Nach unserer bewährten Hochrechnung dürften die russischen Verluste inzwischen bei 356.000 Kriegstoten und zusammen mit den Kriegsversehrten bei 1,3 Millionen russischen Kriegsopfern liegen. Der britische Geheimdienst schätzt noch weit höhere Zahlen - er geht von 500.000 russischen Kriegstoten aus.
Kein Grund für den russischen Präsidenten in ernsthafte Friedensverhandlungen einzusteigen. Er bleibt bei seinen Maximalforderungen, die im Resultat die totale Unterwerfung der Ukraine unter das russische Diktat bedeuten würden und keine Garantie bieten, dass Russland erneut militärisch gegen die geschwächte Ukraine vorgehen würde.
Wir fragen uns täglich: Was ist das für eine russische Regierung, die jeden Monat zwischen 30.000 und 35.000 russische Männer durch Verletzung und Tod opfert, um wieder ein paar Quadratkilometer verwüstetes ukrainisches Land zu erobern?
Wir haben ganz zu Beginn des russischen Angriffskrieges ein Zitat von Kurt Tucholsky zum Motto unserer Arbeit gemacht. Tucholsky schrieb im Jahr 1926 über die Eleganz und Raffinesse des französischen Witzes:
Es wird von den Schrecknissen des Krieges gesprochen. Darauf sagt ein Diplomat vom Quai d’Orsay: „Der Krieg? Ich kann das nicht so schrecklich finden! Der Tod eines Menschen: das ist eine Katastrophe. Hunderttausend Tote: das ist eine Statistik!“
Damals konnten wir uns nicht vorstellen, welche Ausmaße der russische Angriffskrieg annehmen würde. Aber wir wollten niemals nur eine Statistik der russischen Kriegstoten führen, sondern dem Tod im Krieg ein Gesicht geben. Getötet werden reale Menschen, mit Familie, mit emotionalen Beziehungen und konkreten Aufgaben in der Gesellschaft. Sie werden getötet in einem völkerrechtswidrigen Krieg, ausschließlich um die imperialen Träume eines greisen Machthabers zu befriedigen.
Das Sterben im Krieg ist eine banale Sache - auf die vorrückenden Soldaten wartet ein Hagel aus Bomben und Granaten, sie geraten ins Visier von Scharfschützen oder werden von Überwachungsdrohnen ausgemacht. Und bevor sie auch nur die gegnerischen Linien erreichen, sind die meisten der Angreifer tot. All diese Soldaten sterben auch keinen Heldentod, wie die russische Propaganda der Bevölkerung vermitteln will, sondern sie krepieren elendiglich in den Weiten der ukrainischen Felder. Zudem wartet im Kampfgebiet eine neue, noch tödlichere Waffe - die „First Person View (FPV) - Drohne“.
Krieg der Drohnen
Wie tödlich die billigen FPV-Drohnen sein können, zeigt ein Video des ukrainischen Verteidigungsministeriums. Das Video wurde wahrscheinlich Ende April bis Anfang Mai zusammengeschnitten und ist ausdrücklich nichts für junge Menschen.
Es zeigt die Taktik der Infiltration der russischen Armee. Soldaten werden einzeln oder in kleinen Gruppen losgeschickt, um die Stellungen der Verteidiger zu umgehen. Die Kommandeure hoffen, dass zumindest einigen es gelingt, hinter die Linien zu gelangen und sich dort festzusetzen. Damit soll der Nachschub und die Unterstützung der ukrainischen Soldaten abgeschnitten werden.
Man sieht zahlreiche russische Soldaten mit weiten Umhängen bekleidet. Diese Umhänge sollen angeblich die Soldaten vor der Entdeckung durch Wärmebildkameras schützen, funktionieren aber in der Regel nicht. Es ist eine tödliche Menschenjagd - gerät ein Soldat in den Fokus eines Drohnenpiloten, hat er kaum eine Chance zu entkommen.
Und selbst wenn der Soldat durch die Explosionssplitter nicht tödlich verletzt wird, sind seine Chancen zu überleben gering. In der Kampfzone können die angreifenden Soldaten nicht evakuiert werden und so können auch leichte oder mittelschwere Verletzungen zum Tod führen.
Kurzzeitsoldaten
Für diese Angriffstaktik benötigt das russische Militär keine gut ausgebildeten Soldaten - dafür reichen jene mit viel Geld geworbenen Zeitsoldaten und die Insassen der russischen Haftanstalten. Beide Gruppen werden gerade mal zehn Tage lang an einer Waffe ausgebildet und schnell danach an die Front geworfen. So kommt jene beträchtliche Zahl an Kurzeitsoldaten zusammen. Je nach Region überleben etwa ein Drittel jener Freiwilligen die ersten drei Monate an der Front nicht.
Damit unsere rechte Spalte mit den Kurznachrichten nicht überläuft, haben wir nachfolgend sechs Meldungen nach dem 20.04.26 herausgegriffen und zusammengestellt.
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