Es ist nicht alles Militär, was in den von Russland besetzten ukrainischen Gebieten stationiert ist. Auch Polizei- und Justizeinheiten sind unter anderem dort vertreten. Anna Alanowna Kirguewa vertrat Russland als stellvertretende Staatsanwältin in der ukrainischen Stadt Enerhodar. Die Stadt entstand durch den Bau des Wärmekraftwerks Saporischschja und des Kernkraftwerks Saporischschja und hatte mal über 50.000 Bewohner. Anna war Mitte Juni 2026 mit einem PKW auf dem Weg zu einer Familienfeier in ihre Heimat Nordossetien-Alanien. Eine ukrainische Drohne beendete ihr Leben.

Ende 2020 wurde Alexander Wladimirowitsch Sytow zum Landrat des Bezirks Tselinny gewählt. Der Bezirk liegt im Süden der Oblast Kurgan und grenzt an Kasachstan. Alexander war Jurist, Mitglied der staatstragenden Partei „Einiges Russland“ und hatte bereits 12 Jahre Erfahrung in der kommunalen Verwaltung. Die Erfahrung hatte er dann auch trefflich genutzt. Im Mai 2025  wurde er wegen Finanzvergehen, Machtmissbrauchs und Veruntreuung von Geldern, darunter auch öffentlichen Geldern, für schuldig befunden. Das Urteil lautete auf sieben Jahre Haft in einer Strafkolonie mit allgemeinem Sicherheitsregime. Auch Alexander zog die „Ich komme aus dem Gefängnis frei“-Karte und meldete sich freiwillig zum Kriegsdienst. Am 7. Juli 2026 wurde er bestattet.

Vadim Jewgenjewitsch Stogow wurde im Jahr 1979 in einem Dorf ​​im Bezirk Noginsk in der Oblast Moskau geboren. Er schloss die neunte Schulklasse ab, begeisterte sich für Geschichte, gewann Preise und spielte Basketball. Anschließend absolvierte er die Fachhochschule für Industrietechnologien und wurde Schweißer. Vadim zog zwei Kinder groß.
Nach dem Tod seines Freundes beschloss er, ihn zu rächen und meldete sich freiwillig. Das endete vorhersehbar -  am 11. Februar 2026 wurde et auf dem Friedhof des Dorfes Bogoslowo im Stadtbezirk Bogorod beigesetzt.

Der junge Iwan wurde an der Front getötet, zur Identifizierung haben die ukrainischen Soldaten seinen (ukrainischen) Ausweis auf seine Leiche gelegt. Er stammte aus der ukrainischen Stadt Kreminna in der Oblast Luhansk. Warum er auf russischer Seite gegen sein  eigenes Land gekämpft hatte, wissen wir nicht. Etwa ein halbes Jahr später bekam sein Vater Anatoli einen Orden und ein Lebensmittelpaket von den russischen Besatzern. Zudem versprach man Hilfe beim Wiederaufbau seines Hauses und einen russischen Pass. Iwan Anatoljewitsch Schulz wurde am 11.09.1997 geboren und vermutlich Anfang des Jahres 2023 getötet. Auch er dürfte russlanddeutscher Abstammung sein.

„Während des Bergarbeiterstreiks von 1984/85 spendeten die Bergleute aus dem Donbass einen Monatslohn zur Unterstützung für uns. Als Mann aus einer Bergarbeiterfamilie in Yorkshire bin ich hier, um mich zu revanchieren“, meinte Bradley Spencer Townsend. Der 33jährige Brite war damals noch nicht auf der Welt, hatte auch keine militärische Erfahrung und verbrachte zuhause seine Zeit mit Karpfenangeln. Obwohl er mehrfach gewarnt wurde, schloss er im April 2026 einen Vertrag mit dem russischen Militär. Eineinhalb Monate später wurde sein Tod bekannt.

Georgij Dmitrijewitsch Wakulenko wurde am 24.12.1990 im Dorf Bajangol in Burjatien geboren. Er hatte keine geregelte Arbeit und war unverheiratet. Um auf die Beine zu kommen, unterschrieb er am 27. Oktober 2025 einen Zeitvertrag mit dem russischen Militär. Als Drohnenpilot wollte er weit weg von den ukrainischen Linien aus relativer Sicherheit heraus Ukrainer töten. Wie gesagt, jene Sicherheit ist relativ und so erwischte es auch Georgij. Am 7. Juni 26 starb er im Krankenhaus.

Mit tiefer Trauer geben wir bekannt, dass unser Sohn, Bruder, Ehemann, Vater, Freund und Kamerad Wissarion Romanowitsch Tolstjakow, gebürtig aus Bologur im Rajon Amginski, im Einsatz während einer militärischen Sonderoperation (SWO) gefallen ist (3. Juni 1989 – 30. Mai 2026).
Er gab sein Leben für die Interessen unseres Landes, war ein Vorbild an Mut und Tapferkeit, ein wahrer Kämpfer und ein verlässlicher Kamerad.
Die Abschiedsfeier findet am 25. Juni 2026 um 10:00 Uhr im Dorf Bologur, Leninstraße 40 (Donnerstag) statt.
Verwandte und Freunde.

Traueranzeige aus Jakutien (Sacha)

So sehen die Inschriften auf den Gräbern der Oblast Irkutsk in der Regel aus. Nur dass diesmal die Physiognomie und Hautfarbe auf dem Foto nicht ganz typisch für die Bürger  der Region sind. Dies ist ein Grab im Dorf Jelanka Malaja, etwa 20 km nordwestlich der Stadt Irkutsk.  Augustin Jeboah hieß der Mann und stammte wohl aus Ghana. 14 ghanaische Staatsbürger wurden durch Täuschung zur Unterzeichnung von Militärverträgen verleitet. Ihnen allen wurde eine Anstellung als Wachleute in Russland versprochen. Sie glaubten, Arbeitsverträge zu unterzeichnen, doch es stellte sich heraus, dass es sich um Verträge mit dem Verteidigungsministerium handelte. Elf von ihnen gelten später während des Krieges als vermisst. Das afrikanische Medium 3News erstellte dazu ein youtube-Video. Zu Augustin gibt es keine weiteren Informationen, aber er ist sicher im Krieg gegen die Ukraine gefallen. Auf einem Grabschmuck steht das Wort „Daddy“, er hatte wohl ein Kind in der Gemeinde. Der Originalbericht der „Menschen vom Baikal“

Ein notorischer Frauenheld, Trunkenbold und Söldner wäre Mark McCain gewesen. Mark, geboren am  28.04.1983, hätte eine Militärakademie in Lettland absolviert und Militärpsychologie studiert.  Er wäre Söldner in der französischen Fremdenlegion und sogar im Irak auf amerikanischer Seite gewesen.  Seine russische Schwiegermutter gab ihm den Rest: Sie brachte dem Iren russisches Fluchen bei und schickte ihn 2014 in den Donbass. Als Söldner bei den russischen „Separatisten“  in der Ukraine nannte er sich Mark Krylow, Kampfname „Ire“. Bereits am 19.03.2022 wurde er getötet, sein Tod wurde aktuell gemeldet.

Drei Monate lang stritten sich die Mutter und die Ehefrau um die Leiche von Oleg Iwonin. Oleg, 50 Jahre alt, lebte auf der russischen Insel Sachalin und war in den Luftlinie 7.400 km entfernten Krieg in der Ukraine gezogen. Im Herbst 2025 kam er dann im Zinksarg zurück. Seine Mutter wollte ihn Uglegorsk auf Sachalin begraben, seine Ehefrau dagegen wollte sein Grab in der Hauptstadt von Sachalin Juschno-Sachalinsk. Beide Orte liegen die Kleinigkeit von 350 km von einander entfernt. Vor Gericht dauerte die Entscheidung drei Monate, bis das Regionalgericht die Kleinstadt Uglegorsk als Begräbnisort festlegte. Am 28. Januar wurde Oleg dann beigesetzt.

Auf dem Foto sieht Igor wie ein professioneller Soldat aus, in Wirklichkeit war er eher ein Ritter der traurigen Gestalt. Entsprechend verlief auch seine Zeit als Vertragssoldat.  Im August 2024 kam er in ukrainische Gefangenschaft, ein Verhör mit ihm wurde veröffentlicht. Aber niemand vermisste ihn. Igor wurde nach einiger Zeit ausgetauscht und musste wieder zurück in den Krieg. Am 23. Mai 2026 war dann Schluss. Igor Gennadjewitsch Kalinin wurde am 04.07.1974 geboren und lebte im Dorf Iljinsky in Karelien. Am 11.06. wurde er dort begraben.

Witali Pawlowitsch Bragin wurde am 2. Dezember 1963 geboren und lebte in der Stadt Jakutsk in der russischen Teilrepublik Sacha. Witali war ein Vertreter der „Indigenen Völker des Nordens, Sibiriens und des Fernen Ostens der Russischen Föderation“. Witali war ein Ewenke, von denen im Jahr 2010 rund 38.000 in Russland lebten.
Im November 2023 meldete sich Witali freiwillig zum Krieg in der Ukraine. Am 4. Januar 2024 wurde er von der ukrainischen Armee gefangen genommen und am 31.01.24 ausgetauscht. Er musste zurück an die Front und wurde am 16.08.25 getötet.

Im Herbst 2022 wurde Nikolai  mobilisiert, nach dreieinhalb Jahren im Einsatz kam auch für ihn das Ende. Nikolai Nikolajewitsch Müller wurde am 25. Januar 1994 im Dorf Kaschkaragaicha in der Region Altai geboren - er hatte offensichtlich russlandeutsche Wurzeln. Nach der Schule arbeitete er im Brückenbau. Nikolai wurde am 08.03.2026 in der ukrainischen Region um Saporischschja getötet und am 4. Juni beigesetzt.

Maxim Wjatscheslawowitsch Safronow wurde am 4. Julij 1995 im Dorf Nowaja Brjan in Burjatien geboren. Das Dorf hat seit den Zeiten der Perestroika fast die Hälfte seiner Einwohner verloren. Heute leben noch etwa 4.200 Menschen dort. Maxim bekam während seiner Schulzeit eine kräftige Dosis Militarismus eingeflösst: Er besuchte den militärpatriotischen Club „Kasatschok“ und absolvierte das Militärspiel „Zarnitsa“. Nach der Schule studierte Maxim Medizin und arbeitete als Anästhesist und Notfallmediziner in einem Krankenhaus in Tschita (Transbaikalien).
Im Jahr 2025 wollte  Maxim endlich ordentlich verdienen und ging als Notfallmediziner im Rang eines Leutnants an die Front in der Ukraine. Eine häufige Legende der Nachrufschreiber lautet, dass der Tote heldenhaft Verwundete evakuiert hätte und dabei getötet wurde. So auch bei Maxim - eine Drohne hätte am 23. Juni 26 den Rettungswagen angegriffen und Maxim getötet.

Wassili Nikolajewitsch Konowalow wurde am 20. August 1988 im Dorf Bitschura in Burjatien geboren.  Das Dorf hat rund 9.000 Bewohner mit abnehmender Tendenz. Es ist ein Zentrum der altorthodoxen Kultur, die Glaubensgemeinschaft  war im 18. Jahrhundert in die Region verbannt worden. Wassili ist wahrscheinlich niemals aus dem Dorf heraus gekommen. Nach der Schule musste er keinen Wehrdienst ableisten und er hatte auch keine Festanstellung - vermutlich war er geistig behindert. „Nach der Schule half er seiner Mutter im Haushalt, arbeitete in Holzfällerbrigaden, im Baugewerbe und sammelte Nüsse“, schreibt der Nachruf. Im August 2025 meldete er sich freiwillig. „Er starb am 6. Januar 2026 einen heldenhaften Tod, nachdem er seine militärische Pflicht vollständig erfüllt hatte.

Erich Arturowitsch Schmidt (05.07.1994 - 29.01.2025) war russlanddeutscher Abstammung, lebte in Bratsk in der Region Irkutsk und war ein Ass im griechisch-römischen Ringen. Mit 21 Jahren gewann er ein gesamtrussisches Turnier in der Stadt Irkusk. Wie er in den Krieg geraten ist, konnten wir nicht ermitteln. Im Januar 2025 wurde er in der Ukraine getötet. Am 1. Juni 2026 veranstaltete der Ringerverband ein Jugendturnier. Aus der Einladung: „Dieses Turnier ehrt das Andenken an Erich Arturowitsch Schmidt – einen „Meister des Sports“ der Russischen Föderation und Absolventen des Ringerprogramms (griechisch-römischer Stil) von Bratsk –, dessen Beitrag zur Entwicklung des Ringkampfsports in der Region Irkutsk ein Vorbild an Engagement und Professionalität bleibt.“

Juri Wladimirowitsch Schelegow wurde am 13. Januar 1979 im Dorf Kasanka in der Oblast Lipezk geboren. Im Dorf lebten im Jahr 2012 gerade mal zwei Menschen. Juri schloss am 28. August 2024 einen Zeitvertrag zum Kriegsdienst in der Ukraine und am 4. November 2024 ging der Kontakt mit ihm verloren. „Endgültig“, wie im Nachruf vermerkt. Erst am 22.05.26 wurden seine Überreste begraben.
„Ein Unglück kommt selten allein“, vermerkt sechs Tage später ein weiterer Nachruf: „Die Familie hatte sich kaum von der Beerdigung von Juri Wladimirowitsch Schelegow erholt, als sie wenige Tage später die Nachricht von der Ankunft seines Bruders Jewgeni Wladimirowitsch Schelegow erhielt.
Jewgenij Wladimirowitsch Schelegow wurde am 14. November 1986 geboren. Er verpflichtete sich am 13.08.2024 beim russischen Militär und war bereits am 4. September 24 tot. Am 26. Mai wurde Jewgenij bestattet.

Valerij Aleksejewitsch Skrjabnew wurde am 16. Januar 1963 geboren und lebte in der ländlichen Siedlung Krasnoselskoje in der Oblast Uljanowsk. Auf dem Foto sieht er älter aus, als er mit seinen 63 Jahren ist. Seine Nase scheint mehrfach gebrochen. Er ist ein gutes Beispiel dafür, dass es den Militärbehörden schwer fällt, noch ausreichend Zeitsoldaten für den Krieg in der Ukraine zu akquirieren. So nimmt man einfach jeden, der vorstellig wird. 
Valerijs Kriegseinsatz verlief entsprechend. Am 9. April 2026 schloss er den Militärvertrag, am 5. Mai 2026 war er bereits tot - ein für das Militär entbehrliches Objekt in diesem Krieg.
Erst durch den Tod wird Valerij wieder zum Subjekt, zum Menschen gemacht. So schreibt die Dorfverwaltung: „Sein Tod ist ein unersetzlicher Verlust für seine Familie, seine Freunde und alle, die ihn kannten. Wir sind stolz auf den Mut unseres Landsmannes und trauern mit ihm. Wir verneigen uns tief vor ihm, gedenken seiner in liebevoller Erinnerung und ehren diesen tapferen Krieger für immer!“

Immer wieder liest man die selben russischen Legenden. Der Feldwebel Meirbek hätte eine Drohne bemerkt, seinen Kameraden gewarnt und seinen eigenen Tod in Kauf genommen, schreibt der Nachruf. Wahrscheinlich hat sein Kollege schneller reagiert oder einfach Glück gehabt. Meirbek Rauanowitsch Skakow (09.01.1997 - 13.04.2026) wuchs im Dorf Beljaschi in der russischen Teilrepublik Altai auf und war kasachischer Abstammung. Er war eigentlich ein kluger Kerl, absolvierte 11 Schulklassen und studierte danach an der  Staatlichen Agraruniversität Moskau. Danach arbeitete er als Gerichtsvollzieher auf Sachalin. Im Juni 2024 meldete er sich freiwillig zum Krieg, offensichtlich war er doch nicht so klug.

Wanka hatte enge Verwandte in Saporischschja (Ukraine), und als er volljährig war, ging er freiwillig dorthin, um die Menschen vor der eurofaschistischen westlichen Plage zu verteidigen. Seine Seele war zutiefst erschüttert. Er liebte die Ukraine und Russland gleichermaßen. Er hortete kein Geld, sondern verschenkte es großzügig an jeden, der ihn darum bat. Als er starb, waren seine Bankkonten leer; er hatte alles an Fremde verschenkt. Wir haben dasselbe Problem; wir haben es nicht verursacht. Wir sind vom selben Blut, haben denselben Glauben, stammen aus derselben slawischen Heimat“, kommentiert Igor den Tod des jungen Iwan. Iwan Alexandrowitsch Litwinenko (17.04.2006 - 08.03.2026) stammte aus der Stadt Schachti in der Region Rostow. Dumm nur - Iwan hat nichts verschenkt, sondern bevor die russischen Soldaten auf Selbstmordangriffe geschickt werden, kassieren die Kommandanten deren Bankkarten samt PIN ein. 

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