31.01.2026 -- 182.890 // Zuwachs zum 31.12.2025: 9.335
Emin Dobardschitsch, 60 Jahre alt, wäre ein Unternehmer, Sozialaktivist und Reisender aus Jaroslawl gewesen, schreibt die Presse im Nachruf. Warum der Mann auf seine späten Tage meinte, auch noch Ukrainer in deren eigenem Land töten zu müssen und sich im Jahr 2025 freiwillig meldete, wissen wir nicht. Aber am 13. Januar 2026 wurde er bei einem Angriff im der Region Donezk getötet. Am 28. Januar wurde er in Jaroslawl begraben. Die üblichen russischen Blumenkränze aus Plastik waren am Grab nicht erlaubt, Emin war Muslim.
Fanil Fakilowitsch Karimow, Alter unbekannt, kommt aus dem baschkirischen Bezirk Baimak, über den wir schon so viel berichtet haben. Auch er hatte sich freiwillig gemeldet und kam nicht lebend zurück. Am 3. Januar 2026 wurde er in seinem Heimatdorf begraben. Auf jenem Foto sitzt er auf einem kleinen Motocross- Motorrad, wahrscheinlich chinesischer Bauart, mit dem die russischen Soldaten versuchen, ungeschützt durch die ukrainischen Verteidigungsreihen durchzubrechen.
Ein Mann in seinem Alter hat eigentlich im Krieg nichts verloren. Viktor Alexejewitsch Utjaschew wurde am 26.01.1963 im Dorf Iwolginsk in Burjatien geboren. Er arbeitete vorwiegend als Fahrer für unterschiedliche Firmen. Im Juni 2023 meldete er sich freiwillig zum Kriegsdienst, will aber das so nicht gewusst haben. Zumindest behauptete er das in einem Verhör durch ukrainisches Militär. Viktor war im Oktober 2023 in Kriegsgefangenschaft geraten. Doch auch Viktor bekam eine zweite Chance zum Sterben. Nach einem Gefangenenaustausch wurde er vom russischen Militär erneut an die Front geschickt. Er wurde am 12. Januar 2025 getötet.
Die Liste seiner Auszeichnungen ist lang:
Ajjal Timofejewitsch Borisow, geboren am 02.06.1974, lebte im Dorf Chorobut in Jakutien/Sacha. Im Jahr 2021 war er Angeklagter in einem Strafverfahren. Er hatte ein Opfer so geschlagen, dass es danach starb. Um dem Gefängnis zu entgehen, schloss er einen Vertrag mit dem russischen Militär ab. Irgendwann im Jahr 2025 wurde er getötet.
Alexander Alexandrowitsch Boltschew, 09.07.1996 - 20.05.2023, stammte aus dem Dorf Gagarino im Bezirk Lew-Tolstoi in der Oblast Lipezk. Er war arbeitslos, hatte eine Tochter aus einer Beziehung, zudem ein Alkoholproblem und machte, wenn er betrunken war, viele dumme Sachen. So stahl er dem Ortspolizisten ein Lamm, schlachtete es und aß es auf. Dafür bekam er dreieinhalb Jahre in einer strengen Haftanstalt. Da tauchte Jewgeni Prigoschin, Chef der Gruppe Wagner, persönlich im Knast auf und rekrutierte gleich mehr als die Hälfte aller Gefangenen. Bevor es an die Front ging, heiratete Sascha noch eine „Schwarze Witwe“, die er über das Internet kennen gelernt hatte und die eigentlich nur auf die Abfindung im Todesfall spekulierte.
Beim Sturm auf die ukrainische Stadt Bachmut wurde Alexander verletzt und kam in Gefangenschaft. Es gibt dazu ein sehenswertes 20-minütiges Interview mit ihm bei Youtube mit englischen Untertiteln. Alexander wurde schließlich ausgetauscht, kam heim nach Russland und musste zurück an die Front. Sein Tod wurde erst jetzt bekannt.
Ein Zinksarg aus dem Krieg ist in Jakutsk, der Hauptstadt der russischen Teilrepublik Sacha (Jakutien) angekommen. Einer der Lagerarbeiter hat ein Foto des Holzverschlags aufgenommen, in denen die Särge verschickt werden. Er hat das Foto dem Telegram-Kanal „Die Toten aus der Republik Sacha“ zur Verfügung gestellt. So wissen wir, dass auch - M. S. Korotygin - im Krieg getötet wurde. Mehr wissen wir nicht.

Emin Dobardschitsch, 60 Jahre alt, wäre ein Unternehmer, Sozialaktivist und Reisender aus Jaroslawl gewesen, schreibt die Presse im Nachruf. Warum der Mann auf seine späten Tage meinte, auch noch Ukrainer in deren eigenem Land töten zu müssen und sich im Jahr 2025 freiwillig meldete, wissen wir nicht. Aber am 13. Januar 2026 wurde er bei einem Angriff im der Region Donezk getötet. Am 28. Januar wurde er in Jaroslawl begraben. Die üblichen russischen Blumenkränze aus Plastik waren am Grab nicht erlaubt, Emin war Muslim.

Nachdem die Aufmerksamkeit zu unseren Veröffentlichungen wächst, eine kurze Information zu OskarMaria.
Unter diesem Pseudonym war der Initiator im Internet seit über 25 Jahren recht unregelmäßig präsent. Ab dem Jahr 2014 hat er hier über die Situation in den von Russland besetzten Gebieten des Donbass geschrieben. Als einer der ersten Journalisten überhaupt informierte er über die damals neu gegründete Gruppe Wagner.
Beruflich war er seit den 80-iger Jahren Geschäftsführer von diversen Medienunternehmen im Printbereich. Jetzt im Ruhestand, Kinder erwachsen, bleibt etwas mehr Zeit, die gesammelten Erfahrungen zusammen mit wenigen Mitstreitern für dieses Projekt zu nutzen.
Nachtrag: OskarMaria– das ist eine kleine Verbeugung vor dem beinahe vergessenen Schriftsteller Oskar Maria Graf. In Zeiten der Bücherverbrennungen wurden seine Werke von den Nazis verschont, ja sogar teilweise empfohlen. „Verbrennt mich!“ schrieb er 1933 in der Wiener Arbeiterzeitung, „nach meinem ganzen Leben und nach meinem ganzen Schreiben habe ich das Recht, zu verlangen, dass meine Bücher der reinen Flamme des Scheiterhaufens überantwortet werden und nicht in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbanden gelangen!“ Schließlich floh er in die USA – dort lebte er in bescheidenen Verhältnissen. Deutschland wollte den unbequemen Mann nach dem Krieg nicht wieder haben. Er starb 1967 in New York.
Literaturempfehlung: Wir sind Gefangene - Autobiograhie 1927.