Nikita Sergejewitsch MalyschewDas ist die kurze Geschichte von Nikita Sergejewitsch Malyschew aus dem kleinen Dorf Poperetschnoje mit knapp 400 Bewohnern in Burjatien. Aus diesem Dorf sind mit Nikita bereits sechs Männer im Krieg in der Ukraine gefallen. Wir haben das Dorf zusammen mit allen übersetzten Nachrufen an anderer Stelle veröffentlicht.

Nikita ist der bisher jüngste russische Soldat, der im Krieg in der Ukraine gefallen ist.

Als Nikita am 07. April 2008 geboren wurde, da lief gerade die zweite Amtszeit von Präsident Wladimir Putin ab und er konnte nach der Verfassung nicht mehr kandidieren. Am 7. Mai 2008 übergab er für einen Wahlperiode an seinen Platzhalter Dimitri Medwedew.

Als Nikita sechs Jahre alt war, startete der erste Krieg Russlands - getarnt als Separatistenaufstand - im ukrainischen Donbass. Und als Nikita noch 13 Jahre alt war, griff die russische Armee im Februar 2022 die ganze Ukraine an.

Wir wissen nicht, wie glücklich Nikitas Kindheit ablief. Zumindest es gab Probleme. Nikitas Vater lebte nicht mit seiner Mutter zusammen, diese heiratete einen anderen Mann. So bekam Nikita einen Stiefvater, einen Bruder und drei Schwestern dazu. Er hätte sich immer gut um seinen jüngeren Bruder und seine jüngeren Schwestern gekümmert, schreibt der Nachruf. Aber jene Nachrufschreiber sind erfinderisch in ihren Erzählungen.

Nikita ging im Dorf zur Schule und schloss diese im Jahr 2024 ab. Danach besuchte er eine Schule in einem Nachbarort um dort die 10. und 11. Schulklasse zu absolvieren. Doch nach der 10. Klasse brach er die Schulausbildung ab und wechselte auf die burjatische Berufsschule. Auch diese Berufsausbildung beendete er - mitten im Schuljahr - sobald er 18 Jahre alt geworden war. Stattdessen unterzeichnete er am Tag nach seinem Geburtstag einen Vertrag mit dem russischen Militär und reiste in die Ukraine zu der zugewiesenen Einheit - natürlich ganz ohne militärische Grundausbildung. 

Die Ausbildung der Zeitsoldaten dauert in der Regel zehn Tage, das ist alles. Danach geht es direkt an die Front. Trotzdem können die Kommandanten entscheiden, wen sie auf die sogenannten Selbstmordangriffe schicken und wen nicht. Nikita war wohl ein entbehrlicher Soldat und wurde nicht geschont. 67 Tage nach seinem 18. Geburtstag, am 12. Juni 2026,  wurde er in der ukrainischen Region Saporischschje getötet.

So schreibt der Nachruf:

Wir werden Nikita nie vergessen und ihn immer als guten, mitfühlenden Freund in Erinnerung behalten. Er wird für immer in unseren Herzen bleiben als ausgeglichener, fröhlicher und verantwortungsbewusster Freund.

Aber - dieser gute und mitfühlende Freund hatte, aus welchen Gründen auch immer, keine Probleme damit, in ein fremdes Land zu fahren, um dort Ukrainer zu töten.

Igor schreibt dazu in einem Kommentar:

Na, was machst du denn da, du Idiot? Du hättest Computerspiele spielen, eine Freundin finden, Kinder kriegen sollen... Das hier ist natürlich einfach nur furchtbar.


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