31.05.2026 -- 213.686// Zuwachs zum 30.04.2026: 7.376
Nach unserer bewährten Hochrechnung dürften die russischen Verluste inzwischen bei 356.000 Kriegstoten und zusammen mit den Kriegsversehrten bei 1,3 Millionen russischen Kriegsopfern liegen. Der britische Geheimdienst schätzt noch weit höhere Zahlen - er geht von 500.000 russischen Kriegstoten aus.
Kein Grund für den russischen Präsidenten in ernsthafte Friedensverhandlungen einzusteigen. Er bleibt bei seinen Maximalforderungen, die im Resultat die totale Unterwerfung der Ukraine unter das russische Diktat bedeuten würden und keine Garantie bieten, dass Russland erneut militärisch gegen die geschwächte Ukraine vorgehen würde.
Wir fragen uns täglich: Was ist das für eine russische Regierung, die jeden Monat zwischen 30.000 und 35.000 russische Männer durch Verletzung und Tod opfert, um wieder ein paar Quadratkilometer verwüstetes ukrainisches Land zu erobern?
Alle großen Glaubensgemeinschaften in Russland unterstützen den russischen Angriffskrieg. Der russisch-orthodoxe Patriarch Kirill hat kürzlich eine Ikone an die russischen Streitkräfte übergeben, „mit dem Wunsch nach Gottes Hilfe und Kraft bei der Erreichung der für das Vaterland notwendigen Ergebnisse, die heute erzielt werden, auch auf dem Schlachtfeld.“ Aber auch die geistlichen Führer der russischen Muslime und der Buddhisten stehen hinter dem Kriegsabenteuer von Wladimir Putin. Einzige Ausnahme ist der in den USA geborene kalmückische Lama Telo Tulku Rinpoche, der sich schnell in die Mongolei absetzten musste.
Doch nicht alle orthodoxen Priester sind mit dem Kriegskurs ihrer Kirche einverstanden. Wer keine Gebete zur Unterstützung der russischen Armee spricht, wird aus seinem kirchlichen Amt schnell entfernt. Knapp 50 russisch-orthodoxe Prister wurden bereits deshalb entlassen. Bekanntestes Gesicht ist Alexej Anatoljewitsch Uminski (Foto links), der bis Januar 2024 Erzpriester des Moskauer Patriarchats und Rektor der Dreifaltigkeitskirche in Chochly bei Moskau war.
Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat im Land unvorstellbare Umweltschäden angerichtet. Die Schutzhülle um das ehemalige Kernkraftwerk Tschernobyl wurde beschädigt, der Kachowka-Staudamm wurde gesprengt und hat hunderte Quadratkilometer Land überflutet und landwirtschaftliche Nutzfläche zerstört. Die Erde im Kriegsgebiet ist von Granat- und Bombensplittern durchzogen, überall finden sich giftige Rückstände von Artilleriemunition. Zehn Millionen Hektar Land sollen in der Ukraine davon betroffen sein.
Aktuell geht die Ukraine verstärkt gegen die Erdöl- und Erdgasindustrie Russlands vor, deren Erlöse den Krieg am Laufen halten. Zunächst wurden in der Region um St. Petersburg Erdöl verarbeitende Anlagen zerstört, Ende April bis Anfang Mai zerstörten ukrainische Drohnen Erdölanlagen in Tuapse am Schwarzen Meer und in der Stadt Perm im Ural. Die Anlagen gingen in Flammen auf und verpesteten die Luft, ein Film aus schwarzem giftigem Ruß und Öl legte sich über die gesamte Umgebung. Die Behörden zeigten sich völlig unvorbereitet und wiegelten ab.
Das harte Vorgehen der Behörden gegen die beiden Menschenrechtsaktivistinnen Daria Jegerewa und Natalia Leonhardt lässt sich mit der politischen Situation in Russland erklären. Je länger der Krieg gegen die Ukraine dauert, um so mehr breitet sich die Unruhe unter den politischen Entscheidungsträgern aus. Alle haben gegenüber der Öffentlichkeit versichert, dass dieser Krieg gewonnen werde. Und dieser Sieg steht immer noch aus.
Der ehemalige Präsident und heutige stellvertretender Leiter des Sicherheitsrates der Russischen Föderation, Dimitri Medwedew, hat im Jahr 2023 die Notwendigkeit eines russischen Sieges so formuliert: „Wenn Russland die militärische Spezialoperation beendet ohne einen Sieg, dann wird es Russland nicht mehr geben, es wird in Teile zerrissen“. Und das ist nicht ganz unwahrscheinlich. Diese Angst vor dem Zerfall des riesigen Russlands begründet auch die Verfolgung jener beiden Mitglieder des Ureinwohner-Forums.
Aktivisten für indigene Rechte werden des Terrorismus beschuldigt.In Russland bereiten die Sicherheitskräfte einen Prozess gegen das Ureinwohner-Forum vor, einem Zusammenschluss von Experten und Verfechtern der Rechte indigener Völker.
Am 17. Dezember 2025 wurden in Jakutien, St. Petersburg, Altai und im Kusbass Wohnungen von Aktivisten durchsucht. Die beiden Menschenrechtsaktivistinnen Daria Jegerewa (Foto links) und Natalia Leonhardt wurden in Untersuchungshaft genommen. Ihnen wird die Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen (Artikel 205.5 Absatz 2 des Strafgesetzbuches). Den beiden Frauen drohen Haftstrafen zwischen zehn und zwanzig Jahren.
In den ersten drei Monaten des Jahres 2026 waren die Rekrutierungsbemühungen des russischen Militärs nicht so erfolgreich wie im Jahr zuvor. Wenn man die Daten einiger Regionen auf ganz Russland hochrechnet, so wurden in diesem Zeitraum etwa 20% weniger Zeitsoldaten rekrutiert, verglichen mit den ersten drei Monaten des Vorjahres.
Laut Dimitri Medwedew, dem stellvertretenden Vorsitzenden des russischen Sicherheitsrates und Leiter der russischen Rekrutierungskommission, hätten bis 27. März 2026 mehr als 80.000 Menschen einen Vertrag mit dem russischen Militär unterzeichnet. Umgerechnet wären das etwa 930 Neurekrutierungen pro Tag, im gleichen Zeitraum im Jahr zuvor lag diese Zahl zwischen 1.000 und 1.200 pro Tag.

Russland mangelt es an Soldaten im Krieg gegen die Ukraine. Deshalb sollen jetzt Studenten als Drohnenpiloten die Lücken füllen. Die russische Zentralregierung erwartet von allen höheren Bildungseinrichtungen im Land, dass sie zwei Prozent ihrer Studenten als Drohnenpiloten für den Krieg gegen die Ukraine rekrutieren.
Kuhherde -- Foto: Tobias Nordhausen -- Lizenz: CC BY-SA 4.0
Von Sibirien aus breitet sich in Russland eine Rinderseuche aus und erfasst immer mehr Regionen. Massenweise werden über das ganze Land Rinderbestände getötet, Bauern aus Nowosibirsk sind verzweifelt, verstecken ihre Rinder oder blockieren Straßen, die Behörden schweigen ob der Ursache. Halbamtlich wird über Pasteurellose-Fälle berichtet, aber diese Rinderkrankheit ist beherrschbar. Vermutlich handelt es sich um die gefährliche Maul- und Klauenseuche, amtlich bestätigt wird das nicht. So kursieren zahlreiche Verschwörungstheorien unter den betroffenen Bauern.

Militärische Drohne -- Foto: VKontakte
Seit Anfang des Jahres 2026 wurden in der russischen Teilrepublik Tatarstan 300 Personen rekrutiert, die als Drohnenpiloten ausgebildet werden und die die Angriffe der russischen Armee in der Ukraine unterstützen sollen.

Im Februar 2026 zahlte die Oblast Leningrad noch drei Millionen Rubel, wenn ein russischer Bürger in einem Militärbüro der Region einen Zeitvertrag abschloss. Jetzt wurde die Antrittsprämie auf 4,5 Millionen Rubel (etwa 48.000 €) angehoben, wie in der angrenzenden Stadt St. Petersburg auch.
Ukrainische Drohnen haben in der Nacht vom 24. auf 25. März 2026 drei Betriebe in der Umgebung von St. Petersburg angegriffen, die für den russischen Erdöl- und Gasexport extrem wichtig sind. In der Kleinstadt Primorsk, etwa 140 km nordwestlich von St. Petersburg, befindet sich der größte Ölverladehafen der Ostsee. Er brennt noch immer - mehrere Tage nach dem Angriff. Dazu wurde die Ölraffinerie „KINEF“ in Kirischi attackiert. Die Stadt liegt etwa 110 km südöstlich von St. Petersburg. Das dritte Ziel war die Ölraffinerie in der Siedlung Ust-Luga, etwa 100 km westlich von St. Petersburg.
Seither zieht eine schwarze Rauchwolke über St. Petersburg und dürfte die Luftqualität der Stadt drastisch verschlechtern. Das zusätzliche Problem: Die Presse darf nicht daüber berichten - all das fällt unter die Zensur. So schreibt „Fontanka“ heute:
Heute sind wir in der Hochschule für Verkehrstechnologie in Nowosibirsk. Im Februar 2026 waren Rekrutierer des russischen Militärs eingetroffen und versuchten Studenten zu überzeugen, einen Vertrag als Drohnenpilot zu unterschreiben. Doch nur wenige Studenten gingen auf das Angebot ein - wenn überhaupt.

Nikolai Wassiljewitsch Senko wurde am 30.03.1979 in Ulan-Ude geboren. Nach der Schule wollte er Schauspieler werden und schloss die Schule für Kunst & Kultur ab. Doch dann kam der Wehrdienst und danach orietierte sich Nikolai neu - er wurde Polizist. Im Jahr 2018 ging er im Rang eines Polizeimajors in den Ruhestand. Doch auch ihn lockte das viele Geld im Kriegsdienst. Als einfacher Soldat meldete er sich im November 2023 freiwillig und überlebte immerhin eineinhalb Jahre. Im März 2025 war auch sein Leben beendet.

Nachdem die Aufmerksamkeit zu unseren Veröffentlichungen wächst, eine kurze Information zu OskarMaria.
Unter diesem Pseudonym war der Initiator im Internet seit über 25 Jahren recht unregelmäßig präsent. Ab dem Jahr 2014 hat er hier über die Situation in den von Russland besetzten Gebieten des Donbass geschrieben. Als einer der ersten Journalisten überhaupt informierte er über die damals neu gegründete Gruppe Wagner.
Beruflich war er seit den 80-iger Jahren Geschäftsführer von diversen Medienunternehmen im Printbereich. Jetzt im Ruhestand, Kinder erwachsen, bleibt etwas mehr Zeit, die gesammelten Erfahrungen zusammen mit wenigen Mitstreitern für dieses Projekt zu nutzen.
Nachtrag: OskarMaria– das ist eine kleine Verbeugung vor dem beinahe vergessenen Schriftsteller Oskar Maria Graf. In Zeiten der Bücherverbrennungen wurden seine Werke von den Nazis verschont, ja sogar teilweise empfohlen. „Verbrennt mich!“ schrieb er 1933 in der Wiener Arbeiterzeitung, „nach meinem ganzen Leben und nach meinem ganzen Schreiben habe ich das Recht, zu verlangen, dass meine Bücher der reinen Flamme des Scheiterhaufens überantwortet werden und nicht in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbanden gelangen!“ Schließlich floh er in die USA – dort lebte er in bescheidenen Verhältnissen. Deutschland wollte den unbequemen Mann nach dem Krieg nicht wieder haben. Er starb 1967 in New York.
Literaturempfehlung: Wir sind Gefangene - Autobiograhie 1927.
Im ersten Quartal 2026 floss beinahe jeder zweite Rubel aus dem russischen Staatshaushalt in das Militär. Das berichtet ein Mitarbeiter der deutschen Stiftung Wissenschaft und Politik in seinem aktuellen Rundschreiben. Ganz genau betragen die militärischen Ausgaben inzwischen 46% des gesamten russischen Haushalts.
Am 01.08.1914 ist Deutschland in den Ersten Weltkrieg eingetreten, am 11. November 1918 unterzeichnete eine deutsche Delegation den Waffenstillstand. Berechnet man die Zeitspanne des Krieges, so kommt man auf 1.564 Tage Krieg.
Am 24.02.2022 begann die zweite russische Invasion der Ukraine. Bis zum heutigen Tag gerechnet sind das inzwischen 1.570 Tage Krieg, der Konflikt dauert also inzwischen länger als der Erste Weltkrieg - trotz zwischen 300.000 und 500.000 russischen und vermutlich 100.000 ukrainischen Kriegstoten, all den Kriegsversehrten und unermesslicher Zerstörung der Lebensgrundlage der Menschen in der Region. Und noch immer ist kein Ende in Sicht.
Und zur Erinnerung: Die erste russischen Invasion in der Ukraine fand bereits im Jahr 2014 statt, als Russland die Krim gewaltsam annektierte und russische Geheimdiensttruppen in den Donbass einsickerten.
Das Dorf Uinskoje liegt in der russischen Region Perm mit etwa 4.000 Bewohnern. Vermutlich wurde in diesem Dorf ein Versuchsballon gestartet. In einer Information auf der VKonatkte-Seite der „Verwaltung des Stadtbezirks Uinsky“ wurde eine Anzeige der Verwaltung veröffentlicht. Danach werden Frauen in der Region Perm für den Kriegseinsatz rekrutiert. Die Behörden versprechen ein Gehalt von 210.000 Rubel pro Monat und einen Bonus von 1,5 Millionen Rubel für die Unterzeichnung eines Vertrags mit dem russischen Verteidigungsministerium. Der Vertrag soll eine Laufzeit von einem Jahr beinhalten. (Allerdings können solche Verträge laut einem Erlass des Präsidenten so lange verlängert werden, solange die Mobilisierung nicht aufgehoben ist.)
Laut dem Informationstext können nur Frauen zwischen 18 und 35 Jahren einen Vertrag als Drohnenpilotin unterzeichnen, Frauen unter 45 Jahren dürfen sich für Positionen als Fahrerin für humanitäre Hilfstransporte bewerben.
Die Informationsseite wurde inzwischen gelöscht. Allerdings ist es uns gelungen, noch einen Screenshot der betreffenden Anzeige zu sichern (Original, deutsche Übersetzung.).
Die russische Zensur verbietet die genaue Berichterstattung über die vielen ukrainischen Drohnenangriffe auf Erdölraffinerien und Militärstützpunkte im ganzen Land. Die örtlichen Medien berichten deshalb nur sehr zögerlich über die Resultate und zitieren lieber staatliche Erfolgsmeldungen, dass wieder eine Vielzahl von Drohnen abgeschossen wurden.
In den Kommentaren zu den Berichten der großen lokalen Medien ließen die Bürger ihrer Wut freien Lauf und verspotteten Behörden und Regierung. Wir haben mehrfach solche Kommentare veröffentlicht.
In den letzten Tagen gab es erneut Drohnenangriffe auf die Region Krasnodar und St. Petersburg. Wieder wurde im Raum Krasnodar eine Erdöl verarbeitende Anlage in Brand gesetzt und bei St. Petersburg wurde ein Munitionslager angegriffen. Es kam zu Explosionen, die Bevölkerung in der Nähe wurde evakuiert.
Leserkommentare zu den Berichten von Fontanka in St. Petersburg sind jetzt nicht mehr möglich, die Funktion wurde deaktiviert.
17.04.2026
Sergej Jewgenjewitsch Jaschow, 32 Jahre alt
Status: Verstorben
Geburtsdatum: 03.08.1993
Todesdatum: 17.12.2025 (Beerdigung: 16.04.2026 in Ussuriysk)
Geburtsort: Olekminsk, Olekminsker Ulus
Todesort: Sewersk, Lugansk-Region
Dienstart: Vertragsdienst seit November 2025
Dienstort: Maschinengewehrschütze, 123. Motosturmbrigade
Kinder: 2
Die russische Staatsbank hat eine neue Tabelle über ihre Währungsreserven bis einschließlich 1. Mai veröffentlicht. Danach verkauft die Zentralbank seit Jahresanfang monatlich eine beträchtliche Menge an Gold - insgesamt knapp 28 Tonnen.
Russland dürfte durch den Verkauf etwa 3,7 Milliarden Euro eingenommen haben. Das russische Staatsvermögen wird aber nur zu einem geringen Teil, wenn überhaupt, bei den Bürgern ankommen. Der Staat benötigt die Einnahmen, um seinen Krieg gegen die Ukraine zu finanzieren.
„Udmurtien gegen Koruption“ ist ein Telegram-Kanal, über den wir auch Meldungen über russische Kriegstote aus der russischen Teilrepublik Udmurtien beziehen. Der Gründer des Kanals, Iwan Elisejew, hatte bis zum Jahr 2021 das regionale Büro Alexej Nawalnys geleitet. Ende 2021 verließ auch Elisejew Russland, um einer Verhaftung zu entgehen.
„Udmurtien gegen Koruption“ wurde inzwischen in das russische Register der „ausländischen Agenten“ aufgenommen. Iwan Elisejew wurde aktuell vom russischen Innenministerium zur Fahndung ausgeschrieben.