Leningrad Rekrutierung

Im Februar 2026 zahlte die Oblast Leningrad noch drei Millionen Rubel, wenn ein russischer Bürger in einem Militärbüro der Region einen Zeitvertrag abschloss. Jetzt wurde die Antrittsprämie auf 4,5 Millionen Rubel (etwa 48.000 €) angehoben, wie in der angrenzenden Stadt St. Petersburg auch.

St. Petersburg Rauch

Ukrainische Drohnen haben in der Nacht vom 24. auf 25. März 2026 drei Betriebe in der Umgebung von St. Petersburg angegriffen, die für den russischen Erdöl- und Gasexport extrem wichtig sind. In der Kleinstadt Primorsk, etwa 140 km nordwestlich von St. Petersburg, befindet sich der größte Ölverladehafen der Ostsee. Er brennt noch immer - mehrere Tage nach dem Angriff. Dazu wurde die Ölraffinerie „KINEF“ in Kirischi attackiert. Die Stadt liegt etwa 110 km südöstlich von St. Petersburg. Das dritte Ziel war die Ölraffinerie in der Siedlung Ust-Luga, etwa 100 km westlich von St. Petersburg.

Seither zieht eine schwarze Rauchwolke über St. Petersburg und dürfte die Luftqualität der Stadt drastisch verschlechtern. Das zusätzliche Problem: Die Presse darf nicht daüber berichten - all das fällt unter die Zensur. So schreibt „Fontanka“ heute:

Heute sind wir in der Hochschule für Verkehrstechnologie in Nowosibirsk. Im Februar 2026 waren Rekrutierer des russischen Militärs eingetroffen und versuchten Studenten zu überzeugen, einen Vertrag als Drohnenpilot zu unterschreiben. Doch nur wenige Studenten gingen auf das Angebot ein - wenn überhaupt.

Rim Ildarowitsch Agzamow

Rim Ildarowitsch Agzamow wurde am 13.09.2025 in Ufa geboren. Er unterzeichnete einen Vertrag mit dem russischen Verteidigungsministerium und ging in den Krieg in der Ukraine, wo er starb. Er wurde am 18.07.1996 in seiner Heimatstadt begraben. 
🕯 Baschkortostan bleibt der führende Verlustträger in Russland. Insgesamt sind derzeit 9056 getötete Baschkiren bekannt. Besuchen Sie unsere Website, hier finden Sie vollständige Informationen.
Die Vernichtung der baschkirischen Nation geht weiter. Wie viele Menschen müssen noch in einem für uns fremden Krieg sterben?

Unsere wichtigste Informationsquelle aus Baschkortostan hat ihre Veröffentlichungen eingestellt. Das obige Foto und der Text dazu war ihr letzter Beitrag.

Wir haben die Initiative „Fremder Krieg“ bereits mehrfach hier vorgestellt (Teil I, Teil II). Erst durch die Arbeit dieses Telegram-Kanals wurde öffentlich, dass Baschkortostan die höchsten Verluste aller russischen Regionen zu verzeichnen hat. Ende Januar 2026 hatten wir knapp 9.000 Namen aus dieser Region in unserer Liste der getöteten Soldaten.

Ilja Remeslo

Vom Saulus zum Paulus?

Bisher war Ilja Remeslo, russischer Rechtsanwalt und Propagandist, ein treuer Anhänger des russischen Angriffskrieges und der Präsidentschaft von Wladimir Putin. Am 17. März 2026 veröffentlichte er auf seinem Telegram-Kanal eine schonungslose Kritik am Krieg gegen die Ukraine und am russischen Präsidenten. Die gesamte internationale Presse hat seine Stellungnahme aufgegriffen. Remeslo betonte zudem, dass sein Telegram-Kanal nicht gehackt worden wäre und dass er das wirklich so meine. 

Zwei Tage später meldet die uns als seriös bekannte St. Petersburger Internetzeitung „Fontanka“, dass Ilja Remeslo in die psychiatrische Klinik  „Skwortsowa-Stepanowa Nr. 3“ in St. Petersburg eingeliefert worden wäre. Eine durchaus gewöhnliche Praktik im totalitären Russland für kritische Stimmen, die man nicht gleich ins Gefängnis werfen will.

KAI Gebäude 8

8.  Gebäude des Kasaner Luftfahrtinstitutes - (ehemals Deutsch-Russisches Institut für Neue Technologien, heute Chinesisch-Russisches Ingenieurinstitut) -- Foto: Ksenia Balberova -- Lizenz: CC BY-SA 4.0

Im vergangenen Dezember begann Russland mit der Rekrutierung von Studenten für den Krieg in der Ukraine. Zunächst wurde in den besten technischen Universitäten akquiriert, danach bemühte man sich um Studienabbrecher und Studenten vor der Zwangsexmatrikulation. Und weil man damit noch  immer nicht genügend Zeitsoldaten bekam, wurden an fast allen Hochschulen Russlands alle volljährigen Studenten angesprochen. Wir haben darüber mehrfach berichtet.

Aktuell wurde am Kasaner Luftfahrtinstitut (KAI) ein Fragebogen zu dieser Thematik an die Studiengruppen verteilt und diese wurden dringend aufgefordert, die Formulare auch auszufüllen. (Link 1, 2) Kasan ist die Hauptstadt der russischen Teilrepublik Tatarstan.

Dieses Video wurde Anfang März von der staatlichen Universität Wjatka veröffentlicht. Wjatka ist ein Fluss im östlichen Teil des europäischen Russlands und der historische Begriff für die heutige Region Kirow. Anfang März 2026 hat die Universität eine Initiative gestartet, um ihre Studenten als Drohnenpiloten für den russischen Angriffskrieg zu rekrutieren.

KIU Studentenrat

Studentenrat der Kasaner Innovationsuniversität (KIU)

Russland hat im Moment Probleme mit der Rekrutierung neuer Zeitsoldaten. Jeden Monat müssen 30.000 bis 35.000 neue Soldaten akquiriert werden, um die Verluste an verletzten und getöteten Soldaten auszugleichen. 

Zudem hat das bisherige System der Anwerbung ein schwerwiegendes Problem - die verpflichteten Soldaten gehören nicht gerade zum Bild eines gut trainierten und motivierten Soldaten, sondern sind häufig zu alt, mit bescheidener Gesundheit und Physis und wollen meist nur irgendwie dem schnellen Tod entgehen.

An einer staatlichen Fachhochschule in Kasan, der Hauptstadt von Tatarstan, wurde Anfang des Jahres 2026 ein neues System der Rekrutierung versucht. Alle Studenten der Abschlussklassen, die älter als 18 Jahre alt waren, wurden einfach exmatrikuliert, egal ob säumige oder durchgefallene Studenten, egal ob Prüfungen und Arbeiten noch offen waren. Denn aktuell braucht die Armee junge Kämpfer - Wiederholungskurse, Abschlussarbeiten und Prüfungen könnten nach dem Ende des Krieges nachgeholt werden.

Jeden Tag starten in Russland hunderte von sogenannten Schahed-Drohnen gen Ukraine und versuchen, die dortige Luftabwehr zu übersättigen. Was auch gelingt, einige kommen immer durch. Wir wollen zeigen, wo und wie in Russland diese Drohnen gefertigt werden.

Jelabuga ist eine Stadt mit etwa 74.000 Einwohnern in der russischen Teilrepublik Tatarstan. Im Norden der Stadt gibt es die Sonderwirtschaftszone Jelabuga, in der sich zahlreiche westliche Industrieunternehmen angesiedelt hatten. Die meisten dieser Investitionen dürften inzwischen durch den russischen Staat enteignet worden sein. Dafür wurde dort eine neue Produktionslinie etabliert - die Drohnenherstellung.

Da in Russland ein Arbeitskräftemangel besteht, besonders bei hoch qualifizierten Arbeitskräften, akquirieren die Unternehmen mit Werbefilmen in ganz Russland minderjährige junge Leute, die schulbegleitend in der Serienproduktion von Drohnen eingesetzt werden. Das obige Video ist ein Beispiel dafür.

Nikita Tretjakow Nach vier Jahren Krieg ist in Russland der „Hurra-Patriotismus“ verflogen, geblieben ist die Ernüchterung, dass Russland eben doch nur begrenzte imperiale Möglichkeiten besitzt.

Wir wollen an dieser Stelle einen kompletten Kommentar des russischen Militärjournalisten Nikita Tretjakow veröffentlichen. Nikita ist 34 Jahre alt,  hat Geschichtswissenschaften studiert und sein Studium während seines Militärdienstes abgeschlossen. Danach war er in leitender Position bei der russischen Nachrichtenagentur Regnum. Auch er wurde im Herbst 2022 zum Dienst an der Front mobilisiert und agiert seither als Z-Blogger auf allen möglichen Kanälen des Internets, natürlich eingebunden in das russische Militär. Während seines Aufenthalts an der Front trat er übrigens auf eine Mine und verlor ein Bein.

Chugtey Chan

Wir sind ganz im Süden Burjatiens, der heilige Berg Chugtey Chan auf dem Foto ist nur einen Kilometer von der mongolischen Grenze entfernt. Es gibt am Fuß des Berges mehrere alte Gräberfelder, eine heilige Quelle und auf dem Gipfel werden religiöse Massenzeremonien abgehalten. Das Dorf Ust-Dungay, von dem wir berichten wollen, hat gerade noch etwas mehr als 500 Bewohner - Tendenz stetig fallend- und liegt am Fuße des heiligen Berges.

 Acht Männer aus dem Dorf sind inzwischen im Krieg gegen die Ukraine getötet worden - ein enormer Verlust für das kleine Dorf. Im Januar 2026 errichtete eine private Initiative ein Denkmal für die Soldaten.

BaschkortostanDaten

In unserer Rubrik „Ohne viele Worte“ stellen wir getötete russische Soldaten vor, die nur eine kurze Zeitspanne zwischen Vertragsunterzeichnung und Front überlebt haben. Das sind keine Einzelfälle, in der Vergangenheit hätten wir jeden Tag diese Rubrik mit vielen Kurzzeitsoldaten füllen können. Inzwischen fällt uns auf, dass solche Zeitangaben immer seltener veröffentlicht werden. 
Da wundert uns dieser Bericht aus Baschkortostan nicht wirklich.

Die Redakteure der Bezirkszeitungen erhielten vom Presse- und Medienamt der Republik Baschkortostan eine interessante Anweisung. In Artikeln über Teilnehmer des Krieges in der Ukraine wurde den Redaktionen untersagt, die Daten der Vertragsunterzeichnung und die Todesdaten in Fällen anzugeben, wenn der Zeitraum zwischen ihnen weniger als ein Jahr beträgt. Ein ähnliches Erfordernis gilt auch für Nachrufe. Selbst wenn der Nachruf von einem Verwandten verfasst wurde, müssen die zu nahe beieinander liegenden Daten der Vertragsunterzeichnung und des Todes bereinigt werden.

Go to top