31.08.2026 -- 230.141// Zuwachs zum 31.07.2026: 6.580
Russlands Präsident schickt die Jugend seines Landes in einen verbrecherischen Krieg. Wie viele russische Soldaten inzwischen in der Ukraine ihr Leben gelassen haben, können wir nicht komplett aufklären. Wir sammeln hier seit Beginn des Krieges im Februar 2022 die Todesmeldungen aus den Medien der Regionen und sozialen Netzwerken Russlands und verschaffen so zumindest einen ungefähren Überblick.
Im ersten Kriegsjahr haben wir noch die Meldungen im übersetzten Originaltext veröffentlicht, auf Grund der schieren Menge der Kriegstoten mussten wir später zur Tabellenform übergehen, jetzt führen wir nur noch reduzierte Listen. Eine Liste der Regionen und den dazu veröffentlichten Tabellen, finden Sie hier.
Monatlich veröffentlichen wir eine Zusammenfassung unserer Datenbank - die Liste mit allen Auswertungen finden Sie hier - Aktuell Auswertung zum 31.07.2026. | Karte der Regionen Russlands | Föderationssubjekte | Kontakt: info[ɛt]oskarmaria.de
Unsere Webseite oskarmaria.de und die dazu gehörigen IP-Adressen wurden durch die russische Aufsichtsbehörde für das Internet "Roskomnadsor" am 26. August 2024 gesperrt. Details dazu erfahren Sie hier. | Alternativ-Link: gibtsnet.eu
Heute wollen wir eine Schule in der Stadt Petropawlowsk-Kamtschatski besuchen. Wir befinden uns im ganz fernen Osten Russlands auf der Halbinsel Kamtschatka, Petropawlowsk-Kamtschatski ist die Hauptstadt der Region mit 163.000 Einwohnern. Die Sekundarschule Nr. 6 feierte vorab den 80. Jahrestag des Sieges im 2. Weltkrieg und gedachte zweier Schulabsolventen, die im letzten Jahr im Krieg gegen die Ukraine getötet wurden.
Alexander Fjodorowitsch Jassaschi (08.08.1999 - 26.10.2024) und Danil Andrejewitsch Ischkow (02.09.2002 - 29.08.2024) meldeten sich beide freiwillig zum Militär, Alexander allerdings bevor Russland in die Ukraine einmarschierte. Beide hatten sich sicher eine bessere Zukunft vorgestellt, als als Propagandaposter auf einem Schülerschreibtisch zu enden.
Wir geben den Bericht der Schule vom 7.5.25 übersetzt wieder:
Weiterlesen: Mutig das Heimatland verteidigt und ehrenvoll die militärische Pflicht erfüllt
Kleine Panzerbesatzungen aus Tatarstan
Zu Beginn dieser Woche, in Vorbereitung des 80. Jahrestages des Siegs im 2. Weltkrieg (Großer vaterländischer Krieg), ließen es sich zahlreiche Kindergärten in ganz Russland nicht nehmen, mit ihren Kindern eine eigene Siegesparade abzuhalten. Die Kleinen wurden in Militäruniformen der verschiedenen Waffengattungen gesteckt, die Erzieher übten das Exerzieren und die Eltern standen applaudierend Spalier.
Bei einer Suche in den sozialen Medien fanden wir 28 solche Veranstaltungen in 22 russischen Regionen. In vielen Fällen beteiligten sich mehrere Kindergärten an einer Parade. Damit kann man gesichert sagen, dass die von uns bereits vorgestellten militärischen Kinderparaden keine Einzelfälle darstellen. Die Kinder spielen Kampftruppen, Fallschirmjäger, Marinesoldaten und Sanitäter. Was allerdings fehlt sind Darstellungen, in welchem Zustand diese Soldaten wieder nach Hause kommen - mehr oder weniger stark verletzt oder im Zinksarg.
Nachfolgend ein paar Beispiele:
Ganz im Osten Russlands feierte die Region Primorje am 4. Mai 25 den 80. Jahrestag des Sieges im zweiten Weltkrieg. Aus der ganzen Region Primorje wurden 1.500 Erstklässler mit Bussen nach Wladiwostok gefahren, um an der Parade teilzunehmen.
Die Veranstaltung stand unter dem Motto "Urenkel des Sieges" und war die erste ihrer Art in der gesamten Region.
Manche Dinge können wir uns nicht ausdenken, sind aber Realität in einem militaristischen System: Die Parade eines Kindergartens in der russischen Teilrepublik Dagestan zum Sieg im 2. Weltkrieg.
Und zu unserer Beruhigung können wir feststellen - immerhin fährt der kleine General ein Mercedes-Cabrio.
Straße in Sewersk, Oblast Tomsk -- Foto: alvgor -- Lizenz: CC BY 3.0
Die Stadt Sewersk in der sibirischen Oblast Tomsk dürfte nicht von westlichen Besuchern überlaufen sein. Sewersk hat 105.000 Bewohner und den Status einer geschlossenen Stadt. Hauptarbeitgeber der Stadt ist das "Sibirische Chemiekombinat GP" mit zwischen 15.000 und 20.000 Beschäftigten. Ein Teil der Produktion besteht in der Anreicherung von Uranhexafluorid - der Stoff, aus dem auch die Kernwaffen bestehen.
Eine deutsche Firma hat zwischen 1996 und 2008 mehr als 27.000 Tonnen Uranhexafluorid aus der deutschen Urananreicherungsanlage Gronau nach Sewersk geliefert, nur 15% davon kamen wieder zurück.
Wir wollen in Sewersk eine Schule für Behinderte besuchen. Am 2. April 25 fand dort die feierliche Einweihung von drei "Heldenschreibtischen" statt. Drei ehemalige -behinderte - Schüler wurden in den Krieg gegen die Ukraine geschickt und kamen im Zinksarg zurück. Die Entsendung von geistig behinderten Männern in den Krieg hat im unmenschlichen Russland System. Wir verweisen auf unsere anderen Beiträge zu diesem Thema (1, 2, 3).
Der jüngste gefallene Soldat ist Jewgeni Aleksejewitsch Bojtschuk, gerade mal 18 Jahre alt.
Wir dokumentieren einen übersetzten Bericht der Zeitung Dialog vom 1. Mai 2025 und ein Video von jener Einweihung der Heldenschreibtische, dem wir keine übersetzten Untertitel beifügen. Der Inhalt der Reden ergibt sich aus dem Text.

Roman Iwanischin mit seinem Enkel
Ein Gericht in Sachalin hat Roman Iwanischin, der als erste Person in Russland der freiwilligen Kapitulation angeklagt wurde, zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Roman wurde der freiwilligen Kapitulation und der Desertion für schuldig befunden, berichtet Kommersant unter Berufung auf eine Quelle.
Kalinina - Zentrale Straße von Georgievsk -- Foto: Каракорум -- Lizenz: CC BY-SA 4.0
Im Süden Russlands in der Region Stawropol liegt der Bezirk Georgijewsk mit 158 Tausend Bewohnern. Er ist eines der Zentren der "Kaukasischen Mineralwasser-Region" im Nordkaukasus. Verwaltungssitz ist die Stadt Georgijewsk mit 62. 000 Einwohnern. Die Region ist landwirtschaftlich geprägt, dazu gibt es zahlreiche Kurkliniken und den dazugehörigen Tourismus.
Der Landrat des Bezirks, Andrej Zaitzew, hat ein Video veröffentlicht, das 106 getötete Soldaten aus der Stadt und dem Bezirk zeigt. Wir konnten 25 bisher unbekannte Namen nachtragen. Wir veröffentlichen das Video ausschließlich zum Zwecke der Dokumentation - es gibt keine weiteren Informationen als die Namen & Fotos der getöteten Soldaten.
Die voraussichtliche Zahl der von uns erfassten russischen Kriegstoten im April werden wir etwa am 3. Mai vorlegen können. Unsere genauere Zusammenfassung wird innerhalb der darauf folgenden Woche erscheinen.
Der Kult um die im Krieg gegen die Ukraine getöteten Soldaten treibt in Russland die merkwürdigsten Blüten, junge Frauen tanzen ein Todesbalett, martialische Gedenkveranstaltungen mit sowjetischer Anmutung und Videos von einfältiger Regie bis durch künstliche Intelligenz aufgepeppt.
Wir reiben manchmal verwundert unsere westlichen Augen und können ein bescheidenes Grinsen nicht verhindern - trotz dem doch eher bedrückenden Thema. Heute wollen wir zwei solcher Machwerke vorstellen, die uns zumindest befremdlich erschienen.
Kolyma, Siedlung Debin (ca. 450 Einwohner) im Herbst 2004 -- Foto: Oxonhutch -- Lizenz: CC BY 2.5
Der Kolyma ist ein Strom im Nordosten Sibiriens - etwas kürzer als die Donau. Er fließt durch drei Teile der Oblast Magadan, weiter im Norden durch Jakutien (Sacha) und mündet schließlich in die Ostsibirische See. Mitte Oktober friert der Strom zu und taut erst Ende Mai wieder auf. Dann sind etwa 2.000 km schiffbar und dienen der Versorgung der Bevölkerung in dieser abgelegenen Region.
Bis zum Jahr 1987 gab es in der Region um den Kolyma Straf- und Kriegsgefangenlager des Gulag. Viele Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs trafen dort nach Hunderte Kilometer langen Fußmärschen in der eisigen Kälte ein und verbrachten Jahre oder auch Jahrzehnte in den sibirischen Bergen, um Gold, Zinn oder Uran ans Tageslicht zu befördern. Die Lager in Kolyma galten als die schlimmsten in ganz Russland und die Lebenserwartung war hier besonders niedrig.
Auch heute bezeichnen sich die Menschen der Oblast Magadan als Kolyma-Bewohner. Es ist eine historische Region in Russland und umfasst die Region Magadan und Teile Jakutiens. Und auch aus dieser Region sterben Männer im Krieg gegen die Ukraine, bis Ende März 25 hatten wir 166 Kriegstote erfasst. Wir stellen einige aktuelle Beispiele vor:

Am 1. April 25 fand in Russland die turnusmäßige Einberufung der Wehrdienstleistenden statt. Diesmal wurden 160.000 junge Männer eingezogen, zehntausend mehr als im Jahr zuvor. Nach einem neuen Gesetz wurde der Zeitraum vergrößert, in dem junge Männer verpflichtet werden können – statt zwischen 18 und 27 Jahren jetzt bis zum Alter von 30 Jahren.
Wehrpflichtige dürfen nicht im Krieg gegen die Ukraine eingesetzt werden. Sie sterben trotzdem, bei der Grenzsicherung, bei der Logistik für die kämpfende Truppe, durch Gegenfeuer der Ukraine, wenn aus dem Grenzgebiet heraus geschossen wird und natürlich auf Grund der aggressiven Methoden der Ausbilder, die die jungen Männer in einen Militärvertrag zwingen.
Drei Beispiele aus unserer Berichterstattung:
Haus des Kaufmanns Romadin, Leninstraße in Birsk -- Foto: Azmanova Natalia -- Lizenz: CC BY-SA 4.0
"Das vergangene Jahr verlief nicht ohne Verluste", so begann die Jahresbilanz des Landrats, in der er einhundert Tote im Krieg gegen die Ukraine aus seinem Verwaltungsgebiet vorstellte. Wir befinden uns im Landkreis Birsk in Baschkortostan. In der Stadt Birsk leben etwa 44.000 Bewohner, dazu kommen noch einmal die 17.000 Einwohner des Bezirks. Die Menschen im Bezirk sind vorwiegend ethnische Russen, bedeutende Minderheiten sind die Mari, Tataren und Baschkiren.
Auf einer Bezirksratssitzung am 27. Februar 25 stellte der Landrat die getöteten Kriegsteilnehmer des Bezirks namentlich vor. Uns waren 26 Namen bisher unbekannt.
Weiterlesen: Das vergangene Jahr verlief nicht ohne Verluste
Drei Söhne eines getöteten Soldaten aus Tuwa
Am 17. April 25 wurden im Obersten Chural (Parlament) der Republik Tuwa wieder Mutorden an die Familien von getöteten Soldaten verliehen. Tuwa hat die höchsten Verlustraten ganz Russlands gemessen an der Bevölkerung und wird auch im Monat April diese Position weiter ausbauen.
Die buddhistisch geprägte Region ist arm, sie bietet der Bevölkerung nur wenige Perspektiven. Der Dienst in der regulären Armee und ganz besonders als Teil der freiwilligen Kämpfer verspricht den Familien ein hohes Einkommen.
Die Namen:
Weiterlesen: Im Parlament von Tuwa werden Mutorden verliehen

Wir haben zuletzt mehrfach über geistig behinderte Männer berichtet, die vom russischen Militär als Freiwillige unter Vertrag genommen, an die Front geschickt und dort getötet wurden (siehe Beispiel 1, Beispiel 2). Sergej Wladimirowitsch Suworow ist solch ein weiterer Fall. Sergej wurde im Jahr 1989 geboren und kommt aus der Stadt Engels in der Oblast Saratow. Er hat acht Klassen einer Sonderschule für geistig Behinderte abgeschlossen und arbeitete als Lader.
Sergej hatte Glück - er wurde von der ukrainischen Armee unverletzt gefangen genommen. Ein Video von seinem Verhör durch die Militärpolizei haben wir mit deutschen Untertiteln versehen und dokumentieren es am Ende dieses Beitrags.
Auch die Geschichte des 18-jährigen Denis Eduardowitsch Tschuchlomin haben wir viel zu häufig erzählt. Denis wurde am 3. Juni 2006 in der Stadt Serow in der Oblast Swerdlowsk geboren. Seine Eltern lebten getrennt, Denis zog mit seiner Mutter in die sibirische Großstadt Krasnojarsk.
Nach der Schule begann Denis keine Ausbildung, er hätte als Fahrer gearbeitet. Dafür schloss er drei Monate nach seinem 18. Geburtstag ganz heimlich einen Vertrag mit dem russischen Militär und zog ohne militärische Vorkenntnisse in den Krieg. Man kann mit Sicherheit annehmen, dass auch Denis das viele Geld zum Kriegsdienst lockte. Im März 2025 wurde er getötet.
Meist gibt es keine großen Debatten um den Tod von sehr jungen Soldaten im Krieg gegen die Ukraine, meist findet man viele betende Hände und floskelhafte Beileidsbekundigungen. Zum Tod von Denis gab es eine heftige Diskussion. Wir dokumentieren deshalb die gesamte Nachricht und die dazu gehörenden Kommentare:
Lorino - Bootslandeplatz und Straße zur Ortsmitte -- Foto: Ansgar Walk -- Lizenz: CC BY-SA 3.0
Lorino ist eines der größeren Dörfer ganz im Nordosten von Tschukotka. Das Dorf liegt an der Metschigmenskaja-Bucht der Beringsee und hat knapp 1.500 Einwohner, sowohl Eskimos als auch Tschuktschen (Wikipedia). Aus diesem Dorf kam Ankas Aimetgirgin, geboren am 27. Juni 1995. Wir haben den jungen Mann unwissentlich bereits vorgestellt. Er war Tänzer des Ergyron-Ensemble, einem Tanz- und Gesangsensemble der Tschuktschen. Einen Auftritt für Kinder haben wir auf der Regionenseite von Tschukotka vorgestellt.
Wir veröffentlichen die Nachrufe der Presseagentur von Tschukotka im übersetzten Orginaltext:
Weiterlesen: Zwei Tänzer aus dem Eskimo-Dorf Lorino im Krieg getötet
Eigentlich keine neuen Nachrichten vom Krieg in der Ukraine - das Sterben an der Front ist nicht weniger geworden. Russland verliert weiterhin jeden Monat etwa 30.000 Soldaten an der Front durch Tod oder Verletzung bei nur marginalen Geländegewinnen.
Das erinnert an die ungeheuren sowjetischen Verluste im Winterkrieg vom November 1939, die ein sowjetischer Offizier so zusammenfasste: " Die Überlebenden pflegten scherzhaft zu sagen, dass das Land, das wir den Finnen nahmen, gerade ausreichte, um unsere während des Feldzugs gefallenen Offiziere und Soldaten zu begraben."
Die Stadt Troizk (übersetzt Dreieinigkeit) liegt in der Oblast Tscheljabinsk im westlichen Teil Sibiriens nahe der Grenze zu Kasachstan. Die Stadt hat um die 70.000 Einwohner - Tendenz fallend. Die Ökonomie der Stadt schwächelt, die Menschen wandern ab, was steigt sind die Opferzahlen im Krieg gegen die Ukraine.
Eine örtliche militaristische Initiative hat in Zusammenarbeit mit Schulen und dem Waisenhaus einen "Heldenschreibtisch" eingeweiht, auf dem die Namen von 90 gefallenen Soldaten prangen. Wir geben den Bericht des Telegramkanals "Tscheljabinsk der Zukunft" vom 23. März 25 übersetzt wieder.
Die Hauptstadt Dagestans Machatschkala -- Foto: Alexander Novikov -- Lizenz: CC BY-SA 4.0
Ganz im Süden Russlands zwischen dem Kaukasus im Westen und dem Kaspischen Meer im Osten und liegt die russische Teilrepublik Dagestan. Sie ist die größte und bevölkerungsreichste Kaukasusrepublik mit aktuell etwa 3,2 Millionen Einwohnern. Dagestan ist eine multiethnische Region mit vielen unterschiedlichen Sprachen und Dialekten. Beinahe alle Bewohner sind Muslime, der Anteil an Russen geht immer mehr zurück - 2020 machten sie noch 3,3 Prozent der Bevölkerung aus.
In unserer Rubrik Kurzbiografien stellen wir russische Soldaten vor, die nur eine kurze Zeit im Kriegseinsatz überlebt haben. Da sich der Ablauf fast identisch wiederholt, veröffentlichen wir die Beiträge mit der Überschrift "Ohne viele Worte" im Formularstil. Nach einigen Wochen haben wir die Anzahl dieser Beiträge stark reduziert, da sie einen zu großen Platz in unserer Berichterstattung eingenommen hätten. Doch das Thema ist weiter aktuell, wie wir mit einigen Beispielen aus wenigen Tagen zwischen dem 3. und 5. April 2025 zeigen wollen.
Es stellt sich die Frage - warum lassen sich die russischen Freiwilligen so einfach in selbstmörderische Angriffe jagen, ganz ohne zu rebellieren?
Paralympics 2020 in Tokyo: Der Silbermedaillenlauf von Alexander Rabotnitsky
Wie Menschen mit psychischen Diagnosen für den Krieg rekrutiert werden
Am 23. März 2025 kam Alexander Rabotnitsky, ein Paralympionike aus Omsk mit der Diagnose „geistige Behinderung“, im Krieg in der Ukraine ums Leben. Seine Freunde, Verwandten und Kollegen sind schockiert, dass das russische Verteidigungsministerium einen Vertrag mit dem Mann unterzeichnet hat, bei dem eine „organische Hirnschädigung“ diagnostiziert wurde.
Aktuell bittet die Mutter eines anderen Soldaten um Hilfe, um ihn von der Front zu holen. Nach Angaben von Olga Wakruschewa wurde der 22-jährige Alexej, bei dem eine geistige Behinderung vom Typ VIII diagnostiziert wurde, unter der Androhung rekrutiert, wegen Diebstahls für zehn Jahre ins Gefängnis zu kommen. In der Einheit in Wologda wurde er von Kommandanten und Soldaten misshandelt: Er wurde geschlagen und mit Vergewaltigung bedroht. Nachdem Alexej mit Benzin übergossen wurde und ihm versprochen wurde, ihn anzuzünden, gelang ihm die Flucht.
Beiden Rekruten wurde zugesichert, dass ihnen „aufgrund ihrer psychiatrischen Diagnose keine Waffen ausgehändigt würden“, aber beide wurden nach Angaben ihrer Familien wiederholt mit Sturmgewehren losgeschickt.

Die Fotos zeigen drei russische Freiwillige, die wir bereits vorgestellt haben. Ganz links - das ist Danilo Dmitrowitsch Mitrofanow, geboren am 23. Juni 2002, der von ukrainischen Einheiten gefangen genommen wurde und lebt. In der Mitte sieht man Andrej Romanowitsch Kutusow, 22 Jahre alt, der das Sturm-V-Kommando nicht überlebt hat. Und das Foto rechts zeigt Alexej Iwanowitsch Gladyschew, geboren am 12. März 2004, den seine Mutter seit dem 22.03. an der Front sucht - wahrscheinlich ist er tot.
Alle drei junge Männer haben eins gemeinsam - sie sind/waren geistig behindert und wurden deshalb nicht zum Wehrdienst eingezogen. Und die Drei sind auch keine Einzelfälle durch Fehler der Rekrutierungsämter - hinter deren Verpflichtung steckt ein System.
Weiterlesen: Geistig behinderte Soldaten in der russischen Armee

Russisches Plakat zum Krieg in der Ukraine
Text: Zermalmt diesen faschistischen Bastard! ZA SIEG!
Durch die ersten Erkältungskrankheiten sind wir im Moment etwas in Schwierigkeiten. Trotzdem habe ich heute den Monatsabschluss Juli 2026 freigeschaltet, obwohl er nur oberflächlich Korrektur gelesen wurde. Sollten noch Fehler im Fließtext sein, werden diese im Laufe des morgigen Tages korrigiert - versprochen. Die Tabellen & veröffentlichten Zahlen dagegen wurden überprüft.
CK, 25.08.2026
Die Opferlisten der russischen Regionen haben wir in den letzten Tagen bis Ende Juli 2026 aktualisiert. Eine Zusammenfassung des Monats Juli ist in den kommende Tagen zu erwarten.
Folgende Regionallisten wurden neu angelegt:
OM, 24.08.26
Im kalten Winter 2022 in Ischewsk, der Hauptstadt der russischen Teilrepublik Udmurtien, sang eine Gruppe Friedensdemonstranten das Lied „Möge es immer Sonenschein geben“. Wir haben darüber berichtet. Das Lied, aus der Perspektive eines kleinen Jungen, ist ein Apell an uns Menschen, den Frieden zu sichern. Das Lied gehört(e) zur sowjetischen Jugendkultur und wurde auch von den jungen Pionieren in der DDR gerne gesungen. Hier eine Version von Pete Seeger.
Der russische Refrain lautet etwa so:
Möge es immer Sonnenschein geben,
möge es immer blauen Himmel geben,
möge es immer Mama geben,
möge es immer mich geben!
In Anbetracht dieses Jahrhundertsommers können wir feststellen: Den ewigen Sonnenschein und den immer blauen Himmel haben wir. Den Frieden dagegen noch nicht.
OM, 11.08.26
Wir haben unsere Liste mit den deutschen Namen der Kriegstoten bis zum Juni 2026 aktualisiert. Insgesamt sind es jetzt 1.855 Namen.
Bitte beachtet - all diese Kriegstoten müssen nicht unbedingt einen russlanddeutschen Hintergrund haben. Sicher gibt es darunter auch einige Russen, die nur noch den Namen führen, aber mit russlanddeutscher Kultur nichts zu tun haben. Es ist durchaus auch möglich, dass sich darunter auch jüdische Namen befinden, die aus dem deutschen Sprachraum nach Osten gewandert sind.
Typisches Beispiel dafür ist der Nachname „Katzenelnbogen“, den wir einigemale in Russland angetroffen haben. Katzenelenbogen ist eine Kleinstadt am Rande des Taunus, den Namen hat eine jüdische Dynastie angenommen, die dort im Mittelalter gegründet wurde.
Und natürlich - es ist auch möglich, dass wir uns bei einigen der Namen getäuscht haben und diese eine andere Herkunft haben.
CK, 07.08.26
Die Opferlisten der russischen Regionen haben wir in den letzten Tagen bis Ende Juni 2026 aktualisiert. Eine Zusammenfassung des Monats Juni ist in den kommende Tagen zu erwarten.
Folgende Regionallisten wurden neu angelegt:
OM, 02.08.26
Da wir jeden Tag mehrere Kurzzeitsoldaten unter den russischen Kriegstoten finden, haben wir etwas umgestellt. Diese Personalien sind aus unserer Rubrik „Personalien & Kurznachrichten“ verschwunden, wir haben dafür eine neue Rubrik „Ohne viele Worte“ erstellt. Dort findet man nur den Namen des Kurzzeitsoldaten und das Datum der Veröffentlichung. Mit einem Klick auf den Namen erhält man das übliche Profil dieses Menschen.
Zunächst haben wir unsere letzte Veröffentlichung der 12 Kurzzeitsoldaten dort eingestellt, der Beitrag ist deshalb von der Titelseite verschwunden. In den nächsten Tagen werden wir täglich mehrere neue Kurzzeitsoldaten veröffentlichen, die bisher auf Halde liegen.
Auf Anfrage einiger Leser haben wir unserer Tabelle mit den vermutlich russlanddeutschen Kriegstoten noch eine Liste der regionalen Verteilung hinzugefügt.
Wie zu erwarten kommen die meisten dieser Kriegstoten aus Sibirien: Region Altai, Omsk und Nowosibirsk.
Das Übersetzen der russischen Namen ins Deutsche ist ein Kapitel für sich. Wir machen das mit dem Übersetzungsprogramm von DeepL. Allerdings ist das Ergebnis so, dass man alle Namenübersetzungen überprüfen muss. Spätestens nach einigen Namen fällt das Programm wieder ins Englische zurück und die Ergebnisse sind nur schwer lesbar. Manchmal vergisst das Programm auch Endungen oder wirft Zeichen mit fremden, nicht deutschen Akzentzeichen aus.
Beim Durchgehen der übersetzten Namen markieren wir die deutschen mit einem Sonderzeichen, damit wir diese in eine extra Tabelle überführen können. Was macht DeepL zuletzt? Haben wir solch einen Namen markiert und verbessern in der Folge weitere Namen, dann markiert KI diese auch mit jenem Sonderzeichen. So rutschen auch russische Namen automatisch in unsere Tabelle der Russlanddeutschen.
Folglich - alles muss erneut korrigiert werden.
Es ist alles zusammen gekommen, die Hitze der letzten Tage, die unsere Arbeitsmoral untergraben hat, durch die hessischen Ferien bedingte dünne Besetzung und schließlich ist unsere EDV-Erfassung auch noch abgestürzt. So dauerte unsere Zusammenfassung des Monats Mai länger als geplant. Wir bitten um Entschuldigung.
Die Todeslisten aller russischen Regionen sind jetzt bis zum Monat Mai 2026 aktuell. Die übliche Zusammenfassung werden wir bis zum 16.07.26 vorlegen.
Folgende Regionallisten wurden neu angelegt:
Wir hatten etwas Probleme mit unserer internen IT, deshalb haben wir uns mit dem Monat April 2026 weiter verspätet und konnten auch keine aktuellen Themen einschieben. Die Zusammenfassung werden wir am morgigen Donnerstag vorlegen.
Alle russischen Regionen wurden bereits mit den Daten des Monats April 2026 aktualisiert.
Folgende Listen wurden neu angelegt:
Wir haben alle russischen Regionen mit den Daten des Monats März 2026 aktualisiert.
Folgende Listen wurden neu angelegt:
Die ausführliche Zusammenfassung zum Monat März 2026 und die erfassten Daten zum April 2026 werden wir bis spätestens 12. Mai vorlegen können.
CK, 11.05.2026
Wir sind gerade im Stress und bereiten den Abschluss des Monats März 2026 vor. So haben wir versehentlich einen unfertigen Beitrag online gestellt: „Für Glaube und Vaterland in Nowomoskowsk“. Wir bitten um Entschuldigung.
Wir haben den Beitrag wieder versteckt, er wird erst in den nächsten Tagen - dann hoffentlich komplett - veröffentlicht.
OM 07.05.2026
Am Abend des 5. Mai 2026 war unsere Domain „oskarmaria.de“ nicht zu erreichen. Nach hektischen Versuchen, das Problem auf unserem Webserver zu suchen, mussten wir feststellen, dass wir nichts unternehmen können. Die Namensauflösung für de-Domains war bei Denic gestört. Über unsere zweite Domain https://www.gibtsnet.eu sind wir weiterhin & ungestört zu erreichen.
Zum Beitrag über die beiden in Russland inhaftierten Frauen Natalia Leonhardt und Daria Jegerewa wollen wir noch einige Anmerkungen nachreichen.
Nach der Verhaftung der beiden Frauen wurde zunächst nur der Name von Daria Jegerewa bekannt. Die Familie von Frau Leonhardt wollte, dass ihr Name nicht genannt werden solle. Sie versprachen sich so bessere Chancen vor Gericht. Das ist nicht eingetreten.
Aber dazu passt: Wir hatten beim Unterstützerkomitee angefragt, ob wir ein Foto benutzen können, das beide Frauen zeigt. Am folgenden Tag haben wir die Erlaubnis bekommen, die dann wenig später zurückgezogen wurde. Die Verantwortliche hatte unsere Webseite besucht und meinte danach, dass eine Fotoveröffentlichung in unserem Kontext den beiden Frauen eher schaden würde. Wir wollen das nicht weiter kommentieren.
Russische Freiwillige, die in den ersten drei Monaten nach Vertragsunterzeichnung an der Front getötet wurden, stellen wir unter der Überschrift „Ohne viele Worte“ vor. Da es zu viele waren, haben wir zunächst maximal einen Gefallenen pro Tag veröffentlicht. Aktuell ist die Situation so, dass es in vielen Regionen inzwischen untersagt ist, die genauen Daten anzugeben, wann der Vertrag unterschrieben und wann der Freiwillige getötet wurde. Neue Freiwillige sollen durch solch eine Wahrheit nicht abgeschreckt werden, meinen die russischen Behörden.
Wir haben uns deshalb entschieden, wieder alle Kurzzeitsoldaten zu veröffentlichen, die wir registrieren. Das sind meist Männer aus Burjatien, da in dieser Region - teilweise - noch immer ausführliche Nachrufe publiziert werden. Burjatien steht stellvertretend für alle russischen Regionen, wie unser aktuelles Beispiel aus Transbaikalien zeigt. Im Bezirk Krasnotschikoisky haben wir unter 128 Gefallenen insgesamt 36 Kurzzeitsoldaten gefunden.
Eine aktuelle Liste der Antrittsprämien aller rusischen Regionen, die der russische Staat für Zeitsoldaten bezahlt, haben wir hier veröffentlicht.
Wir haben alle russischen Regionen mit den Daten des Monats Februar 2026 aktualisiert.
Folgende Listen wurden neu angelegt:
Die ausführliche Zusammenfassung zum Februar 2026 und die erfassten Daten zum März 2026 werden wir bis spätestens 10. April vorlegen können.
OM, 09.04.2026
Vielleicht ist euch aufgefallen, dass wir sehr häufig Personen aus Burjatien vorstellen. In unserer Rubrik der Kurzzeitsoldaten (Ohne viele Worte) sind überwiegend Gefallene aus Burjatien vertreten. Das hat einfache Gründe - in Burjatien werden gewohnheitsmäßig ausführliche Nachrufe auf die im Krieg getöteten Landeskinder veröffentlicht. So erfahren wir viele Details. Das kommt in anderen Regionen eher selten vor, häufig werden auch mißliebige Daten gezielt verheimlicht. So zum Beispiel dass die getöteten Soldaten aus der Haft an die Front entlassen wurden, dass sie nur eine kurze Überlebensdauer hatten, usw. In einigen Regionen wie Baschkortostan sind inzwischen solche detaillierten Nachrichten verboten, häufig wird sogar das Alter verschwiegen.
So muss Burjatien als Beispiel herhalten, wenn es um Kurzzeitsoldaten, jugendliche Dummköpfe und Häftlinge geht. Es wird in allen anderen Regionen nicht viel anders sein.
Wir haben alle russischen Regionen mit den Daten des Monats Januar 2025 aktualisiert.
Es wurden neun neue Listen angelegt:
Die ausführliche Zusammenfassung zum Januar 2026 und die erfassten Daten zum Februar 2026 werden wir bis spätestens 13. März vorlegen können.
OM, 12.03.26
Der Trend bei den Nachrufen hält an - konkrete Daten werden nicht mehr angegeben. So will es die russische Regierung. Damit kann man nicht mehr abschätzen, wie lange der Zeitvertrag mit dem Militär dauerte oder besser, wie schnell der Soldat nach Vertragsunterzeichnung getötet wurde. Auch wird die Feststellung verhindert, wie lange der getötete Soldat irgendwo an der Front liegen blieb.
Normalerweise haben wir max. einen Kurzzeitsoldaten pro Tag in unserer Rubrik „Ohne viele Worte“ veröffentlicht. Das haben wir heute ausnahmsweiße verändert und alle Kurzzeitsoldaten gelistet, die uns im Zeitraum vom 19. bis 20. Januar 26 aufgefallen sind. Als Beleg dafür, dass auch weiterhin viele russischen Freiwilligen nur kurze Zeit an der Front überleben, auch wenn diese Tatsache unterdrückt werden soll.
CK, 23.02.26

Nachdem die Aufmerksamkeit zu unseren Veröffentlichungen wächst, eine kurze Information zu OskarMaria.
Unter diesem Pseudonym war der Initiator im Internet seit über 25 Jahren recht unregelmäßig präsent. Ab dem Jahr 2014 hat er hier über die Situation in den von Russland besetzten Gebieten des Donbass geschrieben. Als einer der ersten Journalisten überhaupt informierte er über die damals neu gegründete Gruppe Wagner.
Beruflich war er seit den 80-iger Jahren Geschäftsführer von diversen Medienunternehmen im Printbereich. Jetzt im Ruhestand, Kinder erwachsen, bleibt etwas mehr Zeit, die gesammelten Erfahrungen zusammen mit wenigen Mitstreitern für dieses Projekt zu nutzen.
Nachtrag: OskarMaria– das ist eine kleine Verbeugung vor dem beinahe vergessenen Schriftsteller Oskar Maria Graf. In Zeiten der Bücherverbrennungen wurden seine Werke von den Nazis verschont, ja sogar teilweise empfohlen. „Verbrennt mich!“ schrieb er 1933 in der Wiener Arbeiterzeitung, „nach meinem ganzen Leben und nach meinem ganzen Schreiben habe ich das Recht, zu verlangen, dass meine Bücher der reinen Flamme des Scheiterhaufens überantwortet werden und nicht in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbanden gelangen!“ Schließlich floh er in die USA – dort lebte er in bescheidenen Verhältnissen. Deutschland wollte den unbequemen Mann nach dem Krieg nicht wieder haben. Er starb 1967 in New York.
Literaturempfehlung: Wir sind Gefangene - Autobiograhie 1927.
Doppelt
Wladimir: 25. Artem Kozhenkov // Nischni Nowgorod: 35 Artem Kozhenkov
Wolgograd: 01 Juri Agarkov // Pskow: 41 Juri Agarkow
Kutelev Stanislav, dreifach, Kostroma, Rjasan und Orenburg. Nur Orenburg
Nikolai Symov, Rjasan & Tschuwaschien - nur Tschuwaschien
Mamontov Mikhail - Krasnodar Teil 1 & Teil 2
Ivan Alekseevich Chulkov, Kostroma, Pos. 51/56
Elimov Alexey Michailowitsch , Kostroma & Tschuwaschien
Falsch einsortiert
Ruslan Khamitov, Tscheljabinsk, kein Söldner der Gruppe Wagner

Alexander Nikolajewitsch, 20 Jahre
Im Südosten der russischen Teilrepublik Mari El liegt das Dorf Bolschoj Koschlajal. Im Jahr 2004 zählte das Dorf 45 Häuser (37 aus Holz und 8 aus Stein) und 128 Einwohner. Bis 2022 schrumpfte die Einwohnerzahl auf etwas über 70. Alle Haushalte besitzen Grundstücke von bis zu einem Hektar Größe und bauen Kartoffeln und Gemüse an. Die Bewohner nutzen Brunnenwasser. Die Straßen im Dorf sind unbefestigt. Es gibt keine Kanalisation. Alexander Nikolajewitsch Jegorow wurde am 21.03.2006 in diesem Dorf geboren und versuchte sich nach der Schule an einer Berufsschule im Bezirksdorf Morki. Vermutlich hat auch er die Berufsausbildung abgebrochen, um als Drohnenpilot in der Ukraine richtige Menschen zu töten und dabei reichlich Geld zu verdienen. Im Jahr 2026 meldete er sich, solch eine Drohnenausbildung dauert etwa drei Monate, bereits am 4. Juni 2026 wurde Alexander laut russischer Diktion zum Helden oder einfach nur getötet.
Wir haben die Liste der russischen Regionen mit den Prämien für den Abschluss von -unbefristeten- Zeitverträgen mit dem Militär aktualisiert.
Seit unserer letzten Veröffentlichung Ende Juli haben einige Regionen ihre Antrittsprämien angepasst. Wenn eine Region Probleme hatte, ihre von Moskau vorgegeben Quoten zu erreichen, wurden die Zahlungen erhöht. Im Fall dass eine Region ausreichend Zeitsoldaten stellen kann, wurden die Zahlungen reduziert. Wir haben die Veränderungen in der Liste mit einem Sternchen (*) markiert.
In der Summe sind die bezahlten Prämien weiter angestiegen. Im Juli zahlten die Regionen im Durchschnitt 2.167.000 Rubel als Prämie, Anfang September 2026 erhöhte sich der Durchschnittsbetrag auf 2.339.000 Rubel.
Neu dabei sind Sonderzahlungen, die manche Regionen für Drohnenpiloten ausloben. Die Regionen Inguschetien, Kaliningrad, Pskow und die Stadt Sewastopol auf der Krim weisen diese Extrazahlungen aus. Eine besondere Pointe setzt die Region Komi - die Zeitsoldaten erhalten extra 100.000 Rubel bei Rückkehr, wohl wissend, dass nicht viele lebend von der Front nach Hause kommen werden.
Die russischen Behörden versuchen auf allen Ebenen zu verhindern, dass Informationen über Kriegstote das Land verlassen. Seit Beginn des russischen Krieges verschicken russische Bürger aus den verschiedensten Regionen Fotos und Videoaufnahmen über neue Kriegsgräber. Und zwar nicht an Geheimdienste, sondern zu den Telegram-Kanälen, die solche Informationen sammeln. Solch offene Info-Kanäle werden natürlich auch von den Geheimdiensten aller Länder gerne besucht, auch wenn diese mit Agententätigkeit nichts zu tun haben.
Nachstehend eine Presseerklärung des Regionalgerichts Jaroslawl vom 08.09.26:
Neuigkeiten vom 8. September 2026
Ein Einwohner von Jaroslawl, der Informationen über tote Soldaten weitergegeben hatte, wurde wegen Hochverrats verurteilt.
Das Regionalgericht Jaroslawl verurteilte heute einen 48-jährigen Einwohner wegen Hochverrats (Artikel 275 des Strafgesetzbuches der Russischen Föderation).
Das Gericht stellte fest, dass der Angeklagte Nikolai Schtscherbakow ab Oktober 2024 regelmäßig den Gedenkfriedhof aufsuchte und dort heimlich die Gräber von Militärangehörigen fotografierte und filmte. Der in Jaroslawl lebende Mann übermittelte die gesammelten Informationen anschließend per Instant Messenger an Vertreter der ukrainischen Geheimdienste.
Kriminelle Aktivitäten wurden von Beamten der FSB-Direktion für die Region Jaroslawl identifiziert und gestoppt.
Mit Urteil des Gerichts wurde Shcherbakov N. des Hochverrats (Artikel 275 des Strafgesetzbuches der Russischen Föderation) für schuldig befunden und zu einer Freiheitsstrafe von 14 Jahren in einer Strafkolonie mit strengem Regime verurteilt, gefolgt von einer Freiheitsbeschränkung von 1 Jahr und 6 Monaten.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Im Herbst 2022 hat die russische Armee 300.000 Reservisten für den Krieg in der Ukraine eingezogen. Diese mobilisierten Soldaten sind jetzt viereinhalb Jahre im Dienst in einem Krieg, bei dem kein Ende in Sicht ist.
Bei vielen Meldungen über im Krieg gefallenen Soldaten können wir nicht erfahren, ob der Kriegstote ein freiwilliger Zeitsoldat, ein Mobilisierter oder ein Berufssoldat war. Trotzdem finden wir jeden Tag Meldungen, die den Status des Gefallenen nennen. Und da sind einige mobilisierte Reservisten darunter.
Deshalb stellt sich die Frage, wie viele der mobilisierten Männer noch im Kriegsgebiet vorhanden sind? Janis Kluge, von der Stiftung Wissenschaft & Politik, hat dazu eine Antwort geliefert. Anhand der Zahlungen im Bundeshaushalt für die mobilisierten Soldaten, konnte er ihre Anzahl berechnen. Von den knapp 300.000 mobilisierten Männern waren im Juli 2024 noch 246.303 vorhanden, im Juli 2025 waren noch 168.594 verblieben. Neuere Zahlen gibt es noch nicht. Setzt sich der Schwund fort, so dürften aktuell nur noch etwa 100.000 Mobilisierte im Dienst sein.
Diese Mobilisierten wurden im letzten Jahr häufig unter Druck gesetzt, in einen Zeitvertrag zu wechseln (siehe hier). Der weit größere Teil wurde getötet oder ist kriegsuntauglich, also physisch oder psychisch schwer verletzt.
„Dies ist eine sehr ernste und verantwortungsvolle Angelegenheit. Wir unternehmen gemeinsam mit Ihnen und den Bürgermeistern der Gemeinden auf allen Ebenen größte Anstrengungen, diese Aufgabe mit Würde zu bewältigen“, sprach der Gouverneur von Irkutsk, Igor Kobzew (Foto links), zu den Parlamentariern der Regionalversammlung. Er meinte damit die Erfüllung der Quote an Freiwilligen für den Kriegsdienst, die der Region Irkutsk von Moskau auferlegt wurde. Auf seinen Antrag hin wurden die Prämien von 2,1 Millionen Rubel auf 1,8 Millionen reduziert. Verurteilte und Angeklagte erhalten eine Million Rubel und neu eingeführt wurde die Zahlung von 900.000 Rubel für Ausländer und Statenlose.
Der eingebrachte Gesetzesentwurf wurde überarbeitet und in zweiter Lesung angenommen. Die Behörden gehen wohl davon aus, dass sie ihre Vorgaben hauptsächlich durch die Strafverfolgungs- und Ausländerbehörden abdecken können. Das spart Geld.
In der russischen Teilrepublik Inguschetien im Kaukasus überbringt der Ministerpräsident die Beileidsbekundigungen für die im Krieg gegen die Ukraine getöteten Inguschen persönlich. Mitte August hatte er vier Familien aufzusuchen.
Laut Wladimir Slasteinin, dem Ministerpräsidenten, nehmen insgesamt mehr als zweitausend Einwohner Inguschetiens an den Kampfhandlungen bei der russischen Armee teil. Wir haben bisher 290 Kriegstote registriert, die tatsächliche Zahl dürfte deutlich höher liegen.
Der Telegram-Kanal „Fortanga“ schreibt zu den Kriegsversehrten:
Mehrere hundert Menschen erlitten schwere Verletzungen. Allein im Jahr 2025 wurden in Inguschetien 464 Teilnehmer an den Kampfhandlungen behandelt. Die genaue Zahl der Verletzten und derjenigen, die im Laufe der Kampfhandlungen eine Behinderung erlitten, wird nicht genannt. Die Verwundeten erhalten nicht immer die ihnen zustehenden Prothesen und sind gezwungen, sich bei verschiedenen Behörden zu beschweren.
Eine Gruppe Lehrer hatten die Möglichkeit zu einer Audienz bei Wladimir Putin. Ein Mann berichtet von einem Ausflug zum Nordpol und auf Rückfrage berichtet er, zwei Eisbären gesehen zu haben. Das findet Wladimir interessant und erzählt, dass Orcas Eisbären in Stücke reißen und vertilgen würden (dafür konnte der Verfasser keine Belege finden). So wäre das Leben, meint Wladimir, der Stärkere frisst den Schwächeren, die Nahrungskette eben. Das sollen die Lehrer ruhig ihren Schülern beibringen. Und deshalb würde Russland ja auch die „Spezielle Militäroperation“ durchführen.
Jabloko ist die einzige Partei in Russland, die sich gegen den Angriffskrieg gegen die Ukraine ausspricht. Sie wurde durch Beschluss eines Moskauer Gerichts, von den kommenden Parlamentswahlen ausgeschlossen. Geklagt hatte die linksnationalistische Partei „Rodina“, die sich selbst nationalkonservativ nennt. Soviel zur allgemeinen Verwirrung.
In ihrer Klage warf Rodina der Partei Jabloko Uhrheberrechtsverletzungen vor. So hätte Jabloko ohne Genehmigung Zeilen aus dem Antikriegslied „Es soll immer Sonnenschein geben“ und die Zeile „Wenn es doch nur keinen Krieg gäbe“ aus Alexander Wolodins Theaterstück „Fünf Abende“ verwendet, sowie Umfragedaten des Lewada-Zentrums zitiert. Es gibt in der Klage weitere Vorwürfe ähnlicher Qualität.
Bliebe zum Schluss noch zu erwähnen: Der Sohn des Komponisten des Liedes „Es soll immer Sonnenschein geben“ hatte der Partei ganz offiziell die Erlaubnis zur Nutzung gegeben.
In den ersten sechs Monaten dieses Jahres hat Russland 43,5 Tonnen Gold verkauft. Aber es hat noch reichlich Reserven, Anfang Juli sollen sich noch 2.282 Tonnen Gold in den staatlichen Tresoren befunden haben. Trotzdem bedeutet dieser Verkauf den größten Rückgang der Goldreserven in den letzten 25 Jahre.
Der Goldverkauf dient in erster Linie der Deckung des russischen Haushaltsdefizits, der Staat muss immer höhere Ausgaben für den Krieg gegen die Ukraine finanzieren. Allerdings dürfte jenes verkaufte Gold meist im Land geblieben sein. In unsicheren Zeiten heben die Russen gerne ihre Rücklagen vom Konto ab und kaufen dafür Gold.
Die Kleinstadt Bad Ems liegt an der unteren Lahn und nur wenige Kilometer von der Stadt Koblenz entfernt. Bad Ems hatte seine Glanzzeit im 19. Jahrhundert. Es war die Kurstadt und Sommerresidenz von bedeutendem Adel und angesagten Künstlern. So führte zum Beispiel die Emser Depesche zum Französisch-Deutschen Krieg 1870/71.
Auch der russische Zar Alexander der II. verbrachte den Sommer gerne in Bad Ems. Dort unterzeichnete er am 30. Mai 1876 den „Emser Erlass“. Damit verbot er die Einfuhr und Veröffentlichung von Schriften in ukrainischer und belarussischer Sprache im Russischen Kaiserreich und stellte Zuwiderhandlungen unter Strafe. Eine kaiserliche Kommission hatte festgestellt, dass die Verwendung der ukrainischen Sprache staatsgefährdend wäre.
Dieses russische Überheblichkeitsdenken gegenüber den „Kleinrussen (Ukrainer)“ wirkt bis heute nach. Auf ihm basiert auch der propagandistische Überbau, mit dem der „Putinismus“ den russischen Angriffskrieg begründet.
Foto: Silin2005 -- Lizenz: Gemeinfrei -- Die Plakette wurde nach dem russischen Angriffskrieg 2022 von Unbekannten entfernt.
Wir hatten bereits über die Aussage der russischen Militätbloggerin Agnes Becker berichtet, die in ihrem Telegramkanal eine angeblich unabhängige Studie zitiert hatte. Danach würde die durchschnittliche Überlebensdauer eines Soldaten bei einem Angriff an den vordersten Positionen nur 20 - 35 Minuten betragen. Am letzten Mittwoch bestätigte der CIA-Direktor John Ratcliff diese Aussage:
„Unsere Erkenntnisse decken sich mit einigen Berichten aus offenen Quellen, die Sie möglicherweise im Zusammenhang mit der Ukraine gesehen haben: Die durchschnittliche Lebenserwartung eines russischen Rekruten, der derzeit auf dem Schlachtfeld in der Ukraine eintrifft, wird auf 20 bis 30 Minuten geschätzt.“
Durch den Einsatz von Drohnen mit KI-Unterstützung steigen jedoch die Verlustzahlen auch weit hinter der Front. Im folgenden Video sieht man solch eine Drohne, die zielgerichtet einen russischen Militärlaster ausschaltet. Vermutlich handelt es sich um die in Deutschland hergestellt HX-2 der Rüstungsfirma Helsing.
Die Kleinstadt Tschulym liegt etwa 130 km westlich der Hauptstadt Nowosibirsk. In der Stadt und im dazugehörigen Bezirk leben rund 20.000 Menschen - Tendenz rückläufig. Die Gegend ist landwirtschaftlich geprägt, etwa ein Drittel aller Erwerbstätigen arbeiten in diesem Bereich.
Ein Denkmal erinnert an die Toten aus den sowjetischen und russischen Kriegen. Im Krieg in Afghanistan sind zwei Soldaten aus dem Bezirk getötet worden, in den Tschetschenienkriegen wurden acht Männer getötet und im aktuellen Krieg gegen die Ukraine wurden bisher 113 Namen eingraviert.
Setzt man jene 113 Kriegtoten ins Verhältnis zur Bevölkerung, so würde jene Region an zweiter Stelle aller russischen Regionen in unserer entsprechenden Tabelle stehen.
Peter Frankopan ist Professor für Weltgeschichte an der Universität Oxford. In einem Essey über Wladimir Putin zitiert er den exilrussischen Telegram-Kanal „Astra“. Astra selbst zitiert in einem Beitrag eine/n Z-Blogger/in „Agna Becker“ der/die den Telegram-Kanal „Haus unter Lorbeeren“ betreibt. Agna Becker wiederum zitiert „unabhängige Studien von 'N' “ und damit kommen wir zur eigentlichen Nachricht.
Nach dieser Studie würde die durchschnittliche Überlebensdauer eines Soldaten bei einem Angriff an den vordersten Positionen nur 20 - 35 Minuten betragen. Laut der selben Studie betrage die „durchschnittliche Lebenserwartung“ eines Soldaten von der Zeit seiner Ankunft auf dem Übungsplatz bis zu seiner Abreise in den Kampfgebiet von zehn Tagen bis zu drei Wochen.
Ganz unrealistisch sind diese Aussagen nicht, wie unsere vielen Beispiele über Kurzzeitsoldaten zeigen. Wir haben Agna Becker angeschrieben und um einen Link auf die Originalveröffentlichung gebeten. Eine Antwort ist nicht zu erwarten.
„Ich freue mich auf meinen Tod“ ist der Titel einer bekannten Kantate von Johann Sebastian Bach. Die ist dem Autor spontan zum unten veröffentlichten - KI-generierten - Video eingefallen. In diesem werden 46 russische Soldaten vorgestellt, die alle aus der Großstadt Artjom oder deren näheren Umgebung in der Region Primorje stammen. Zur Erinnerung - die Region Primorje liegt im Fernen Osten Russlands. Die Soldaten im Video werfen ihre Waffen weg, lachen dabei und schreiten ins Nirwana.
Wieviel sinnvoller wäre es gewesen, wenn all diese Soldaten sich diesem verbrecherischen Krieg verweigert und gemeinsam ihre Waffen niedergelegt hätten? Sie wären zumindest lebend nach Hause gekommen. So dürfte auch diese KI-generierte Schmonzette keine Hilfe und Trost für ihre Angehörigen darstellen.
Im ersten Quartal 2026 floss beinahe jeder zweite Rubel aus dem russischen Staatshaushalt in das Militär. Das berichtet ein Mitarbeiter der deutschen Stiftung Wissenschaft und Politik in seinem aktuellen Rundschreiben. Ganz genau betragen die militärischen Ausgaben inzwischen 46% des gesamten russischen Haushalts.
Am 01.08.1914 ist Deutschland in den Ersten Weltkrieg eingetreten, am 11. November 1918 unterzeichnete eine deutsche Delegation den Waffenstillstand. Berechnet man die Zeitspanne des Krieges, so kommt man auf 1.564 Tage Krieg.
Am 24.02.2022 begann die zweite russische Invasion der Ukraine. Bis zum heutigen Tag gerechnet sind das inzwischen 1.570 Tage Krieg, der Konflikt dauert also inzwischen länger als der Erste Weltkrieg - trotz zwischen 300.000 und 500.000 russischen und vermutlich 100.000 ukrainischen Kriegstoten, all den Kriegsversehrten und unermesslicher Zerstörung der Lebensgrundlage der Menschen in der Region. Und noch immer ist kein Ende in Sicht.
Und zur Erinnerung: Die erste russischen Invasion in der Ukraine fand bereits im Jahr 2014 statt, als Russland die Krim gewaltsam annektierte und russische Geheimdiensttruppen in den Donbass einsickerten.
Das Dorf Uinskoje liegt in der russischen Region Perm mit etwa 4.000 Bewohnern. Vermutlich wurde in diesem Dorf ein Versuchsballon gestartet. In einer Information auf der VKonatkte-Seite der „Verwaltung des Stadtbezirks Uinsky“ wurde eine Anzeige der Verwaltung veröffentlicht. Danach werden Frauen in der Region Perm für den Kriegseinsatz rekrutiert. Die Behörden versprechen ein Gehalt von 210.000 Rubel pro Monat und einen Bonus von 1,5 Millionen Rubel für die Unterzeichnung eines Vertrags mit dem russischen Verteidigungsministerium. Der Vertrag soll eine Laufzeit von einem Jahr beinhalten. (Allerdings können solche Verträge laut einem Erlass des Präsidenten so lange verlängert werden, solange die Mobilisierung nicht aufgehoben ist.)
Laut dem Informationstext können nur Frauen zwischen 18 und 35 Jahren einen Vertrag als Drohnenpilotin unterzeichnen, Frauen unter 45 Jahren dürfen sich für Positionen als Fahrerin für humanitäre Hilfstransporte bewerben.
Die Informationsseite wurde inzwischen gelöscht. Allerdings ist es uns gelungen, noch einen Screenshot der betreffenden Anzeige zu sichern (Original, deutsche Übersetzung.).
Die russische Zensur verbietet die genaue Berichterstattung über die vielen ukrainischen Drohnenangriffe auf Erdölraffinerien und Militärstützpunkte im ganzen Land. Die örtlichen Medien berichten deshalb nur sehr zögerlich über die Resultate und zitieren lieber staatliche Erfolgsmeldungen, dass wieder eine Vielzahl von Drohnen abgeschossen wurden.
In den Kommentaren zu den Berichten der großen lokalen Medien ließen die Bürger ihrer Wut freien Lauf und verspotteten Behörden und Regierung. Wir haben mehrfach solche Kommentare veröffentlicht.
In den letzten Tagen gab es erneut Drohnenangriffe auf die Region Krasnodar und St. Petersburg. Wieder wurde im Raum Krasnodar eine Erdöl verarbeitende Anlage in Brand gesetzt und bei St. Petersburg wurde ein Munitionslager angegriffen. Es kam zu Explosionen, die Bevölkerung in der Nähe wurde evakuiert.
Leserkommentare zu den Berichten von Fontanka in St. Petersburg sind jetzt nicht mehr möglich, die Funktion wurde deaktiviert.
Die russische Staatsbank hat eine neue Tabelle über ihre Währungsreserven bis einschließlich 1. Mai veröffentlicht. Danach verkauft die Zentralbank seit Jahresanfang monatlich eine beträchtliche Menge an Gold - insgesamt knapp 28 Tonnen.
Russland dürfte durch den Verkauf etwa 3,7 Milliarden Euro eingenommen haben. Das russische Staatsvermögen wird aber nur zu einem geringen Teil, wenn überhaupt, bei den Bürgern ankommen. Der Staat benötigt die Einnahmen, um seinen Krieg gegen die Ukraine zu finanzieren.
„Udmurtien gegen Koruption“ ist ein Telegram-Kanal, über den wir auch Meldungen über russische Kriegstote aus der russischen Teilrepublik Udmurtien beziehen. Der Gründer des Kanals, Iwan Elisejew, hatte bis zum Jahr 2021 das regionale Büro Alexej Nawalnys geleitet. Ende 2021 verließ auch Elisejew Russland, um einer Verhaftung zu entgehen.
„Udmurtien gegen Koruption“ wurde inzwischen in das russische Register der „ausländischen Agenten“ aufgenommen. Iwan Elisejew wurde aktuell vom russischen Innenministerium zur Fahndung ausgeschrieben.
Am 13. und 14. Mai startete Russland den größten Drohnenangriff auf Kiew und die gesamte Ukraine. Moskau setzte 1.567 Drohnen und 56 weitere Raketen ein. Allein in Kiew wurden 24 Menschen getötet.
Zwei Tage später griffen ukrainische Drohnen zum ersten Mal in großem Umfang die Region Moskau an. Ziele waren eine Erdölraffinerie und Betriebe mit militärischer Produktion. Mindestens drei Menschen wurden getötet.
Zum Bericht des Moskauer Internetportals MSK1 über die Schäden, gab es auch einige interessante Kommentare:
Das WZIOM ist ein staatliches Meinungsforschungsinstitut in Russland, das größte seiner Art im Land. Es veröffentlicht regelmäßig Untersuchungen über die Beliebtheitswerte des Präsidenten, der russischen Regierung und der Stimmung im Land. Im April 26 berichtete das Institut, dass die Zustimmungswerte zur Amtsführung des Präsidenten auf 65,6% gefallen wäre. Dem Ministerpräsidenten und seine Regierung bescheinigte das Institut Zustimmungswerte von 44,3%, bzw. 39,7%. Für eine deutsche Regierung wären das beruhigende Werte, im autoritären Staat Russland geht so etwas nicht.
Im Mai 2026 änderte WZIOM dann die Methodik - und siehe da, die Werte für Putin wurden besser. Zitat:
Laut den Ergebnissen einer gemeinsamen Umfrage unter Russen lag die Zustimmungsrate für die Leistung des Präsidenten im Zeitraum vom 4. Mai bis 10. Mai 2026 bei 66,8 %. Die positive Bewertung der Arbeit des Premierministers und der russischen Regierung in der vergangenen Woche betrug 42,2 % bzw. 38,9 %.
Damit kann Präsident Putin ganz gut leben und alle aktuellen politischen Probleme an seine Regierung adressieren.
Damit alles passt, hat WZIOM diesmal seine Methodik verändert. Statt einer reinen Telefonbefragung der Bürger, ist man jetzt zusätzlich von Haustüre zu Haustüre gegangen und hat die Menschen direkt angesprochen.
Frage an unsere Leser: Würden Sie in einem autoritären Staat eine ehrliche Antwort geben, wenn ein Unbekannter vor ihrer Tür steht und Sie nach Ihrer Meinung zum Präsidenten befragt? Auch wenn der Frager versichern würde, alles bliebe anonym?
Jeder deutsche Bundeskanzler wäre glücklich und froh, wenn er die Zustimmungswerte des russischen Präsidenten auch nur annähernd erreichen könnte. Die lagen seit Beginn des Angriffskrieges stabil bei über 80% in der russischen Bevölkerung.
Doch Unruhe kommt auf, das einzig verbliebene, unabhängige russische Meinungsforschungsinstitut, das Lewada-Zentrum, berichtet von ihrer letzten Umfrage vom 30.04.26:
Die Zustimmungswerte für Wladimir Putin als Präsident lagen im April 2026 bei 79 Prozent und sind in den vergangenen sechs Monaten kontinuierlich gesunken – um 8 Prozentpunkte seit September 2025. 16 Prozent der Befragten missbilligen die Amtsführung des Präsidenten (ein Anstieg um 5 Prozentpunkte seit September 2025). Dies ist das erste Mal seit Herbst 2022, dass dieser Wert unter 80 Prozent gefallen ist.