Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat im Land unvorstellbare Umweltschäden angerichtet. Die Schutzhülle um das ehemalige Kernkraftwerk Tschernobyl wurde beschädigt, der Kachowka-Staudamm wurde gesprengt und hat hunderte Quadratkilometer Land überflutet und landwirtschaftliche Nutzfläche zerstört.  Die Erde im Kriegsgebiet ist von Granat- und Bombensplittern durchzogen, überall finden sich giftige Rückstände von Artilleriemunition. Zehn Millionen Hektar Land sollen in der Ukraine davon betroffen sein.

Aktuell geht die Ukraine verstärkt gegen die Erdöl- und Erdgasindustrie Russlands vor, deren Erlöse den Krieg am Laufen halten. Zunächst wurden in der Region um St. Petersburg Erdöl verarbeitende Anlagen zerstört, Ende April bis Anfang Mai zerstörten ukrainische Drohnen Erdölanlagen in Tuapse am Schwarzen Meer und in der Stadt Perm im Ural. Die Anlagen gingen in Flammen auf und verpesteten die Luft, ein Film aus schwarzem giftigem Ruß und Öl legte sich über die gesamte Umgebung. Die Behörden zeigten sich völlig unvorbereitet und wiegelten ab.

Das harte Vorgehen der Behörden gegen die beiden Menschenrechtsaktivistinnen Daria Jegerewa und Natalia Leonhardt lässt sich mit der politischen Situation in Russland erklären. Je länger der Krieg gegen die Ukraine dauert, um so mehr breitet sich die Unruhe unter den politischen Entscheidungsträgern aus. Alle haben gegenüber der Öffentlichkeit versichert, dass dieser Krieg gewonnen werde. Und dieser Sieg steht immer noch aus.

Der ehemalige Präsident und heutige stellvertretender Leiter des Sicherheitsrates der Russischen Föderation, Dimitri Medwedew, hat im Jahr 2023 die Notwendigkeit eines russischen Sieges so formuliert: „Wenn Russland die militärische Spezialoperation beendet ohne einen Sieg, dann wird es Russland nicht mehr geben, es wird in Teile zerrissen“. Und das ist nicht ganz unwahrscheinlich. Diese Angst vor dem Zerfall des riesigen Russlands begründet auch die Verfolgung jener beiden Mitglieder des Ureinwohner-Forums.

Daria Egereva Kostrova Olga 1Aktivisten für indigene Rechte werden des Terrorismus beschuldigt.

In Russland bereiten die Sicherheitskräfte einen Prozess gegen das Ureinwohner-Forum vor, einem Zusammenschluss von Experten und Verfechtern der Rechte indigener Völker.

Am 17. Dezember 2025 wurden in Jakutien, St. Petersburg, Altai und im Kusbass Wohnungen von Aktivisten durchsucht. Die beiden Menschenrechtsaktivistinnen Daria Jegerewa (Foto links) und Natalia Leonhardt wurden in Untersuchungshaft genommen. Ihnen wird die Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen (Artikel 205.5 Absatz 2 des Strafgesetzbuches). Den beiden Frauen drohen Haftstrafen zwischen zehn und zwanzig Jahren.

Anzeige VertragsdienstIn den ersten drei Monaten des Jahres 2026 waren die Rekrutierungsbemühungen des russischen Militärs nicht so erfolgreich wie im Jahr zuvor. Wenn man die Daten einiger Regionen auf ganz Russland hochrechnet, so wurden in diesem Zeitraum etwa 20% weniger Zeitsoldaten rekrutiert, verglichen mit den ersten drei Monaten des Vorjahres.

Laut Dimitri Medwedew, dem stellvertretenden Vorsitzenden des russischen Sicherheitsrates und Leiter der russischen Rekrutierungskommission, hätten bis 27. März 2026 mehr als 80.000 Menschen einen Vertrag mit dem russischen Militär unterzeichnet. Umgerechnet wären das etwa 930 Neurekrutierungen pro Tag, im gleichen Zeitraum im Jahr zuvor lag diese Zahl zwischen 1.000 und 1.200 pro Tag. 

DrohnenPiloten 3

Russland mangelt es an Soldaten im Krieg gegen die Ukraine. Deshalb sollen jetzt Studenten als Drohnenpiloten die Lücken füllen. Die russische Zentralregierung erwartet von allen höheren Bildungseinrichtungen im Land, dass sie zwei Prozent ihrer Studenten als Drohnenpiloten für den Krieg gegen die Ukraine rekrutieren.

Kuehe

Kuhherde -- Foto: Tobias Nordhausen -- Lizenz: CC BY-SA 4.0

Von Sibirien aus breitet sich in Russland eine Rinderseuche aus und erfasst immer mehr Regionen. Massenweise werden über das ganze Land Rinderbestände getötet, Bauern aus Nowosibirsk sind verzweifelt, verstecken ihre Rinder oder blockieren Straßen, die Behörden schweigen ob der Ursache. Halbamtlich wird über Pasteurellose-Fälle berichtet, aber diese Rinderkrankheit ist beherrschbar. Vermutlich handelt es sich um die gefährliche Maul- und Klauenseuche, amtlich bestätigt wird das nicht. So kursieren zahlreiche Verschwörungstheorien unter den betroffenen Bauern.

DrohnenPiloten 2

Militärische Drohne -- Foto: VKontakte

Seit Anfang des Jahres 2026 wurden in der russischen Teilrepublik Tatarstan 300 Personen rekrutiert, die als Drohnenpiloten ausgebildet werden und die die Angriffe der russischen Armee in der Ukraine unterstützen sollen.

Leningrad Rekrutierung

Im Februar 2026 zahlte die Oblast Leningrad noch drei Millionen Rubel, wenn ein russischer Bürger in einem Militärbüro der Region einen Zeitvertrag abschloss. Jetzt wurde die Antrittsprämie auf 4,5 Millionen Rubel (etwa 48.000 €) angehoben, wie in der angrenzenden Stadt St. Petersburg auch.

St. Petersburg Rauch

Ukrainische Drohnen haben in der Nacht vom 24. auf 25. März 2026 drei Betriebe in der Umgebung von St. Petersburg angegriffen, die für den russischen Erdöl- und Gasexport extrem wichtig sind. In der Kleinstadt Primorsk, etwa 140 km nordwestlich von St. Petersburg, befindet sich der größte Ölverladehafen der Ostsee. Er brennt noch immer - mehrere Tage nach dem Angriff. Dazu wurde die Ölraffinerie „KINEF“ in Kirischi attackiert. Die Stadt liegt etwa 110 km südöstlich von St. Petersburg. Das dritte Ziel war die Ölraffinerie in der Siedlung Ust-Luga, etwa 100 km westlich von St. Petersburg.

Seither zieht eine schwarze Rauchwolke über St. Petersburg und dürfte die Luftqualität der Stadt drastisch verschlechtern. Das zusätzliche Problem: Die Presse darf nicht daüber berichten - all das fällt unter die Zensur. So schreibt „Fontanka“ heute:

Heute sind wir in der Hochschule für Verkehrstechnologie in Nowosibirsk. Im Februar 2026 waren Rekrutierer des russischen Militärs eingetroffen und versuchten Studenten zu überzeugen, einen Vertrag als Drohnenpilot zu unterschreiben. Doch nur wenige Studenten gingen auf das Angebot ein - wenn überhaupt.

Rim Ildarowitsch Agzamow

Rim Ildarowitsch Agzamow wurde am 13.09.2025 in Ufa geboren. Er unterzeichnete einen Vertrag mit dem russischen Verteidigungsministerium und ging in den Krieg in der Ukraine, wo er starb. Er wurde am 18.07.1996 in seiner Heimatstadt begraben. 
🕯 Baschkortostan bleibt der führende Verlustträger in Russland. Insgesamt sind derzeit 9056 getötete Baschkiren bekannt. Besuchen Sie unsere Website, hier finden Sie vollständige Informationen.
Die Vernichtung der baschkirischen Nation geht weiter. Wie viele Menschen müssen noch in einem für uns fremden Krieg sterben?

Unsere wichtigste Informationsquelle aus Baschkortostan hat ihre Veröffentlichungen eingestellt. Das obige Foto und der Text dazu war ihr letzter Beitrag.

Wir haben die Initiative „Fremder Krieg“ bereits mehrfach hier vorgestellt (Teil I, Teil II). Erst durch die Arbeit dieses Telegram-Kanals wurde öffentlich, dass Baschkortostan die höchsten Verluste aller russischen Regionen zu verzeichnen hat. Ende Januar 2026 hatten wir knapp 9.000 Namen aus dieser Region in unserer Liste der getöteten Soldaten.

Ilja Remeslo

Vom Saulus zum Paulus?

Bisher war Ilja Remeslo, russischer Rechtsanwalt und Propagandist, ein treuer Anhänger des russischen Angriffskrieges und der Präsidentschaft von Wladimir Putin. Am 17. März 2026 veröffentlichte er auf seinem Telegram-Kanal eine schonungslose Kritik am Krieg gegen die Ukraine und am russischen Präsidenten. Die gesamte internationale Presse hat seine Stellungnahme aufgegriffen. Remeslo betonte zudem, dass sein Telegram-Kanal nicht gehackt worden wäre und dass er das wirklich so meine. 

Zwei Tage später meldet die uns als seriös bekannte St. Petersburger Internetzeitung „Fontanka“, dass Ilja Remeslo in die psychiatrische Klinik  „Skwortsowa-Stepanowa Nr. 3“ in St. Petersburg eingeliefert worden wäre. Eine durchaus gewöhnliche Praktik im totalitären Russland für kritische Stimmen, die man nicht gleich ins Gefängnis werfen will.

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