Maxim Witaljewitsch MaksimowIm Moment befinden sich unter den russischen Kriegstoten sehr viele junge und sehr junge Männer, die sich freiwillig zum Krieg gemeldet haben. Sie sind Opfer einer betrügerischen Propaganda, die den Kriegsdienst verherrlicht und die Risiken verschweigt, sie sind Opfer der russischen Kriegsmaschine, die keine Rücksicht auf menschliches Leben nimmt und sie sind verloren in einem Land, das jungen Leuten wenig Perspektiven bietet. Dazu kommt eine Menge jugendlicher Dummheit und die Gier nach dem schnellen Geld.

Am 27.Juli 24 wurde in Kamyschin, einer Großstadt in der Region Wolgograd, Maxim Witaljewitsch Maksimow begraben. Der junge Mann wurde am 29.11.2003 dort geboren, lebte aber mit seiner Mutter in Magadan im hohen Norden. Nach der Schule musste er nicht zum Militär und hatte einen Hilfsarbeiterjob.

Raschid Ramasanowitsch TaisajewDie Nogais sind eine turksprachige Ethnie im Kaukasus, es soll weltweit etwa 130.000 Nogaier geben, die meisten leben in Russland.

Raschid Ramasanowitsch Taisajew, 23 Jahre, stammte aus einer Nogai-Familie aus Karatschai-Tscherkessien und wurde im Herbst 2022 mobilisiert. Er wurde wohl nicht direkt an der Front eingesetzt, sondern in einer Unterstützungskompanie. Ein Bekannter bezeichnete ihn so: "Wer diesen Jungen kennt, weiß, dass er nicht für den Krieg geboren wurde. Er war ein sehr gebildeter, wohlerzogener und respektvoller Mensch. "

Raschid weigerte sich einen Vertrag mit seiner Einheit zu unterschreiben, wurde deshalb in eine Sturm-V Einheit versetzt und musste bei einem sogenannten "Fleischangriff" mitmachen, bei dem er getötet wurde.

Diese Selbstmordangriffe, in Russland Fleischangriffe genannt, sind eine bewährte Taktik des russischen Militärs. Entbehrliche Soldaten werden in Richtung der gegnerischen Linien geschickt und werden von den Verteidigern beschossen. So identifizieren die Angreifer die gegnerischen Stellungen und nehmen sie unter Artilleriebeschuss. Dass die meisten angreifenden Soldaten dabei sterben, ist dieser menschenverachtenden Strategie geschuldet.

Wir dokumentieren nachstehend die offizielle Nachricht zu seinem Tod vom 1. August 2024 und die vorherige Beschwerde seiner Mutter Anfang Juli.

Witali Sergejewitsch SubkowWahrscheinlich ging es um Geld - um das schnelle Geld. Es ist die Geschichte von Witali Sergejewitsch Subkow aus einem Dorf in der Region Wologda, geboren am 25. Mai 2006. Für den Moment ist er der jüngste russische Kriegsteilnehmer, der in der Ukraine getötet wurde.

Witali hatte am 17. Juni 2024 einen Militärvertrag abgeschlossen, die hohe Antrittsprämie kassiert und ist in den Krieg gezogen. Witali hatte auch keinen Wehrdienst ableisten müssen, er war aus gesundheitlichen Gründen abgelehnt worden.

Bereits am 3. Juli 24 war der Kontakt mit Witali abgebrochen, ab dem 21. Juli suchten seine Schwester und seine Mutter nach ihm. Am 27. Juli erhielten beide die Nachricht, dass Witali im Krieg getötet wurde.

Sibai Lyzeum

In der Schulzeit des Autors gingen Jungs auf das Gymnasium, Mädchen auf das Lyzeum. Für was für einen Bildungsweg der Begriff Lyzeum in Russland steht, wollen wir hier nicht ergründen - wahrscheinlich auch ein Gymnasium. Unser Foto zeigt eine Abschlussklasse von 2020 des Baschkirischen Lyzeums in Sibai, einer Stadt im Süden Baschkortostans mit etwa 56.000 Einwohnern. Die jungen Frauen im Dienstmädchen-Outfit sind für unsere Augen gewöhnungsbedürftig, man findet sie in Russland aber immer wieder bei festlichen Anlässen.

Der junge Mann hinten in der Mitte ((Foto), der mit breiter Brust in die Kamera schaut, dürfte Inzer Ildarowitsch Jagafarow sein. Seine Schule schreibt über ihn: "Wir erinnern uns an ihn als einen talentierten, intelligenten, aktiven und freundlichen jungen Mann. Er zeichnete sich stets durch seinen Witz, seinen Wissensdurst und seinen aufrichtigen Wunsch aus, anderen zu helfen. Inzer war ein ausgezeichneter Schüler, ein Gewinner von Olympiaden und Wettbewerben... Sport war seine Leidenschaft und er förderte stets einen gesunden Lebensstil."

All die Bemühungen seiner Eltern und Lehrer waren umsonst, Ildar wurde am 30. Juni 24 als russischer Soldat in der Ukraine getötet.

Dmitrij Anasowitsch AleksanjanNach Asat und Hamlet haben wir heute den dritten ethnischen Armenier unter den russischen Kriegstoten. Dmitrij Anasowitsch Aleksanjan kam aus der Stadt Jasny, die ganz am äußersten Osten der Oblast Orenburg liegt. Die Stadt lebt vom Asbest-Abbau, eine Raketengarnison mit Atomsilos liegt in der Nähe und auch die Grenze zu Kasachstan ist nur 24 km entfernt.

Dimitrij wurde am 21. Juni 2001 geboren. Er wäre ein mutiger und kluger Mann, ein fürsorglicher Sohn, ein liebevoller und guter Bruder, ein hilfsbereiter treuer Freund gewesen, heißt es in seinem Nachruf. Denn Dimitrij meldete sich am 22. April 24 zum Kriegsdienst, am 7. Mai 24 war er tot.

Artisch Mongusch

Artisch Anatoliewitsch Mongusch aus dem Dorf Kaa-Chem in Tuwa ist im Krieg gegen die Ukraine gefallen. Auf dem Foto ist er wahrscheinlich der Zweite von links in der vorderen Reihe. Das Foto ist am 3. November 23 entstanden. Es stellt sich die Frage, wieviele der russischen Soldaten davon noch am Leben sind. Artisch wäre als Militär zur Rettung des Vaterlandes gestorben, heißt es im Nachruf.

Kirill Alexandrowitsch BojkowKirill Alexandrowitsch Bojkow, geboren am 10. Juli 2001 in einem Dorf in Burjatien, wird in seinem Nachruf in den höchsten Tönen gelobt. Er hätte nie aufgegeben, nie den Mut verloren, sich stets durch seine Freundlichkeit ausgezeichnet, war bereit, den Bedürftigen in schwierigen Zeiten zu helfen und wurde von seiner Familie, seinen Freunden, Kollegen und allen, die ihn kannten, respektiert.

Pawel Vitaliewitsch ErmakowHeute sind wir in der Oblast Lipezk - etwa 450 km südöstlich von Moskau - und dort in der Stadt Usman. Das Städtchen hat etwa 20.000 Einwohner und liegt am gleichnamigen Fluss Usman, einem indirekten Zufluss zum Don. Im Bezirk der Stadt lebte Pawel Vitaliewitsch Ermakow, geboren am 29. Juli 1983. Pawel war kein Einheimischer, sondern aus einem Dorf in der Region Moskau zugezogen. Und Pawel wollte ein Haus in seiner neuen Heimat kaufen.

Zjaudin Tumgoew Raschid DudarowAus Inguschetien ist uns die Nachrichtenseite "Fortanga" als zuverlässige Informationsquelle bekannt. Aktuell hat Fortanga einen Beitrag über zwei Inguschen veröffentlicht, die als Soldaten an der Front waren, aber wahrscheinlich von den eigenen Kameraden getötet wurden. Fortanga gibt dabei den Bericht der Initiative "Freiheit (ist) gleich um die Ecke" wieder, wir veröffentlichen deren Originalbericht, der besseren Lesbarkeit nicht kursiv gekennzeichnet:


Während des zweijährigen Krieges in der Ukraine starben Hunderte Soldaten aus den Nordkaukasus-Republiken. Im Juni verbreiteten sich in den inguschischen Medien Informationen über einen Militärangehörigen aus Inguschetien, der von seinen eigenen Kollegen getötet wurde. Das Militär versuchte, den Tod wie Selbstmord aussehen zu lassen, doch gleichzeitig wurde Geld von der Karte des Opfers gestohlen und ein Video einer Leiche mit gewaltsamen Verletzungen begann sich im Internet zu verbreiten.

Ust Kara

Das Dorf Ust-Kara, Autonomer Kreis der Nenzen -- Foto: Malupasic --  Lizenz: CC BY-SA 4.0

Der "Autonome Kreis der Nenzen" liegt ganz im Norden im europäischen Teil Russlands an der Barentsee. Etwas über 40.000 Menschen bewohnen die Region, die Mehrzahl davon (ca. 26.000) sind russischer Abstammung, die Namensgeber, das indigene Volk der Nenzen, stellen weniger als 7.000 Einwohner.

Das Dorf Ust-Kara liegt im Nordosten der Region, die nächste Stadt ist 200 km entfernt. Die Bevölkerung schrumpft, im Jahr 2000 lebten noch etwa 700 Menschen im Dorf, 2023 wurden nur noch 479 Menschen gezählt. Es gibt keine Straßen nach Ust-Kara, man gelangt entweder per Hubschrauber, im Sommer per Boot oder per Schneeraupe ins Dorf.

Südlich von Ust-Kara gibt es einen riesigen Meteoritenkrater. Der Kara-Krater hat einen Durchmesser von 65 km, er könnte der viertgrößte Krater der Erde sein.

Aus Ust-Kara kam Egor Fjodorowitsch Walej, geboren am 09. Dezember 1993, als fünftes Kind einer großen Familie mit zwei Schwestern und acht Brüdern.

Nikita Sablin

Nikita Sablin, geboren am 11.04.2005 aus der Region Tambow, wurde am 11.09.2023 getötet. Nikita war also gerade 18 Jahre und fünf Monate alt, als sein Leben in der Ukraine beendet wurde. Bereits als Jugendlicher hatte er eine patriotische Kadettenausbildung erhalten und  durfte in der Schule noch jüngeren Kindern den Umgang mit einem Gewehr zeigen. Wir führen seinen Tod auf Position 160, Tambow I.

Die Stadt Tambow hat jetzt eine großes Plakat mit Nikita installiert. Es steht vor dem Haus der Hütte, indemr der junge Mann einst wohnte und zeigt die ärmlichen Verhältnisse, in denen er aufgewachsen ist. Wohnen wird dort niemand mehr. Durch den Tod von Nikita hat seine Mutter eine große Abfindung erhalten. Sie kann sich damit eine neue Wohnung leisten. Der Text auf dem Plakat lautet:

Hier wohnte ein Mitglied der speziellen Militäroperation (CBO). Nikita Sablin starb einen mutigen Tod. Den Mut-Orden verliehen (posthum).

Sergej Petrowitsch Surski

Sergej Petrowitsch Surski2Etwa 600 km östlich von Moskau liegt die Stadt Schumerlja. Sie befindet sich auf dem Gebiet Tschuwaschiens nahe der Grenze zur Oblast Nischi Nowgorod. Die Stadt liegt in der osteuropäischen Tiefebene, ist zu Wasser und zu Lande gut an das Verkehrsnetz angebunden und hat doch die Schwindsucht. Um das Jahr 2000 lebten dort noch 40.000 Bewohner, jetzt sind es nur noch 27.000. 

In der Umgebung von Schumerlja gibt es das Dorf "Roter Oktober" mit lediglich 300 Einwohnern. Dort lebte Sergej Petrowitsch Surski 

Sergej, geboren am 21. März 1976, hatte eine Mittelschule absolviert, Wehrdienst geleistet, den Führerschein gemacht und blieb unverheiratet. Mehr ist über ihn nicht überliefert. Aber im Juni 2024 hatte er sich entschlossen, ebenfalls am Krieg gegen die Ukraine teilzunehmen. Der Entschluss endete wie zu erwarten - bereits am 1. Juli 2024 war Sergej tot. Nachstehend die Meldung aus Schumerlja mit einigen Fotos:

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