Dorf Iultin

1998 aufgegebenes Dorf Iultin im Autonomen Kreis der Tschuktschen 
Foto: Levanchuk Vitaly (http://astafiev.narod.ru/iultin.html)

Die östlichste und ganzjährig befahrbare Straße in Russland ist 340 km lang und verbindet die städtische Siedlung Egwekinot an der Küste der Tschuktschen-Halbinsel am Beringmeer mit der Siedlung Mys Schmidta, die an der Tschuktensee liegt. Die Orte an der Straße verlieren immer schneller ihre Bewohner und die Straße zerfällt. Die Lagerstätten für seltene Metalle und Gold sind erschöpft, viele Bergwerke geschlossen und die Arbeiter sind weggezogen.

Für die einheimische Bevölkerung der Tschuktschen und Eskimos stehen immer weniger finanzielle Mittel zur Verfügung, die Bevölkerung der Tschuktschen-Dörfer nimmt stetig ab und die Männer, die vom Fischfang, der Jagd und der Renntierzucht leben, werden mit viel Geld zum Kriegsdienst in der Ukraine angeworben.

Die städtische Siedlung Egwekinot wurde erst im Jahr 1946 gegründet und war ein Produkt des sowjetischen Gulag-Systems. Zwei Schiffe brachten 3.500 Menschen, meist Häftlinge, an Land, die in kurzer Zeit einen Hafen und die Siedlung errichteten und auch jene Straße hin zur Siedlung Iultin. All das wurde benötigt, um die gefundenen Erzlagerstätten in der Region auszubeuten. Erst nach 1955 wurden die Häftlinge schrittweise durch verpflichtete Arbeiter ersetzt.

Heute hat Egwekinot rund 3.500 Bewohner, die allermeisten davon sind russischer Abstammung.  Die erwerbsfähige Bevölkerung ist allerdings zu 74% bei kommunalen und staatlichen Einrichtungen angestellt - also in der Wohnungswirtschaft, im Bildungssystem und im Hafen.

Straße Egwekinot - Iultin -- Foto: Schabanow -- Lizenz: CC BY-SA 3.0

Bei km 24 führt die Straße durch den Polarkreis, dort wurde ein Metallbogen errichtet (Aufschrift Polarkreis). In der Nähe sind die Überreste des Gefangenenlagers erhalten geblieben, in dem die Häftlinge untergebracht waren, die die Straße gebaut haben.

All die wenigen Orte entlang der Straße haben die selben Probleme, wie im Vorspann angesprochen. Bei km 122 geht eine Winterstaße zum Tschuktschen-Dorf Nutepelmen ab, das wir bereits vorgestellt haben.  Im Februar 2025 fuhr ein Konvoi von Fahrzeugen vom 220 km Luftlinie entfernten Egwekinot auf der Winterstraße hin zum Dorf Nutepelmen. Die Fahrzeuge benötigten für die Strecke 18 Tage.

Bei Streckenkilometer 207 kommt man in das aufgegebene Dorf Iultin. Dort wurden Erzlagerstätten für Zinn, Wolfram und Molybdän entdeckt und ab 1959 auch ausgebeutet. Im Jahr 1990 lebten mehr als 5.000 Menschen in dem Ort, Ende der neunziger Jahre wurde der Ort aufgegeben. Der Erzabbau war unrentabel geworden.

Eingang zum Dorf Mys Schmidta -- Foto: Schabanow -- Lizenz: CC BY-SA 3.0

Ganz schlimm sieht es am Endpunkt der Straße nach 340 km aus - der Siedlung Mys Schmidta. Der Ort trägt den Namen des deutschstämmigen Polarforschers Otto Schmidt und hatte mal über 4.000 Bewohner und eine richtige Landebahn für größere Flugzeuge. In Bergwerken der Region wurden Zinn und Gold abgebaut, zudem gab es einen Luftwaffenstützpunkt in der Gegend. Der Ort war auch Ausgangspunkt für Besucher des Naturreservates Wrangelinsel. All das ist seit etwa 1990 vorbei. Im Jahr 2010 wurden noch 492 Bewohner gezählt, im Jahr 2023 sind davon noch 34 geblieben.

In einem Beitrag zu einem gefallenen Soldaten aus der Region schreibt ein Bewohner:

Wie viel Geld wird benötigt? Die Ryrkapi-Straße von Egwekinot nach Mys Schmidta ist zerstört; sie existiert praktisch nicht mehr, oder führt sie von Bilibino aus? Ich frage mich, wie viel das kosten wird und wer diese Zurschaustellung bürokratischer Nachlässigkeit und Dummheit bezahlen wird. Kusnezow (Gouverneur von Tschukotka)  sollte diesen Winter nach Mys Schmidta geschickt werden und dort in Kälte und Hunger leben.

Ein Anderer antwortet:

Sie haben das  Dorf zerstört. Ich war in den 70er Jahren dort. Es gab einen großen Flugplatz, auf dem alle möglichen Flugzeuge landen konnten, und jetzt ist es erschreckend, das alles anzusehen! Leere Häuser ohne Fenster und Türen!


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