31.05.2026 -- 213.686// Zuwachs zum 30.04.2026: 7.376
„Ein gesegnetes Andenken dem Helden! Meine Seele ist voller Trauer... Wie viele Kinder werden nie wieder nach Hause zurückkehren? Wie viele Mütter werden ihre Söhne nie wiedersehen? Wann wird das endlich ein Ende haben?!“, schreibt Nadeschda S. zum Tod von Ernest Nikolajewitsch Saltykow, 23 Jahre aus dem Dorf Jar-Sale
Getreidespeicher im Bezirk Mamontowski -- Foto: pav1898 -- Lizenz: CC BY 3.0
Mit dem Bezirk Mamontowski führen wir unsere Reihe der ländlichen oder abgelegenen Bezirke in Russland fort, die beinahe vollständige Listen über die im Krieg gegen die Ukraine gefallenen Soldaten führen. In dieser Reihe haben wir den Bezirk Krasnotschikoisky in Transbaikalien, die Stadt Arsenjew in der Oblast Primorje und den Bezirk Toptschicha in der Region Altai vorgestellt.
Der Bezirk Mamontowski liegt im Zentrum der Region Altai. Im Jahr 2025 wurden 17.263 Bewohner gezählt. Der Bezirk ist landwirtschaftlich geprägt mit einem Schwerpunkt im Getreideanbau. Die folgende Liste enthält 97 Kriegstote, umgerechnet bedeutet das 562 Tote auf 100.000 Bewohner. Ein sehr hoher Wert, die gesamte Region Altai kommt nach unserer Statistik vom März 2026 auf einen Wert von 148 Tote auf 100.000 Menschen.
Weiterlesen: 97 Gefallene aus dem Mamontowski-Bezirk in der Region Altai
Es gibt zahlreiche Hinweise darauf, dass Russland in diesem Jahr nicht genügend Zeitsoldaten rekrutieren konnte, um die Verluste an der Front auszugleichen. Wir hatten hier bereits darüber berichtet.
Will die russische Armee ihre erklärten Ziele – nämlich die Eroberung des gesamten Donbass erreichen, dann benötigt sie Soldaten, Soldaten, Soldaten.
Das gestaltet sich zunehmend schwieriger, dazu ein paar Ausführungen:
Die Prämien für den Abschluss eines Vertrages zum Kriegsdienst bleiben stabil auf hohem Niveau. In den meisten russischen Regionen ist die finanzielle Situation angespannt, die Haushalte weisen ein ständig steigendes Defizit aus. Trotzdem werden erhebliche Prämien ausgeschüttet, damit die staatlichen Vorgaben an neuen Freiwilligen erfüllt werden können. 400.000 Rubel (etwa 4.700 €) davon zahlt die Zentralregierung, der Rest muss von den Regionen finanziert werden. Je nach Region betragen deshalb die Prämien 800.000 Rubel (rund 9.500 €) bis zu 5,5 Millionen Rubel (rund 54.000 €).
Es ist völlig egal, aus welcher russischen Region der Freiwillige kommt. Dort wo er die Unterschrift leistet, wird die Prämie fällig. So gibt es einen Prämientourismus quer durch Russland hin zu der Region, wo die höchsten Zahlungen erfolgen.
Für Männer, denen das Wasser bereits bis zum Hals steht oder besser, der Gerichtsvollzieher zum Pfänden in der Wohnung steht, gibt es jetzt die Möglichkeit, seine Schulden durch eine Vertragsunterschrift abzuwenden.
Weiterlesen: Prämien & Zahlungen für den russischen Vertragsdienst - Mai 2026

Russischen Studenten wurde Ende 2025 bis Anfang 2026 ein lukrativer Job angeboten. Sie konnten ein Urlaubsjahr von ihrer Ausbildung einlegen, bekamen danach garantiert ihren Studienplatz zurück, wenn sie einen Zeitvertrag mit dem russischen Militär abschlossen und sich als Drohnenpiloten ausbilden ließen. Jede Berufsschule und Universität sollte mindestens zwei Prozent ihrer Auszubildenden für das Programm abstellen. Wir haben darüber berichtet (Link 0, 1, 2, 3). All diesen Studenten wurde ein sicherer Job fernab der Front versprochen.
Bereits jetzt ist der erste Drohnenpilot aus diesem Programm wieder nach Hause gekommen: Valery Viktorowitsch Awerin aus dem Dorf Bolschaja Kudara in Burjatien. (Foto)
Dorf Anjuisk im Autonomen Kreis der Tschuktschen -- Foto: AlGaman -- Lizenz: CC BY-SA 3.0
Das Dorf Anjuisk liegt im Nordwesten des Autonomen Kreises der Tschuktschen an der Grenze zu Republik Sacha (Jakutien). Im Gegensatz zu vielen anderen Dörfer der Region besteht die Bevölkerung mehrheitlich aus Ewenen. Doch die Bevölkerung nimmt stetig ab, im Jahr 2023 lebten noch 380 Menschen im Dorf. Anjuisk liegt 255 km vom Bezirkszentrum Bilibino und 800 km von der Hauptstadt Anadyr entfernt. Die durchschnittliche Tagestemperatur über das ganze Jahr hinweg beträgt -6,7° Celsius.
Einer der Bewohner des Dorfes war Wsewolod Alexejewitsch Nesterow, geboren im Jahr 1990, verheiratet, drei Söhne, gefallen am 4. Juli 2025 im Krieg gegen die Ukraine. Seine Geschichte wollen wir heute erzählen.
Konergino mit einem Quadcopter fotografiert -- Foto: Thabigd -- Lizenz: CC BY-SA 4.0
Das Tschuktschen-Dorf Konergino liegt etwa 200 km nördlich von Anadyr, dem Verwaltungszentrum des Autonomen Kreises der Tschuktschen. Es gibt keine Straßen hin zum Dorf. Über den Sommer kann man das Dorf mit dem Schiff erreichen, in der kalten Jahreszeit gibt es eine Winterstaße über die zugefrorene Bucht und ansonsten fliegt ein Hubschrauber gelegentlich das Dorf an.
Die Haupterwerbszweige der Einheimischen sind Rentierzucht und Fischerei. Viele Gebäude im Dorf befinden sich in einem baufälligen Zustand, Alkoholismus ist im Dorf verbreitet und die Menschen wandern ab. Im Jahr 2001 lebten noch 460 Menschen im Dorf, im Jahr 2021 waren es nur noch 262 Bewohner. So ist es ein leichtes Unterfangen, mit viel Geld junge Menschen aus diesem abgelegenen Dorf für den Krieg in der Ukraine zu rekrutieren. Jetzt wurde der Tod des 19-jährigen Juri Ettywal bekannt.
Weiterlesen: Juri Ettytwal, 19 Jahre, aus dem Tschuktschendorf Konergino
Acht Kurzzeitsoldaten aus BurjatienWir haben Lebensläufe von acht Kurzzeitsoldaten in einem Beitrag zusammengefasst, damit unsere Kurznachrichten-Rubrik nicht überläuft. Alle Kriegstoten stammten aus Burjatien und wurden etwa Mitte März 2026 bestattet.
Und nein - Burjatien ist kein Sonderfall, burjatische Soldaten werden nicht bevorzugt auf sogenannte „Fleischangriffe“ geschickt. Solch schneller Tod betrifft russische Soldaten aller Regionen, nur Burjatien dokumentiert seit Beginn des Krieges sehr ausführlich die Vita ihrer Gefallenen.
In anderen Regionen Russlands werden solche Nachrichten gerne unterdrückt. In Baschkortostan zum Beispiel ist die Veröffentlichung von Daten, die auf tödliche Kurzeinsätze schließen lassen, ausdrücklich untersagt. Neue Zeitsoldaten könnten abgeschreckt werden.
Russland schickt weiter seine Jugend gnadenlos auf die Schlachtbank in der Ukraine. Unser heutiges Beispiel ist Alexej Viktorowitsch Bondin, geboren am 7. August 2007, aus der Stadt Mineralnyje Wody (Mineralwasser) in der Oblast Stawropol im Süden Russlands.
Alexej absolvierte eine Berufsausbildung an der örtlichen Zweigstelle des „Stawropoler Kooperativen Kollegs“, die er im dritten Studienjahr abbrach und sich freiwillig zum Kriegsdienst verpflichtete.
Die Liste der Kriegstoten wird hier ab Position 60 fortgesetzt. Übrigens: Die Nachnamen dieser Listen wurden bisher nach den kyrillischen Alphabet sortiert. Sollten wir weitere Todesfälle nachtragen, werden wir sie an das Ende dieser Liste setzen.
Die Toten des Bezirks Krasnotschikoisky in Transbaikalien -- Teil I -- Teil II -- Teil III
Weiterlesen: Die Toten des Bezirks Krasnotschikoisky in Transbaikalien -- Teil III
Die Lebensläufe der im Krieg gegen die Ukraine getöteten Soldaten sind natürlich geschönt. Negative Dinge werden verschwiegen. Die Autoren gaukeln eine heile Welt vor, in der nur positive Menschen vorkommen, die ehelichen Beziehungen liebevoll und stabil sind und die jungen Heranwachsenden - trotz teilweise widrigen Lebensumständen - sich im Leben durchsetzen können. Ehrlicherweise dürfte das auch in den Nachrufen aus unserem Lebensraum nicht anders sein.
Allerdings dürften der überwiegende Teil der Söldner der Gruppe Wagner ehemalige Insassen der örtlichen Haftanstalten gewesen sein. Und auch manche „Freiwillige“ zogen den Kriegsdienst einem Gefängnisaufenthalt vor.
Überhaupt die Freiwilligen stellen den größten Anteil unter den Kriegstoten mit 79 Fällen (62%). Davon sind allerdings 36 (28%) sogenannte Kurzzeitsoldaten, die weniger als drei Monate an der Front überlebt haben. Unter den Kriegstoten sind weiter 18 mobilisierte Männer, 13 Söldner der Gruppe Wagner und neun Berufssoldaten.
Die Toten des Bezirks Krasnotschikoisky in Transbaikalien -- Teil I -- Teil II -- Teil III
Weiterlesen: Die Toten des Bezirks Krasnotschikoisky in Transbaikalien -- Teil II
Das Dorf Krasny Tschikoi in Transbaikalien -- Foto: Maxinvestigator -- Lizenz: CC BY-SA 4.0
Das Dorf Krasny Tschikoi ist das Verwaltungszentrum des Krasnotschikoisky Bezirks, der im Südwesten der Region Transbaikalien liegt. Der Bezirk hat rund 16.000 Bewohner, hat wenig Industrie und ist stark landwirtschaftlich geprägt. Der Bezirk liegt Luftlinie etwa 5.000 km östlich von Moskau, es ist also von dort ein weiter Weg zum Krieg in der Ukraine. Trotzdem sind bereits 128 Bewohner dieses kleinen, Menschen verlassenen Bezirks dort gefallen.
Das Dorf ist auch ein Mittelpunkt der Semeiskije, einer Glaubensgemeinschaft von priesterlosen Altgläubigen, die im 18. Jahrhundert nach Sibirien verbannt wurden, in den folgenden Texten werden die Männer dieses Glaubens als Semljak bezeichnet.
Die örtlich aufgestellte Liste aller Kriegstoten mit einer ausführlichen Einleitung zum Beginn dokumentiert außergewöhnlich gut, wie den Menschen dort ein völlig verzerrtes Bild jenes Krieges vermittelt wird. Wobei verzerrt eher untertrieben ist, die Menschen werden einfach über die Gründe und Ursachen des russischen Angriffskrieges belogen.
Die Toten des Bezirks Krasnotschikoisky in Transbaikalien -- Teil I -- Teil II -- Teil III
Weiterlesen: Die Toten des Bezirks Krasnotschikoisky in Transbaikalien - Teil I

Der Mann auf dem Foto scheint aus Stanley Kubriks Film „Clockwork Orange“ gefallen. Tatsächlich gehörte Michail Komarow zur Rollenspielszene der russischen Stadt Kirow. Wir haben noch ein zweites Foto mit ihm gefunden, das wohl eine Szene aus dem Film „Stalker“ nachstellt. Der Film basiert auf dem Buch „Picknick am Wegesrand“ von den Strugatzki Brüdern. Das Strugatzki-Buch hat er wohl nicht begriffen. Denn am Ende der Geschichte wünschte sich der Stalker Roderic keinen persönlichen Vorteil, sondern „Glück für alle, umsonst, niemand soll erniedrigt von hier fortgehen“. Michail aber zog freiwillig in den Krieg gegen die Ukraine, es wäre seine bewusste Entscheidung gewesen. Ende April 2026 wurde er in Kirow bestattet.

Nachdem die Aufmerksamkeit zu unseren Veröffentlichungen wächst, eine kurze Information zu OskarMaria.
Unter diesem Pseudonym war der Initiator im Internet seit über 25 Jahren recht unregelmäßig präsent. Ab dem Jahr 2014 hat er hier über die Situation in den von Russland besetzten Gebieten des Donbass geschrieben. Als einer der ersten Journalisten überhaupt informierte er über die damals neu gegründete Gruppe Wagner.
Beruflich war er seit den 80-iger Jahren Geschäftsführer von diversen Medienunternehmen im Printbereich. Jetzt im Ruhestand, Kinder erwachsen, bleibt etwas mehr Zeit, die gesammelten Erfahrungen zusammen mit wenigen Mitstreitern für dieses Projekt zu nutzen.
Nachtrag: OskarMaria– das ist eine kleine Verbeugung vor dem beinahe vergessenen Schriftsteller Oskar Maria Graf. In Zeiten der Bücherverbrennungen wurden seine Werke von den Nazis verschont, ja sogar teilweise empfohlen. „Verbrennt mich!“ schrieb er 1933 in der Wiener Arbeiterzeitung, „nach meinem ganzen Leben und nach meinem ganzen Schreiben habe ich das Recht, zu verlangen, dass meine Bücher der reinen Flamme des Scheiterhaufens überantwortet werden und nicht in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbanden gelangen!“ Schließlich floh er in die USA – dort lebte er in bescheidenen Verhältnissen. Deutschland wollte den unbequemen Mann nach dem Krieg nicht wieder haben. Er starb 1967 in New York.
Literaturempfehlung: Wir sind Gefangene - Autobiograhie 1927.
17.04.2026
Sergej Jewgenjewitsch Jaschow, 32 Jahre alt
Status: Verstorben
Geburtsdatum: 03.08.1993
Todesdatum: 17.12.2025 (Beerdigung: 16.04.2026 in Ussuriysk)
Geburtsort: Olekminsk, Olekminsker Ulus
Todesort: Sewersk, Lugansk-Region
Dienstart: Vertragsdienst seit November 2025
Dienstort: Maschinengewehrschütze, 123. Motosturmbrigade
Kinder: 2
Die russische Staatsbank hat eine neue Tabelle über ihre Währungsreserven bis einschließlich 1. Mai veröffentlicht. Danach verkauft die Zentralbank seit Jahresanfang monatlich eine beträchtliche Menge an Gold - insgesamt knapp 28 Tonnen.
Russland dürfte durch den Verkauf etwa 3,7 Milliarden Euro eingenommen haben. Das russische Staatsvermögen wird aber nur zu einem geringen Teil, wenn überhaupt, bei den Bürgern ankommen. Der Staat benötigt die Einnahmen, um seinen Krieg gegen die Ukraine zu finanzieren.
„Udmurtien gegen Koruption“ ist ein Telegram-Kanal, über den wir auch Meldungen über russische Kriegstote aus der russischen Teilrepublik Udmurtien beziehen. Der Gründer des Kanals, Iwan Elisejew, hatte bis zum Jahr 2021 das regionale Büro Alexej Nawalnys geleitet. Ende 2021 verließ auch Elisejew Russland, um einer Verhaftung zu entgehen.
„Udmurtien gegen Koruption“ wurde inzwischen in das russische Register der „ausländischen Agenten“ aufgenommen. Iwan Elisejew wurde aktuell vom russischen Innenministerium zur Fahndung ausgeschrieben.
Am 13. und 14. Mai startete Russland den größten Drohnenangriff auf Kiew und die gesamte Ukraine. Moskau setzte 1.567 Drohnen und 56 weitere Raketen ein. Allein in Kiew wurden 24 Menschen getötet.
Zwei Tage später griffen ukrainische Drohnen zum ersten Mal in großem Umfang die Region Moskau an. Ziele waren eine Erdölraffinerie und Betriebe mit militärischer Produktion. Mindestens drei Menschen wurden getötet.
Zum Bericht des Moskauer Internetportals MSK1 über die Schäden, gab es auch einige interessante Kommentare:
Das WZIOM ist ein staatliches Meinungsforschungsinstitut in Russland, das größte seiner Art im Land. Es veröffentlicht regelmäßig Untersuchungen über die Beliebtheitswerte des Präsidenten, der russischen Regierung und der Stimmung im Land. Im April 26 berichtete das Institut, dass die Zustimmungswerte zur Amtsführung des Präsidenten auf 65,6% gefallen wäre. Dem Ministerpräsidenten und seine Regierung bescheinigte das Institut Zustimmungswerte von 44,3%, bzw. 39,7%. Für eine deutsche Regierung wären das beruhigende Werte, im autoritären Staat Russland geht so etwas nicht.
Im Mai 2026 änderte WZIOM dann die Methodik - und siehe da, die Werte für Putin wurden besser. Zitat:
Laut den Ergebnissen einer gemeinsamen Umfrage unter Russen lag die Zustimmungsrate für die Leistung des Präsidenten im Zeitraum vom 4. Mai bis 10. Mai 2026 bei 66,8 %. Die positive Bewertung der Arbeit des Premierministers und der russischen Regierung in der vergangenen Woche betrug 42,2 % bzw. 38,9 %.
Damit kann Präsident Putin ganz gut leben und alle aktuellen politischen Probleme an seine Regierung adressieren.
Damit alles passt, hat WZIOM diesmal seine Methodik verändert. Statt einer reinen Telefonbefragung der Bürger, ist man jetzt zusätzlich von Haustüre zu Haustüre gegangen und hat die Menschen direkt angesprochen.
Frage an unsere Leser: Würden Sie in einem autoritären Staat eine ehrliche Antwort geben, wenn ein Unbekannter vor ihrer Tür steht und Sie nach Ihrer Meinung zum Präsidenten befragt? Auch wenn der Frager versichern würde, alles bliebe anonym?