15.01.2026 -- 177.297 // Zuwachs zum 31.12.2025: 3.754
Dorf Tayturka
Die Arbeitersiedlung Tayturka liegt an der Transsibirischen Eisenbahn, 75 km vor der Regionalhauptstadt Irkutsk. Die Siedlung hat rund 5.000 Bewohner und liegt nahe an zwei großen Militärstützpunkten.
Auch in dieser Siedlung wird heftig um Freiwillige für den Krieg in der Ukraine geworben. Der Text der Anzeige in den Siedlungsnachrichten verspricht:
Wie die Realität dann aussieht, zeigt das Schicksal der Brüder Losew aus der Siedlung, die sich freiwillig gemeldet hatten.
Dorf Chongurey im Autonomen Kreis der Nenzen -- Foto: Iźva Komi Dokumentationsprojekt (Niko Partanen) -- Lizenz: CC BY-SA 4.0
Ganz im Nordosten des europäischen Teil von Russland liegt der Autonome Kreis der Nenzen. Der Kreis ist etwa 2,5 mal so groß wie das deutsche Bundesland Bayern, dort leben nur etwa 42.000 Menschen - die meisten in der Hauptstadt Narjan-Mar. Die Namensgeber der Region sind die Nenzen, die gerade noch 16% der Bevölkerung stellen.
Andrej Ruschniko ist Abgeordneter im Parlament der Region und hat die „ehrenvolle" Aufgabe, den im Krieg gegen die Ukraine getöteten Bewohner zu gedenken. Drei Beispiele seiner salbungsvollen Worte wollen wir dokumentieren:
Es ist 13:00 h am 10. Oktober 2025 - wir befinden uns bei einer Beisetzung auf dem Friedhof der Kleinstadt Melenki in der russischen Oblast Wladimir. Die Stadt liegt etwa 150 km südöstlich der Hauptstadt Wladimir und hat auch schon bessere Tage gesehen. In Zeiten der Perestroika hatte Meleniki noch über 18.000 Einwohner, im Jahr 2021 zählte man noch 13.400 Bewohner.
Begraben wird mit militärischen Ehren der Soldat Rustam Raufowitsch Potapow, der im Krieg gegen die Ukraine getötet wurde.
Mit der militärisch-patriotischen Indoktrination kann man nie zu früh beginnen, wie des Beispiel des Kindergartens Nr. 11 in der russischen Großstadt Kursk zeigt. Der älteste Kindergarten-Jahrgang ist Anfang September zu Besuch bei einer Kadettenschule der Stadt, um die Kinder auf ihren späteren schulischen Weg vorzubereiten.

Das Dorf Swatai im Srednekolymski ulus
Wir befinden uns heute im Srednekolymski ulus, einem Landkreis im Nordosten der russischen Teilrepublik Sacha(Jakutien). Der Kreis grenzt im Osten an den Autonomen Kreis der Tschuktschen und an die Oblast Magadan. Die Fläche des Landkreises ist noch größer als die drei deutschen Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz zusammen. Auf dieser riesigen Fläche leben gerade mal 6.700 Menschen.
Sergej Innokentjewitsch Kolesow und Askalon Sergejewitsch Kolesow waren Vater und Sohn, beide sind im Krieg gegen die Ukraine gefallen. Sie kommen aus dem Dorf Swatai, was übersetzt Heiratsvermittler heißt. Das Dorf mit rund 500 Bewohnern, meist Jakuten, ist vom Verwaltungszentrum Srednekolymsk etwa 100 km Luftlinie entfernt und nur über eine Winterstraße oder per Flugzeug zu erreichen.
Hispaniola-Kämpfer mit Gründer Stanislaw Orlow in der Mitte
Die russische Freiwilligeneinheit „Hispaniola“ gab ihre Auflösung auf ihrem Telegram-Kanal bekannt. „Hispaniola“ war der Kampfname des Gründers Stanislaw Orlow, der sich im Jahr 2014 den angeblichen Separatisten im Donbass angeschlossen hatte. Die Einheit setzte sich zum überwiegenden Teil aus Fußball-Hooligans der großen russischen Vereine ZSKA Moskau und Zenit St. Petersburg zusammen. Die Söldnertruppe war ein bunter Tupfer in der grauen Masse der russischen Truppen, allerdings mit kackbrauner Ausrichtung. Hier kämpften - zumindest teilweise - echte Nazis gegen die angeblichen Nazis der Ukraine.
Zudem gilt zu erwähnen, jene Hooliganeinheit ist nur ein minimales Segment im russischen Militär, ihre Auflösung bedeutet für das Kampfgeschehen nichts. Sie spiegelt aber durchaus das Bewusstsein eines bestimmten Teils der russischen Jugend wieder.
Weiterlesen: Russische Hooligan-Einheit „Hispaniola“ aufgelöst
Die Geschichte von Eduard fängt an, wie so viele unserer Geschichten. Eduard Midechatowitsch Salimow wurde am 30.06.1981 in einem Dorf mit gerade 100 Bewohnern im Bezirk Kareidel in Baschkortostan geboren. Als er zwei Jahre alt war, starb seine Mutter, Eduard kam in ein Waisenhaus und blieb dort bis zur Volljährigkeit.
Er erlernte den Beruf eines Elektrikers und Fahrers und teilte danach das Schicksal vieler Waisen ohne Beziehungen: Er arbeitete mal hier und mal weiter weg im Norden, blieb aber ohne feste Anstellung.
Eduard heiratete eine Frau mit usbekischen Wurzeln, zog in das große Dorf Buraewo in Baschkortostan und bekam drei Kinder. Am 8. Oktober 2024 unterzeichnete er freiwillig einen Vertrag zum Kriegsdienst.

Dorf Wankarem, Tschukotka -- Urheber: Ansgar Walk -- Lizenz: CC BY-SA 3.0
Das Dorf Wankarem liegt am äußersten nord-östlichen Rand des Autonomen Kreises der Tschuktschen (Tschukotka). Das Dorf liegt völlig isoliert, es gibt keine Straße dorthin. Nur im Winter kann das Dorf von Transportern über eine Winterstraße angefahren werden. Aber immerhin hat der Flecken einen kleinen Flugplatz über den der Personenverkehr mit Hubschraubern nach Egwekinot und Nutepelmen möglich ist. Die Bevölkerung besteht aus Tschuktschen und sibirischen Eskimos. Aber es sind nicht mehr viele da. Im Jahr 2010 zählte man noch 210 Bewohner, sechs Jahre später waren es 166 und im Jahr 2021 lebten dort nur noch 122 Menschen.
Inzwischen sind fünf junge Männer aus Wankarem im russischen Krieg gegen die Ukraine gefallen - das ist ein schockierend großer Teil der jungen Leute aus dem Dorf und nimmt den noch verbliebenen Bewohnern die Zukunft. Die einzelnen Gefallenen fasst ein Beitrag der Nachrichtenagentur von Tschukotka zusammen, den wir nachstehend veröffentlichen - dazu noch ein paar Fotos aus dem Dorf.
Weiterlesen: Das Tschuktschen- und Eskimodorf Wankarem und der Krieg

Taimyrhalbinsel – Kap Tscheljuskin: nördlichste Festlandstelle der Erde -- Foto: Ansgar Walk -- Lizenz: CC BY-SA 3.0
Ganz im Norden im asiatischen Teil Russlands liegt die Taimyrhalbinsel. Sie gehört zur Region Krasnojarsk und ist der nördlichste kontinentale Festlandteil der Erde. Die Winter dort sind lang und extrem kalt, die Sommer kurz, kalt und nebelreich. Es gibt dort große Naturschutzgebiete, die größte Renntierherde weltweit und neuerdings auch wieder Herden mit Moschusochsen.
Für das russische Militär sind Männer aus diesen nördlichen Gebieten wertvoll. Sie haben gelernt in extremen Situationen zu überleben und können mit Waffen umgehen. Auch aus der fernen Region Taimyr stirbt eine bedeutende Zahl von Männern im Krieg gegen die Ukraine. Wir haben unseren Beitrag vom Juni 2024 mit neuen Meldungen aktualisiert.

Dorf Ust-Mil -- Aus dem Panoramio- Archiv . Das Urheberrecht der Fotos liegt bei den jeweiligen Eigentümern.
Ganz im Osten der russischen Teilrepublik Jakutien (Sacha) liegt der Ust-Maisky Ulus, wobei Ulus der Begriff für Bezirk ist. In diesem Ulus leben etwas über 7.000 Menschen, aber er hat eine Fläche von rund 95.000 km², das ist mehr als die Fläche der deutschen Bundesländer Bayern und Hessen zusammen. Und es ist kalt im Ust-Maisky Ulus, der Bezirk liegt nur etwa 200 km vom Kältepol der nördlichen Hemisphäre entfernt. Im Bezirk liegt auch das Dorf Ust-Mil mit zuletzt 190 Bewohnern. In diesem abgelegenen Dorf lebte Alexander Richter.
Mit schönen Abschiedsbildern wird versucht, die Grausamkeit des Krieges zu übertünchen. In der Realität kommen die gefallenen Soldaten meist in geschlossenen Särgen zurück in ihre Heimat. Aus gutem Grund - denn deren Körper sind von Granaten zerrissen, von Drohnen zerstückelt, völlig verbrannt oder verwest.
Das folgende Video kommt aus der Region Transbaikalien und zeigt 42 im Krieg gegen die Ukraine getötete Soldaten aus der Region. Alle sind ganz, lachen, sind fröhlich, winken aus dem Video heraus und steigen am Ende gen Himmel empor. Außer den Namen der Kriegstoten bietet das Video sonst keine weiteren Informationen.
Blick auf Stadt Arsenjew -- Foto: -- Lizenz: CC BY-SA 3.0
Dieser Beitrag stammt eigentlich vom 9. April 2024, wir haben ihn mehrfach aktualisiert. Wenn man die Namen und die Kurzlebensläufe der getöteten Soldaten durchgeht, bekommt man einen guten Überblick, aus welchen Bevölkerungsgruppen die meist freiwilligen Soldaten stammen.
Die Stadt Arsenjew liegt in der Region Primorje im Fernen Osten Russlands und hat knapp 50.000 Einwohner mit abnehmender Tendenz. Von der Hauptstadt Wladiwostok ist sie etwa 300 km entfernt. Wichtigster Arbeitgeber der Stadt ist die Hubschrauberfabrik "Progress", die hauptsächlich für das russische Militär arbeitet.
Trotz der großen Entfernung (9.000 km Fahrstecke, Luftlinie über 7.000 km) wurden nicht wenige Bürger von Arsenjew im Krieg gegen die Ukraine getötet. Insgesamt haben wir 131 gefallene Soldaten aus der Stadt gelistet. (Link)
Weiterlesen: Arsenjew - eine Stadt im fernen Osten Russlands

Alexej Igorewitsch Detkow stammte aus der Region um die ehemalige Großstadt Leninsk-Kusnezki in der Oblast Kemerowo. Im Juli 2011 eskalierte eine Prügelei mit einem Bekannten. Besoffen stürmte Alexej und ein Kumpel zur Wohnung des Bekannten, in der sich dessen Frau und Kind befand. Die Frau wurde mit einem Baseballschläger erschlagen. Aus Angst, entdeckt zu werden, flüchteten die Angreifer in ein anderes Haus, wo sie drei Menschen mit jenem Baseballschläger und Messern töteten und das Haus anschließend in Brand setzten, um ihre Spuren zu verwischen. Sie flohen mit dem Auto eines der Opfer. Im Prozess bekam Alexej 23 Jahre Knast in einem Hochsicherheitsgefängnis. Auch Alexej zog die geringe Chance, den Krieg gegen die Ukraine zu überleben, dem Gefängnis vor. Er hat es nicht geschafft, bekommt stattdessen am 22.01.2026 ein würdiges militärisches Begräbnis.

Nachdem die Aufmerksamkeit zu unseren Veröffentlichungen wächst, eine kurze Information zu OskarMaria.
Unter diesem Pseudonym war der Initiator im Internet seit über 25 Jahren recht unregelmäßig präsent. Ab dem Jahr 2014 hat er hier über die Situation in den von Russland besetzten Gebieten des Donbass geschrieben. Als einer der ersten Journalisten überhaupt informierte er über die damals neu gegründete Gruppe Wagner.
Beruflich war er seit den 80-iger Jahren Geschäftsführer von diversen Medienunternehmen im Printbereich. Jetzt im Ruhestand, Kinder erwachsen, bleibt etwas mehr Zeit, die gesammelten Erfahrungen zusammen mit wenigen Mitstreitern für dieses Projekt zu nutzen.
Nachtrag: OskarMaria– das ist eine kleine Verbeugung vor dem beinahe vergessenen Schriftsteller Oskar Maria Graf. In Zeiten der Bücherverbrennungen wurden seine Werke von den Nazis verschont, ja sogar teilweise empfohlen. „Verbrennt mich!“ schrieb er 1933 in der Wiener Arbeiterzeitung, „nach meinem ganzen Leben und nach meinem ganzen Schreiben habe ich das Recht, zu verlangen, dass meine Bücher der reinen Flamme des Scheiterhaufens überantwortet werden und nicht in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbanden gelangen!“ Schließlich floh er in die USA – dort lebte er in bescheidenen Verhältnissen. Deutschland wollte den unbequemen Mann nach dem Krieg nicht wieder haben. Er starb 1967 in New York.
Literaturempfehlung: Wir sind Gefangene - Autobiograhie 1927.
Wir meinen damit die Antrittsprämien, die Russen erhalten, wenn sie freiwillig einen Zeitvertrag mit dem Militär abschließen. Und der Begriff „Russisch Roulette“ ist dabei nicht falsch, denn die Überlebenschancen sind gering.
In der zweiten Hälfte des letzten Jahres haben viele Regionen diese Antrittsprämien stark reduziert. Offensichtlich fehlt es an Neuunterzeichner, deshalb erhöhen manche Regionen diese Prämien zum Teil erheblich - trotz chronischem Haushaltsdefizit. Denn alle Regionen müssen eine bestimmte Quote erfüllen, um jene 30.000 bis 35.000 monatlich gefallenen und verwundeten Soldaten im Krieg gegen die Ukraine zu ersetzen.
Über Anhebung der Prämien in Baschkortostan und Tatarstan haben wir bereits berichtet. In Tschuwaschien wurde die regionale Prämie von 400.000 Rubel auf 2,1 Millionen Rubel angehoben. Bis zum 31.03.26 erhält somit jeder Neuunterzeichner zusammen mit der Prämie des Staates 2,5 Millionen Rubel (€ 27.000). In Samara wurde die Einmalzahlung von 400.000 auf 1,1 Millionen Rubel erhöht, dort erhält jeder Unterzeichner zusammen mit der Staatsprämie 1,5 Millionen Rubel (€ 16.000). Und schließlich in Orenburg gibt es zusammen mit der Staatsprämie statt 800.000 Rubel jetzt 1,4 Millionen Rubel (€ 15.000). Bereits Ende Dezember hat auch die ökonomisch schwache Region Mari El die Prämien stark angehoben. Statt bisher 800.000 Rubel von Staat und Region gibt es jetzt 2,5 Millionen Rubel (€ 27.000).
Es lohnt sich also, quer durch Russland zu reisen - dorthin wo die höchsten Prämien gezahlt werden.
Die Stadt Pokrowsk in der Ukraine ist zur Zeit eine der umkämpfsten Regionen an der Front. Sie wurde im letzten Jahr mit der Taktik der Infiltration durch russische Einheiten teilweise besetzt, deren Unterstützung und Versorgung aber durch ukrainische Kräfte erfolgreich verhindert wurde. So ist die Stadt und deren Umgebung aktuell wieder frei von russischen Angreifern.
Doch immer wieder schicken russische Kommandeure ihre Soldaten einzeln oder in kleinen Gruppen in Richtung der Stadt, in der Hoffnung wieder einen Stützpunkt hinter den Verteidigungslinien aufbauen zu können. Wie in diesem Fall sind die Soldaten nicht einmal bewaffnet.
Weite Teile der Front sind vermint, aber für die vorschleichenden Soldaten warten auch andere Fallen. Unser Video zeigt eine Drohne auf der Lauer. Sie übermittelt ihre Bilder an den Drohnenpiloten, der entscheidet, wann der Sprengkörper gezündet wird. Auch jener russische Soldat wird irgendwann in unseren Listen auftauchen.
Alexej Fjodorowitsch Jeropejew wurde am 21.11.1978 im Dorf Scharaldai in Burjatien geboren. Nach der Schule begann Alexej eine Ausbildung zum Schneider und KFZ-Mechaniker. Nach einem Unfall wurde er schwerbehindert, Stufe 2. Der Nachruf schreibt: „Trotz dieser Schwierigkeiten blieb Alexey optimistisch und verdiente sich etwas dazu, indem er Kleidung und Schuhe nähte und dabei sein handwerkliches Geschick unter Beweis stellte. Er konnte keine Familie gründen, blieb aber stets ein gütiger und mitfühlender Mensch.“
Trotz schwerster Behinderung konnte Alexej am 16.05.2025 einen Vertrag als Zeitsoldat mit dem russischen Militär abschließen.
Die Sache endete schnell - Alexej wurde bereits am 11. Juni 2025 bei einem Einsatz ins Verderben geschickt.
So schwärmt der Nachruf weiter: „Alexey war von Natur aus gutherzig, mitfühlend und hilfsbereit. Er war stets bereit, andere zu unterstützen und mit ihnen Freud und Leid zu teilen. Seine Güte und Menschlichkeit werden in den Herzen all derer, die ihn kannten, für immer weiterleben.“
Ein russischer Kommandeur steht auf dem Rollfeld des Flughafens in Kaliningrad und nimmt vor dem Abflug an die ukrainische Front noch ein Video für seine Familie auf.
Seine Worte in deutscher Übersetzung:
"Hallo, meine Lieben!
Jetzt fliegen wir los. Hinter mir steht ein Il-76-Flugzeug, mit dem wir fliegen werden. Gefühle gemischt. Es ist unklar, was uns erwartet, was als Nächstes kommt.
Aber offiziell geht es in die Zone der Spezialoperation, um Verluste aufzufüllen. Die Verluste sind, soweit ich verstehe, sehr hoch. Deshalb schicken sie jeden dorthin.
Niemand wird in die Kategorie der Untauglichen eingestuft. Wir haben hier mehrere Behinderte. Sogar solche mit Prothesen. Also werden alle der Reihe nach aus dem Krieg zurückkehren – entweder behindert oder mit den Füßen voran.
Aber hoffen wir auf das Beste. Ich hoffe, lebend zurückzukommen. Gott segne euch.
Möge Gott ein schnelles Kriegsende gewähren.
Ich liebe euch, Küsse.Tschüss."
Vorausgeschickt - die wahrscheinliche Liquidierung des „Hispaniola“-Gründers, Stanislaw Orlow, ist für das Kriegsgeschehen in der Ukraine völlig ohne Bedeutung. Interessant ist lediglich, wie der russische Staat mit jenen militärisch-politischen Anführern umgeht, die in der Öffentlichkeit zu viel Aufmerksamkeit bekommen. Wer sich nicht in die graue Masse des Militärs einordnet, läuft Gefahr irgendwann durch staatliche Akteure beseitigt zu werden (Beispiele). Die Ermittlungen zum Tod verlaufen regelmäßig im Sande, aber die liquidierte Person bekommt ein prächtiges Staatsbegäbnis mit vielen weinenden Trauergästen.
So passierte dann auch im Fall Orlow, der am 22.12.2025 in Moskau beerdigt wurde und zu dessen Ehren das Militär ein beachtliches Trauerkommando abstellte.
Der Telegram-Kanal von ehemaligen Hispaniola-Akteuren veröffentliche folgendes Video von der Beisetzung:
Der Gründer der Hooligan-Einheit „Hispaniola“, Stanislaw Alexandrowitsch Orlow, wurde getötet. Orlow wurde am 2.12.1981 geboren und lebte in Moskau. Nach bisher unbestätigten Meldungen, sollte er von russischen Beamten verhaftet werden und wurde dabei erschossen.
Nachdem die kämpfenden Hispaniola-Freibeuter sich bereits im Oktober 2025 aufgelöst hatten, wurde jetzt auch der Piraten-Kapitän liquidiert.
Als Begründung für den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine gab es in den Verlautbarungen der Behörden meist folgende Begründungen:
Immer häufiger finden wir eine etwas andere Begründung für den Krieg unter den Todesmeldungen für gefallenen Soldaten auf VKontakte, Odnoklassniki und Telegram, die dort von russischen Bots gezielt veröffentlicht werden:
Putin hat mit der Gründung des Zentralen Militärbezirks richtig gehandelt; die Ukraine geriet unter den Einfluss des Westens, und das stellte eine ernsthafte Bedrohung dar.
oder
Kurz gesagt, ich unterstütze Putin in seiner Entscheidung, die SWO (Spezielle Militäroperation) zu entfesseln, weil die Ukraine unter den Einfluss des Westens geraten ist und dies eine ernsthafte Bedrohung für uns darstellt.
In der ersten Amtszeit von Donald Trump hat der US-amerikanische Kongress am 2. August 2017 ein Gesetz verabschiedet, das vom damaligen Präsidenten Trump auch unterzeichnet wurde. Darin heißt es im §247:
(1) Unterstützung der Regierung der Ukraine bei der Wiederherstellung ihrer Souveränität und territorialen Integrität;
(2) Verurteilung und Bekämpfung aller destabilisierenden Bestrebungen der Regierung der Russischen Föderation in der Ukraine, die gegen ihre Verpflichtungen und internationalen Zusagen verstoßen;
(3) niemals Anerkennung der illegalen Annexion der Krim durch die Regierung der Russischen Föderation oder der Abtrennung ukrainischen Territoriums durch militärische Gewalt;
Im Zusammenhang mit einem amerikanischen 28 Punkte Friedensplan war Trump bereit, die Krim und den Donbass als russisch anzuerkennen. Er würde damit gegen sein eigenes Gesetz verstoßen.
Nun - Gesetze kann man ändern, dafür bedürfte es dann einer Mehrheit im amerikanischen Kongress. Die wäre aktuell allerdings mehr als fraglich.
Die vom Kriegsfront zurückgekehrten russischen „Helden der speziellen Militäroperation“ haben mehr als tausend Bürger Russlands getötet oder verletzt.
In den fast vier Jahren des Krieges gegen die Ukraine haben die vom Kriegsfront zurückgekehrten Veteranen der „SVO“ mehr als 1000 Menschen getötet und verletzt, wie die Publikation „Вёрстка (Layout)“ zusammenstellte. Ihre Opfer sind meist Angehörige und Bekannte, die Verbrechen werden häufig während Sauftouren begangen.
So zum Beispiel hat der 43-jährige Einwohner der Stadt Wladimir, Alexej Demeschenko, nach seiner Rückkehr aus der Ukraine einen Mitsäufer in der „Snack-Bar“ mit einem Messer erstochen, weil dieser sich gegen den Krieg aussprach. Der Täter bekam neun Jahre aufgebrummt. Das Gericht sah allerdings einen mildernden Umstand für den Täter, da das Opfer sich gegen den Krieg aussprach.
Oder zum Beispiel hat der 33-jährige Andrej Kurbasow, gebürtig aus der Stadt Wladimir, eine 17-jährige Frau vergewaltigt und getötet. Der mobilisierte Soldat Pawel Sawtschenkow erstach einen Mittrinker in der Grill-Bar „Mirage“ und der Soldat aus der Wladimir-Region, Valery Schumilow, erstach einen Saufkumpan in der Küche wegen eines Streits über den Krieg.
Ein Oberst, der Folter und Diebstahl in der Strafanstalt IK Nr. 15 untersuchte, wurde im Krieg getötet. Seine Angehörigen erfuhren von seiner Todesnachricht von der Bank.
Der FSIN-Oberst Alexander Wladimirowitsch Tscheprasow führte eine interne Untersuchung in der Kolonie Nr. 15 in Angarsk durch (Oblast Irkutsk), nachdem dort ein Gefangenenaufstand und ein Feuer stattgefunden hatten. Später wurde von Folter berichtet. Tscheprasow stieß auf ein großes Netzwerk von Sicherheitskräften und Geschäftsleuten, die Holz stahlen und ins Ausland schickten.
Er konnte die Sache nicht zu Ende untersuchen: Tscheprasow wurde selbst der Bestechung beschuldigt und zu 12 Jahren Strafkolonie verurteilt. Dort unterzeichnete er einen Vertrag, ging an die Front und verschwand spurlos.
Was mit ihm passiert ist, können seine Frau und Mutter nicht erfahren. Weder im Wehramt noch in der Militäreinheit selbst antwortet man ihnen. Es gibt auch keine offizielle Todesanzeige.
Aus dem Telegram-Kanal „Menschen vom Baikal“. Den gesamten Beitrag in russischer Sprache gibt es hier.
Der Telegram-Kanal „Udmurtien gegen Korruption“ hat einen Film vom Soldatenfriedhof der Stadt veröffentlicht. Abonnenten des Kanals haben auch Fotos der Soldatengräber eingereicht, allerdings nur von eineinhalb Reihen. „Das ist schwer anzusehen“, erklärten sie.
Wir konnten auf Grund dieser Fotos 21 Namen neu in unsere Datenbank aufnehmen.
Anmerkung: Es empfiehlt sich den Film in größerer Auflösung anzuschauen, dazu nur auf die Überschrift des Beitrags klicken.
Seit dem Jahr 2022 wurden in Usbekistan 338 Strafverfahren gegen eigene Bürger eingeleitet wegen Beteiligung an bewaffneten Konflikten im Ausland. Fast alle dürften auf Seiten Russlands im Krieg gegen die Ukraine gekämpft haben.
Laut usbekischer Darstellung wurde die überwiegende Mehrheit der Beteiligten durch Täuschung in den militärischen Konflikt hineingezogen oder nach Kontakt mit kriminellen Organisationen in Kampfgebiete geschickt. In seltenen Fällen erfolgte die Teilnahme aus finanziellen Gründen.
Eine unserer Informationsquellen aus Baschkortostan ist seit Beginn des Krieges der Telegram-Kanal „Aspekte Baschkortostan“. Er lieferte Einblicke in die bevölkerungsreichste russische Teilrepublik und veröffentlichte auch Namen der im Krieg gegen die Ukraine gefallenen Soldaten. Um nicht unter Zensurmaßnamen zu fallen, beschränkte sich der Kanal ausschließlich auf die Berichterstattung aus der Region und verzichtete auf Kommentierungen und Wertungen.
Das hat alles nichts geholfen. Am 21. November 25 wurde auch Aspekte als „ausländischer Agent“ eingestuft. Das russische Justizministerium schreibt in seiner Erklärung:
„Die Publikation verbreitete Falschinformationen über Entscheidungen und Maßnahmen russischer Regierungsstellen und lehnte die Militäroperation in der Ukraine ab. Sie war an der Erstellung und Verbreitung von Botschaften und Materialien ausländischer Agenten an die Öffentlichkeit beteiligt.“
Die Publikation „Aspekte – Baschkortostan“ wurde vom Team von Echo Moskwy in Ufa kurz nach der Schließung ihres Radiosenders im Frühjahr 2022 ins Leben gerufen. Die erste Sendung wurde am Morgen des 1. April 2022 auf dem YouTube-Kanal des Projekts ausgestrahlt. Seitdem konzentriert sich „Aspekte“ auf regionale Nachrichten.
Jetzt prangt über jedem Beitrag von Aspekte der großgeschriebene Satz: „18+ DAS VORLIEGENDE MATERIAL (INFORMATIONEN) WURDE VON EINEM AUSLÄNDISCHEN AGENTEN DER INTERNETPUBLIKATION „ASPEKTE VON BASCHKORTOSTAN” VERÖFFENTLICHT ODER BEZIEHT SICH AUF DIE TÄTIGKEIT EINES AUSLÄNDISCHEN AGENTEN DER INTERNETPUBLIKATION „ASPEKTE VON BASCHKORTOSTAN”.
Zwei Journalisten des Projekts, Ruslan Walijew und Jewgeni Konoplin, haben Russland inzwischen verlassen und leben in Deutschland.