MilitaerStaatsanwaltschaftSwetlogorskWie schwer es ist, verlässliche Informationen über getötete Soldaten in Russlands Krieg gegen die Ukraine zu dokumentieren, zeigt ein aktuelles Urteil aus Russlands Exklave Kaliningrad. Einige russische Medien hatten damit begonnen, eigene Recherchen über Todesopfer zu veröffentlichen.

Ein gutes Beispiel zeigt das Gebiet Uljanowsk. Bis zum 23. Mai waren von lokalen Medien dort 23 Todesfälle gemeldet worden, eine Recherche der lokalen Redaktion der Komsomolskaja Prawda brachte 19 weitere tote Soldaten ans Licht. Es wurden also nur 55% aller Kriegstoten offiziell veröffentlicht.

Omsk

 Omsk - Panorama -- Urheber: sergey trubitsyn - CC BY 3.0

Omsk ist eine Großstadt in Sibiren mit 1,1 Millionen Einwohnern. Es ist auch die Hauptstadt der gleichnamigen Oblast mit einer Gesamtbevölkerung von knapp zwei Millionen. Die Region Omsk ist der viertgrößte Wirtschaftsstandort Russlands, mit einem Zentrum der Petro- und Rüstungsindustrie. Angebunden ist die Stadt an die Transsibirische Eisenbahn.

Auch Omsk ist eine Stadt aus den Randgebieten Russlands. Die Oblast grenzt im Süden an Kasachstan. Nach Kiew sind es etwa 3.000 km Luftlinie, trotzdem sterben junge Menschen auch im Krieg russischen Krieg gegen die Ukraine. Veröffentlich wurden bisher 68 gefallene Soldaten, meist mit lapidaren Meldungen. Stand: 07.06.22

ddt ufa

DDT-Konzert in Ufa-Baschkiristan am 18.05.22

Die populäre russische Rockband DDT wurde im Jahr 1981 in der Hauptstadt von Baschkirien, Ufa, gegründet. Am 18. Mai 22 fand in der Ufa-Arena ein ausverkauftes Konzert der Gruppe statt, das wegen Corona bereits mehrfach verschoben worden war. Der Sänger Juri Schewtschuk hat während des Konzerts eine Antikriegsrede gehalten. Den genauen Inhalt darf die russische Presse nicht schreiben, nach einem veröffentlichten Publikumsvideo lautet der Text etwa so:

RafaelAchnetowGanz gestreng schaut Rafael Achmetow in die Kamera. Als Offizier muss man ja auch respektierlich aussehen, sonst folgen die einfachen Soldaten nicht seinem Kommando. Aber erschwerend dabei ist, dass der Mann mit seinem Zweitnamen Raketowitsch heißt – Rafael Raketowitsch Achmetow – das ist auch im russischen Sprachgebrauch zum Grinsen (Rakete – Raketa – ракета). Im Juli hätte der Mann seinen 48 Geburtstag gefeiert - hätte.

tamerlanIm Krieg Russlands gegen die Ukraine sterben auf russischer Seite nur Helden – Helden im heroischen Kampf gegen den Nationalsozialismus. In den Nachrichten über gefallene Krieger wird am Ende den Hinterbliebenen von Herzen kommendes Beileid bekundet:
- Ewige Erinnerung unserem Held!
- Helle Erinnerung an unseren Krieger
- Ewiger Ruhm an unseren Helden
!

Wie kurz die Ewigkeit sein kann, zeigt das Schicksal von Tamerlan Narimanovich Ilyasov, einem 21-jährigen Offizier der russischen Armee.

UlanUde

Panorama von Ulan-Ude -- Urheber: Zeitung "Number One" (Fotograf: Беркут)

Im fernen Osten Russlands an der Grenze zur Mongolei liegt die autonome Republik Burjatien. Die Region hat ungefähr eine Million Einwohner, die Hauptstadt Ulan-Ude mit einer Bevölkerung von etwa 400 Tausend liegt an der Transsibirischen Eisenbahn. Die Burjaten, Namensgeber der Republik, sind eine mongolische Ethnie, die vorwiegend den Buddhismus als Religion praktizieren. Sie stellen aber in der Republik eine Minderheit dar, zwei Drittel der Bevölkerung sind Russen.

Die Entfernung zwischen Ulan-Ude und Kiew beträgt über 5.000 km Luftlinie, mit dem Auto sind es noch einmal 1000 km extra. Trotzdem tragen Burjaten einen erheblichen Beitrag zum Krieg Russlands gegen die Ukraine bei. Keine andere Region Russlands hat so viele Kriegstote zu beklagen. Stand 2.05.22

Kurznachrichten & Personalien

Gericht in St. Petersburg verbietet Veröffentlichung von Listen gefallener Soldaten

Diverse Internetseiten, die Informationen über getötete russische Soldaten veröffentlichen, wurden vom Bezirksgericht Kirovsky in St. Petersburg verboten. Die betroffenen Webseiten sind inzwischen in Russland gesperrt und nicht mehr erreichbar.

Wie der gemeinsame Pressedienst der Stadtgerichte am 21. Juni mitteilte, enthüllten die Informationen den Verlust von Personal der russischen Streitkräfte, die Namen und persönlichen Daten der Toten. „Der Zugang zu den Seiten der Website ist kostenlos“, fügte der Pressedienst hinzu.

Betroffen sind Radio France Internationale, die Publikation „Belarusians and the Market“, der kirgisische Dienst von Radio Liberty, Radio Azattyk,  das Portal der türkischen Agentur Anadolu, die tschechische Ausgabe des Senders CNN und ukrainische Publikationen. OM, 21.06.22

Über 600 Wehrpflichtige aus Russland in den Krieg geschickt

Über 600 junge Wehrpflichtige wurden von Russland in den Ukrainekrieg geschickt. Das gab am 07. Juni der ermittelnde Staatsanwalt Artur Yegiev bekannt. Insgesamt wurden zwölf Offiziere identifiziert, die für die Entsendung verantwortlich wären. Die Militärs sollen bestraft oder aus dem Dienst entlassen werden. Wie viele dieser Wehrpflichtigen im Krieg gefallen sind, wurde allerdings nicht mitgeteilt.
Bekannt wurde ein Matrose des Flaggschiffs Moskau und ein Wehrpflichtiger aus Baschkirien. OM 08.06.22

Wenn Propaganda auf Wirklichkeit trifft

Ulrich Heyden ist ein schlechter Journalist, dem jedwede kritische Distanz abhanden gekommen ist. Er lebt in Moskau und schreibt vorwiegend über Russland und dessen Krieg gegen die Ukraine - inhaltlich nichts als russische Propaganda. So mag kaum ein deutsches Medium noch seine Machwerke veröffentlichen, übrig geblieben sind einseitig russophile Blogs wie Telepolis oder Nachdenkenseiten und natürlich der russischen Propagandasender RT.

Jetzt konnte man auch im tiefsten Sibirien in der Region Altai lesen, wie enttäuscht der Deutsche von seiner Heimat wäre. Überall in Berlin wäre er von antirussischer Propaganda umzingelt, am Bahnhof prange sogar ein riesiges Portrait des ukrainischen Präsidenten Selensky. "Ich war schockiert. Anti-Russland-Propaganda , Russophobie , eigentlich Russland-Verfolgung – am Hauptbahnhof in Deutschland? Es war, als hätten sie mir ins Gesicht geschlagen: Hey Mann, du bist in ein anderes Deutschland gekommen!" sagt Heyden laut Altaipress. OM, 03.06.22

Das Cello gegen das Gewehr getauscht

Der Cellist Stanislav Slutsky von der Donezker Philharmonie ist mit 38 Jahren im Ukrainekrieg an der Front gestorben. Gespielt hat er auch im Prokofjew Symphonieorchester und im Baroque Early Music Ensemble. Zuhause warten Frau und zwei Kinder vergeblich auf den Vater.
Was so ein Künstler in einem Krieg zu suchen hat? Eigentlich nichts – aber im von Russland annektierten Donezk sind die Soldaten knapp und so wird jeder Einheimische an die Front geschickt, der noch gerade laufen kann - als Kanonenfutter ganz vorne an der Front zum Schutz der regulären russischen Armee. Man hat wieder keine Wahl und muss jetzt für die russische Sache kämpfen. Nur Kinder und Frauen bleiben verschont, so dass die Bewohner bereits von der Frauenrepublik Donzek gequält witzeln. OM, 28.05.22

Pfui Putin!

Es ist nur ein 12 Sekunden Video von der Abschlussfeier einer Schule aus Dagestan, einer Kaukasusrepublik im Süden Russlands. Veröffentlicht wurde der kurze Schnipsel im Nexta-Live Telegram-Kanal.
In Dagestan wird an allen Schulen der Feiertag "Letzte Glocke" für die Absolventen abgehalten. Bei der Kundgebung vor allen Schülern protestiert ein Mädchen gegen den Ukrainekrieg und äußert sich kritisch zum Präsidenten Putin: " Nein zum Krieg! Freiheit für die Ukraine! Putin ist der Teufel!" OM 22.05.22

Auch Selensky aus Ossetien wollte nicht in den Krieg

Georgy Selensky ist nicht verwandt mit dem ukrainischen Präsidenten. Er stammte aus Nordossetien, war 26 Jahre alt und gelernter Automechaniker. Georgy war beim Militär, heiratete und zog mit seiner Frau nach Maikop, wo er stationiert war. Eigentlich wollte er nicht länger Soldat sein, sondern in seine Heimat zurückkehren.
Doch dann musste er zur Ausbildung auf die Krim und von dort in den Krieg. Seine Frau, die täglich mit ihm Kontakt hatte, berichtete: „Um es ganz klar zu sagen, er wollte nicht dorthin gehen, und im Prinzip wollte niemand dorthin gehen ... Er wollte wirklich so schnell wie möglich zu mir nach Hause zurückkehren.
In Tokmak, im Süden der Ukraine, endete am 25. April sein Leben. Munition war explodiert. OM, 16.05.22

Motorola - Gangster und Kriegsverbrecher wird zum Vorbild der Kinder

Arsen Sergewitsch Pawlow (1983 - 2016) war ein kleiner Gangster aus Rostow am Don. Um einer Haftstrafe zu entgehen, schloss er sich den sogenannten "Separatisten" im Donbass an und führte deren Bataillon Sparta in den Kampf gegen die ukrainische Armee. Aufgefallen ist er damals durch Kriegsverbrechen und ein großes Mundwerk. Eine Bombe im Aufzug seines Wohnhauses beendete 2016 sein Leben. Auch hier gibt es Hinweise, dass die russischen Instrukturen  eine Säuberung unter den dubiosen Seprataistenführern durchgeführt hatten.
Der Mann stammt eigentlich aus der Republik Komi im Nordosten des europäischen Teils Russland. In seiner Geburtsstadt Uchta soll jetzt die Schule Nr. 13 nach jenem "Helden" benannt werden. Wenn es keinen Widerspruch aus der Bevölkerung und im Gemeinderat gäbe, solle die Schule bis Ende Mai nach Arsen Pawlow benannt werden. OM, 14.05.22

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