Wie Putin die Jugend seines Landes in den Tod schickt

trauerRusslands Präsident schickt die Jugend seines Landes in einen verbrecherischen Krieg. Wie viele russische Soldaten inzwischen in der Ukraine ihr Leben gelassen haben, können wir nicht komplett aufklären. Die großen russischen Medien und die lokalen Zeitungen der Großstädte schweigen sich darüber aus. Wir sammeln hier die Todesmeldungen aus den Regionen und sozialen Medien und verschaffen so zumindest einen ungefähren Überblick.

Berichte aus 44 Regionen Russlands:
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Altai Region  -- Altai Republik -- Archangelsk -- Astrachan -- Baschkirien (Baschkortostan) ./. Teil II -- Burjatien Teil I ./. Teil II ./. Teil III -- Chakassien -- Dagestan Teil I ./. Teil II ./. Teil III -- Inguschetien -- Irkutsk -- Kaliningrad -- Karelien -- Kirow -- Komi -- Kostroma Region -- Krasnodar Region ./. Teil II -- Stadt Moskau -- Mordwinien -- Murmansk -- Nischni Nowgorod -- Nordossetien -- Nowgorod -- Nowosibirsk-- Omsk -- Orenburg Teil I ./. Teil II  -- Pensa -- Perm -- Pskow -- Rjasan -- Samara -- Saratow Region -- St. Petersburg und Oblast Leningrad -- Tartarstan Teil I ./. Teil II -- Tjumen -- Tscheljabinsk -- Tschuwaschien -- Tuwa -- Twer -- Udmurtien -- Uljanowsk -- Ural -- Wolgograd Teil I ./. Teil II -- Wologda --

Zusammenfassungen vom -- 20.04.22 -- 05.08.22 -- 23.09.22  --- Alle Regionen werden ständig aktualisiert.


Kurznachrichten & Personalien

Schwerverbrecher stirbt an der Front

Igor Kusk war der Anführer der Verbrecherbande Kuskovsky, deren spektakulärstes Verbrechen der Mord an einem Generaldirektor  einer tatarischen Firma war. Boris Vayman, der als einer der Erbauer von Tatarstan gilt,  wurde 2004 in Kasan am Eingang des Büros seiner Firma erschossen. Kusk wurde gefasst und zu 23 Jahren Haft in einer "strengen Kolonie" verurteilt. Jetzt bekam er die Chance als 55 jähriger Mann freizukommen. Er ließ sich durch die Wagner-Gruppe anwerben und kämpfte ab dem 27. Juli bei Donezk an der Front.
Im heißesten Frontabschnitt bei Bakhmut wird schnell gestorben und dort traf ihn ein Granatsplitter am Kopf. Er wurde auf dem Walk of Fame des Stadtfriedhofs im Dorf Krasny Klyuch beigesetzt. OM, 23.09.22

Freiwillig vor und unfreiwillig schnell zurück / 2. Nachtrag

Keine drei Wochen im Ukrainekrieg und schon ist der zweite Baschkire des Shaimuratov-Bataillons wieder zuhause - als Cargo 200. Albert Abdullin, ein 49-jähriger Reservekorporal, lebte zwar seit einiger Zeit in Tatarstan, aber als in Baschkirien Kriegsfreiwillige gesucht wurden, bewarb er sich um einen Platz im Freiwilligenbataillon. Am 19. September 22 wurde sein Tod bekannt.
OM, 20.09.22

- Kaum geschrieben tritt schon der dritte Freiwillige des Shaimuratov-Bataillons  als Cargo 200 seine Reise zurück in die Heimat an. Ilshat Imangulov, 43 Jahre alt und hat als Soldat im Krieg gegen Georgien gedient. Bereits am 21. September soll er im Dorf Smakovo in Baschkirien bestattet werden.
Wäre noch zu erwähnen, dass Ilshat Imangulov gleichzeitig der 200. tote Baschkirensoldat im Ukrainekrieg ist, den wir hier dokumentieren konnten. OM, 20.09.22

- Es geht schnell weiter: Vadim Kucherbaev ist der vierte Freiwillige Shaimuratov-Bataillons dessen Ableben in der Ukraine gemeldet wird. Der Mann war knapp 45 Jahre alt und hatte bereits 2001/2002 im Tschetschenienkrieg Kampferfahrung gesammelt.
Wann er im Krieg gefallen ist, wurde nicht mitgeteilt. Aber auch er dürfte weniger als drei Wochen in der Ukraine gekämpft haben. OM, 23.09.22

Tote haben keine Zukunft

Nach Burjatien verzeichnet Dagestan in absoluten Zahlen die höchste Zahl an gefallenen Soldaten im Ukrainekrieg – im Augenblick haben wir 243 Tote aufgeführt.
Nach der aktuellen russischen Mobilmachung sollen weitere Bewohner Dagestans an die Front. Das trifft nicht unbedingt auf Zustimmung, wie dieses kleine Video zeigt.
Die Rekrutierungsoffizierin argumentiert, dass die Einheimischen für die Zukunft des Landes kämpfen sollen. „Wir haben nicht einmal eine Gegenwart, von welcher Zukunft redest du“, antwortet ein Mann aus Dagestan.

Mehr Freiwillige für die Front

Täglich kann man in der Region Wolgograd gefallene Soldaten begraben. Inzwischen ist unsere Liste auf über 200 Tote im Ukrainekrieg angewachsen. Aber sicher sind es wesentlich mehr, da offiziell keine Daten herausgegeben werden. Das scheint der Politik nicht zu reichen.
Aktuell veröffentlichte der Wolograder Gouverneur Andrei Bocharov die Zahl der Freiwilligen, die die Region in den Ukrainekrieg schicken will oder bereits geschickt hat. Nicht ohne Stolz berichtet der Mann, dass Wologograd  inzwischen 1.326 Freiwillige aufbiete, die Krim nur etwa 1.200 Freiwillige gewonnen habe, dass in der Region Brjansk etwa 800 Einwohner dem Peresvet-Bataillon beigetreten seien, ca. 700 Freiwillige kommen aus Nordossetien, 800 von der Region Nowosibirsk, 950 von Woronesch und 850 aus Kursk. OM 20.09.2022

Auch in Chakassien liest man den "Spiegel"

Im Süden Sibiriens liegt die kleine russische Republik Chakassien mit etwa einer halben Million Einwohnern. Beim Lesen der dortigen Internetmedien - z.B. https://vg-news.ru/ - bekommt man eine Gänsehaut. Zu Beginn des Ukrainekrieges musste jeder leitende Staatsbeamte dort abwechselnd öffentlich erklären, warum die "Sonderoperation" in der Ukraine richtig, wichtig und nützlich für Russland wäre. Und aktuell wird jede Propagandameldung der russischen Staatsführung über die Erfolge der Armee so abgehandelt, dass die Ukraine längst völlig ausgelöscht sein müsste.
Wer wie Deutschland die Ukraine in ihrem Abwehrkampf unterstützt, steht auch im Fokus der Berichterstattung in Chakassien. Da kommt es gelegen, dass aktuell der Spiegel wie gewohnt alarmistisch, den Untergang der deutschen Ökonomie befürchtet hat. Denn Energiepreise und Corona hätten der stark zugesetzt, selbst Traditionsunternehmen wie Hakle und Goertz wären insolvent. Das freut doch die Menschen in Chakassien, wenn Deutschland ob seiner Russland-Sanktionen auf die Nase fällt und deshalb hat man schnell, den gesamten Artikel in russisch ins Netz gestellt. OM, 19.09.22

Tod durch faschistische böse Geister

Baschkortostan schickt zwei Bataillone mit Freiwilligen in den Krieg gegen die Ukraine. Benannt wurden die Abteilungen nach zwei Kriegsveteranen , Shaimuratov und Dostavalov. Seit Ende August ist das erstgenannte Bataillon bereits im Kampfeinsatz, das andere soll aktuell eingreifen.
Kaum im Krieg angekommen, wird schon der erste Tote vermeldet. Der 28.jährige Automechaniker Denis Dinarovich Fatkhutdinov wurde am 11. September getötet - irgendwo an der Front in der Ukraine. Der Mann war einer der Ersten, die sich freiwillig gemeldet hatten und ist folgerichtig auch als Erster gestorben.
Um den Blutzoll zu rechtfertigen, wurden erneut alte Märchen aufgewärmt: "Sie schützen die Menschen im Donbass vor faschistischen bösen Geistern. Wir werden uns an alle erinnern, die nicht gekommen sind, wir werden stolz darauf sein, dass wir mit so würdigen Menschen und Helden wie Denis aufgewachsen sind und auf demselben Land gelebt haben, " predigte der örtliche Militärkommissar am Grab. OM, 18.09.2022

Frei von Sünden und Schulden

Freiwillige Soldaten aus der russischen Oblast Tjumen wollten vor der Abreise ins ukrainische Kriegsgebiet sich von allem befreien. Zu diesem Zweck reiste der Rektor der Kosakenkirche Tjumen in die Region Nischni Nowgorod, wo die Freiwilligen auf ihren Kriegsdienst vorbereitet wurden. Fünfzehn Soldaten gestanden ihre Sünden und beichteten, drei wurden sogar getauft. Und weil er schon da war, segnete der Geistliche auch noch allerlei Kriegsgerät.

Aber auch ihre Schulden sind die Freiwilligen los - zumindest in nächster Zeit. Denn auf Antrag beim Gerichtsvollzieher, werden alle Schulden eingefroren und nicht vollstreckt. Und bei der Rückkehr - ob tot oder lebendig, hat man genug auf dem Konto, dass alle Schulden beglichen werden können. OM, 10.09.22

Auch Samara mit Vkontakte aktualisiert

Heute wurde auch Samara entsprechend der Region Perm aktualisiert Auch hier machen die gelisteten Todesmeldungen russischer Soldaten eine Sprung. Statt bisher 66 einzelnen Meldungen wurden jetzt 93 Todesmeldungen registriert. OM, 30.08.22

Warum wir von gestern auf heute in Perm 20 Prozent mehr gefallene russische Soldaten verzeichnen

Wir listen aus den russischen Regionen die Kriegstoten im Ukrainekrieg aus den Veröffentlichungen der lokalen Medien. In Perm sind das die Webseiten 59.ru, perm.kp.ru und chaikovskie.ru von denen wir die Mehrzahl aller Meldungen entnommen haben. Dazu kommen noch Hinweise auf Vkontakte, denen wir nachgehen.
In den letzten Tagen haben wir einen Vergleich mit einer russischsprachigen Liste vorgenommen, die vorwiegend die sozialen Medien wie Vkontakte und Telegram auswertet, wahrscheinlich auch mit Hilfe einiger Bots.
Dabei stellte sich heraus – bis Ende Mai waren die Ergebnisse der russischen Liste mit unseren Erkenntnissen fast identisch. Danach allerdings ergaben sich bei uns deutliche Lücken, unsere Liste ist von 89 Kriegstoten auf 109 angewachsen. Offensichtlich werden in Perm nicht mehr alle Todesfälle von den Behörden den Medien gemeldet. Oder es gibt eine freiwillige oder unfreiwillige Zensur, nicht über jeden gefallenen Soldaten zu schreiben. OM 30.08.22

Auch Burjatien legt noch 100.000 drauf

Burjatien, die russische Republik in Fernen Osten, verzeichnet in absoluten Zahlen die höchsten Gefallenenzahlen im Krieg gegen die Ukraine. Fast täglich kommt "Cargo 200" in Ulan Ude an. Aber das scheint der dortigen Regierung egal, sie wirbt weiterhin für Freiwillige, die die neue Einheit „Baikal“ bilden sollen. Der Führungsstab stehe bereit, was fehlt sind die einfachen Soldaten, schreibt Baikal-Daily. Und ein Heimkehrer aus dem Krieg kommt zu Wort: „Leute, hört auf, zu Hause zu sitzen und alle möglichen Ketzereien im Internet zu lesen. Es gibt eine Sonderaktion, es gibt keinen Zucker, es gibt keinen Strand.“
Offensichtlich ist auch im armen Burjatien der Wunsch nicht besonders ausgeprägt,  tödliche Risiken einzugehen. So legt aktuell die Regierung als Antrittspräme noch einmal 100.000 Rubel oben drauf, statt bisher 100 gibt es jetzt 200 Tausend Rubel (ca. 3.300 €). OM, 23.08.22

Der laute Tod der Nationalbolschewisten

Daria Dugina ist tot. Sie wurde heute in der Nähe von Moskau in ihrem SUV Prado von einer Autobombe getötet. Das berichten russische Medien. Daria Dugina war eine gelehrige Tochter ihres Vaters, des rechtsnationalistischen Politikers und Philosophen Alexander Dugin. Ganz im Duktus ihres Vaters sieht sie den Ukrainekrieg als Zusammenprall der globalistischen, von den USA gesteuerten Zivilisationsidee mit der eurasischen Idee einer konservativen Umwälzung unter Führung Russlands.
Beim Lesen ihrer Agenda wird man schnell an die Argumente der russischen Trollarmee erinnert, die westliche Medien in deren Kommentarbereich fluten und auch manche Internetseite betreiben. Kein Wunder, denn auf der Webseite ihres Vaters Geopolitika.ru werden genau jene Thesen formuliert, mit denen die Trolle dann die Kommentarbereiche füllen. Und offensichtlich waren Vater und Tochter auch mit der St. Petersburger Trollfabrik verbandelt, wie eine Facebook-Recherche ergeben hat.
Wer den Tod von Daria Dugina wollte, ist bisher unbekannt. Wahrscheinlich Zufall, aber zu erwähnen wäre in diesem Zusammenhang, dass vor ein paar Tagen Zemfira Suleymanova durch eine Mine im Donbass getötet wurde. Zemfira war das Cover-Girl der ultranationalistischen Limonow-Partei, die sich der Nachfolge der verbotenen Nationalbolschewistischen Partei Russlands verschrieben hat. Alexander Dugin war der Co-Vorsitzende der ehemaligen Partei. OM 20.08.22

Deutschland hisst weiße Flagge

Deutschland hisse die weiße Flagge, meldet die Online-Ausgabe der russischen Boulevard-Zeitung Moskovsky Komsomolets. Die Zeitung bezieht sich auf eine Debatte, die der FDP-Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki entfacht hat - nämlich Nord Stream II in Betrieb zu nehmen. Die Zeitung nennt auch noch einen weiteren Unterstützer der Inbetriebnahme - nämlich Klaus Ernst, seines Zeichens Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Klimaschutz und Energie. Der Linken-Politiker gehört zu der Spezies von Querdenkern, die die USA für den Überfall Russlands auf die Ukraine mitverantwortlich machen. Die Zeitung zitiert Ernst, dass es sinnvoll wäre, wenn Berlin mit Russland über Gas verhandele. OM, 20.08.22

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