Durch die Veröffentlichungen von Wikileaks wurde Blackwater bekannt, ein privates us-amerikanisches Sicherheits- und Militärunternehmen, das sich heute Academi nennt. Abgekürzt werden solche Firmen als PMC bezeichnet - Private Military Contractor. Kaum jemand weiß jedoch, dass auch Russland sich solcher Firmen bedient. Die russische Webseite Fontanka hat solch ein geheim agierendes Unternehmen vorgestellt: TschWK Wagner, wobei TschWK das russische Kürzel für PMC ist.

Alles fing mit einem Fehlschlag an - zur angeblichen Sicherung von Ölanlagen in Syrien wurden in Russland junge Männer rekrutiert. Arbeitgeber war eine Firma mit „beschränkter Hoffnung“, registriert in Hongkong auf den Namen "Slawisches Korps". Der Einsatz in Syrien endete mit einem Desaster. Die schlecht ausgerüsteten Söldner wurden in Syrien von Aufständischen eingekreist. In einem Sandsturm gelang schließlich die Flucht aus dem Kessel.

Das ging eindeutig besser. Russland braucht für seine diversen Kriegsabenteuer Militär, das gut ausgebildet, zuverlässig und verschwiegen ist. Mit einer Armee von Wehrpflichtigen ist das nicht zu machen. Die sind kaum zu kontrollieren und veröffentlichen lustig Fotos von ihren Einsätzen in Konfliktgebieten in den sozialen Medien, posieren auf Kampfpanzern und filmen sich im Schützengraben. Und decken dabei so manche geheime Operation Moskaus auf.

So wurde TschWK Wagner gegründet, die Firma dahinter ist angeblich in Argentinien registriert. Wagner (manchmal auch Vagner) ist der Kampfname des Kommandanten, Dimiti Utkin (auch Dmitry Utkin), eines Überlebenden des Syriendesasters des Slawischen Korps und offensichtlich Freund des deutschen Komponisten Richard Wagner.

Die Bewerber für die Kampftruppe müssen ihren Reisepass abgeben und erhalten ein persönliches Kennwort. Sie müssen ihr mobilen Kommunikationsgeräte wie z.B. Smartphones abgeben und dürfen diese nur zu bestimmten Zeiten nutzen. Die sozialen Medien sind strikt verboten. Und sie haben die Verpflichtung, über ihre Tätigkeit bei dem PMC zehn Jahre lang zu schweigen. Dafür ist die Bezahlung für russische Verhältnisse gut, je nach Risiko werden für den einfachen Söldner umgerechnet zwischen 800 und 3000 € bezahlt. Und wenn der Kämpfer bei einem Einsatz getötet wird, erhalten die Angehörigen immerhin umgerechnet 40 tausend Euro.

Der erste Einsatzort von TschWK Wagner soll die Krim gewesen sein. Die Söldner waren als „höfliche Leute“ oder „grüne Männchen“ vor Ort und organisierten die Loslösung der Krim von der Ukraine.

Nach der erfolgreichen Krim-Operation wurde TschWK Wagner in die aufständische Donbass-Republik Lugansk verlegt. Die meisten russischen und ukrainischen Medien schreiben der Einheit vor allem Erfolge bei der „Säuberung“ in den eigenen Reihen zu – dem soll sich auch der Deckname „Ausputzer“ (Tschistilischtsche) verdanken. So geht angeblich die Ermordung der Lugansker Truppenführer Alexander „Batman“ Bednowa und Alexej Mosgowoj ebenso auf ihr Konto wie die Entwaffnung des Freikorps Odessa und die Disziplinierung einiger allzu eigenständig operierender Kosakenverbände. Durchaus möglich, dass auch Arseni Pawlow alias "Motorola" von TschWK Wagner weggesäubert wurde.

Fontanka berichtet weiter, dass die Gruppe Wagner auch beim Kampf um Debalzewe eingesetzt wurde. Obwohl bereits das Minsker Abkommen zu einem Waffenstillstand beschlossen war, besiegten dort reguläre russische Truppen, Separatisten und die Gruppe Wagner die ukrainische Armee und besetzten den strategisch wichtigen Ort unter großen Verlusten.

Danach kam die Gruppe Wagner in Syrien zum Einsatz. Fontanka berichtet, dass die Söldner bei der Rückeroberung von Palmyra eine wichtige Rolle spielten. Die Gruppe operierte mit russischen T-90 Panzern und Panzerhaubitzen. Fontaka gibt an, dass dieses Bild von Soldaten vor einem Hubschrauber Angehörige der Gruppe Wagner zeigt.

Über die Anzahl der Verwundeten und Toten von TschWK kann man nur spekulieren. Fontanka berichtet, dass sowohl beim Kampf um Debalzewe wie auch in Syrien einfache Taktiken des zweiten Weltkriegs angewendet wurden. Nur auf das aufgepflanzte Bajonett wurde verzichtet. Von hohen Verlusten kann man also ausgehen.