Vorausgeschickt: Seit Beginn des russischen Angriffskrieges ermitteln wir die russischen Kriegstoten aus offenen Quellen. Wir machen das ohne Werbung, ohne Unterstützung von außen, sind politisch ungebunden und tragen die erheblichen Kosten selbst. Wir erstellen alle Informationen nach bestem Wissen und Gewissen.
Durch die hohen Todeszahlen der russischen Armee sind wir mit der Auswertung der erfassten Daten mit über einen Monat in Rückstand geraten. Wir haben deshalb unsere monatlichen Zusammenfassungen etwas umgestellt.
Da die von uns erfassten Daten bereits relativ exakt sind, werden wir unsere Abschätzungen der vermutlichen Verletzten- und Todeszahlen auf Basis unser aktuellen Daten vornehmen. Der Rest bleibt wie gehabt.
Krieg der Drohnen
Russland wirbt auf alle mögliche Weise unter den technikaffinen jungen Menschen für den einjährigen Vertragsdienst beim Militär als Drohnenpiloten. Die weiterführenden Schulen, Fachhochschulen und Universitäten des Landes sind angewiesen, mindestens zwei Prozent ihrer Schüler oder Studenten als Vertragssoldaten zu gewinnen. All diese jungen Leute sollen eine Ausbildung zum Drohnenpiloten erhalten. Wer die Prüfungen besteht, darf sein Können an der Front beweisen - wer durchfällt, verstärkt als einfacher Soldat die russische Armee.
Menschenrechtsaktivisten schlagen Alarm: Es gibt keine rechtliche Grundlage für eine Rückkehr nach Hause nach einem Jahr und das Versprechen eines Einsatzes fernab der Front wäre nur ein Trick, um junge Menschen in die Streitkräfte zu locken. Das russische Verteidigungsministerium bestätigte einem Anwalt, dass Studenten Verträge für ein Jahr unterzeichnen, Kommandeure aber die Entlassung nach Ablauf dieser Frist ablehnen könnten.
Bis Anfang dieses Monats hätte Russland bereits Drohneneinheiten mit über 100.000 Soldaten neu zusammengestellt und wolle diese Zahl noch auf 165.000 Mann erhöhen, erklärte der ukrainische Oberkommandierende Oleksandr Syrskyj gegenüber der Presse.
| Altersstruktur der russischen Kriegstoten | ||
| August 2025 |
Januar/Februar 2026 |
|
| 2000 & jünger | 10% | 10,3 % |
| 1990 – 1999 | 27% | 24,1 % |
| 1980 – 1989 | 35% | 34,3 % |
| 1970 – 1979 | 22% | 24,6 % |
| 1960 – 1969 | 7% | 6,7 % |
| 1950 – 1959 | 0,1 % | |
Die Werbeaussagen der russischen Rekrutierer, dass die jungen Leute fern von den gefährlichen Bereichen der Front eingesetzt werden, sind völlig falsch. Die Risiken sind vielleicht etwas geringer als die der Sturmtruppen, aber um effektive Einsätze fliegen zu können, müssen die Drohnenpiloten sich möglichst nahe an die Stellungen der Gegner begeben. Sie sind dabei natürlich in Reichweite der Artillerie und der Drohnen der Ukraine. Zudem versuchen beide Parteien gezielt, die Drohnenstellungen der Gegner auszuschalten.
Wenn so viele junge Menschen für den Vertragsdienst geworben werden, dann müsste sich auch die Altersstruktur der russischen Kriegstoten langsam verändern. Wie man an der Tabelle rechts erkennen kann, hat sich im Vergleich zum August 2025 kaum etwas geändert.
Wir haben schon öfters darauf hingewiesen, dass es mindestens ein halbes Jahr dauert, bis Veränderungen in der russischen Armee sich auch in unseren Statistiken der Kriegstoten niederschlagen. Wir werden deshalb die Altersstruktur der von uns erfassten Kriegstoten in Zukunft alle zwei Monate hier dokumentieren.

Wie stehen die Russen zum Krieg gegen die Ukraine?
Dazu zitieren wir das einzig verbliebene unabhängige Meinungsforschungsinstitut in Russland:
Lewada-Zentrum vom 02.04.2026
Im März verfolgte jeder zweite Befragte die Lage in der Ukraine aufmerksam.
- Die Unterstützung für das Vorgehen des russischen Militärs ist weiterhin hoch.
- Zwei Drittel der Befragten halten Friedensgespräche für notwendig, während ein Viertel die Fortsetzung der Militäraktion befürwortet.
- Die Befürworter von Verhandlungen begründen ihre Meinung mit folgenden Argumenten: „Viele Menschen sterben“, „Alle wollen Frieden“ und „Die Militäraktion dauert schon viel zu lange“.
- Die Befürworter der Fortsetzung der Militäraktion sagen: „Wir müssen das bis zum Ende durchziehen“, „Friedensgespräche sind sinnlos“ und „Der Faschismus muss ausgerottet werden “ .


