15.01.2026 -- 177.297 // Zuwachs zum 31.12.2025: 3.754
Den Literaten unter den Nachrufschreibern gelingt so manche Stilblüte:
Am 5. August 2024, im Alter von 33 Jahren, traf Iwan eine Entscheidung, die sein Leben verändern sollte. Er unterzeichnete einen Vertrag und zog in den Krieg, um sein Vaterland zu verteidigen. Seit August 2024 galt er als vermisst. Lange Monate der Hoffnung und Ungewissheit quälten die Herzen seiner Angehörigen. Erst am 1. Juli 2025 erreichte sie die bittere Nachricht: Er hatte seine Pflicht gegenüber seinem Land erfüllt und war gefallen.
Iwan Katunin, 16.09.1990 - 24.08.2025, lebte im Dorf Schurewka-Perwaja in der Oblast Belgorod.
Gennadi Sergejewitsch Gromak (26. April 1984 - 31. Mai 2025) stammte aus der ukrainischen Stadt Kertsch auf der Krim und war aktiver Teil der Kosakenbewegung. Er meldete sich freiwillig zum Krieg gegen sein Land als Richtschütze an einer Kanone. Gennadi starb in einem ungleichen Kampf - großes Geschütz gegen kleine Drohne. „Er starb durch die Explosion einer feindlichen Drohne, während er bis zum letzten Augenblick mit einer Kanone auf den Feind feuerte“, berichtet der Nachruf. Durch DNA wurden seine sterblichen Reste identifiziert, die Beisetzung steht noch aus.
Jerschan Sereksbaewitsch Jerschanow (Foto), geboren am 09.03.1990, lebte in der Siedlung Burtinsky im Zentrum der Oblast Orenburg. Er hatte sich freiwillig zum Kriegsdienst verpflichtet und wurde am 22.09.25 er an der Front getötet. Das ist alles was wir über den Mann wissen. Seine Eltern haben ein KI-generiertes Video in Auftrag gegeben, das wir hier dokumentieren. Jerschan war nicht verheiratet, also hat seine Familie ihm noch eine virtuelle Braut, ganz in weiß, dazu gedichtet.
Igor Gretschischnikow (Foto), 65 Jahre alt, lebt in Aluschta, einem Kur- und Ferienort auf der Krim. Er ist der Vater oder Großvater eines sehr jung im Krieg gegen die Ukraine getöteten russischen Soldaten. Trotzdem unterstützt er den russischen Angriffskrieg. In seinem Status haben wir das obige selbstgemalte Plakat gefunden, das den russischen Krieg auf eigene Weise dokumentiert. Text: „Wir können uns nicht verirren, weil wir nicht wissen, wohin wir gehen.“
Am Streckenkilometer 2.306 ab Moskau befindet sich die Station Omutinskaja der Transsibirischen Eisenbahn. In dieser Siedlung in der Region Tjumen lebte Igor Iwanowitsch Syrow, geboren am 20. Januar 1965. Er hatte sich im Herbst 2024 freiwillig zum Krieg in der Ukraine gemeldet - wobei der Begriff freiwillig zu hinterfragen wäre. Auf jeden Fall - Igor wurde bereits am 20.12.2024 an der Front entsorgt. Es dauerte fast ein Jahr bis der Mann in seinem Heimatdorf bestattet wurde. Unter merkwürdigen Umständen fand die Trauerfeier in einem industrieähnlichen Gebäude statt - ohne Verwandschaft, ohne Bekannte. „Aufgrund seiner Lebensumstände hatte Igor Iwanowitsch weder Familie noch Freunde“, bekennt der Nachruf. Und so kommt der Verdacht auf, dass jener anscheinend wohnsitzlose Mann von den Behörden ganz „freiwillig“ an die Front abgeschoben wurde.
Flaris Tscharschambowitsch Nabiullin wurde am 30.12.1961 im kleinen Dorf Karabaewo in Baschkortostan geboren. Er lernte einen Traktor zu fahren und arbeitete sein ganzes Leben lang als Viehtreiber auf den Kolchosen Iskra und Magdan. Zur Rente hin wollte Flaris dann viel Geld verdienen und unterschrieb im November 2025 einen Vertrag mit dem Militär. Das Datum seines Todes wird nicht berichtet, aber Flaris wurde bei seinem ersten Einsatz getötet. Am 12. Dezember wurde er bestattet. „Mein Bruder Flaris, mein Verwandter, möge die schwere Erde leicht auf dir liegen, mögen die dunklen Täler hell sein und möge dein enges Grab weit werden. Du wirst lange in unseren Herzen weiterleben. Ruhe in Frieden, unser Bruder Flaris“, schreibt Schwester Chalida.
Salawat Sabyrgalijewitsch Bapalow wurde am 23. Februar 1967 im 200-Seelen-Dorf Schmagino im Süden der Oblast Astrachan geboren. Das Dorf wird überwiegend von Bürgern kasachischer Abstammung bewohnt. Salawat musste seinen Wehrdienst noch in der ehemaligen Sowjetunion absolvieren und meldete sich freiwillig zum Krieg in Afghanistan. „Dieser schreckliche Krieg hinterließ unheilbare Wunden“, heißt es vieldeutig im Nachruf. Sehr tief können diese Wunden nicht gewesen sein, denn am 8. September 2025 unterschrieb Salawat einen Vertrag zu seinem zweiten Kriegseinsatz, der allerdings von kurzer Dauer war. Am 30. November 25 war Salawat Geschichte - laut seinem Nachruf wäre er immerhin „heldenhaft getötet worden“.
Burjat-Inkasso! Nikolai Jurjewitsch Kuklin wurde am 11. August 1996 im Dorf Podlopatki im Süden Burjatiens geboren. Er hätte eine Ausbildung an der Eisenbahnerschule absolviert, wohl ohne Abschluss. So verschlug es Nikolai in die Hauptstadt Burjatiens, Ulan-Ude, wo er als Schuldeneintreiber bei einer privaten Sicherheitsfirma arbeitete. Im September 2022 wurde seine Tätigkeit unterbrochen, Nikolai wurde mobilisiert und kam an die Front. Am 01.09.25 wurde er getötet. „Nikolai war ein ruhiger, ausgeglichener, freundlicher und hilfsbereiter Mann. Er liebte seine Familie über alles, sorgte sich um sie und war stets zur Stelle, wenn jemand Hilfe brauchte“, meint der Nachruf.
Valery Nikolaewitsch Sampilow, geboren am 29.08.1988, wurde auf einem Milchviehbetrieb nahe dem Dorf Selenduma in Burjatien geboren. Seine Eltern starben früh und Valery kam ins Waisenhaus. Nach seiner Ausbildung war nicht viel los mit Valery, der Nachruf schweigt zu Beruf und Arbeit. Dafür meldete er sich im Jahr 2022 freiwillig zum Krieg in die Ukraine und hatte großes Glück - er kam in Gefangenschaft. Als Valery ausgetauscht wurde, hielt er es nicht lange zuhause aus. Er meldete sich 2024 erneut freiwillig und wurde am 1.03.25 getötet.
Es gibt keine Straße zum Dorf Krasneno, in dem gerade mal 70 Menschen leben. Es sind hauptsächlich Tschuktschen, die dort wohnen und vom Fischfang und der Jagd leben. Michail Sergejewitsch Peljatagin, geboren am 18. März 1994, war ebenfalls Fischer und Jäger, bis er sich im Oktober 2023 entschloss, im Krieg richtig viel Geld zu verdienen. Kaum angekommen im Kriegsgebiet war er am 18. November 2023 bereits tot. Zurück dauerte es wesentlich länger - am 5.12.25 gab die Stadtverwaltung der Hauptstadt seinen Tod bekannt. Der Termin der Beisetzung ist noch unbekannt.
Alexej Nikolajewitsch Tarasowsk, geboren am 25.12.1967, machte Karriere in seiner Geburtsstadt Jeisk in der Oblast Krasnodar. Er hatte es bis zum Polizeioberstleutnant gebracht und wurde vor ein paar Jahren pensioniert. Offensichtlich wollte auch er seine Rente aufbessern und zog in den Krieg. Am 21.11.2025 wurde er getötet.
Gabdreschit Abrazakowitsch Jusupow, geboren am 26.06.1961, lebte in der Großstadt Dimitrowgrad in der Oblast Uljanowsk. Am 6.12.25 wurde er dort begraben. Warum ist ein 64 Jahre alter Großvater in den Krieg gezogen? Die Antwort findet man in den Strafakten. Gabdreschit wurde im März 2023 zu neun Jahren Gefängnis verurteilt. Der Mann hatte seine Ex-Ehefrau zu Besuch, becherte mit ihr reichlich und beide gingen zusammen ins Bett. Am anderen Morgen wachte Großvater auf, neben ihm lag seine erstochene Frau und er konnte sich an nichts erinnern. Auch er zog den Krieg dem Gefängnis vor und meldete sich „freiwillig“. Natalja schreibt zur Todesmeldung: „Ewiges, strahlendes Andenken dem Helden! Mein Beileid an seine Familie.“
„Es ist besser, ein hungriger Wolf zu sein als ein wohlgenährter Schakal“, schrieb Wladimir in seinen Status auf VKontakte am 22.10.24. Später, im Januar 2025 zählte er die Rubel, die Freiwillige für den Krieg in der Ukraine als Antrittsprämie und Gehalt bekommen. Danach war Stille auf seiner Seite bis zum 3.12.25: „Mit tiefer Trauer und großem Schmerz im Herzen teilen wir Ihnen mit, dass unser lieber Vater, Großvater, Bruder, Onkel und Freund am 30. Juni 2025 während einer militärischen Sonderoperation ums Leben kam.“ Wladimir Gennadijewitsch Tatarinow, geboren am 18. Mai 1967, lebte in der Stadt Tschernuschka im Süden der Region Perm.
Auch Kickboxen ist an der Front wenig gefragt. Oleg Kartlosowitsch Panin, geboren am 11.06.1973 in Leningrad, war Vorsitzender des Kickboxverbandes von Brijansk, Manager eines Immobilienunternehmens und Ehrenbürger des Dorfes Lokot in der Oblast Brjansk. Privat hat er acht Kinder, von einer Frau ist nicht die Rede, aber von seiner Mutter. Warum der Mann im Januar 2025 einen Militärvertrag abschloss, verschweigen die Nachrufe. Am 27.11.2025 war auch seine Militärzeit abgelaufen. „Er fiel im Einsatz für die Sicherheit unseres multinationalen Volkes, dessen Recht auf Leben und Selbstbestimmung“, fabuliert der Nachruf.
Valery Borisowitsch Gepner, geboren am 14.10.1978, lebte in der Großstadt Rybinsk in der Oblast Jaroslawl. Er war Kosak und Cheftrainer eines Säbelfechtverbandes. Auch ihn zog es in den Krieg, statt mit dem Säbel kämpfte er als Drohnenpilot. Dabei wurde er schwer verletzt, aber meinte, dass dieser Krieg ihn unbedingt brauchen würde und kehrte an die Front zurück. Bei einem russischen Angriffsversuch wurde er aktuell getötet.
Sicherheit ist realativ:
Freunde! Traurige Nachrichten. Wladimir Ogarkow, Chefredakteur der Zeitschrift „Welt der Sicherheit“, ist im Nordöstlichen Militärbezirk heldenhaft ums Leben gekommen. Wladimir hat diese Entscheidung selbst getroffen. Wir werden ihn als Helden und wahren Profi in Erinnerung behalten! Die gesamte Sicherheitsgemeinschaft trauert…(Link)
Zandan Munkobolotowitsch Budadariew, geboren am 14.10.1986, war ein ethnischer Burjate, der im Dorf Tsokto-Changil in Transbaikalien aufwuchs. Sein Berufseinstieg war eigentlich gelungen. Er arbeitete von 2014 - 2015 als Informatik- und Lebenssicherheitslehrer an seiner ehemaligen Schule. Doch danach wurde er Berufssoldat und gehörte ab dem Jahr 2016 zu den regulären russischen Streitkräften im Donbass - als Separatist verkleidet. Weiter ging es für ihn auf die Kurilen, nach Syrien und schließlich gehörte Zandan im Februar 2022 zu den ersten russischen Invasionstruppen in der Ukraine. Bereits am 17. Mai 2022 war Zandans Militärkarriere vorbei.
Sergej Orlow, geboren am 21.03.1995 in Tscheljabinsk, war ein Multitalent: Akrobat, Gitarrespieler, Breakdancer, Trampolinhüpfer, Zirkusartist und Fitnesstrainer zugleich. Achso - er war auch noch Kinesiologe für die, die daran glauben. Sein Motto war: „Der Sinn des Lebens ist ein sinnvolles Leben.“ Das sinnvolle Leben suchte er dann als Freiwilliger im Krieg gegen die Ukraine und hat dort - wie überraschend - den sinnlosen Tod gefunden.
Hermann Semjonowitsch Konkin hatte mit seinen 61 Jahren auch schon bessere Zeiten erlebt. Auf dem Foto sieht man einen verbrauchten Mann, der deutlich älter aussieht. Hermann kam aus dem Dorf Muschi mit rund 3.700 Bewohnern im Autonomen Kreis der Jamal-Nenzen. Viel Arbeit gibt es dort nicht, der Bezirk lebt von staatlichen Zuwendungen. So kam es, dass auch ein Mensch wie Hermann, der nicht kriegstauglich wirkte, als Kanonenfutter im Donbass eine Aufgabe erfüllte und damit seinen Angehörigen zu einem Geldsegen verhalf. Hermann wurde am 20.11.25 in Muschi begraben.
Aljona schreibt: „Du warst der gütigste und fürsorglichste Mensch ... Es tut mir leid, dass das Schicksal so entschieden hat. Und du bist in den Krieg gezogen ...Du bist als Held gestorben ... bist Zugführer geworden, hast 6 Kampfeinsätze absolviert, ohne eine einzige schwere Verletzung ... hast 3 Medaillen verdient, darunter das Georgs-Silberkreuz für Tapferkeit!“ Da stellt sich die Frage - wie kann ein gütiger und fürsorglicher Mann freiwillig in den Krieg ziehen, um in einem fremden Land die Väter anderer Familien zu töten? Ion Hochlow, 11.01.93 - 23.11.2025, lebte in der Stadt Perm.

Gennadi Sergejewitsch Gromak (26. April 1984 - 31. Mai 2025) stammte aus der ukrainischen Stadt Kertsch auf der Krim und war aktiver Teil der Kosakenbewegung. Er meldete sich freiwillig zum Krieg gegen sein Land als Richtschütze an einer Kanone. Gennadi starb in einem ungleichen Kampf - großes Geschütz gegen kleine Drohne. „Er starb durch die Explosion einer feindlichen Drohne, während er bis zum letzten Augenblick mit einer Kanone auf den Feind feuerte“, berichtet der Nachruf. Durch DNA wurden seine sterblichen Reste identifiziert, die Beisetzung steht noch aus.

Nachdem die Aufmerksamkeit zu unseren Veröffentlichungen wächst, eine kurze Information zu OskarMaria.
Unter diesem Pseudonym war der Initiator im Internet seit über 25 Jahren recht unregelmäßig präsent. Ab dem Jahr 2014 hat er hier über die Situation in den von Russland besetzten Gebieten des Donbass geschrieben. Als einer der ersten Journalisten überhaupt informierte er über die damals neu gegründete Gruppe Wagner.
Beruflich war er seit den 80-iger Jahren Geschäftsführer von diversen Medienunternehmen im Printbereich. Jetzt im Ruhestand, Kinder erwachsen, bleibt etwas mehr Zeit, die gesammelten Erfahrungen zusammen mit wenigen Mitstreitern für dieses Projekt zu nutzen.
Nachtrag: OskarMaria– das ist eine kleine Verbeugung vor dem beinahe vergessenen Schriftsteller Oskar Maria Graf. In Zeiten der Bücherverbrennungen wurden seine Werke von den Nazis verschont, ja sogar teilweise empfohlen. „Verbrennt mich!“ schrieb er 1933 in der Wiener Arbeiterzeitung, „nach meinem ganzen Leben und nach meinem ganzen Schreiben habe ich das Recht, zu verlangen, dass meine Bücher der reinen Flamme des Scheiterhaufens überantwortet werden und nicht in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbanden gelangen!“ Schließlich floh er in die USA – dort lebte er in bescheidenen Verhältnissen. Deutschland wollte den unbequemen Mann nach dem Krieg nicht wieder haben. Er starb 1967 in New York.
Literaturempfehlung: Wir sind Gefangene - Autobiograhie 1927.