15.01.2026 -- 177.297 // Zuwachs zum 31.12.2025: 3.754
Tundra im Autonomen Kreis der Jamal-Nenzen -- Foto: Hlorosol Z -- Lizenz: CC BY-SA 3.0
Unsere Exkursion quer durch Russland bringt uns diesmal in den Autonomen Kreis der Jamal-Nenzen. Die Region ist mehr als doppelt so groß wie Deutschland, aber nur dünn besiedelt. Aber sie ist reich, dort gibt es riesige Mengen an Erdöl - und Erdgasvorkommen. Durch deren Ausbeutung hat sich die Bevölkerungsstruktur völlig verändert. Die Ethnie der Nenzen macht gerade noch 7% der Bevölkerung aus.
Etwas anders sieht es im Tasowsky-Bezirk im Nordosten des Autonomen Kreises aus. Der Bezirk hat etwa 40% der Fläche Deutschlands, es leben gerade mal 18.000 Menschen dort. Die Mehrzahl der Bewohner sind Nenzen, eine Ethnie, die zu den samojedischen Völkern gehört. Einer davon ist Eduard Salinder, der als russischer Soldat in der Ukraine getötet wurde.
Die Einwohner der Metropole Moskau unterstützen den russischen Angriffskrieg laut einer aktuellen Untersuchung des Lewada-Instituts, die Menschen vom Land weit weniger. Dafür ziehen aus wirtschaftlicher Not die Männer aus den abgelegenen Dörfern Russlands in den Krieg, die Männer aus Moskau dagegen sehr, sehr viel weniger.
Wir sind heute im Dorf Nischnee Babalarowo im Südwesten Baschkortostans mit rund 200 Bewohnern. Ainur Walejewitsch Murzagildin wurde am 12. November 2025 beigesetzt, er hatte sich freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet. Durch die vielen Kriegstoten in Baschkortostan kommen nur noch wenige Dorfbewohner zu den Beerdigungen.

Aus der Großstadt Komsomolsk am Amur in der Region Chabarowsk im Fernen Osten Russlands hat uns ein kurzes Video über gefallene Soldaten im Krieg gegen die Ukraine erreicht. Komsomolsk am Amur hat rund 230.000 Einwohner und liegt etwa 300 km von der Pazifikküste entfernt. Der Strom Amur ist im Stadtgebiet etwa 2,5 km breit.
Im KI-generierten Video salutieren die getöteten Soldaten. Das hat uns zur Überschrift inspiriert, die eigentlich heißt „Ave Caesar, morituri te salutant (Heil dir Cäsar, die Todgeweihten grüßen dich)“. Im alten Rom mussten verurteilte Sträflinge gegeneinander kämpfen. Wer überlebte, wurde begnadigt. Damals war die Situation auch nicht viel anders als heute, wo Straftäter für Selbstmordangriffe an die Front geschickt werden.
Welche Ausmaße die Rekrutierung zum Krieg in der Ukraine im Autonomen Kreis der Tschuktschen angenommen hat, zeigt das Beispiel der Goldstadt Bilibino mit ihren etwa 5.500 Bewohnern. Wir haben über die langsam verfallende Stadt Bilibino bereits berichtet. Der Kindergarten „Skazka (Märchen)“ der Stadt veranstaltete im Oktober einen Malwettbewerb, bei dem die Kinder ihre Väter zeichnen sollten, die alle sich als Freiwillige zum Krieg gegen die Ukraine verpflichtet haben. Immerhin 14 Kindergartenkinder kamen aus dem kleinen Städtchen zusammen. Darunter war ein Vater, dessen Todesmeldung wir heute registriert haben und den wir nachstehend vorstellen wollen.
Am 30. Oktober 2025 wurden im Parlament von Tuwa, dem Obersten Chural, an 16 Familien Orden und Urkunden für gefallene Familienangehörige übergeben, die im Krieg gegen die Ukraine getötet wurden. Wir wollen anhand der dabei erstellten Fotos dokumentieren, aus welchem sozialen Umfeld jene Gefallenen stammen.
Die Überschrift auf der Stellwand lautet: Gardist! Schneller, höher, stärker!
Wir sind im Dorf Wosnesenka mit rund 1.000 Bewohnern im Nordosten Baschkortostans. Die Bewohner des Dorfes sind überwiegend russischer Abstammung. Im Dorf lebte Daniil Aleksejewitsch Obwintsew, geboren am 27. Dezember 2005. Er war überzeugtes Mitglied in der russischen Jugendarmee „Junarmija“ und nahm mit seinen Kameraden aus Baschkortostan auch an Wettbewerben in Russland teil . Auf dem Foto oben, wahrscheinlich im Sommer 2023 aufgenommen, steht Daniel in der vorderen Reihe, Dritter von rechts.

Die Gräber der Brüder
Im Dorf Bolschije Prudy in der Region Krasnojarsk starben innerhalb eines Monats drei Brüder im Krieg in der Ukraine. Insgesamt zogen sieben Männer aus dem Dorf in den Krieg, von denen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Textes nur noch einer am Leben war.

Ukrainische Soldaten untersuchen ein zerstörtes russisches BMP-2-Kampffahrzeug im Dorf Storozhevoye / Region Donezk
Im ersten Halbjahr 2025 wurde eine Rekordzahl von Russen wegen „militärischer Fälschungen“ (207.3 Strafgesetzbuch der Russischen Föderation) verurteilt. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres fällten die Gerichte Urteile gegen 45 Personen – innerhalb von zwei Jahren hat sich diese Zahl um das 2,5-fache erhöht. Im Jahr 2025 wurde den Medien zum ersten Mal seit Beginn des Krieges ein Fall bekannt, in dem ein Gericht im Rahmen dieses Artikels des Strafgesetzbuches einen Soldaten wegen „defätistischer Äußerungen” verurteilt hatte.
Das Foto der betagten Mutter eines gefallenen russischen Soldaten hat uns veranlasst, diesen kurzen Bericht zu veröffentlichen.
Wir befinden uns im abgelegenen Dorf Gluchowka mit weniger als tausend Bewohnern in der Region Belgorod. Das Dorf besitzt eine Sekundarschule, die Mitte Februar 2025 einen „Heldenschreibtisch" für den ehemaligen Schüler Jurij Iwanowitsch Klischin (07.11.1974 - 17.06.2024) einweihte. Jene Heldenschreibtische stellen eine landesweite Aktion der Partei „Einiges Russland" dar, zum Gedenken an die vielen getöteten Soldaten im Krieg gegen die Ukraine.
Wie in allen, ziemlich gleichgeschalteten Veranstaltungen werden die Kriegstoten zu Helden überhöht, den Schulkindern wird Soldatentum und das Sterben im Krieg als höchste patriotische Aufgabe vermittelt. Hier in der Schule wurde extra eine Soldatenecke mit Munitionskisten und Tarnnetzen aufgebaut.
Wir geben den Text der Schule im übersetzten Original wieder:
Wenn man mit der Transsibirischen Eisenbahn von Moskau aus nach Osten fährt, dann zweigt ein Schienenstrang in die Volksrepublik China ab. An diesem Zweig in der russischen Region Transbaikalien liegt am Streckenkilometer 6.371 die Ortschaft Mogoitui mit rund 10.000 Einwohnern. Mogoitui ist eines der burjatischen Kulturzentren der Region. Etwas südöstlich davon liegt das Dorf Tsagan-Chelutaj mit rund 1.000 Bewohnern.
Das Dorf hat zwei russische Helden vorzuweisen. Der erste war Fähnrich Andrei Wladimirowitsch Dneprovski ( 06.05.1971 - 21.03.1995), der allerdings nur zwei Jahre im Dorf lebte und im ersten Tschetschenienkrieg getötet wurde, nachdem er "sagenhafte" Heldentaten vollbracht hatte. Immerhin kam sein Foto auf eine Briefmarke (Bild links).
Der zweite Held ist allerdings eher ein Opfer - ein Opfer jener militärisch-patriotischen Erziehung vom Kindergarten an bis zur Berufsschule. Maxim Sergejewitsch Basenko ist im Dorf aufgewachsen und ging dort zur Schule. Er wurde keine 19 Jahre alt.
Wladimir Wladimirowitsch Gamota, geboren am 27. Februar 1996, Rufname „Raptor (Räuber)“, lebte in der baschkirischen Großstadt Salawat. Beruflich war er Lagerleiter, verheiratet, zwei Kinder. Er wäre der perfekte Ehemann gewesen, berichtete seine Frau der Presse:
Er konnte einfach alles: reparieren, renovieren, die Wohnung putzen, Zeit mit den Kindern verbringen, kochen. Sein Lieblingsgericht war Schaschlik. Niemand konnte ihm das Wasser reichen
Doch ein ruhiges, friedliches Leben war wohl nicht die Sache von Wladimir. Von einem Tag auf den anderen entschloss er sich, einen Militärvertrag zu unterschreiben und in den Krieg gegen die Ukraine zu ziehen.
Es kam eine traurige Nachricht. Ohne Details. Auf diesem Foto bin ich der Einzige, der noch lebt...
Sergej Astachow, St. Petersburg (Link)

Alexej Igorewitsch Detkow stammte aus der Region um die ehemalige Großstadt Leninsk-Kusnezki in der Oblast Kemerowo. Im Juli 2011 eskalierte eine Prügelei mit einem Bekannten. Besoffen stürmte Alexej und ein Kumpel zur Wohnung des Bekannten, in der sich dessen Frau und Kind befand. Die Frau wurde mit einem Baseballschläger erschlagen. Aus Angst, entdeckt zu werden, flüchteten die Angreifer in ein anderes Haus, wo sie drei Menschen mit jenem Baseballschläger und Messern töteten und das Haus anschließend in Brand setzten, um ihre Spuren zu verwischen. Sie flohen mit dem Auto eines der Opfer. Im Prozess bekam Alexej 23 Jahre Knast in einem Hochsicherheitsgefängnis. Auch Alexej zog die geringe Chance, den Krieg gegen die Ukraine zu überleben, dem Gefängnis vor. Er hat es nicht geschafft, bekommt stattdessen am 22.01.2026 ein würdiges militärisches Begräbnis.

Nachdem die Aufmerksamkeit zu unseren Veröffentlichungen wächst, eine kurze Information zu OskarMaria.
Unter diesem Pseudonym war der Initiator im Internet seit über 25 Jahren recht unregelmäßig präsent. Ab dem Jahr 2014 hat er hier über die Situation in den von Russland besetzten Gebieten des Donbass geschrieben. Als einer der ersten Journalisten überhaupt informierte er über die damals neu gegründete Gruppe Wagner.
Beruflich war er seit den 80-iger Jahren Geschäftsführer von diversen Medienunternehmen im Printbereich. Jetzt im Ruhestand, Kinder erwachsen, bleibt etwas mehr Zeit, die gesammelten Erfahrungen zusammen mit wenigen Mitstreitern für dieses Projekt zu nutzen.
Nachtrag: OskarMaria– das ist eine kleine Verbeugung vor dem beinahe vergessenen Schriftsteller Oskar Maria Graf. In Zeiten der Bücherverbrennungen wurden seine Werke von den Nazis verschont, ja sogar teilweise empfohlen. „Verbrennt mich!“ schrieb er 1933 in der Wiener Arbeiterzeitung, „nach meinem ganzen Leben und nach meinem ganzen Schreiben habe ich das Recht, zu verlangen, dass meine Bücher der reinen Flamme des Scheiterhaufens überantwortet werden und nicht in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbanden gelangen!“ Schließlich floh er in die USA – dort lebte er in bescheidenen Verhältnissen. Deutschland wollte den unbequemen Mann nach dem Krieg nicht wieder haben. Er starb 1967 in New York.
Literaturempfehlung: Wir sind Gefangene - Autobiograhie 1927.
Wir meinen damit die Antrittsprämien, die Russen erhalten, wenn sie freiwillig einen Zeitvertrag mit dem Militär abschließen. Und der Begriff „Russisch Roulette“ ist dabei nicht falsch, denn die Überlebenschancen sind gering.
In der zweiten Hälfte des letzten Jahres haben viele Regionen diese Antrittsprämien stark reduziert. Offensichtlich fehlt es an Neuunterzeichner, deshalb erhöhen manche Regionen diese Prämien zum Teil erheblich - trotz chronischem Haushaltsdefizit. Denn alle Regionen müssen eine bestimmte Quote erfüllen, um jene 30.000 bis 35.000 monatlich gefallenen und verwundeten Soldaten im Krieg gegen die Ukraine zu ersetzen.
Über Anhebung der Prämien in Baschkortostan und Tatarstan haben wir bereits berichtet. In Tschuwaschien wurde die regionale Prämie von 400.000 Rubel auf 2,1 Millionen Rubel angehoben. Bis zum 31.03.26 erhält somit jeder Neuunterzeichner zusammen mit der Prämie des Staates 2,5 Millionen Rubel (€ 27.000). In Samara wurde die Einmalzahlung von 400.000 auf 1,1 Millionen Rubel erhöht, dort erhält jeder Unterzeichner zusammen mit der Staatsprämie 1,5 Millionen Rubel (€ 16.000). Und schließlich in Orenburg gibt es zusammen mit der Staatsprämie statt 800.000 Rubel jetzt 1,4 Millionen Rubel (€ 15.000). Bereits Ende Dezember hat auch die ökonomisch schwache Region Mari El die Prämien stark angehoben. Statt bisher 800.000 Rubel von Staat und Region gibt es jetzt 2,5 Millionen Rubel (€ 27.000).
Es lohnt sich also, quer durch Russland zu reisen - dorthin wo die höchsten Prämien gezahlt werden.
Die Stadt Pokrowsk in der Ukraine ist zur Zeit eine der umkämpfsten Regionen an der Front. Sie wurde im letzten Jahr mit der Taktik der Infiltration durch russische Einheiten teilweise besetzt, deren Unterstützung und Versorgung aber durch ukrainische Kräfte erfolgreich verhindert wurde. So ist die Stadt und deren Umgebung aktuell wieder frei von russischen Angreifern.
Doch immer wieder schicken russische Kommandeure ihre Soldaten einzeln oder in kleinen Gruppen in Richtung der Stadt, in der Hoffnung wieder einen Stützpunkt hinter den Verteidigungslinien aufbauen zu können. Wie in diesem Fall sind die Soldaten nicht einmal bewaffnet.
Weite Teile der Front sind vermint, aber für die vorschleichenden Soldaten warten auch andere Fallen. Unser Video zeigt eine Drohne auf der Lauer. Sie übermittelt ihre Bilder an den Drohnenpiloten, der entscheidet, wann der Sprengkörper gezündet wird. Auch jener russische Soldat wird irgendwann in unseren Listen auftauchen.
Alexej Fjodorowitsch Jeropejew wurde am 21.11.1978 im Dorf Scharaldai in Burjatien geboren. Nach der Schule begann Alexej eine Ausbildung zum Schneider und KFZ-Mechaniker. Nach einem Unfall wurde er schwerbehindert, Stufe 2. Der Nachruf schreibt: „Trotz dieser Schwierigkeiten blieb Alexey optimistisch und verdiente sich etwas dazu, indem er Kleidung und Schuhe nähte und dabei sein handwerkliches Geschick unter Beweis stellte. Er konnte keine Familie gründen, blieb aber stets ein gütiger und mitfühlender Mensch.“
Trotz schwerster Behinderung konnte Alexej am 16.05.2025 einen Vertrag als Zeitsoldat mit dem russischen Militär abschließen.
Die Sache endete schnell - Alexej wurde bereits am 11. Juni 2025 bei einem Einsatz ins Verderben geschickt.
So schwärmt der Nachruf weiter: „Alexey war von Natur aus gutherzig, mitfühlend und hilfsbereit. Er war stets bereit, andere zu unterstützen und mit ihnen Freud und Leid zu teilen. Seine Güte und Menschlichkeit werden in den Herzen all derer, die ihn kannten, für immer weiterleben.“
Ein russischer Kommandeur steht auf dem Rollfeld des Flughafens in Kaliningrad und nimmt vor dem Abflug an die ukrainische Front noch ein Video für seine Familie auf.
Seine Worte in deutscher Übersetzung:
"Hallo, meine Lieben!
Jetzt fliegen wir los. Hinter mir steht ein Il-76-Flugzeug, mit dem wir fliegen werden. Gefühle gemischt. Es ist unklar, was uns erwartet, was als Nächstes kommt.
Aber offiziell geht es in die Zone der Spezialoperation, um Verluste aufzufüllen. Die Verluste sind, soweit ich verstehe, sehr hoch. Deshalb schicken sie jeden dorthin.
Niemand wird in die Kategorie der Untauglichen eingestuft. Wir haben hier mehrere Behinderte. Sogar solche mit Prothesen. Also werden alle der Reihe nach aus dem Krieg zurückkehren – entweder behindert oder mit den Füßen voran.
Aber hoffen wir auf das Beste. Ich hoffe, lebend zurückzukommen. Gott segne euch.
Möge Gott ein schnelles Kriegsende gewähren.
Ich liebe euch, Küsse.Tschüss."
Vorausgeschickt - die wahrscheinliche Liquidierung des „Hispaniola“-Gründers, Stanislaw Orlow, ist für das Kriegsgeschehen in der Ukraine völlig ohne Bedeutung. Interessant ist lediglich, wie der russische Staat mit jenen militärisch-politischen Anführern umgeht, die in der Öffentlichkeit zu viel Aufmerksamkeit bekommen. Wer sich nicht in die graue Masse des Militärs einordnet, läuft Gefahr irgendwann durch staatliche Akteure beseitigt zu werden (Beispiele). Die Ermittlungen zum Tod verlaufen regelmäßig im Sande, aber die liquidierte Person bekommt ein prächtiges Staatsbegäbnis mit vielen weinenden Trauergästen.
So passierte dann auch im Fall Orlow, der am 22.12.2025 in Moskau beerdigt wurde und zu dessen Ehren das Militär ein beachtliches Trauerkommando abstellte.
Der Telegram-Kanal von ehemaligen Hispaniola-Akteuren veröffentliche folgendes Video von der Beisetzung:
Der Gründer der Hooligan-Einheit „Hispaniola“, Stanislaw Alexandrowitsch Orlow, wurde getötet. Orlow wurde am 2.12.1981 geboren und lebte in Moskau. Nach bisher unbestätigten Meldungen, sollte er von russischen Beamten verhaftet werden und wurde dabei erschossen.
Nachdem die kämpfenden Hispaniola-Freibeuter sich bereits im Oktober 2025 aufgelöst hatten, wurde jetzt auch der Piraten-Kapitän liquidiert.
Als Begründung für den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine gab es in den Verlautbarungen der Behörden meist folgende Begründungen:
Immer häufiger finden wir eine etwas andere Begründung für den Krieg unter den Todesmeldungen für gefallenen Soldaten auf VKontakte, Odnoklassniki und Telegram, die dort von russischen Bots gezielt veröffentlicht werden:
Putin hat mit der Gründung des Zentralen Militärbezirks richtig gehandelt; die Ukraine geriet unter den Einfluss des Westens, und das stellte eine ernsthafte Bedrohung dar.
oder
Kurz gesagt, ich unterstütze Putin in seiner Entscheidung, die SWO (Spezielle Militäroperation) zu entfesseln, weil die Ukraine unter den Einfluss des Westens geraten ist und dies eine ernsthafte Bedrohung für uns darstellt.
In der ersten Amtszeit von Donald Trump hat der US-amerikanische Kongress am 2. August 2017 ein Gesetz verabschiedet, das vom damaligen Präsidenten Trump auch unterzeichnet wurde. Darin heißt es im §247:
(1) Unterstützung der Regierung der Ukraine bei der Wiederherstellung ihrer Souveränität und territorialen Integrität;
(2) Verurteilung und Bekämpfung aller destabilisierenden Bestrebungen der Regierung der Russischen Föderation in der Ukraine, die gegen ihre Verpflichtungen und internationalen Zusagen verstoßen;
(3) niemals Anerkennung der illegalen Annexion der Krim durch die Regierung der Russischen Föderation oder der Abtrennung ukrainischen Territoriums durch militärische Gewalt;
Im Zusammenhang mit einem amerikanischen 28 Punkte Friedensplan war Trump bereit, die Krim und den Donbass als russisch anzuerkennen. Er würde damit gegen sein eigenes Gesetz verstoßen.
Nun - Gesetze kann man ändern, dafür bedürfte es dann einer Mehrheit im amerikanischen Kongress. Die wäre aktuell allerdings mehr als fraglich.
Die vom Kriegsfront zurückgekehrten russischen „Helden der speziellen Militäroperation“ haben mehr als tausend Bürger Russlands getötet oder verletzt.
In den fast vier Jahren des Krieges gegen die Ukraine haben die vom Kriegsfront zurückgekehrten Veteranen der „SVO“ mehr als 1000 Menschen getötet und verletzt, wie die Publikation „Вёрстка (Layout)“ zusammenstellte. Ihre Opfer sind meist Angehörige und Bekannte, die Verbrechen werden häufig während Sauftouren begangen.
So zum Beispiel hat der 43-jährige Einwohner der Stadt Wladimir, Alexej Demeschenko, nach seiner Rückkehr aus der Ukraine einen Mitsäufer in der „Snack-Bar“ mit einem Messer erstochen, weil dieser sich gegen den Krieg aussprach. Der Täter bekam neun Jahre aufgebrummt. Das Gericht sah allerdings einen mildernden Umstand für den Täter, da das Opfer sich gegen den Krieg aussprach.
Oder zum Beispiel hat der 33-jährige Andrej Kurbasow, gebürtig aus der Stadt Wladimir, eine 17-jährige Frau vergewaltigt und getötet. Der mobilisierte Soldat Pawel Sawtschenkow erstach einen Mittrinker in der Grill-Bar „Mirage“ und der Soldat aus der Wladimir-Region, Valery Schumilow, erstach einen Saufkumpan in der Küche wegen eines Streits über den Krieg.
Ein Oberst, der Folter und Diebstahl in der Strafanstalt IK Nr. 15 untersuchte, wurde im Krieg getötet. Seine Angehörigen erfuhren von seiner Todesnachricht von der Bank.
Der FSIN-Oberst Alexander Wladimirowitsch Tscheprasow führte eine interne Untersuchung in der Kolonie Nr. 15 in Angarsk durch (Oblast Irkutsk), nachdem dort ein Gefangenenaufstand und ein Feuer stattgefunden hatten. Später wurde von Folter berichtet. Tscheprasow stieß auf ein großes Netzwerk von Sicherheitskräften und Geschäftsleuten, die Holz stahlen und ins Ausland schickten.
Er konnte die Sache nicht zu Ende untersuchen: Tscheprasow wurde selbst der Bestechung beschuldigt und zu 12 Jahren Strafkolonie verurteilt. Dort unterzeichnete er einen Vertrag, ging an die Front und verschwand spurlos.
Was mit ihm passiert ist, können seine Frau und Mutter nicht erfahren. Weder im Wehramt noch in der Militäreinheit selbst antwortet man ihnen. Es gibt auch keine offizielle Todesanzeige.
Aus dem Telegram-Kanal „Menschen vom Baikal“. Den gesamten Beitrag in russischer Sprache gibt es hier.
Der Telegram-Kanal „Udmurtien gegen Korruption“ hat einen Film vom Soldatenfriedhof der Stadt veröffentlicht. Abonnenten des Kanals haben auch Fotos der Soldatengräber eingereicht, allerdings nur von eineinhalb Reihen. „Das ist schwer anzusehen“, erklärten sie.
Wir konnten auf Grund dieser Fotos 21 Namen neu in unsere Datenbank aufnehmen.
Anmerkung: Es empfiehlt sich den Film in größerer Auflösung anzuschauen, dazu nur auf die Überschrift des Beitrags klicken.
Seit dem Jahr 2022 wurden in Usbekistan 338 Strafverfahren gegen eigene Bürger eingeleitet wegen Beteiligung an bewaffneten Konflikten im Ausland. Fast alle dürften auf Seiten Russlands im Krieg gegen die Ukraine gekämpft haben.
Laut usbekischer Darstellung wurde die überwiegende Mehrheit der Beteiligten durch Täuschung in den militärischen Konflikt hineingezogen oder nach Kontakt mit kriminellen Organisationen in Kampfgebiete geschickt. In seltenen Fällen erfolgte die Teilnahme aus finanziellen Gründen.
Eine unserer Informationsquellen aus Baschkortostan ist seit Beginn des Krieges der Telegram-Kanal „Aspekte Baschkortostan“. Er lieferte Einblicke in die bevölkerungsreichste russische Teilrepublik und veröffentlichte auch Namen der im Krieg gegen die Ukraine gefallenen Soldaten. Um nicht unter Zensurmaßnamen zu fallen, beschränkte sich der Kanal ausschließlich auf die Berichterstattung aus der Region und verzichtete auf Kommentierungen und Wertungen.
Das hat alles nichts geholfen. Am 21. November 25 wurde auch Aspekte als „ausländischer Agent“ eingestuft. Das russische Justizministerium schreibt in seiner Erklärung:
„Die Publikation verbreitete Falschinformationen über Entscheidungen und Maßnahmen russischer Regierungsstellen und lehnte die Militäroperation in der Ukraine ab. Sie war an der Erstellung und Verbreitung von Botschaften und Materialien ausländischer Agenten an die Öffentlichkeit beteiligt.“
Die Publikation „Aspekte – Baschkortostan“ wurde vom Team von Echo Moskwy in Ufa kurz nach der Schließung ihres Radiosenders im Frühjahr 2022 ins Leben gerufen. Die erste Sendung wurde am Morgen des 1. April 2022 auf dem YouTube-Kanal des Projekts ausgestrahlt. Seitdem konzentriert sich „Aspekte“ auf regionale Nachrichten.
Jetzt prangt über jedem Beitrag von Aspekte der großgeschriebene Satz: „18+ DAS VORLIEGENDE MATERIAL (INFORMATIONEN) WURDE VON EINEM AUSLÄNDISCHEN AGENTEN DER INTERNETPUBLIKATION „ASPEKTE VON BASCHKORTOSTAN” VERÖFFENTLICHT ODER BEZIEHT SICH AUF DIE TÄTIGKEIT EINES AUSLÄNDISCHEN AGENTEN DER INTERNETPUBLIKATION „ASPEKTE VON BASCHKORTOSTAN”.
Zwei Journalisten des Projekts, Ruslan Walijew und Jewgeni Konoplin, haben Russland inzwischen verlassen und leben in Deutschland.