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Abenteuer Großstadt - Folge drei: Luftkampf über Hochhausdächern

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19 Jahre 8 Monate her #15073 von OskarMaria2
Es gab viele gute Gründe heute die Familie in die Innenstadt zu schleppen. Das Wetter war frostig, aber klar und die Wintersonne schüttete ihr blaues Licht über die Stadt. Der Main war in den letzten Tagen über die Ufer getreten und knabberte bereits am Römerberg. Und schließlich gibt es in der Frankfurter Schirn eine Ausstellung mit Scherenschnitten von Henry Matisse. Die hatte ich bereits vor einigen Tagen bewundert, doch weil man die Arbeitsweise des Künstlers so gut dokumentiert hatte, wollte ich die Werke auch meinen Kids zeigen.

Die höher gelegenen Uferstraßen am Main waren voll von sonntäglichen Spaziergängern - wie wir. Denn weiter unten, dort wo man üblicherweise spazieren geht, stand das Wasser bereits meterhoch und hatte die Bootshäuser der Rudervereine vom Festland abgeschnitten. Die tief stehende Sonne strahlte die Hochhaussilhouette der Stadt an, die Gattin wollte mit Familie davor unbedingt fotografiert werden und stellte sich auf einer Fußgängerbrücke in Pose. Doch zu einem Foto kam es nicht mehr. Ein Polizeiauto raste mit Blaulicht daher, die Beamten sprinteten auf die Brücke und scheuchten uns Fußgänger davon. Eine Auskunft dazu gab es nicht, vielleicht war das Bauwerk ob des Hochwassers unsicher geworden.

Etwas weiter östlich am Filmmuseum gab es schon die nächste Brücke, über die wollten wir dann auf die nördliche Mainseite spazieren. Dort angekommen wiederholte sich das selbe Schauspiel. Polizeiauto fährt vor, Beamte spurten auf die Brücke und sperren den Verkehr. Seltsam war, dass nur die südliche Seite abgeriegelt wurde. Von Norden konnten Fußgänger und Autos weiterhin passieren. Um die Hochhäuser der Innenstadt kreiselten derweilst zwei Flugobjekte im Tiefflug. Ein lauter Polizeihubschrauber und ein still gleitender Motorsegeler zogen Kreise. Flog der eine im Norden, schwebte der andere im Süden. Immer waghalsiger wurden schließlich die Manöver des Gleiters. In engen Kurven glitt er um die Hochhäuser, der Radius seiner Kreise um die Innenstadt wurde immer kleiner.

Eine weiterer Versuch über den Main zur Ausstellung zu gelangen, scheitert schließlich am Eisernen Steg. Auf der gegenüberliegenden Seite war jetzt Feuerwehr mit Lautsprecherwagen aufgezogen und forderte die Passanten auf, nach Süden über die Brücken zu ziehen. Zwei Phantomjäger der Bundeswehr beteiligten sich jetzt an dem Schauspiel. In Formation näherten sie sich immer wieder dem Motorsegler, um dann ihre Maschinen wieder steil in den Himmel zu jagen. Mal von Osten, mal von Westen donnerten die Jets heran. In der Ferne sah man weitere Düsenjäger in Bereitschaft. Wirkte vorher das Treiben über den Hochhausdächern nur merkwürdig, denn der Luftraum über der Frankfurter Innenstadt ist für alle Flugzeuge gesperrt, so nahm die Sache jetzt bedrohliche Züge an. Ein Scherz eines Witzboldes war das wohl nicht mehr, man rechnete wohl mit dem Schlimmsten und wollte vielleicht sogar den Motorsegler abschießen.

Wir Spaziergänger saßen in der ersten Reihe, uns wurde ein eindrucksvolles Spektakel geboten. Ein Luftkampf über den Hochhäusern der Stadt Frankfurt. So etwas sieht man nicht alle Tage und die Zuschauer harrten am Mainufer geduldig aus, welche weiteren Überraschungen noch auf sie warten würden. In der aufkommenden Dunkelheit hatte der kleine Motorflieger seine blinkende Positionslampe am Heck ausgeschaltet und war kaum noch am Abendhimmel auszumachen. Die Phantomjäger zogen eine halbe Kurve nach Westen und entfernten sich. Kurze Zeit später wurden die Brücken wieder geöffnet und nach und normalisierte sich auch der öffentliche Nahverkehr.

Auch all die Gaffer verzogen sich langsam. Wirkliche Angst oder Sorge hatte wohl keiner der Zuschauer gehabt. Es war ein öffentliches Schauspiel, mehr auch nicht. Und eine eindeutige Demonstration, dass es eine wirkliche Sicherheit nicht gibt. Selbst in den streng abgesicherten Luftraum über Frankfurt kann jeder Idiot, der ein Flugzeug fliegen kann, ohne große Schwierigkeiten eindringen und die versammelte Staatsmacht stundenlang zum Narren halten.

Gruß OskarMaria





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19 Jahre 8 Monate her #15075 von Afterburner

ohne große Schwierigkeiten eindringen und die versammelte Staatsmacht stundenlang zum Narren halten.


Oskar, und was wilst Du uns damit sagen ? Hätten die beiden F4F's den Sportflieger über einer Großstadt einfach abschießen sollen ?

btw:

denn der Luftraum über der Frankfurter Innenstadt ist für alle Flugzeuge gesperrt


das ist nicht ganz korrekt so ;)

aber ansonsten netter Beitrag

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19 Jahre 8 Monate her #15086 von OskarMaria2
Hallo Afterburner,

in Frankfurt gab es nach dem 11. September eine Diskussion darüber, ob sich so etwas auch hier abspielen könnte. Die Politik versprach dazu, dass in Frankfurt entsprechende Schutzmaßnahmen getroffen würden.

Wie man an diesem Beispiel sieht, gibt es keinen wirklichen Schutz. Hätte es sich bei diesem Vorfall um einen entschlossenen Terroristen gehandelt, dann wäre er unbehelligt in ein Hochhaus geflogen. Denn endgültigen Schutz gibt es in einer offenen Gesellschaft nicht, den könnte vielleicht gerade ein Polizeistaat bieten.

Wenn man erkennt, wie fragil unsere Gemeinschaft ist, dann sollte man nicht mit falschen Versprechungen Sicherheit vorgaukeln. Sondern darum besorgt sein, die Ursachen zu bekämpfen, die verzweifelte Völker oder Menschen schließlich zu solchen Mitteln greifen lässt.

Gruß OskarMaria

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19 Jahre 8 Monate her #15087 von Afterburner
Wie soll man sowas auch verhindern können, das geht nur wenn man rechtzeitig davon erfährt, dan ist ein Abfang möglich, wenn jetzt z.B. in EDDF eine 747 startet und es sich schnell anders überlegt dann kann man da gar nix machen, es sei denn man hat überall SAM Stellungen die im Ernstfall das Flugzeug abschießen würden, aber wer soll sowas verantworten und auch bezahlen.

An kleinen Flugplätzen sind riesen Kontrollen überhaupt nicht möglich, es gibt ja auch Flugplätze ohne Tower wo die Kleinflugzeuge unkonntrolliert starten und landen.

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