Tundra im Autonomen Kreis der Jamal-Nenzen -- Foto: Hlorosol Z -- Lizenz: CC BY-SA 3.0
Unsere Exkursion quer durch Russland bringt uns diesmal in den Autonomen Kreis der Jamal-Nenzen. Die Region ist mehr als doppelt so groß wie Deutschland, aber nur dünn besiedelt. Aber sie ist reich, dort gibt es riesige Mengen an Erdöl - und Erdgasvorkommen. Durch deren Ausbeutung hat sich die Bevölkerungsstruktur völlig verändert. Die Ethnie der Nenzen macht gerade noch 7% der Bevölkerung aus.
Etwas anders sieht es im Tasowsky-Bezirk im Nordosten des Autonomen Kreises aus. Der Bezirk hat etwa 40% der Fläche Deutschlands, es leben gerade mal 18.000 Menschen dort. Die Mehrzahl der Bewohner sind Nenzen, eine Ethnie, die zu den samojedischen Völkern gehört. Einer davon ist Eduard Salinder, der als russischer Soldat in der Ukraine getötet wurde.
Über Eduard Salinder (Foto rechts) wissen wir nicht viel. Er wurde im Jahr 1994 im Dorf Sjojacha geboren, das im zentralen Teil der Jamal-Halbinsel liegt. Die Jahresdurchschnittstemperatur dort liegt bei -12,6° Celsius. Eine Straße dorthin gibt es nicht, das Dorf kann per Schiff oder mit einem Hubschrauber erreicht werden.
Im Oktober 2017 stand Eduard vor Gericht und wurde so charakterisiert: Grundschulbildung, ledig, privater Rentierzüchter, keine Vorstrafen.
Eduard hatte besoffen zusammen mit Mittätern einen Lebensmittelladen aufgebrochen. Mit Hilfe eines Brecheisens zwei Schlösser geknackt und lebenswichtige Dinge des Alltags gestohlen: 15 Packungen Instantnudeln, 12 Dosen Bier und 30 Packungen Zigaretten. Dazu noch einen Plastikbehälter mit 4.000 einzelnen Rubelmünzen. Alles zusammen hatte einen Wert von etwa 80 €. Eduard wurde zu einer Geldstrafe von 5.000 Rubel (umgerechnet etwa 50 €) verurteilt.
Ein Jahr später berichtet ein Jamal-Jugendverband, dass Eduard in die Hauptstadt Salechard zum „Studieren“ gekommen wäre. Eduard sagte damals:
„Da ich vom Land komme, bin ich nicht so gut darin, die Kultur und Traditionen der Nenzen zu pflegen, aber ich bin aktiv im Volkssport, und im Sommer entspanne ich mich mit meinen Eltern im Zelt und gehe mit meinem Vater angeln.“
Warum und wann Eduard in den Krieg gezogen ist wissen wir nicht. Am 22. November 2025 wurde er in seiner Heimat beigesetzt. Zur Nachricht seines Todes gab es empörte Kommentare, die wir dokumentieren wollen:
Nina Jadne (VK)
Es gibt uns nur noch so wenige auf der Welt!!! Warum denkt die Regierung nicht an unseren Genpool??? Warum verteidigen die Kinder von Herrschern, Oligarchen, Beamten und anderen nicht ihre Heimat Russland, wenn sie es als ihre Heimat betrachten??? HÖRT AUF, UNSERE JUNGEN IN DEN KRIEG ZU SCHICKEN!!! WIR SIND OHNEHIN NUR NOCH ZEHNTAUSENDE!!!
Tamariko Jadne (VK)
Nina, ich stimme Ihnen vollkommen zu, es scheint, als ob nur die Einheimischen eine militärische Pflicht gegenüber ihrem Land haben. So viele junge, selbstlose Männer haben ihr Leben in der Zone der Speziellen Militäroperation verloren. Und wie viele werden noch sterben, einige sind seit zwei Jahren vermisst und können immer noch nicht gefunden werden.
Tamariko Jadne
Nina, die Regierung schert sich einen Dreck um unseren Genpool, es sind ja nicht ihre Ehemänner und Kinder, die sterben. Würden sie die Söhne der Beamten in den Krieg schicken, gäbe es morgen keinen Krieg mehr. Es sind einfache Jungs aus dem Volk, die ihre Gesundheit und ihr Leben riskieren, für den Frieden auf der Erde.
Pavel Jabtonai (VK)
Nina , unser Dorf hat über zweitausend Einwohner, und über 100 unserer Männer sind im Krieg gestorben.
Nina Jadne
Ich habe eine Frage an die russischen Behörden! Warum sind es nur die Jungen, und zwar die Vertreter unserer nördlichen Völker, die ihr Vaterland verteidigen?
Larisa Koschuschko
Nina , ich möchte sagen, dass sie Russlands Genpool zerstören! Auf eurer Seite sind ja auch viele unserer indigenen Völker umgekommen, was sehr schmerzhaft ist! Unsere Kinder, die im Hohen Norden geboren und aufgewachsen sind, sind mit ihnen gestorben. Ehre allen Helden!
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