Bato Valerievich Basanov Bato Valerievich Basanov war ein junger Burjate aus Ulan-Ude, im Oktober wäre er 26 Jahre alt geworden. Mit zwanzig verpflichtete er sich beim Militär und wurde zum Schützen eines Panzers ausgebildet - der Fehler seines Lebens. Denn in der dritten Woche des Ukrainekriegs wurde sein Leben beendet - es erging ihm wie vielen anderen Burjaten, die als Kanonenfutter eingesetzt werden. 5.000 km Luftlinie weit weg vom Zuhause, über 6.000 km auf dem Landweg entfernt, sterben die jungen Menschen eben keinen Heldentod, auch wenn in der Heimat die Behördenvertreter das Gegenteil behaupten. Nun- jener Bato aus Ulan-Ude starb am 14. März einen schnellen Tod, die Rückreise dauerte - einfache Soldaten genießen keine Priorität. Am 6. Mai soll ein Abschiedsgottesdienst stattfinden. OM 05.05.22

Jewgeni Leonidowitsch SawinJewgeni Leonidowitsch Sawin ist ein ehemaliger russischer Fußballspieler, Fernsehkommentator und youtube-Blogger. Und 2021 gründete er eine Fußballmannschaft Krasava , die eine Lizenz für die dritte Liga bekam und in der Region Moskau beheimatet ist. Damit scheint jetzt Schluss zu sein. Dem Verein wurden die Trainingsmöglichkeiten entzogen, die Mannschaft soll vom Spielbetrieb ausgeschlossen werden und strafrechtliche Maßnahmen werden erwogen. Und die russische Sportwelt verunglimpft ihn als Judas.
Was war passiert? Jewgeni Sawin hat sich auf seinem youtube-Kanal zum Krieg Russlands gegen die Ukraine geäußert. Auf Instagram schrieb er dazu: Über einen Monat lang hob sich die Hand nicht, um den Kameraknopf zu drücken. Ich habe mehr als zwei Wochen neben oder in Kontakt mit Ukrainern verbracht: Fußballspieler, Sportler, Flüchtlinge. Die ganze Welt hört und unterstützt sie, und nur in Russland haben sie Angst zuzuhören.“ Über eine Million Aufrufe hat das Video im Moment. OM 02.05.22 
(Foto: Анна Мейер CC BY-SA 3.0)


Dmitrijew In den lokalen Medien Russlands werden geheime Informationen sicher nicht veröffentlicht. Aber in den sozialen Medien schlüpfen solche immer wieder durch. So auch bei einer Todesmeldung für den Oberstleutnant Dimitriew aus Orenburg, die im russischen VK-Kontakte veröffentlicht wurde, aber im Moment nicht mehr einsehbar ist. Der 44jährige russische Offizier Eduard Dimitrijew ist viel in seiner Militärlaufbahn herumgekommen und wurde laut der Todesmeldung zwischen 2016 und 2019 im Donbass eingesetzt. Dumm nur, da nach offizieller Lesart im Donbass gar keine russischen Truppen stationiert waren.

Die Originalmeldung, die auch unter Orenburg hier zu finden ist, gibt es beim Klick auf die Überschrift.

BI-2 ist eine sehr populäre russische/weißrussische Rockband, die in den 2000er Jahren zu den erfolgreichsten Bands Russlands zählte. Am 28. April sollte ein Konzert in Omsk, einer sibirischen Großstadt, stattfinden. Als die Band zum Soundcheck in der Veranstaltungshalle eintraf, war dort ein riesiges Banner zur Unterstützung des russischen Präsidenten und dessen Krieg gegen die Ukraine aufgehängt. In der Nacht vor dem Auftritt ließ die Gruppe deshalb jenes Banner mit schwarzem Stoff verdecken, was wiederum die örtlichen Behörden nicht aktzeptierten. So kam es, dass 15 Minuten vor Beginn des Konzerts die Band die Bühne verließ und das Konzert abgesagt wurde. OM 29.04.22


In der christlichen Ethik sind die zehn Gebote von zentraler Bedeutung. Aber schon immer gab es auch bei Christen gute Gründe, es mit den Geboten nicht so genau zu nehmen. Aktuell ist es der Kampf gegen Nazis, mit dem Russland seinen Überfall auf die Ukraine rechtfertigt. Und dann ist ganz schnell derjenige kriminell, der an die zehn Gebote erinnert.
So zum Beispiel in Nischni Nowgorod, einer Millionenstadt östlich von Moskau. Dort ging zum höchsten christlichen Fest – Ostern – (das orthodoxe Osterfest war am 24.04.) ein Mann namens Alexander mit einem Plakat auf die Straße. Darauf stand: „Das 6. Gebot – Du sollst nicht töten!“ Solchen Wahnsinn wollten die Behörden nicht dulden. Die Polizei nahm den Mann in Gewahrsam. OM 27.04.22

Weil wir gerade beim Thema sind. Seit 1969 ist die Rockgruppe Maschina Wremeni (Машина Времени, Zeitmaschine) in Russland eine Institution und hat Kultstatus wie hier die Rolling Stones. Der Sänger Andrei Makarewitsch hat sich in der untergegangenen Sowjetunion nicht den Mund verbieten lassen, genau so wie heute. Zu Russlands Krieg gegen die Ukraine meinte er öffentlich: "Stoppt den Wahnsinn sofort!"
Zum 50jährigen Bestehen der Gruppe soll am 15. Mai 22 ein Konzert in der Yantar Hall im Badeort Swetlogorsk (Enklave Kaliningrad) an der Ostseeküste stattfinden. Im Telegram-Kanal des Gouverneurs von Kaliningrad wird deshalb gefordert, dass dieser wegen des „antirussischen Elements“ des Anführers der Band, Andrei Makarevitsch, die Veranstaltung verbieten soll, andere schreiben, dass nur das Publikum entscheiden soll, ob es zum Konzert geht oder nicht. Bisher hat sich der Gouverneur noch nicht geäußert. OM 25.04.22


Juri Schewtschuk

Die in Russland populäre Rockband DDT hat ihr für den 21.04. geplantes Konzert in Tjumen (Westsibirien) abgesagt. Der Grund: Die Gruppe sollte dort in einer Halle spielen, die mit dem riesigen Buchstaben Z markiert war. Eine andere Auftrittsmöglichkeit wurde der Gruppe verweigert, so fand das Konzert nicht statt.
DDT gehört zu den wichtigsten Vertretern der russischen Rockmusik der Perestroika-Ära und setzt sich für friedliche Konfliktlösungen ein. Der Leadsänger Juri Schewtschuk (Foto) ist ein bekennender Kritiker der Regierung Wladimir Putins. Eines seiner bekanntesten Lieder "Nicht schießen" kann man aktuell nicht gefahrlos im öffentlichen Raum trällern. OM 24.04.22

Aus Rjasan wird ebenfalls gemeldet, dass Freiwillige für die "spezielle Operation in der Ukraine" rekrutiert werden. Entsprechende Durchsagen mit Angabe einer Telefonnummer erfolgen in öffentlichen Verkehrsmitteln. Angeboten werden Verträge mit einer Laufzeit von einem bis elf Monaten bei gutem Verdienst - die Mindestpauschale beträgt 200.000 Rubel pro Monat (ca. 2.300€). Der Durchschnittslohn in Russland liegt etwa bei 35.000 Rubel. Rjasan ist Standort einer offiziellen russischen Militärakademie und eines Fortbildungszentrum der russischen Luftlandetruppen. OM 21.04.22

Aus Baschkirien wird berichtet, dass das russische Militär aktuell und dringend nach Freiwilligen sucht. Über die Webseite des Arbeitsamts gäbe es 22 Stellenangebote, insgesamt über tausend weitere Nachfragen. Erfahrungen im Kriegsdienst scheinen nicht erforderlich, es reichen neun Klassen Schulbildung. Gehalt 20-25 bis zu 120 Tausend Rubel. Der Durchschnittsgehalt in Russland beträgt etwa 35.000 Rubel.
Wer kämpfen will bekommt sogar etwas mehr. Freiwillige erhalten den Status eines Vertragssoldaten und sollen 180.000 Rubel (etwa 2.000€) dafür bekommen. Übrigens – für den Tod gibt es noch etwas mehr: Drei Millionen Rubel ((etwa 33.000 €) zahlt die Regierung dann an die Hinterbliebenen.
Einfach auf das Schlachtfeld werden die Freiwilligen nicht geworfen. Immerhin werden sie gründlich unterwiesen: „Ich habe zwei Wochen bei den Übungen verbracht, dann haben sie mich zum Artillerieschießen mitgenommen, und jetzt versprechen sie, mich nach Westen mitzunehmen“, erzählte ein Teilnehmer. OM 15.04.22

Lenta

Tatyana Popowa war am 6. April zusammen mit einem Mann zum Einkaufen im St. Petersburger „Lenta-Hypermarkt" in der Kollontai-Straße unterwegs. Lenta – das ist eine russische Super- und Hypermarktkette, mit knapp 150 Niederlassungen in Russland. Am Ausgang wurde Frau Popowa und ihr Begleiter verhaftet. Ihnen wurde vorgeworfen, im Kassenbereich zwei Überraschungseier platziert zu haben. Darauf war ein Aufkleber angebracht - mit Herzchen und dem Titel des populären Songs der russischen Rockgruppe DDT: „Не стреляй - Nicht schießen!“ Die Überwachungskameras des Marktes hatten die Aktion aufgezeichnet.
Der Begleiter wurde schließlich freigelassen, gegen Frau Popowa wurde Anklage erhaben. Heute wurde sie auf Grund einer Straftat „wegen öffentlicher Maßnahmen zur Diskreditierung des Einsatzes der russischen Streitkräfte“ zu einer Geldstrafe von 30.000 Rubel verurteilt.
Nach dem Urteil meinte Frau Popowa: „Ich habe zugegeben, dass ich es wirklich getan habe. Ich glaube jedoch nicht, dass meine Handlungen die Streitkräfte der Russischen Föderation diskreditiert haben, da die Streitkräfte in meinen den Spielzeugen beigefügten Notizen nicht erwähnt wurden. Der Grund für meine Tat war ein emotionaler Ausbruch. Ich wollte meine Gedanken ausdrücken.“OM, 12.04.22
Foto oben:  Lenta Markt Moskau -- Urheber: Brateevsky - CC BY-SA 4.0


 

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