30.11.2025 -- 162.913 // Zuwachs zum 31.10.2025: 9.801
Blick auf Oljokminsk an der Lena -- Foto: A. L. (loading) -- Lizenz: CC BY-SA 4.0
Oljaminsk ist eine Kleinstadt in Jakutien (Sacha) mit rund 8.500 Einwohnern. Sie liegt an der Lena, einer der längsten Flüsse der Erde. Das Klima dort ist stark kontinental geprägt mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von rund -5° Celsius. Die Stadt ist Zentrum eines Landwirtschaftsgebietes mit Getreide und Genüseanbau und der Zucht von Pferde und Rindern.
Aus der Stadt kam auch Dmitri Anatoljewitsch Golowanow, der im September 2024 in den Krieg gegen die Ukraine zog und am 3. April 2025 getötet wurde. Am 1. Juni soll er beigesetzt werden. Wir geben den Nachruf der Bezirksverwaltung im übersetzten Originaltext wieder und fügen danach noch ein paar Details zu seinem Lebenslauf hinzu:
Wir haben über den Fall von Alexej Wachruschew (Video links) bereits hier berichtet. Alexej ist ein 22jähriger geistig behinderter Mann aus dem Dorf Tschernowskoje in der Region Perm. Er kann nicht rechnen, hält keinen Abstand, benutzt unflätige Ausdrücke, kann auch schlagen, aber kann nicht für sich selbst einstehen. Alexej wurde wahrscheinlich ein erfundener Diebstahl untergeschoben und ihm danach erklärt, dass er nicht in das Gefängnis käme, wenn er einen Vertrag mit dem russischen Militär abschließen würde.
Alexej diente zunächst in der Region Tscheljabinsk und fand sich dann an der Front wieder. Er wurde geschlagen, misshandelt und von seinem Kommandeur persönlich mit Vergewaltigung bedroht. Alexej konnte fliehen, wurde aber zurückgebracht und erneut in den Krieg geschickt. Im Februar 2025 verschwand er. Im März erfuhr seine Mutter, dass ihr Sohn erneut geschlagen, mit Heizöl übergossen und mit dem Verbrennen bedroht worden war. Also war er wieder weggelaufen.
Dalneretschensk Lenin Straße -- Foto: Undshel -- Lizenz: CC0
Wieder einmal befinden wir uns im Fernen Osten Russlands in der Region Primorje. Etwa 400 km nördlich der Hauptstadt Wladiwostok nahe der Grenze zu China liegt die Stadt Dalneretschensk. Die Stadt und der Landkreis haben zusammen rund 25.000 Bewohner mit abnehmender Tendenz. Dalneretschensk besitzt einen Bahnhof an der Transsibirischen Eisenbahn. Die Wirtschaft wird durch die Holzverarbeitung bestimmt, ansonsten ist nicht viel los in der Region.
Dafür sterben reichlich Bürger der Stadt im ganz fernen Krieg gegen die Ukraine. Eine örtliche Initiative will denen ein Denkmal errichten und hat deshalb die Kriegstoten in einem Film zusammengefasst. Insgesamt 129 gefallene Soldaten haben wir in jenem Film gezählt, 21 Namen waren uns bisher unbekannt. Wir dokumentieren den Beitrag auf Telegram vom 23.03.25 und das dazugehörige Video:
Beisetzung von Antoni Sawtschenko
Im Mai wurden im Krieg gegen die Ukraine zwei russische orthodoxe Priester getötet - Antoni Sawtschenko, geboren 1992, und Sergej Waida, geboren 1980. Beide begnügten sich nicht als spiritueller Beistand der Soldaten zu wirken, sondern waren an vorderster Front dabei und haben wahrscheinlich an den Kämpfen mitgewirkt - das zumindest legen die Berichte nahe.
Antoni Sawtschenko wurde durch eine HIMARS-Rakete getötet, Sergej Waida durch eine Drohne. In den russischen Medien werden über beide Priester Heldengeschichten erzählt, von denen man kein Wort glauben sollte. Sergej Waida war Vater von 11 Kindern und steht im Verdacht, bei der Besetzung der Region Cherson durch russische Truppen alle verwertbaren Gegenstände eines größeres Anwesens gestohlen zu haben.
Die Unterstützung des russischen Angriffskrieges durch die russischen orthodoxen Kirche entlarvt deren Verwendung von Begriffen wie Erlösung, Glauben, Liebe und Hoffnung als bloßes Geschwurbel. Wir dokumentieren die beiden Berichte über die Priester im übersetzten Originaltext.
Slatoust ist eine Großstadt in der Oblast Tscheljabisnk - etwa 1.750 km östlich von Moskau. Anfang April liegen noch Schneereste auf dem Friedhof, es gibt drei Beisetzungen von im Krieg gegen die Ukraine gefallenen Soldaten.
Der russische Telegram-Kanal "Tscheljabinsk der Zukunft" schreibt eine wütende Anklage auf diesen sinnlosen Krieg mit seinen vielen Opfern. Wir geben den Text vom 8. April 25 übersetzt wieder:
Bei der Durchsicht der heute veröffentlichten gefallenen Soldaten aus der russischen Teilrepublik Tatarstan ist uns dieses Foto aufgefallen. Es zeigt den 54jährigen Anas Achmatullowitsch Ismagilow aus dem kleinen Dorf Werchnie Pinjatschi mit weit weniger als 300 Bewohnern.
Anas wurde am 08. Dezember 1970 geboren und irgendwann im Dezember 2024 in der Ukraine getötet. Dem Foto nach zu urteilen, ist er ein durch harte Arbeit verbrauchter Mann, der zudem wesentlich älter aussieht. In den Kommentaren zur Meldung seines Todes wird berichtet, dass er früher mal bei der russischen Eisenbahn gearbeitet hätte. Er wäre ein sehr kluger und menschlicher Mann gewesen.
Warum aber Anas sich freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet hat, erschließt sich weder aus der Meldung und noch aus den Kommentaren.
Weiterlesen: Anas Ismagilow aus dem tatarischen Dorf Werchnie Pinjatschi
Jakutien (Sacha) -- Foto: Ilya Varlamov -- Lizenz: CC BY-SA 3.0
Beinahe neun Mal so groß wie Deutschland ist die russische Teilrepublik Sacha. Wir bevorzugen allerdings den ehemaligen Namen - Jakutien. Etwa eine Million Menschen leben in dieser vorzugsweise kalten Region mit durchgehenden Permafrostböden. Die größte Volksgruppe sind die Jakuten, die etwa 55% der Bevölkerung stellen, danach kommen die Russen mit 33% und die Ewenken mit 3%.
Im Verlauf des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine werden auch immer mehr Bewohner von Jakutien getötet. Ende 2023 stand die Region noch auf Platz 22 in unserer Tabelle der Kriegstoten in Relation zur Bevölkerung, inzwischen ist Jakutien auf Platz 12 angekommen - Tendenz steigend.
Täglich liefert der Telegram-Kanal "Todesopfer aus der Republik Sacha" neue Namen von getöteten Soldaten. Wir veröffentlichen die bisherigen Gefallenen und Vermissten vom 22. Mai 25, es kommen laufend Neue dazu.
Weiterlesen: Die Toten und Vermissten eines Tages aus Jakutien
Im hintersten Winkel von Burjatien, zwei Kilometer von der Grenze zur Mongolei entfernt, liegt das Dorf Tsagan-Usun. Das Dorf hatte im Jahr 2010 noch 276 Bewohner und wie man auf dem Foto sieht, verfügt es über keine befestigte Straße. Im Dorf wurde am 8. Juni 2001 Denis Wladimirowitsch Elisejew geboren. Von einem Vater war nie die Rede, als Denis elf Jahre alt war, kam er ins Waisenhaus.
Als er volljährig wurde, musste er das Waisenhaus verlassen und zog zu seiner Tante in die Hauptstadt von Burjatien, Ulan Ude. Sein Heimatdorf hätte er gelegentlich noch besucht, von einer Ausbildung, Anstellung oder Arbeit wird nichts berichtet - voraussichtlich nicht vorhanden. Denis wurde auch nicht zum Wehrdienst eingezogen.

Geistig behinderte Jugendliche in sowjetischen Militäruniformen als Staffage für eine patriotische Inszenierenung
Zur Orientierung - wir sind im kleinen Dorf Erilowka in der Oblast Lipezk. Das Dorf liegt rund 400 km südlich von Moskau und hatte im Jahr 2010 gerade mal 349 Bewohner. Im Dorf befindet sich die staatliche Haushaltsbildungseinrichtung "Sonderinternat des Dorfes Erilowka", eine Schule für Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung.
Und auch diese Einrichtung hat das Ziel, durch eine patriotische Erziehung ihre männlichen Absolventen an das Militär und den Kriegsdienst heranzuführen. Aktuelles Opfer ist der 23jährige Alexander Wiktorowitsch Prawda, der die Einrichtung im Jahr 2017 abgeschlossen hatte und der, wie der Film zeigt, auch weiterhin mit dem Internat verbunden war..
Weiterlesen: Internat für geistig Behinderte gedenkt einem Absolventen
Wie schwer verwundete mobilisierte Soldaten an die Front geschickt werden

Verwundete russische Soldaten, selbst auf Krücken, werden an die Front zurückgebracht
Im April zeichnete das Militär in einer Militäreinheit in Leningrad Luga ein Video auf, in dem Dutzende von verwundeten Soldaten auf Krücken, ohne Beine und ohne Arme oder ein Auge an die Front geschickt wurden. Alle von ihnen haben die Kategorie „D“ - untauglich für den Militärdienst.
Das Video könnte aufgrund der Absurdität des Geschehens als Fälschung betrachtet werden, aber die Angehörigen von schwer verwundeten mobilisierten Männern berichten der Redaktion, dass auch absolute Invaliden „an die erste Front“ geschickt werden. Zu einem von ihnen, dem halb blinden Dzatte Mamitow, der wegen der gleichzeitigen Verwundung seiner Beine und seines Arms nicht einmal auf Krücken gehen kann, haben die Angehörigen am 10. April den Kontakt verloren; ein anderer - Alexej Kuptsow aus Burjatien - starb am 16. April an einem Schlaganfall, der durch den Zwang zum Dienst trotz seiner zahlreichen Verwundungen verursacht wurde.
„Für sie sind das keine Menschen, sondern Kanonenfutter“, erklären die Angehörigen der Mobilisierten das Geschehen.
Inguschetien nimmt Abschied von drei in der Ukraine getöteten Soldaten
In Inguschetien verabschiedeten sie sich von drei weiteren im Krieg in der Ukraine gefallenen Soldaten. Wie die Regierung mitteilte, fanden in der Republik die Beerdigungen von Ilez Chamchojew (aus dem Dorf Troitskoje), Adam Gutseriew (aus Karabulak) und Chamsat Kartojew (aus Malgobek) statt, „die im Gebiet einer speziellen Militäroperation ums Leben kamen“.
Der König ist nacktWir haben Alexej Sokolow bereits in unserer Rubrik Kriegsbilder vorgestellt. Er kam aus dem Dorf Bolschoje Schemjakino aus der russischen Teilrepublik Tatarstan. Das Dorf wird überwiegend von Tschuwaschen bewohnt.
Alexej war gerade 20 Jahre alt und hatte sich wahrscheinlich freiwillig zum Krieg in der Ukraine gemeldet. Er wurde am 13. April 25 getötet und bereits am 23. April in seinem Heimatdorf bestattet.
Zu der kurzen Telegram-Meldung (Screenshot links) über Alexej gab es immerhin 140 Kommentare.
Die Beileidsfloskeln und betenden Hände, die sich darunter befinden, geben wir nicht wieder.

Zurück zum Beginn des Krieges: Swetlana suchte ihren Bruder, der seit dem 12. März 2022 im Gebiet Kiew, Bezirk Butschanski, Siedlung Makarow als vermisst gilt. In Butscha und Umgebung wurde von russischen Truppen ein Massaker an Zivilisten durchgeführt. 280 Leichen mussten in Massengräbern beigesetzt werden, über 400 Bewohner wurden durch die russische Soldateska getötet. Leonid Alexejewitsch Lesnejew, geboren am 14.01.1994 aus Burjatien, gehörte zu diesen russischen Besatzungstruppen und wurde laut Kameraden verwundet. Das russische Erbschaftsregister hat aber seinen Tod bestätigt, er wird im Monat November 2025 in unserer Statistik erscheinen.

Nachdem die Aufmerksamkeit zu unseren Veröffentlichungen wächst, eine kurze Information zu OskarMaria.
Unter diesem Pseudonym war der Initiator im Internet seit über 25 Jahren recht unregelmäßig präsent. Ab dem Jahr 2014 hat er hier über die Situation in den von Russland besetzten Gebieten des Donbass geschrieben. Als einer der ersten Journalisten überhaupt informierte er über die damals neu gegründete Gruppe Wagner.
Beruflich war er seit den 80-iger Jahren Geschäftsführer von diversen Medienunternehmen im Printbereich. Jetzt im Ruhestand, Kinder erwachsen, bleibt etwas mehr Zeit, die gesammelten Erfahrungen zusammen mit wenigen Mitstreitern für dieses Projekt zu nutzen.
Nachtrag: OskarMaria– das ist eine kleine Verbeugung vor dem beinahe vergessenen Schriftsteller Oskar Maria Graf. In Zeiten der Bücherverbrennungen wurden seine Werke von den Nazis verschont, ja sogar teilweise empfohlen. „Verbrennt mich!“ schrieb er 1933 in der Wiener Arbeiterzeitung, „nach meinem ganzen Leben und nach meinem ganzen Schreiben habe ich das Recht, zu verlangen, dass meine Bücher der reinen Flamme des Scheiterhaufens überantwortet werden und nicht in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbanden gelangen!“ Schließlich floh er in die USA – dort lebte er in bescheidenen Verhältnissen. Deutschland wollte den unbequemen Mann nach dem Krieg nicht wieder haben. Er starb 1967 in New York.
Literaturempfehlung: Wir sind Gefangene - Autobiograhie 1927.
Seit dem Jahr 2022 wurden in Usbekistan 338 Strafverfahren gegen eigene Bürger eingeleitet wegen Beteiligung an bewaffneten Konflikten im Ausland. Fast alle dürften auf Seiten Russlands im Krieg gegen die Ukraine gekämpft haben.
Laut usbekischer Darstellung wurde die überwiegende Mehrheit der Beteiligten durch Täuschung in den militärischen Konflikt hineingezogen oder nach Kontakt mit kriminellen Organisationen in Kampfgebiete geschickt. In seltenen Fällen erfolgte die Teilnahme aus finanziellen Gründen.
Eine unserer Informationsquellen aus Baschkortostan ist seit Beginn des Krieges der Telegram-Kanal „Aspekte Baschkortostan“. Er lieferte Einblicke in die bevölkerungsreichste russische Teilrepublik und veröffentlichte auch Namen der im Krieg gegen die Ukraine gefallenen Soldaten. Um nicht unter Zensurmaßnamen zu fallen, beschränkte sich der Kanal ausschließlich auf die Berichterstattung aus der Region und verzichtete auf Kommentierungen und Wertungen.
Das hat alles nichts geholfen. Am 21. November 25 wurde auch Aspekte als „ausländischer Agent“ eingestuft. Das russische Justizministerium schreibt in seiner Erklärung:
„Die Publikation verbreitete Falschinformationen über Entscheidungen und Maßnahmen russischer Regierungsstellen und lehnte die Militäroperation in der Ukraine ab. Sie war an der Erstellung und Verbreitung von Botschaften und Materialien ausländischer Agenten an die Öffentlichkeit beteiligt.“
Die Publikation „Aspekte – Baschkortostan“ wurde vom Team von Echo Moskwy in Ufa kurz nach der Schließung ihres Radiosenders im Frühjahr 2022 ins Leben gerufen. Die erste Sendung wurde am Morgen des 1. April 2022 auf dem YouTube-Kanal des Projekts ausgestrahlt. Seitdem konzentriert sich „Aspekte“ auf regionale Nachrichten.
Jetzt prangt über jedem Beitrag von Aspekte der großgeschriebene Satz: „18+ DAS VORLIEGENDE MATERIAL (INFORMATIONEN) WURDE VON EINEM AUSLÄNDISCHEN AGENTEN DER INTERNETPUBLIKATION „ASPEKTE VON BASCHKORTOSTAN” VERÖFFENTLICHT ODER BEZIEHT SICH AUF DIE TÄTIGKEIT EINES AUSLÄNDISCHEN AGENTEN DER INTERNETPUBLIKATION „ASPEKTE VON BASCHKORTOSTAN”.
Zwei Journalisten des Projekts, Ruslan Walijew und Jewgeni Konoplin, haben Russland inzwischen verlassen und leben in Deutschland.
Wladimir Wachidowitsch Otschkassow, geboren am 17.10.1998, lebte in der Stadt Kursk und war ein junger Idiot. Ohne große Suche wurden wir in zwei Strafverfahren fündig. Am 21.09.21 wurde er wegen öffentlichen Randalierens unter Alkohol zu einer Ordnungsstrafe verurteilt. Und am 10.01.23 bekam er eine Haftstrafe in einer Anstalt des strengen Regimes wegen Diebstahls eines Smartphones. Die Dauer wurde allerdings nicht veröffentlicht. Auch Wladimir wollte lieber sein Leben riskieren, als im Knast zu sitzen. Am 24.01.2025 suchte sein Bruder öffentlich nach ihm. Da war er schon tot, gefallen am 29.12.2024.
Im KI-generierten Video durfte er sich dann ordentlich von seiner Familie verabschieden.
Angesichts der hohen Verlustzahlen des russischen Militärs müssen alle Regionen zusammen ständig neue Zeitsoldaten anwerben. Wir hatten vor vor knapp einem Jahr geschrieben, dass Russland jeden Monat etwa 30.000 neue Soldaten für den Krieg in der Ukraine rekrutiert. Daran hat sich nichts geändert. Janis Kluge von der Stiftung Wissenschaft und Politik hat aktuell die Daten aus dem russischen Haushalt zur Personalbeschaffung ausgewertet. Danach akquiriert das Land auch im Jahr 2025 durchschnittlich etwa 30.000 Zeitsoldaten, um die Reihen der Armee wieder aufzufüllen (Diagramm).
Auch die russischen Militärausgaben sind weiter angestiegen. Janis Kluge schreibt: „Im 3. Quartal stiegen sie im Vergleich zum 2. Quartal um über 3,6 Billionen Rubel. Im Jahr 2024 betrugen die Militärausgaben im 3. Quartal nur 2,6 Billionen Rubel, was bedeutet, dass die Ausgaben – nominal – in diesem Jahr 38 % höher waren als im Vorjahr.“
Den gesamten Beitrag in englischer Sprache gibt es hier.
Ende April 2023 fand eine Gerichtsverhandlung im Dorf Debjesi in Urtmurtien statt. Angeklagt war Sergej Wladimirowitsch Golubkow, der bereits mehrfach wegen kleinerer Diebstähle zu Gefängnisstrafen verurteilt worden war. Diesmahl ging es wieder um einen Diebstahl. Sergej war in den Keller eines Mehrfamilienhauses eingedrungen, hatte das Türschloss aus der Halterung gerissen und einen Sack Saatkartoffeln geklaut - mit einem Gewicht von 38,55 kg und im Wert von etwa zehn €. Danach ging er mit einem Kumpel nach Hause, stellte den Kartoffelsack neben seinen Wohnzimmersessel und ging ins Bett. Essen konnte er die Kartoffeln nicht, denn am nächsten Tag beschlagnahmte die Polizei die Sore.
Sergej bekam am Ende der Verhandlung glatte zwei Jahre Haft verordnet, abzusitzen in einer Strafkolonie mit strengem Regime. Auch Sergej tauschte die Kolonie gegen den Kriegsdienst ein. In der Kreiszeitung „Neuer Weg“ vom 15.08.2025 wurde sein Tod gemeldet.
In der Oblast Uljanowsk wird für die Dauer des Krieges gegen die Ukraine das mobile Internet stark eingeschränkt. Dies beträfe in erster Linie Gebiete mit sensiblen Wirtschafts-, Regierungs- und Militäreinrichtungen. Dazu gibt es eine weiße Liste mit Webseiten und Funktionen, die nicht gesperrt würden, wie zum Beispiel der Regierungsdienstleister Gosuslugi, die russische Technologieplattform Yandex, die sozialen Netzwerke Vkontakte und Odnoklassniki, die Online-Marktplätze Ozon und Wildberries sowie das Zahlungssystem Mir. Doch es häufen sich Klagen, dass auch diese Dienste häufig nicht aufzurufen wären. Der Staat empfiehlt besser über lokale WLAN-Zugänge das Internet zu nutzen, da diese nicht eingeschränkt wären.
Inzwischen wird in vielen russischen Regionen das mobile Internet regelmäßig temporär abgeschaltet, wenn ukrainische Drohnen über Russlands Himmel auftauchen. Es wird befürchtet, dass die Drohnen auch über das russische mobile Internet Daten senden und empfangen könnten.
Das Dorf Werchnewiljuisk mit rund 6.500 Einwohnern liegt in der russischen Teilrepublik Sacha (Jakutien). Im Dorf gibt es ein Waisenhaus, einige jugendliche Bewohner hatten die Rockband „Chatan"gegründet. Die Brüder Wladimir und Wassili Klimowski, Andrej Kirillin, Aichal Fedotow und Konstantin Oppojew waren so gut, dass sie im Jahr 2017 das Waisenhaus bei einem bundesweiten Fernsehwettbewerb "Du bist super!" vertreten durften.
Die Karriere von Aichal Fedotow (Foto) hat acht Jahre später der Krieg gegen die Ukraine beendet. Der jakutische Telegram-Kanal "Die Toten aus Sacha" meldete seinen Tod.
Russische Soldaten rennen einen Feldweg entlang. Auf einer Strecke von etwa 200 Meter liegen links und rechts verteilt die Körper von getöteten Kameraden. Manche Soldaten versuchten im Gebüsch Schutz vor den Drohnen zu finden - meist erfolglos. Wir haben auf der kurzen Strecke etwa 25 Leichen gezählt.
Das ist das Produkt der aktuellen Taktik der russischen Armee mit kleinen Gruppen oder einzelnen Soldaten vorzurücken, um die ukrainische Verteidigung zu infiltrieren.
Man hofft, dass sich Soldaten hinter den ukrainischen Linien sammeln und den Nachschub für die ukrainischen Stellungen unterbrechen können. Hohe Verluste werden dabei billigend in Kauf genommen. Die getöteten Soldaten sind schwer zu bergen, zudem agieren die Kommandanten gerne mit dem Begriff vermisst, um die wahren Verluste zu verschleiern.
Das Video dokumentiert wieder einmal die grausame Realität dieses russischen Angriffskrieges. Das menschliche Leben gilt nichts. Für Kinder und Jugendliche ist das Video ungeeignet - Link.
Das Lewada-Zentrum in Moskau hat am 21.10.25 eine neue Umfrage veröffentlicht. Es ging um die materielle und finanzielle Unterstützung der Soldaten an der Front und um Hilfe für die vom Krieg betroffenen russischen Regionen durch die russischen Bürger. Das Lewada-Zentrum fasst das Ergebnis so zusammen:
Im vergangenen Jahr sammelten vier von zehn Befragten Geld und Hilfsgüter für Teilnehmer an der Spezialoperation. Jeder Vierte half Bewohnern von Grenzregionen, die von Militäraktionen betroffen waren. Diese Zahlen sind im Vergleich zum Vorjahr nahezu unverändert. Fast die Hälfte der Befragten ist bereit, 1.000 bis 2.000 Rubel pro Monat zu spenden, um die Armee zu unterstützen und die Gehälter der an Spezialoperationen teilnehmenden Soldaten zu erhöhen. Dieser Anteil ist in den zweieinhalb Jahren seit der letzten Umfrage unverändert geblieben.
Am 30. August wurde in der Großstadt Miass in der Oblast Tscheljabinsk der 20-jährige Danil Jurjewitsch Trubejew beigesetzt. Wann und wo Danil im Krieg gegen die Ukraine gefallen ist, wurde nicht mitgeteilt. Doch das Schicksal von Danil hat eine Vorgeschichte.
Bereits im Herbst 2024 war der damals neunzehn Jahre alte Danil in unkrainische Kriegsgefangenschaft geraten. Ukrainische Soldaten gruben vier russische Kämpfer aus dem Schutt eines eingestürzten Hauses aus, darunter auch Danil. In einer Befragung beklagte sich die ganze Gruppe, dass ihre Kommandeure sie bewusst im Stich gelassen hätten, indem sie sie mit einem Sturmgewehr gegen einen Panzer geschickt hätten (Video)
Bei einem Gefangenenaustausch wurde Danil dann im April 2025 gegen ukrainische Kriegsgefangene ausgetauscht. Da durch die Gefangenschaft nach russischem (und auch ukrainischem) Recht der Vertrag mit dem russischen Militär nicht beendet wird, musste auch Danil wieder zurück in den Krieg. Er hat den zweiten Einsatz an der Front nicht überlebt.
Auch die Oblast Samara kürzt die Antrittsprämie für Freiwillige drastisch. Ab dem 1. Januar 2025 hatte die Region 3,6 Millionen Rubel für jeden Freiwilligen ausgelobt, dazu kamen noch einmal 400.000 Rubel aus Moskau (insgesamt ca. 40.000 €). Ende Februar 25 wurde dann die regionale Präme auf 2,1 Millionen gesenkt.
Jetzt gibt es nur noch 400.000 Rubel in Samara plus jene 400.000 von der Zentralregierung, also in der Summe umgerechnet etwa 8.000 €. Über die Gründe gibt es viele unterschiedliche Meinungen, die wir am Beispiel von Tatarstan aufgelistet haben.
Die Antrittsprämien bei Unterzeichnung eines Vertrags zum Kriegsdienst schrumpfen in einigen Regionen stark. Für jede Unterschrift zahlt Moskau konstant 400.000 Rubel (ca. 4.000 €), dazu gab es in der Vergangenheit zusätzliche Prämien aus den Regionen umd manchmal auch aus den Bezirken.
Die Republik Tatarstan hatte im September 2025 noch 3,1 Millionen Rubel für eine Unterschrift ausgelobt - 2,7 Millionen kamen aus Tatarstan, 400.000 Rubel aus Moskau. Ohne öffentliche Ankündigung wurden die Zahlungen auf insgesamt 800.000 Rubel (ca. 8.000 €) gekürzt - 400.000 Tatarstan, 400.000 Moskau.
Auch die Republik Baschkortostan hat gekürzt - statt 1,7 Millionen Rubel gibt es jetzt nur noch 1,4 Millionen Rubel für eine Unterschrift. Aus den Regionen Belgorod, Mari El, Nischni Nowgorod, Samara und Tschuwaschien werden ähnliche Kürzungen berichtet.
In den Medien gibt es unterschiedliche Erklärungen für diesen Trend:
Was immer von diesen Gründen richtig sein mag - gleichzeitig bietet die Region Tjumen ab dem 7. Oktober drei Millionen Rubel gegenüber 1,5 Millionen zuvor.