für die Regionalregierungen ist, neue Zeitsoldaten zu gewinnen.
Der russische Exilpolitiker Andrej Piwowarow berichtet nun, dass ihm 61 Gerichtsurteile vorliegen, in denen Regionalbeamte bestraft wurden, weil sie die gesetzten Quoten nicht erfüllen konnten. Eines der Beispiele handelt vom stellvertretenden Verwaltungsleiter der Großstadt Newinnomyssk in der Region Stawropol. Die Stadt konnte nur 80% der Quote an Freiwilligen erfüllen, der Beamte erhielt deshalb Ende des Jahres 2025 vom zuständigen Friedensrichter eine Geldstrafe von 30.000 Rubel (etwa 300 €).
Wir haben die Liste der russischen Regionen mit den Prämien für den Abschluss von -unbefristeten- Zeitverträgen mit dem Militär aktualisiert.
Seit unserer letzten Veröffentlichung Ende Juli haben einige Regionen ihre Antrittsprämien angepasst. Wenn eine Region Probleme hatte, ihre von Moskau vorgegeben Quoten zu erreichen, wurden die Zahlungen erhöht. Im Fall dass eine Region ausreichend Zeitsoldaten stellen kann, wurden die Zahlungen reduziert. Wir haben die Veränderungen in der Liste mit einem Sternchen (*) markiert.
In der Summe sind die bezahlten Prämien weiter angestiegen. Im Juli zahlten die Regionen im Durchschnitt 2.167.000 Rubel als Prämie, Anfang September 2026 erhöhte sich der Durchschnittsbetrag auf 2.339.000 Rubel.
Neu dabei sind Sonderzahlungen, die manche Regionen für Drohnenpiloten ausloben. Die Regionen Inguschetien, Kaliningrad, Pskow und die Stadt Sewastopol auf der Krim weisen diese Extrazahlungen aus. Eine besondere Pointe setzt die Region Komi - die Zeitsoldaten erhalten extra 100.000 Rubel bei Rückkehr, wohl wissend, dass nicht viele lebend von der Front nach Hause kommen werden.
Die russischen Behörden versuchen auf allen Ebenen zu verhindern, dass Informationen über Kriegstote das Land verlassen. Seit Beginn des russischen Krieges verschicken russische Bürger aus den verschiedensten Regionen Fotos und Videoaufnahmen über neue Kriegsgräber. Und zwar nicht an Geheimdienste, sondern zu den Telegram-Kanälen, die solche Informationen sammeln. Solch offene Info-Kanäle werden natürlich auch von den Geheimdiensten aller Länder gerne besucht, auch wenn diese mit Agententätigkeit nichts zu tun haben.
Nachstehend eine Presseerklärung des Regionalgerichts Jaroslawl vom 08.09.26:
Neuigkeiten vom 8. September 2026
Ein Einwohner von Jaroslawl, der Informationen über tote Soldaten weitergegeben hatte, wurde wegen Hochverrats verurteilt.
Das Regionalgericht Jaroslawl verurteilte heute einen 48-jährigen Einwohner wegen Hochverrats (Artikel 275 des Strafgesetzbuches der Russischen Föderation).
Das Gericht stellte fest, dass der Angeklagte Nikolai Schtscherbakow ab Oktober 2024 regelmäßig den Gedenkfriedhof aufsuchte und dort heimlich die Gräber von Militärangehörigen fotografierte und filmte. Der in Jaroslawl lebende Mann übermittelte die gesammelten Informationen anschließend per Instant Messenger an Vertreter der ukrainischen Geheimdienste.
Kriminelle Aktivitäten wurden von Beamten der FSB-Direktion für die Region Jaroslawl identifiziert und gestoppt.
Mit Urteil des Gerichts wurde Shcherbakov N. des Hochverrats (Artikel 275 des Strafgesetzbuches der Russischen Föderation) für schuldig befunden und zu einer Freiheitsstrafe von 14 Jahren in einer Strafkolonie mit strengem Regime verurteilt, gefolgt von einer Freiheitsbeschränkung von 1 Jahr und 6 Monaten.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Im Herbst 2022 hat die russische Armee 300.000 Reservisten für den Krieg in der Ukraine eingezogen. Diese mobilisierten Soldaten sind jetzt viereinhalb Jahre im Dienst in einem Krieg, bei dem kein Ende in Sicht ist.
Bei vielen Meldungen über im Krieg gefallenen Soldaten können wir nicht erfahren, ob der Kriegstote ein freiwilliger Zeitsoldat, ein Mobilisierter oder ein Berufssoldat war. Trotzdem finden wir jeden Tag Meldungen, die den Status des Gefallenen nennen. Und da sind einige mobilisierte Reservisten darunter.
Deshalb stellt sich die Frage, wie viele der mobilisierten Männer noch im Kriegsgebiet vorhanden sind? Janis Kluge, von der Stiftung Wissenschaft & Politik, hat dazu eine Antwort geliefert. Anhand der Zahlungen im Bundeshaushalt für die mobilisierten Soldaten, konnte er ihre Anzahl berechnen. Von den knapp 300.000 mobilisierten Männern waren im Juli 2024 noch 246.303 vorhanden, im Juli 2025 waren noch 168.594 verblieben. Neuere Zahlen gibt es noch nicht. Setzt sich der Schwund fort, so dürften aktuell nur noch etwa 100.000 Mobilisierte im Dienst sein.
Diese Mobilisierten wurden im letzten Jahr häufig unter Druck gesetzt, in einen Zeitvertrag zu wechseln (siehe hier). Der weit größere Teil wurde getötet oder ist kriegsuntauglich, also physisch oder psychisch schwer verletzt.
„Dies ist eine sehr ernste und verantwortungsvolle Angelegenheit. Wir unternehmen gemeinsam mit Ihnen und den Bürgermeistern der Gemeinden auf allen Ebenen größte Anstrengungen, diese Aufgabe mit Würde zu bewältigen“, sprach der Gouverneur von Irkutsk, Igor Kobzew (Foto links), zu den Parlamentariern der Regionalversammlung. Er meinte damit die Erfüllung der Quote an Freiwilligen für den Kriegsdienst, die der Region Irkutsk von Moskau auferlegt wurde. Auf seinen Antrag hin wurden die Prämien von 2,1 Millionen Rubel auf 1,8 Millionen reduziert. Verurteilte und Angeklagte erhalten eine Million Rubel und neu eingeführt wurde die Zahlung von 900.000 Rubel für Ausländer und Statenlose.
Der eingebrachte Gesetzesentwurf wurde überarbeitet und in zweiter Lesung angenommen. Die Behörden gehen wohl davon aus, dass sie ihre Vorgaben hauptsächlich durch die Strafverfolgungs- und Ausländerbehörden abdecken können. Das spart Geld.
In der russischen Teilrepublik Inguschetien im Kaukasus überbringt der Ministerpräsident die Beileidsbekundigungen für die im Krieg gegen die Ukraine getöteten Inguschen persönlich. Mitte August hatte er vier Familien aufzusuchen.
Laut Wladimir Slasteinin, dem Ministerpräsidenten, nehmen insgesamt mehr als zweitausend Einwohner Inguschetiens an den Kampfhandlungen bei der russischen Armee teil. Wir haben bisher 290 Kriegstote registriert, die tatsächliche Zahl dürfte deutlich höher liegen.
Der Telegram-Kanal „Fortanga“ schreibt zu den Kriegsversehrten:
Mehrere hundert Menschen erlitten schwere Verletzungen. Allein im Jahr 2025 wurden in Inguschetien 464 Teilnehmer an den Kampfhandlungen behandelt. Die genaue Zahl der Verletzten und derjenigen, die im Laufe der Kampfhandlungen eine Behinderung erlitten, wird nicht genannt. Die Verwundeten erhalten nicht immer die ihnen zustehenden Prothesen und sind gezwungen, sich bei verschiedenen Behörden zu beschweren.
Eine Gruppe Lehrer hatten die Möglichkeit zu einer Audienz bei Wladimir Putin. Ein Mann berichtet von einem Ausflug zum Nordpol und auf Rückfrage berichtet er, zwei Eisbären gesehen zu haben. Das findet Wladimir interessant und erzählt, dass Orcas Eisbären in Stücke reißen und vertilgen würden (dafür konnte der Verfasser keine Belege finden). So wäre das Leben, meint Wladimir, der Stärkere frisst den Schwächeren, die Nahrungskette eben. Das sollen die Lehrer ruhig ihren Schülern beibringen. Und deshalb würde Russland ja auch die „Spezielle Militäroperation“ durchführen.
Jabloko ist die einzige Partei in Russland, die sich gegen den Angriffskrieg gegen die Ukraine ausspricht. Sie wurde durch Beschluss eines Moskauer Gerichts, von den kommenden Parlamentswahlen ausgeschlossen. Geklagt hatte die linksnationalistische Partei „Rodina“, die sich selbst nationalkonservativ nennt. Soviel zur allgemeinen Verwirrung.
In ihrer Klage warf Rodina der Partei Jabloko Uhrheberrechtsverletzungen vor. So hätte Jabloko ohne Genehmigung Zeilen aus dem Antikriegslied „Es soll immer Sonnenschein geben“ und die Zeile „Wenn es doch nur keinen Krieg gäbe“ aus Alexander Wolodins Theaterstück „Fünf Abende“ verwendet, sowie Umfragedaten des Lewada-Zentrums zitiert. Es gibt in der Klage weitere Vorwürfe ähnlicher Qualität.
Bliebe zum Schluss noch zu erwähnen: Der Sohn des Komponisten des Liedes „Es soll immer Sonnenschein geben“ hatte der Partei ganz offiziell die Erlaubnis zur Nutzung gegeben.
In den ersten sechs Monaten dieses Jahres hat Russland 43,5 Tonnen Gold verkauft. Aber es hat noch reichlich Reserven, Anfang Juli sollen sich noch 2.282 Tonnen Gold in den staatlichen Tresoren befunden haben. Trotzdem bedeutet dieser Verkauf den größten Rückgang der Goldreserven in den letzten 25 Jahre.
Der Goldverkauf dient in erster Linie der Deckung des russischen Haushaltsdefizits, der Staat muss immer höhere Ausgaben für den Krieg gegen die Ukraine finanzieren. Allerdings dürfte jenes verkaufte Gold meist im Land geblieben sein. In unsicheren Zeiten heben die Russen gerne ihre Rücklagen vom Konto ab und kaufen dafür Gold.
Die Kleinstadt Bad Ems liegt an der unteren Lahn und nur wenige Kilometer von der Stadt Koblenz entfernt. Bad Ems hatte seine Glanzzeit im 19. Jahrhundert. Es war die Kurstadt und Sommerresidenz von bedeutendem Adel und angesagten Künstlern. So führte zum Beispiel die Emser Depesche zum Französisch-Deutschen Krieg 1870/71.
Auch der russische Zar Alexander der II. verbrachte den Sommer gerne in Bad Ems. Dort unterzeichnete er am 30. Mai 1876 den „Emser Erlass“. Damit verbot er die Einfuhr und Veröffentlichung von Schriften in ukrainischer und belarussischer Sprache im Russischen Kaiserreich und stellte Zuwiderhandlungen unter Strafe. Eine kaiserliche Kommission hatte festgestellt, dass die Verwendung der ukrainischen Sprache staatsgefährdend wäre.
Dieses russische Überheblichkeitsdenken gegenüber den „Kleinrussen (Ukrainer)“ wirkt bis heute nach. Auf ihm basiert auch der propagandistische Überbau, mit dem der „Putinismus“ den russischen Angriffskrieg begründet.
Foto: Silin2005 -- Lizenz: Gemeinfrei -- Die Plakette wurde nach dem russischen Angriffskrieg 2022 von Unbekannten entfernt.
Wir hatten bereits über die Aussage der russischen Militätbloggerin Agnes Becker berichtet, die in ihrem Telegramkanal eine angeblich unabhängige Studie zitiert hatte. Danach würde die durchschnittliche Überlebensdauer eines Soldaten bei einem Angriff an den vordersten Positionen nur 20 - 35 Minuten betragen. Am letzten Mittwoch bestätigte der CIA-Direktor John Ratcliff diese Aussage:
„Unsere Erkenntnisse decken sich mit einigen Berichten aus offenen Quellen, die Sie möglicherweise im Zusammenhang mit der Ukraine gesehen haben: Die durchschnittliche Lebenserwartung eines russischen Rekruten, der derzeit auf dem Schlachtfeld in der Ukraine eintrifft, wird auf 20 bis 30 Minuten geschätzt.“
Durch den Einsatz von Drohnen mit KI-Unterstützung steigen jedoch die Verlustzahlen auch weit hinter der Front. Im folgenden Video sieht man solch eine Drohne, die zielgerichtet einen russischen Militärlaster ausschaltet. Vermutlich handelt es sich um die in Deutschland hergestellt HX-2 der Rüstungsfirma Helsing.
Die Kleinstadt Tschulym liegt etwa 130 km westlich der Hauptstadt Nowosibirsk. In der Stadt und im dazugehörigen Bezirk leben rund 20.000 Menschen - Tendenz rückläufig. Die Gegend ist landwirtschaftlich geprägt, etwa ein Drittel aller Erwerbstätigen arbeiten in diesem Bereich.
Ein Denkmal erinnert an die Toten aus den sowjetischen und russischen Kriegen. Im Krieg in Afghanistan sind zwei Soldaten aus dem Bezirk getötet worden, in den Tschetschenienkriegen wurden acht Männer getötet und im aktuellen Krieg gegen die Ukraine wurden bisher 113 Namen eingraviert.
Setzt man jene 113 Kriegtoten ins Verhältnis zur Bevölkerung, so würde jene Region an zweiter Stelle aller russischen Regionen in unserer entsprechenden Tabelle stehen.
Peter Frankopan ist Professor für Weltgeschichte an der Universität Oxford. In einem Essey über Wladimir Putin zitiert er den exilrussischen Telegram-Kanal „Astra“. Astra selbst zitiert in einem Beitrag eine/n Z-Blogger/in „Agna Becker“ der/die den Telegram-Kanal „Haus unter Lorbeeren“ betreibt. Agna Becker wiederum zitiert „unabhängige Studien von 'N' “ und damit kommen wir zur eigentlichen Nachricht.
Nach dieser Studie würde die durchschnittliche Überlebensdauer eines Soldaten bei einem Angriff an den vordersten Positionen nur 20 - 35 Minuten betragen. Laut der selben Studie betrage die „durchschnittliche Lebenserwartung“ eines Soldaten von der Zeit seiner Ankunft auf dem Übungsplatz bis zu seiner Abreise in den Kampfgebiet von zehn Tagen bis zu drei Wochen.
Ganz unrealistisch sind diese Aussagen nicht, wie unsere vielen Beispiele über Kurzzeitsoldaten zeigen. Wir haben Agna Becker angeschrieben und um einen Link auf die Originalveröffentlichung gebeten. Eine Antwort ist nicht zu erwarten.
„Ich freue mich auf meinen Tod“ ist der Titel einer bekannten Kantate von Johann Sebastian Bach. Die ist dem Autor spontan zum unten veröffentlichten - KI-generierten - Video eingefallen. In diesem werden 46 russische Soldaten vorgestellt, die alle aus der Großstadt Artjom oder deren näheren Umgebung in der Region Primorje stammen. Zur Erinnerung - die Region Primorje liegt im Fernen Osten Russlands. Die Soldaten im Video werfen ihre Waffen weg, lachen dabei und schreiten ins Nirwana.
Wieviel sinnvoller wäre es gewesen, wenn all diese Soldaten sich diesem verbrecherischen Krieg verweigert und gemeinsam ihre Waffen niedergelegt hätten? Sie wären zumindest lebend nach Hause gekommen. So dürfte auch diese KI-generierte Schmonzette keine Hilfe und Trost für ihre Angehörigen darstellen.
Im ersten Quartal 2026 floss beinahe jeder zweite Rubel aus dem russischen Staatshaushalt in das Militär. Das berichtet ein Mitarbeiter der deutschen Stiftung Wissenschaft und Politik in seinem aktuellen Rundschreiben. Ganz genau betragen die militärischen Ausgaben inzwischen 46% des gesamten russischen Haushalts.
Am 01.08.1914 ist Deutschland in den Ersten Weltkrieg eingetreten, am 11. November 1918 unterzeichnete eine deutsche Delegation den Waffenstillstand. Berechnet man die Zeitspanne des Krieges, so kommt man auf 1.564 Tage Krieg.
Am 24.02.2022 begann die zweite russische Invasion der Ukraine. Bis zum heutigen Tag gerechnet sind das inzwischen 1.570 Tage Krieg, der Konflikt dauert also inzwischen länger als der Erste Weltkrieg - trotz zwischen 300.000 und 500.000 russischen und vermutlich 100.000 ukrainischen Kriegstoten, all den Kriegsversehrten und unermesslicher Zerstörung der Lebensgrundlage der Menschen in der Region. Und noch immer ist kein Ende in Sicht.
Und zur Erinnerung: Die erste russischen Invasion in der Ukraine fand bereits im Jahr 2014 statt, als Russland die Krim gewaltsam annektierte und russische Geheimdiensttruppen in den Donbass einsickerten.
Das Dorf Uinskoje liegt in der russischen Region Perm mit etwa 4.000 Bewohnern. Vermutlich wurde in diesem Dorf ein Versuchsballon gestartet. In einer Information auf der VKonatkte-Seite der „Verwaltung des Stadtbezirks Uinsky“ wurde eine Anzeige der Verwaltung veröffentlicht. Danach werden Frauen in der Region Perm für den Kriegseinsatz rekrutiert. Die Behörden versprechen ein Gehalt von 210.000 Rubel pro Monat und einen Bonus von 1,5 Millionen Rubel für die Unterzeichnung eines Vertrags mit dem russischen Verteidigungsministerium. Der Vertrag soll eine Laufzeit von einem Jahr beinhalten. (Allerdings können solche Verträge laut einem Erlass des Präsidenten so lange verlängert werden, solange die Mobilisierung nicht aufgehoben ist.)
Laut dem Informationstext können nur Frauen zwischen 18 und 35 Jahren einen Vertrag als Drohnenpilotin unterzeichnen, Frauen unter 45 Jahren dürfen sich für Positionen als Fahrerin für humanitäre Hilfstransporte bewerben.
Die Informationsseite wurde inzwischen gelöscht. Allerdings ist es uns gelungen, noch einen Screenshot der betreffenden Anzeige zu sichern (Original, deutsche Übersetzung.).
Die russische Zensur verbietet die genaue Berichterstattung über die vielen ukrainischen Drohnenangriffe auf Erdölraffinerien und Militärstützpunkte im ganzen Land. Die örtlichen Medien berichten deshalb nur sehr zögerlich über die Resultate und zitieren lieber staatliche Erfolgsmeldungen, dass wieder eine Vielzahl von Drohnen abgeschossen wurden.
In den Kommentaren zu den Berichten der großen lokalen Medien ließen die Bürger ihrer Wut freien Lauf und verspotteten Behörden und Regierung. Wir haben mehrfach solche Kommentare veröffentlicht.
In den letzten Tagen gab es erneut Drohnenangriffe auf die Region Krasnodar und St. Petersburg. Wieder wurde im Raum Krasnodar eine Erdöl verarbeitende Anlage in Brand gesetzt und bei St. Petersburg wurde ein Munitionslager angegriffen. Es kam zu Explosionen, die Bevölkerung in der Nähe wurde evakuiert.
Leserkommentare zu den Berichten von Fontanka in St. Petersburg sind jetzt nicht mehr möglich, die Funktion wurde deaktiviert.
Die russische Staatsbank hat eine neue Tabelle über ihre Währungsreserven bis einschließlich 1. Mai veröffentlicht. Danach verkauft die Zentralbank seit Jahresanfang monatlich eine beträchtliche Menge an Gold - insgesamt knapp 28 Tonnen.
Russland dürfte durch den Verkauf etwa 3,7 Milliarden Euro eingenommen haben. Das russische Staatsvermögen wird aber nur zu einem geringen Teil, wenn überhaupt, bei den Bürgern ankommen. Der Staat benötigt die Einnahmen, um seinen Krieg gegen die Ukraine zu finanzieren.
„Udmurtien gegen Koruption“ ist ein Telegram-Kanal, über den wir auch Meldungen über russische Kriegstote aus der russischen Teilrepublik Udmurtien beziehen. Der Gründer des Kanals, Iwan Elisejew, hatte bis zum Jahr 2021 das regionale Büro Alexej Nawalnys geleitet. Ende 2021 verließ auch Elisejew Russland, um einer Verhaftung zu entgehen.
„Udmurtien gegen Koruption“ wurde inzwischen in das russische Register der „ausländischen Agenten“ aufgenommen. Iwan Elisejew wurde aktuell vom russischen Innenministerium zur Fahndung ausgeschrieben.
Am 13. und 14. Mai startete Russland den größten Drohnenangriff auf Kiew und die gesamte Ukraine. Moskau setzte 1.567 Drohnen und 56 weitere Raketen ein. Allein in Kiew wurden 24 Menschen getötet.
Zwei Tage später griffen ukrainische Drohnen zum ersten Mal in großem Umfang die Region Moskau an. Ziele waren eine Erdölraffinerie und Betriebe mit militärischer Produktion. Mindestens drei Menschen wurden getötet.
Zum Bericht des Moskauer Internetportals MSK1 über die Schäden, gab es auch einige interessante Kommentare:
Das WZIOM ist ein staatliches Meinungsforschungsinstitut in Russland, das größte seiner Art im Land. Es veröffentlicht regelmäßig Untersuchungen über die Beliebtheitswerte des Präsidenten, der russischen Regierung und der Stimmung im Land. Im April 26 berichtete das Institut, dass die Zustimmungswerte zur Amtsführung des Präsidenten auf 65,6% gefallen wäre. Dem Ministerpräsidenten und seine Regierung bescheinigte das Institut Zustimmungswerte von 44,3%, bzw. 39,7%. Für eine deutsche Regierung wären das beruhigende Werte, im autoritären Staat Russland geht so etwas nicht.
Im Mai 2026 änderte WZIOM dann die Methodik - und siehe da, die Werte für Putin wurden besser. Zitat:
Laut den Ergebnissen einer gemeinsamen Umfrage unter Russen lag die Zustimmungsrate für die Leistung des Präsidenten im Zeitraum vom 4. Mai bis 10. Mai 2026 bei 66,8 %. Die positive Bewertung der Arbeit des Premierministers und der russischen Regierung in der vergangenen Woche betrug 42,2 % bzw. 38,9 %.
Damit kann Präsident Putin ganz gut leben und alle aktuellen politischen Probleme an seine Regierung adressieren.
Damit alles passt, hat WZIOM diesmal seine Methodik verändert. Statt einer reinen Telefonbefragung der Bürger, ist man jetzt zusätzlich von Haustüre zu Haustüre gegangen und hat die Menschen direkt angesprochen.
Frage an unsere Leser: Würden Sie in einem autoritären Staat eine ehrliche Antwort geben, wenn ein Unbekannter vor ihrer Tür steht und Sie nach Ihrer Meinung zum Präsidenten befragt? Auch wenn der Frager versichern würde, alles bliebe anonym?