31.08.2026 -- 230.141// Zuwachs zum 31.07.2026: 6.580
Ein Schüler aus Dagestan unterschrieb unter Folter einen Vertrag und verschwand im Krieg
Der 18-jährige Schüler Said Murtasaliew aus Dagestan fuhr im Januar 2025 in die Winterferien nach Moskau, wo er zusammen mit Freunden von der Polizei festgenommen wurde. Unter Androhung der Verhaftung wegen eines angeblich von ihnen begangenen Verbrechens wurde Said gezwungen, einen Vertrag mit dem Verteidigungsministerium zu unterschreiben. Nach Angaben seiner Mutter wurde der Schüler nicht nur bedroht, sondern auch gefoltert – man übergoss ihn mit eiskaltem Wasser, setzte ihm eine Gasmaske auf und schlug ihn.
Zuletzt gelang es Said im März, seine Familie anzurufen – seitdem erhält seine Mutter vom Militär keine Informationen über seinen Aufenthaltsort.
Berg Elbrus -- Foto: JukoFF -- Lizenz: Frei
In der russischen Teilrepublik Kabardino-Balkarien wohnen rund 900.000 Menschen. Etwa 70% der Bevölkerung sind sunnitische Muslime, der Anteil der russischstämmigen Bevölkerung nimmt stetig ab und lag im Jahr 2020 bei knapp 20 Prozent. Im Krieg gegen die Ukraine sind die Bewohner extrem zurückhaltend, die Republik liegt in unserer Statistik der Kriegstoten in Abhängigkeit von der Bevölkerung auf den ganz hinteren Plätzen.
Es ist Anfang Mai im Bezirk Elbrus und im Dorf Kendelen mit rund 7.000 Bewohnern findet eine Gedenkveranstaltung statt. Eine Delegation des Motorradclubs "Nachtwölfe" ist extra gekommen, um eine Tafel für die im Krieg gegen die Ukraine getöteten Bewohner einzuweihen. Wir geben den Bericht der Bezirksverwaltung im übersetzten Original wieder. Von den elf veröffentlichten Namen waren uns acht unbekannt.
Weiterlesen: Einweihung einer Gedenktafel im Bezirk Elbrus zusammen mit den "Nachtwölfen"

Ein Telegram-Kanal der Marineinfanteristen von Sewastopol auf der Krim veröffentlicht hin und wieder Meldungen von gefallenen Soldaten der Marine. Aktuell wurde ein Video veröffentlicht, das 100 im Krieg gegen die Ukraine getöteten Marinesoldaten vorstellt, die aus der Region Wolgograd kommen. Im Gegensatz zu anderen ähnlichen Videos enthält dieses etwas mehr Informationen über die gefallenen Soldaten. Wir konnten 38 neue Namen in unsere Datenbank eintragen.
Weiterlesen: Gefallene Marinesoldaten aus der Oblast Wolgograd
Jurij Maximowitsch Witsinets -- Danijar Baktiarowitsch Kereibajew -- Denis Alexandrowitsch Moschaitsew
Soldaten im Wehrdienst wurden durch Täuschung und Drohungen dazu gezwungen, einen Vertrag zu unterschreiben
Drei Russen, Soldaten im Wehrdienst im Alter von 18 bis 19 Jahren, haben das obige Video aufgenommen, in dem sie berichten, dass sie durch Täuschung dazu gezwungen wurden, unbefristete Verträge in Burjatien zu unterschreiben. Nachdem sie in der 37. separaten motorisierten Schützenbrigade der Militäreinheit 69647 in der Stadt Kjachta angekommen waren, begann der Zugführer, die Wehrpflichtigen mit der Versetzung an die Front und faktisch mit dem Tod zu bedrohen.
Die Angehörigen aller drei Soldaten berichteten, dass ihnen wegen ihrer Weigerung, den Vertrag zu unterschreiben, damit gedroht wurde, sie in die Region Kursk zu bringen und „auszulöschen“.
Zentrum von Pokrowsk vor der russischen Zerstörung -- Foto: MOs810 -- Lizenz: CC BY-SA 3.0
Pokrowsk ist eine Stadt in der Region Donezk, um die zur Zeit heftig gekämpft wird. Die Stadt hatte ursprünglich mal 60.000 Einwohner, fast alle Bewohner haben inzwischen die Ruinen der Stadt verlassen. Die Situation für die ukrainischen Verteidiger hat sich angeblich in letzter Zeit verschlechtert, die russische Propaganda berichtet täglich von neuen Geländegewinnen. Aber das ist nur ein Teil der Wahrheit: Der russische Kanal ZOW Insider, der aktuelle Verlustlisten der russischen Soldaten erstellt, hat am 23. Juli einen wütenden Bericht veröffentlicht, den wir hier übersetzt dokumentieren:
Wir sind wieder im "Autonomen Kreis der Tschuktschen" - kurz Tschukotka - im fernen Nordosten Russlands. Der Gemeindebezirk Anadyr ist die größte Untereinheit in Tschukotka mit einer Fläche etwa vier mal so groß wie Bayern. In dieser riesigen Fläche gibt es gerade mal 12 Gemeinden mit rund 8.800 Bewohnern. Und wahrscheinlich ist auch diese Zahl übertrieben, da die Einwohner häufig ganz woanders in Russland arbeiten und leben und nur noch pro forma in den kleinen Dörfern gemeldet sind. Die Hauptstadt Tschukotkas, Anadyr, gehört nicht zum Gemeidebezirk.
Der Bezirk hat ein viel zu langes Video mit den 43 im Krieg gegen die Ukraine gefallenen Bewohner veröffentlicht. Wir veröffentlichen die Screenshots über die einzelnen Gefallenen zusammen mit dem übersetzten Text. In der Summe ergibt das einen guten Überblick über die Männer, die in den weit entfernten Krieg gezogen sind und dessen Ursache sie wohl nicht begriffen haben. Die einzeln beschriebenen Heldentaten werden irgendwann in der Reihe "Grimms Märchen" gesammelt veröffentlicht.
Weiterlesen: Die Gefallenen aus dem Bezirk Anadyr - Tschukotka
|
Emil Arturowitsch Renk (Ренк Эмиль Артурович) lebte in Syktywkar, der Hauptstadt der russischen Teilrepublik Komi. Emil wurde 24.12.1989 geboren. Trotz zweier VKontakte-Seiten und einer weiteren bei Odnoklassniki ist privat wenig bekannt, allerdings lässt sich entfernt auf eine russlanddeutsche Herkunft schließen. Emil arbeitete im Schichtdienst, meldete sich im Oktober 2023 freiwillig und wurde am 14. Mai 2025 getötet. |
Jewgeni Alexandrowitsch Zimmermann (Цимерман Евгений Александрович), geboren am 18.12.1982, lebte in Murmansk. Keine russlanddeutsche Herkunft feststellbar. Dafür war Jewgeni Stammgast bei der Murmansker Gerichtsbarkeit. Neun Zivilverfahren, vier Bußgelder und ein Strafverfahren wurden registriert. Zudem war er bei zwei weiteren Strafverfahren beteiligt. |
Das ist Erich Frei (Фрай Евгений Витальевич), der auf dem Foto die russische Flagge schwenkt. Erich ist ein Russlanddeutscher, der allerdings ziemliche familiäre Probleme hatte. "Seine Kindheit könne man kaum als wolkenlos bezeichnen", heißt es wolkig im Nachruf. Erich, geboren am 02.09.2002, ging in Omsk zur Schule, sein weiterer Lebensweg bleibt im Nebel. Am 5. September 2024 zog er in den Krieg, bereits am 26. Oktober war er tot. |
Weiterlesen: Deutsche Namen unter den russischen Kriegstoten im Juni 25
Die russischen Behörden weigern sich, freigelassene Gefangene nach Hause zurückzuschicken

Nach einem der größten Gefangenenaustausche im Mai 2025 – 1000 gegen 1000 Soldaten – berichten die Angehörigen der zurückgekehrten Soldaten, dass ihre Ehemänner, Brüder und Söhne nicht einmal für einen Tag nach Hause zurückgebracht wurden. Sie wurden zurück an die Front gebracht, darunter auch Schwerverletzte.
Weiterlesen: Ich bin wegen des Geldes gegangen, ich will nicht mehr
Alischer Esetowitsch Idrisow wäre eigentlich ein Kandidat für unsere Rubrik Kriegsbilder. Er wurde am 6. Juni 2006 im Dorf Kzyl-Agasch, Bezirk Moskalenski, in der Region Omsk geboren. Das Dorf ist eigentlich ein Aul, also eine recht chaotische Ansammlung von Häusern, die entstanden ist, als die nomadisch lebenden Bewohner der Region sesshaft gemacht wurden. Das Dorf wurde im Jahr 2010 von 237 Menschen kasachischer Abstammung bewohnt.
Alischer war ein guter Schüler, nach der Schule absolvierte er eine Ausbildung an einer Berufsschule in Omsk im Fach „Bau und Betrieb von Gebäuden und Bauwerken“ (pdf). Offensichtlich hat er die Lehre abgebrochen, musste folglich seinen Wehrdienst ableisten und wurde im November 2024 zu einem Zeitvertrag "überredet". Am 13. Mai 2025, also etwa ein halbes Jahr später, wurde Alischer im Krieg gegen die Ukraine getötet.
Der örtliche Ableger der russischen Staatspartei "Einiges Russland" hat zum Tod von Alischer einen Nachruf verfasst, der eindrucksvoll genau in das Propagandaschema passt, das wir in unserer Zusammenfassung des Monats Juni 2025 beschrieben haben: "Im Krieg sterben eben auch unsere Soldaten!" Die toten Soldaten werden propagandistisch überhöht, die lebenden Soldaten werden an der Front skrupellos verheizt.
Wir dokumentieren den Nachruf in deutscher Übersetzung:

Dorf Alkatwaam in Tschukotka
Das Dorf Alkatwaam in Tschukotka kann man nicht über eine Straße erreichen. Es gibt eine etwa 20 km lange Schotterpiste zum nächsten Ort und an die Küste des Beringmeers, wo sich ein Hafen und ein kleiner Flugplatz befindet. Das Dorf besitzt eine Schule, einen Kindergarten, eine Bibliothek, ein Gemeindezentrum, eine Krankenstation, ein Postamt, einen Laden und eine Bäckerei. Die Bewohner leben von der Rentierzucht und dem Fischfang.
Aber auch dieses Dorf hat die Schwindsucht, 2010 lebten dort noch 299 Menschen, im Jahr 2023 zählte man nur noch 166. Bisher haben wir sechs Männer erfasst, die im fernen Krieg in der Ukraine getötet wurden:
Gerade sind wir im Askinsky Bezirk in Baschkortostan, der im Norden der russischen Teilrepublik liegt. Im Dorf Utjaschin wohnten im Jahr 2017 noch etwa 182 Menschen. Neuere Zahlen gibt es nicht, aber die Einwohnerzahl nimmt stetig ab. Im Hof der Familie Achmatschin findet eine Abschiedszeremonie statt für Ramis Miniradikowitsch Achmetschin, der im Krieg gegen die Ukraine getötet wurde. Ramis, geboren am 20.11.1997, hatte sich freiwillig zum Kriegsdienst verpflichtet.
Staraja Kulatka ist ein Dorf städtischen Typs im Süden der Oblast Uljanowsk, seine Bewohner sind überwiegend Tataren. Um die Jahrtausendwende lebten noch 6.000 Menschen im Dorf, heute sind es nur noch 4.000.
Am 17. Juni 25 wurde im Dorf Ildar Rawilewitsch Achtjamow bestattet, der im Krieg gegen die Ukraine getötet wurde. Ildar war ein Sturm-V Soldat, die peinliche Tatsache wurde im Nachruf verschwiegen. Im Juli 2023 war er zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Beim Kauf von gebrauchten Autoteilen hatte er Streit mit dem Verkäufer und verprügelte ihn mit einem Mittäter. Danach setzten sie das Opfer in ein Auto und warfen ihn schließlich in den Fluss.
Weiterlesen: Eine Beisetzung in einer tatarischen Dorfgemeinschaft

Russisches Plakat zum Krieg in der Ukraine
Text: Zermalmt diesen faschistischen Bastard! ZA SIEG!

Nachdem die Aufmerksamkeit zu unseren Veröffentlichungen wächst, eine kurze Information zu OskarMaria.
Unter diesem Pseudonym war der Initiator im Internet seit über 25 Jahren recht unregelmäßig präsent. Ab dem Jahr 2014 hat er hier über die Situation in den von Russland besetzten Gebieten des Donbass geschrieben. Als einer der ersten Journalisten überhaupt informierte er über die damals neu gegründete Gruppe Wagner.
Beruflich war er seit den 80-iger Jahren Geschäftsführer von diversen Medienunternehmen im Printbereich. Jetzt im Ruhestand, Kinder erwachsen, bleibt etwas mehr Zeit, die gesammelten Erfahrungen zusammen mit wenigen Mitstreitern für dieses Projekt zu nutzen.
Nachtrag: OskarMaria– das ist eine kleine Verbeugung vor dem beinahe vergessenen Schriftsteller Oskar Maria Graf. In Zeiten der Bücherverbrennungen wurden seine Werke von den Nazis verschont, ja sogar teilweise empfohlen. „Verbrennt mich!“ schrieb er 1933 in der Wiener Arbeiterzeitung, „nach meinem ganzen Leben und nach meinem ganzen Schreiben habe ich das Recht, zu verlangen, dass meine Bücher der reinen Flamme des Scheiterhaufens überantwortet werden und nicht in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbanden gelangen!“ Schließlich floh er in die USA – dort lebte er in bescheidenen Verhältnissen. Deutschland wollte den unbequemen Mann nach dem Krieg nicht wieder haben. Er starb 1967 in New York.
Literaturempfehlung: Wir sind Gefangene - Autobiograhie 1927.
Wir haben die Liste der russischen Regionen mit den Prämien für den Abschluss von -unbefristeten- Zeitverträgen mit dem Militär aktualisiert.
Seit unserer letzten Veröffentlichung Ende Juli haben einige Regionen ihre Antrittsprämien angepasst. Wenn eine Region Probleme hatte, ihre von Moskau vorgegeben Quoten zu erreichen, wurden die Zahlungen erhöht. Im Fall dass eine Region ausreichend Zeitsoldaten stellen kann, wurden die Zahlungen reduziert. Wir haben die Veränderungen in der Liste mit einem Sternchen (*) markiert.
In der Summe sind die bezahlten Prämien weiter angestiegen. Im Juli zahlten die Regionen im Durchschnitt 2.167.000 Rubel als Prämie, Anfang September 2026 erhöhte sich der Durchschnittsbetrag auf 2.339.000 Rubel.
Neu dabei sind Sonderzahlungen, die manche Regionen für Drohnenpiloten ausloben. Die Regionen Inguschetien, Kaliningrad, Pskow und die Stadt Sewastopol auf der Krim weisen diese Extrazahlungen aus. Eine besondere Pointe setzt die Region Komi - die Zeitsoldaten erhalten extra 100.000 Rubel bei Rückkehr, wohl wissend, dass nicht viele lebend von der Front nach Hause kommen werden.
Die russischen Behörden versuchen auf allen Ebenen zu verhindern, dass Informationen über Kriegstote das Land verlassen. Seit Beginn des russischen Krieges verschicken russische Bürger aus den verschiedensten Regionen Fotos und Videoaufnahmen über neue Kriegsgräber. Und zwar nicht an Geheimdienste, sondern zu den Telegram-Kanälen, die solche Informationen sammeln. Solch offene Info-Kanäle werden natürlich auch von den Geheimdiensten aller Länder gerne besucht, auch wenn diese mit Agententätigkeit nichts zu tun haben.
Nachstehend eine Presseerklärung des Regionalgerichts Jaroslawl vom 08.09.26:
Neuigkeiten vom 8. September 2026
Ein Einwohner von Jaroslawl, der Informationen über tote Soldaten weitergegeben hatte, wurde wegen Hochverrats verurteilt.
Das Regionalgericht Jaroslawl verurteilte heute einen 48-jährigen Einwohner wegen Hochverrats (Artikel 275 des Strafgesetzbuches der Russischen Föderation).
Das Gericht stellte fest, dass der Angeklagte Nikolai Schtscherbakow ab Oktober 2024 regelmäßig den Gedenkfriedhof aufsuchte und dort heimlich die Gräber von Militärangehörigen fotografierte und filmte. Der in Jaroslawl lebende Mann übermittelte die gesammelten Informationen anschließend per Instant Messenger an Vertreter der ukrainischen Geheimdienste.
Kriminelle Aktivitäten wurden von Beamten der FSB-Direktion für die Region Jaroslawl identifiziert und gestoppt.
Mit Urteil des Gerichts wurde Shcherbakov N. des Hochverrats (Artikel 275 des Strafgesetzbuches der Russischen Föderation) für schuldig befunden und zu einer Freiheitsstrafe von 14 Jahren in einer Strafkolonie mit strengem Regime verurteilt, gefolgt von einer Freiheitsbeschränkung von 1 Jahr und 6 Monaten.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Im Herbst 2022 hat die russische Armee 300.000 Reservisten für den Krieg in der Ukraine eingezogen. Diese mobilisierten Soldaten sind jetzt viereinhalb Jahre im Dienst in einem Krieg, bei dem kein Ende in Sicht ist.
Bei vielen Meldungen über im Krieg gefallenen Soldaten können wir nicht erfahren, ob der Kriegstote ein freiwilliger Zeitsoldat, ein Mobilisierter oder ein Berufssoldat war. Trotzdem finden wir jeden Tag Meldungen, die den Status des Gefallenen nennen. Und da sind einige mobilisierte Reservisten darunter.
Deshalb stellt sich die Frage, wie viele der mobilisierten Männer noch im Kriegsgebiet vorhanden sind? Janis Kluge, von der Stiftung Wissenschaft & Politik, hat dazu eine Antwort geliefert. Anhand der Zahlungen im Bundeshaushalt für die mobilisierten Soldaten, konnte er ihre Anzahl berechnen. Von den knapp 300.000 mobilisierten Männern waren im Juli 2024 noch 246.303 vorhanden, im Juli 2025 waren noch 168.594 verblieben. Neuere Zahlen gibt es noch nicht. Setzt sich der Schwund fort, so dürften aktuell nur noch etwa 100.000 Mobilisierte im Dienst sein.
Diese Mobilisierten wurden im letzten Jahr häufig unter Druck gesetzt, in einen Zeitvertrag zu wechseln (siehe hier). Der weit größere Teil wurde getötet oder ist kriegsuntauglich, also physisch oder psychisch schwer verletzt.
„Dies ist eine sehr ernste und verantwortungsvolle Angelegenheit. Wir unternehmen gemeinsam mit Ihnen und den Bürgermeistern der Gemeinden auf allen Ebenen größte Anstrengungen, diese Aufgabe mit Würde zu bewältigen“, sprach der Gouverneur von Irkutsk, Igor Kobzew (Foto links), zu den Parlamentariern der Regionalversammlung. Er meinte damit die Erfüllung der Quote an Freiwilligen für den Kriegsdienst, die der Region Irkutsk von Moskau auferlegt wurde. Auf seinen Antrag hin wurden die Prämien von 2,1 Millionen Rubel auf 1,8 Millionen reduziert. Verurteilte und Angeklagte erhalten eine Million Rubel und neu eingeführt wurde die Zahlung von 900.000 Rubel für Ausländer und Statenlose.
Der eingebrachte Gesetzesentwurf wurde überarbeitet und in zweiter Lesung angenommen. Die Behörden gehen wohl davon aus, dass sie ihre Vorgaben hauptsächlich durch die Strafverfolgungs- und Ausländerbehörden abdecken können. Das spart Geld.
In der russischen Teilrepublik Inguschetien im Kaukasus überbringt der Ministerpräsident die Beileidsbekundigungen für die im Krieg gegen die Ukraine getöteten Inguschen persönlich. Mitte August hatte er vier Familien aufzusuchen.
Laut Wladimir Slasteinin, dem Ministerpräsidenten, nehmen insgesamt mehr als zweitausend Einwohner Inguschetiens an den Kampfhandlungen bei der russischen Armee teil. Wir haben bisher 290 Kriegstote registriert, die tatsächliche Zahl dürfte deutlich höher liegen.
Der Telegram-Kanal „Fortanga“ schreibt zu den Kriegsversehrten:
Mehrere hundert Menschen erlitten schwere Verletzungen. Allein im Jahr 2025 wurden in Inguschetien 464 Teilnehmer an den Kampfhandlungen behandelt. Die genaue Zahl der Verletzten und derjenigen, die im Laufe der Kampfhandlungen eine Behinderung erlitten, wird nicht genannt. Die Verwundeten erhalten nicht immer die ihnen zustehenden Prothesen und sind gezwungen, sich bei verschiedenen Behörden zu beschweren.
Eine Gruppe Lehrer hatten die Möglichkeit zu einer Audienz bei Wladimir Putin. Ein Mann berichtet von einem Ausflug zum Nordpol und auf Rückfrage berichtet er, zwei Eisbären gesehen zu haben. Das findet Wladimir interessant und erzählt, dass Orcas Eisbären in Stücke reißen und vertilgen würden (dafür konnte der Verfasser keine Belege finden). So wäre das Leben, meint Wladimir, der Stärkere frisst den Schwächeren, die Nahrungskette eben. Das sollen die Lehrer ruhig ihren Schülern beibringen. Und deshalb würde Russland ja auch die „Spezielle Militäroperation“ durchführen.
Jabloko ist die einzige Partei in Russland, die sich gegen den Angriffskrieg gegen die Ukraine ausspricht. Sie wurde durch Beschluss eines Moskauer Gerichts, von den kommenden Parlamentswahlen ausgeschlossen. Geklagt hatte die linksnationalistische Partei „Rodina“, die sich selbst nationalkonservativ nennt. Soviel zur allgemeinen Verwirrung.
In ihrer Klage warf Rodina der Partei Jabloko Uhrheberrechtsverletzungen vor. So hätte Jabloko ohne Genehmigung Zeilen aus dem Antikriegslied „Es soll immer Sonnenschein geben“ und die Zeile „Wenn es doch nur keinen Krieg gäbe“ aus Alexander Wolodins Theaterstück „Fünf Abende“ verwendet, sowie Umfragedaten des Lewada-Zentrums zitiert. Es gibt in der Klage weitere Vorwürfe ähnlicher Qualität.
Bliebe zum Schluss noch zu erwähnen: Der Sohn des Komponisten des Liedes „Es soll immer Sonnenschein geben“ hatte der Partei ganz offiziell die Erlaubnis zur Nutzung gegeben.
In den ersten sechs Monaten dieses Jahres hat Russland 43,5 Tonnen Gold verkauft. Aber es hat noch reichlich Reserven, Anfang Juli sollen sich noch 2.282 Tonnen Gold in den staatlichen Tresoren befunden haben. Trotzdem bedeutet dieser Verkauf den größten Rückgang der Goldreserven in den letzten 25 Jahre.
Der Goldverkauf dient in erster Linie der Deckung des russischen Haushaltsdefizits, der Staat muss immer höhere Ausgaben für den Krieg gegen die Ukraine finanzieren. Allerdings dürfte jenes verkaufte Gold meist im Land geblieben sein. In unsicheren Zeiten heben die Russen gerne ihre Rücklagen vom Konto ab und kaufen dafür Gold.
Die Kleinstadt Bad Ems liegt an der unteren Lahn und nur wenige Kilometer von der Stadt Koblenz entfernt. Bad Ems hatte seine Glanzzeit im 19. Jahrhundert. Es war die Kurstadt und Sommerresidenz von bedeutendem Adel und angesagten Künstlern. So führte zum Beispiel die Emser Depesche zum Französisch-Deutschen Krieg 1870/71.
Auch der russische Zar Alexander der II. verbrachte den Sommer gerne in Bad Ems. Dort unterzeichnete er am 30. Mai 1876 den „Emser Erlass“. Damit verbot er die Einfuhr und Veröffentlichung von Schriften in ukrainischer und belarussischer Sprache im Russischen Kaiserreich und stellte Zuwiderhandlungen unter Strafe. Eine kaiserliche Kommission hatte festgestellt, dass die Verwendung der ukrainischen Sprache staatsgefährdend wäre.
Dieses russische Überheblichkeitsdenken gegenüber den „Kleinrussen (Ukrainer)“ wirkt bis heute nach. Auf ihm basiert auch der propagandistische Überbau, mit dem der „Putinismus“ den russischen Angriffskrieg begründet.
Foto: Silin2005 -- Lizenz: Gemeinfrei -- Die Plakette wurde nach dem russischen Angriffskrieg 2022 von Unbekannten entfernt.
Wir hatten bereits über die Aussage der russischen Militätbloggerin Agnes Becker berichtet, die in ihrem Telegramkanal eine angeblich unabhängige Studie zitiert hatte. Danach würde die durchschnittliche Überlebensdauer eines Soldaten bei einem Angriff an den vordersten Positionen nur 20 - 35 Minuten betragen. Am letzten Mittwoch bestätigte der CIA-Direktor John Ratcliff diese Aussage:
„Unsere Erkenntnisse decken sich mit einigen Berichten aus offenen Quellen, die Sie möglicherweise im Zusammenhang mit der Ukraine gesehen haben: Die durchschnittliche Lebenserwartung eines russischen Rekruten, der derzeit auf dem Schlachtfeld in der Ukraine eintrifft, wird auf 20 bis 30 Minuten geschätzt.“
Durch den Einsatz von Drohnen mit KI-Unterstützung steigen jedoch die Verlustzahlen auch weit hinter der Front. Im folgenden Video sieht man solch eine Drohne, die zielgerichtet einen russischen Militärlaster ausschaltet. Vermutlich handelt es sich um die in Deutschland hergestellt HX-2 der Rüstungsfirma Helsing.
Die Kleinstadt Tschulym liegt etwa 130 km westlich der Hauptstadt Nowosibirsk. In der Stadt und im dazugehörigen Bezirk leben rund 20.000 Menschen - Tendenz rückläufig. Die Gegend ist landwirtschaftlich geprägt, etwa ein Drittel aller Erwerbstätigen arbeiten in diesem Bereich.
Ein Denkmal erinnert an die Toten aus den sowjetischen und russischen Kriegen. Im Krieg in Afghanistan sind zwei Soldaten aus dem Bezirk getötet worden, in den Tschetschenienkriegen wurden acht Männer getötet und im aktuellen Krieg gegen die Ukraine wurden bisher 113 Namen eingraviert.
Setzt man jene 113 Kriegtoten ins Verhältnis zur Bevölkerung, so würde jene Region an zweiter Stelle aller russischen Regionen in unserer entsprechenden Tabelle stehen.
Peter Frankopan ist Professor für Weltgeschichte an der Universität Oxford. In einem Essey über Wladimir Putin zitiert er den exilrussischen Telegram-Kanal „Astra“. Astra selbst zitiert in einem Beitrag eine/n Z-Blogger/in „Agna Becker“ der/die den Telegram-Kanal „Haus unter Lorbeeren“ betreibt. Agna Becker wiederum zitiert „unabhängige Studien von 'N' “ und damit kommen wir zur eigentlichen Nachricht.
Nach dieser Studie würde die durchschnittliche Überlebensdauer eines Soldaten bei einem Angriff an den vordersten Positionen nur 20 - 35 Minuten betragen. Laut der selben Studie betrage die „durchschnittliche Lebenserwartung“ eines Soldaten von der Zeit seiner Ankunft auf dem Übungsplatz bis zu seiner Abreise in den Kampfgebiet von zehn Tagen bis zu drei Wochen.
Ganz unrealistisch sind diese Aussagen nicht, wie unsere vielen Beispiele über Kurzzeitsoldaten zeigen. Wir haben Agna Becker angeschrieben und um einen Link auf die Originalveröffentlichung gebeten. Eine Antwort ist nicht zu erwarten.
„Ich freue mich auf meinen Tod“ ist der Titel einer bekannten Kantate von Johann Sebastian Bach. Die ist dem Autor spontan zum unten veröffentlichten - KI-generierten - Video eingefallen. In diesem werden 46 russische Soldaten vorgestellt, die alle aus der Großstadt Artjom oder deren näheren Umgebung in der Region Primorje stammen. Zur Erinnerung - die Region Primorje liegt im Fernen Osten Russlands. Die Soldaten im Video werfen ihre Waffen weg, lachen dabei und schreiten ins Nirwana.
Wieviel sinnvoller wäre es gewesen, wenn all diese Soldaten sich diesem verbrecherischen Krieg verweigert und gemeinsam ihre Waffen niedergelegt hätten? Sie wären zumindest lebend nach Hause gekommen. So dürfte auch diese KI-generierte Schmonzette keine Hilfe und Trost für ihre Angehörigen darstellen.
Im ersten Quartal 2026 floss beinahe jeder zweite Rubel aus dem russischen Staatshaushalt in das Militär. Das berichtet ein Mitarbeiter der deutschen Stiftung Wissenschaft und Politik in seinem aktuellen Rundschreiben. Ganz genau betragen die militärischen Ausgaben inzwischen 46% des gesamten russischen Haushalts.
Am 01.08.1914 ist Deutschland in den Ersten Weltkrieg eingetreten, am 11. November 1918 unterzeichnete eine deutsche Delegation den Waffenstillstand. Berechnet man die Zeitspanne des Krieges, so kommt man auf 1.564 Tage Krieg.
Am 24.02.2022 begann die zweite russische Invasion der Ukraine. Bis zum heutigen Tag gerechnet sind das inzwischen 1.570 Tage Krieg, der Konflikt dauert also inzwischen länger als der Erste Weltkrieg - trotz zwischen 300.000 und 500.000 russischen und vermutlich 100.000 ukrainischen Kriegstoten, all den Kriegsversehrten und unermesslicher Zerstörung der Lebensgrundlage der Menschen in der Region. Und noch immer ist kein Ende in Sicht.
Und zur Erinnerung: Die erste russischen Invasion in der Ukraine fand bereits im Jahr 2014 statt, als Russland die Krim gewaltsam annektierte und russische Geheimdiensttruppen in den Donbass einsickerten.
Das Dorf Uinskoje liegt in der russischen Region Perm mit etwa 4.000 Bewohnern. Vermutlich wurde in diesem Dorf ein Versuchsballon gestartet. In einer Information auf der VKonatkte-Seite der „Verwaltung des Stadtbezirks Uinsky“ wurde eine Anzeige der Verwaltung veröffentlicht. Danach werden Frauen in der Region Perm für den Kriegseinsatz rekrutiert. Die Behörden versprechen ein Gehalt von 210.000 Rubel pro Monat und einen Bonus von 1,5 Millionen Rubel für die Unterzeichnung eines Vertrags mit dem russischen Verteidigungsministerium. Der Vertrag soll eine Laufzeit von einem Jahr beinhalten. (Allerdings können solche Verträge laut einem Erlass des Präsidenten so lange verlängert werden, solange die Mobilisierung nicht aufgehoben ist.)
Laut dem Informationstext können nur Frauen zwischen 18 und 35 Jahren einen Vertrag als Drohnenpilotin unterzeichnen, Frauen unter 45 Jahren dürfen sich für Positionen als Fahrerin für humanitäre Hilfstransporte bewerben.
Die Informationsseite wurde inzwischen gelöscht. Allerdings ist es uns gelungen, noch einen Screenshot der betreffenden Anzeige zu sichern (Original, deutsche Übersetzung.).
Die russische Zensur verbietet die genaue Berichterstattung über die vielen ukrainischen Drohnenangriffe auf Erdölraffinerien und Militärstützpunkte im ganzen Land. Die örtlichen Medien berichten deshalb nur sehr zögerlich über die Resultate und zitieren lieber staatliche Erfolgsmeldungen, dass wieder eine Vielzahl von Drohnen abgeschossen wurden.
In den Kommentaren zu den Berichten der großen lokalen Medien ließen die Bürger ihrer Wut freien Lauf und verspotteten Behörden und Regierung. Wir haben mehrfach solche Kommentare veröffentlicht.
In den letzten Tagen gab es erneut Drohnenangriffe auf die Region Krasnodar und St. Petersburg. Wieder wurde im Raum Krasnodar eine Erdöl verarbeitende Anlage in Brand gesetzt und bei St. Petersburg wurde ein Munitionslager angegriffen. Es kam zu Explosionen, die Bevölkerung in der Nähe wurde evakuiert.
Leserkommentare zu den Berichten von Fontanka in St. Petersburg sind jetzt nicht mehr möglich, die Funktion wurde deaktiviert.
Die russische Staatsbank hat eine neue Tabelle über ihre Währungsreserven bis einschließlich 1. Mai veröffentlicht. Danach verkauft die Zentralbank seit Jahresanfang monatlich eine beträchtliche Menge an Gold - insgesamt knapp 28 Tonnen.
Russland dürfte durch den Verkauf etwa 3,7 Milliarden Euro eingenommen haben. Das russische Staatsvermögen wird aber nur zu einem geringen Teil, wenn überhaupt, bei den Bürgern ankommen. Der Staat benötigt die Einnahmen, um seinen Krieg gegen die Ukraine zu finanzieren.
„Udmurtien gegen Koruption“ ist ein Telegram-Kanal, über den wir auch Meldungen über russische Kriegstote aus der russischen Teilrepublik Udmurtien beziehen. Der Gründer des Kanals, Iwan Elisejew, hatte bis zum Jahr 2021 das regionale Büro Alexej Nawalnys geleitet. Ende 2021 verließ auch Elisejew Russland, um einer Verhaftung zu entgehen.
„Udmurtien gegen Koruption“ wurde inzwischen in das russische Register der „ausländischen Agenten“ aufgenommen. Iwan Elisejew wurde aktuell vom russischen Innenministerium zur Fahndung ausgeschrieben.
Am 13. und 14. Mai startete Russland den größten Drohnenangriff auf Kiew und die gesamte Ukraine. Moskau setzte 1.567 Drohnen und 56 weitere Raketen ein. Allein in Kiew wurden 24 Menschen getötet.
Zwei Tage später griffen ukrainische Drohnen zum ersten Mal in großem Umfang die Region Moskau an. Ziele waren eine Erdölraffinerie und Betriebe mit militärischer Produktion. Mindestens drei Menschen wurden getötet.
Zum Bericht des Moskauer Internetportals MSK1 über die Schäden, gab es auch einige interessante Kommentare:
Das WZIOM ist ein staatliches Meinungsforschungsinstitut in Russland, das größte seiner Art im Land. Es veröffentlicht regelmäßig Untersuchungen über die Beliebtheitswerte des Präsidenten, der russischen Regierung und der Stimmung im Land. Im April 26 berichtete das Institut, dass die Zustimmungswerte zur Amtsführung des Präsidenten auf 65,6% gefallen wäre. Dem Ministerpräsidenten und seine Regierung bescheinigte das Institut Zustimmungswerte von 44,3%, bzw. 39,7%. Für eine deutsche Regierung wären das beruhigende Werte, im autoritären Staat Russland geht so etwas nicht.
Im Mai 2026 änderte WZIOM dann die Methodik - und siehe da, die Werte für Putin wurden besser. Zitat:
Laut den Ergebnissen einer gemeinsamen Umfrage unter Russen lag die Zustimmungsrate für die Leistung des Präsidenten im Zeitraum vom 4. Mai bis 10. Mai 2026 bei 66,8 %. Die positive Bewertung der Arbeit des Premierministers und der russischen Regierung in der vergangenen Woche betrug 42,2 % bzw. 38,9 %.
Damit kann Präsident Putin ganz gut leben und alle aktuellen politischen Probleme an seine Regierung adressieren.
Damit alles passt, hat WZIOM diesmal seine Methodik verändert. Statt einer reinen Telefonbefragung der Bürger, ist man jetzt zusätzlich von Haustüre zu Haustüre gegangen und hat die Menschen direkt angesprochen.
Frage an unsere Leser: Würden Sie in einem autoritären Staat eine ehrliche Antwort geben, wenn ein Unbekannter vor ihrer Tür steht und Sie nach Ihrer Meinung zum Präsidenten befragt? Auch wenn der Frager versichern würde, alles bliebe anonym?
Jeder deutsche Bundeskanzler wäre glücklich und froh, wenn er die Zustimmungswerte des russischen Präsidenten auch nur annähernd erreichen könnte. Die lagen seit Beginn des Angriffskrieges stabil bei über 80% in der russischen Bevölkerung.
Doch Unruhe kommt auf, das einzig verbliebene, unabhängige russische Meinungsforschungsinstitut, das Lewada-Zentrum, berichtet von ihrer letzten Umfrage vom 30.04.26:
Die Zustimmungswerte für Wladimir Putin als Präsident lagen im April 2026 bei 79 Prozent und sind in den vergangenen sechs Monaten kontinuierlich gesunken – um 8 Prozentpunkte seit September 2025. 16 Prozent der Befragten missbilligen die Amtsführung des Präsidenten (ein Anstieg um 5 Prozentpunkte seit September 2025). Dies ist das erste Mal seit Herbst 2022, dass dieser Wert unter 80 Prozent gefallen ist.