Anadyr

Anadyr, Hauptstadt von Tschukotka, mit etwa 13.000 Bewohnern

Eigentlich ist der Autonome Kreis der Tschuktschen für die russische Kriegsmaschine nicht sonderlich interessant. Nur weniger als 50.000 Menschen leben in einem Gebiet, das doppelt so groß wie Deutschland ist. Zudem ist die Hauptstadt von Tschukotka, Anadyr, Luftlinie über 6.000 km von Moskau entfernt. Im Vergleich - das entspricht etwa der Entfernung Frankurt/Main nach Washington DC.  Und trotzdem versucht die russische Propaganda überall in Tschukotka Symphatie für den Krieg bei der Bevölkerung hervorzurufen und trommelt auf allen möglichen Kanälen  für eine Vertragsunterzeichnung beim Militär.

Wir wollen die Freiwilligenwerbung und einige Veranstaltungen im August vorstellen, die alle im Zusammenhang mit dem Krieg gegen die Ukraine stehen:


Werbeanzeige für die Rekrutierung von Freiwilligen zum Krieg - Text: Die Verteidigung des Mutterlandes ist eine würdige Sache, einmalige Barzahlung für den Militärdienst unter Vertrag - ab 2.600.000 Rubel. Kontaktieren sie den Stadtbezirk Anadyr

Die aktuelle Freiwilligenwerbung

Die Anzeige oben findet man auf allen amtlichen Internetseiten von Tschukotka. Interessant für das Militär sind hauptsächlich die männlichen Ureinwohner, also Tschuktschen, Eskimos und Ewenen, die etwa 34 Prozent der Bevölkerung stellen. Sie können unter extremen Bedingungen überleben und mit Waffen umgehen. Und sie gehören zu den Bewohnern Tschukotkas, die durch ihre traditionelle Lebensweise weit geringere Verdienstmöglichkeiten haben als die russische Bevölkerungsmehrheit. Die ausgelobten 2,6 Millionen Rubel (ca. 26.000 €) sind so etwas wie ein Lottogewinn für die verarmten Ureinwohner.


Anadyr K1

 Der Gouverneur von Tschukotka überreicht Orden an Kriegsteilnehmer

Volk & Armee vereint

Am 20. August fand in Anadyr  im Bezirkshaus für Volkskunst die groß aufgezogene Veranstaltung Volk & Armee vereint statt. Für Kriegsveteranen gab es Orden, Dankesbriefe und Geschenke.

„Das Hauptziel dieses Forums besteht nicht nur darin, die Unterstützung von Veteranen der besonderen Militäroperation und ihren Familien zu diskutieren, sondern auch praktische Lösungen zu finden, die hier in Tschukotka funktionieren und unsere Besonderheiten berücksichtigen. Wir sprechen über zugängliche psychologische Hilfe in abgelegenen Dörfern, über Transportlogistik für die Familien von Militärangehörigen und über die Beschäftigung demobilisierter Menschen im Hohen Norden“, sagte der Gouverneur Wladislaw Kusnezow.

Und auch ein Vertreter der Frewilligen kam zu Wort:

„Das Forum ist wirklich wichtig, weil hier diejenigen zusammentreffen, die kämpfen, und diejenigen, die unterstützen. Es ist eine Brücke zwischen Front und Heimat. Wir können besprechen, was die Kämpfer wirklich brauchen, und ihr könnt erfahren, wie ihr helfen könnt. Solche Treffen erinnern daran: Wir sind ein Volk, und der Sieg hängt von jedem Einzelnen ab“, teilte Nikolai Elly mit, ein Freiwilliger von der Front, der aus dem Dorf Lorino stammt.


Ausstellungseröffnung in der Kirche von Anadyr

Gedenkmauer für die Gefallenen im Krieg gegen die Ukraine

 Am 21. August 25 wurde in der Dreifaltigkeitskathedrale in Anadyr die Gedenkmauer für die Soldaten der Sondermilitäroperation eröffnet. Zusammen mit der örtlichen Bibliothek, der Staatspartei "Einiges Russland" und der Kirchendiözese wurden über 100 Fotos der gefallenen Soldaten aus Tschukotka ausgestellt. Die tatsächliche Anzahl der Kriegstoten aus Tschukotka dürfte wesentlich höher sein, wir haben bis Ende Juli bereits 163 Kriegstote in unserer Datenbank. Setzt man die Kriegstoten in Relation zur Bevölkerung, dann steht Tschukotka auf dem zweiten Platz aller russischen Regionen.

Die Nachrichtenagentur von Tschukotka berichtet dazu:

„Ich habe noch nie zuvor Bilder von SVO-Kämpfern in Kirchen gesehen. Ich halte das für einen sehr richtigen Schritt. Die Menschen werden unsere Helden sehen, sich an sie erinnern, ihnen danken und für sie beten“, sagte Leonid Nikolajew , Vorsitzender der Duma des Autonomen Kreises Tschukotka .

Der Administrator der Diözese Anadyr und Tschukotka, Erzbischof Ipatij, betonte: "Russland ist seit jeher für die militärischen Heldentaten und die Standhaftigkeit der Verteidiger des Vaterlandes berühmt."

Getoetete Tschuktschen


Stärke in der Wahrheit

Am 23. August 25 legen zwei Kriegsschiffe der russischen Armee im Hafen von Anadyr an - das große Landungsschiff „Osljabja“ und dem Minensuchboot „Pjotr Iljitschjow“. Beide Schiffe sind im Rahmen des groß angelegten Projekts des russischen Verteidigungsministeriums „Einheit in der Erinnerung - Kraft im Heldentum!“ unterwegs.  Die Aktion war eigentlich der Kurilen-Landungsaktion im Jahr 2025 gewidmet, kommt aber ohne aktuelle Bezüge nicht aus. Das Motto "Stärke in der Wahrheit" bezieht sich auf die russische Verfälschung des Krieges in der Ukraine. Danach ist Russland das Opfer und verteidigt sich nur. 

Die Bürger der Stadt Anadyr können das Landungsschiff besuchen und bekommen Buchweizenbrei mit Tee vorgesetzt. Dazu gibt es Konzerte und einen Militäraufmarsch in der Stadt.

Einwohner und Gäste unserer Stadt haben die einmalige Gelegenheit, in eine Atmosphäre der Liebe zum Vaterland und des Stolzes auf seine Geschichte einzutauchen, heißt es im Programm der Veranstaltungen.


Die aktuell im August erfassten Kriegstoten im Originaltext

SWO -- 19.08.2025 um 16:00

Vier Soldaten aus Tschukotka bei Spezialoperation getötet

Am Dienstag, dem 19. August, meldete die Bezirksverwaltung von Anadyr den Tod eines Landsmannes, der an einer speziellen Militäroperation teilgenommen hatte. Ruslan Keleny aus dem Dorf Ust-Belaya wurde bei Kampfeinsätzen getötet. Am Tag zuvor war bekannt geworden, dass drei Soldaten aus dem Stadtbezirk Pevek gestorben waren, berichtete die Nachrichtenagentur Tschukotka. 

TotePewek

Ruslan Keleny wurde am 5. Januar 1995 im Dorf Ust-Belaja geboren. Er schloss die Schule 2014 ab. Er nahm freiwillig an der militärischen Sonderoperation teil. An der Front diente er als Wachschütze in Richtung Dobropolye. Er starb am 24. Juli in der Nähe des Dorfes Popow Jar in der Volksrepublik Donezk.

„Ruslan war ein großzügiger Mensch – freundlich, mitfühlend und immer hilfsbereit. Seine harte Arbeit und aufrichtige Fürsorge für die Menschen erwärmten die Herzen unserer Dorfbewohner und aller, die das Glück hatten, ihn zu kennen. Ich spreche Ruslans Frau und seinen Angehörigen mein tiefempfundenes Beileid aus. Ein gesegnetes Andenken an den Helden “, sagte der Leiter der Bezirksverwaltung von Anadyr, Sergei Savchenko .

Am Vortag war der Tod von drei Soldaten aus dem Gemeindebezirk Pewek bekannt geworden. Nach Angaben der Gemeindeverwaltung wurde Kirill Mordowez am 12. Juni 1986 im Dorf Komsomolski geboren. Nach der Schließung der Siedlung zog er mit seiner Familie nach Pewek. Er studierte am örtlichen Bildungszentrum und meldete sich freiwillig an der Front. Er diente als Schütze und Granatwerferassistent im Marinebataillon im Rang eines einfachen Soldaten. Er starb am 26. März bei Kampfeinsätzen.

Auch Jewgenij Aptasow ist tot . Er stammte aus dem Inseldorf Ajon und wurde am 13. März 1969 geboren. Er besuchte die örtliche Schule und zog dann in das Dorf Rytkuchi. Er trat freiwillig der SVO bei. An der Front war er Kanonier in einer motorisierten Schützenkompanie. Er diente im Rang eines einfachen Soldaten. Er erhielt die Medaille „Teilnehmer einer besonderen Militäroperation“ des russischen Verteidigungsministeriums und ein Ehrendiplom des Kommandeurs der Militäreinheit Nr. 01605. Er starb am 19. Juli.

Denis Kaurgin kam ebenfalls bei Kampfeinsätzen ums Leben . In der SVO-Zone war er als Operator im Gefangennahmetrupp der Sturmkompanie der Abteilung „Sturm“ tätig. Sein Leben endete am 2. April. Er stammte aus dem Dorf Ryrkaipij und wurde in Pewek begraben, wo sein Vater lebt. Weitere Informationen über den Soldaten liegen nicht vor. (Denis Kauragin ist ein mehrfach wegen Diebstahl verurteilter Straftäter. Er entzog sich dem Gefängnis durch Teilnahme an einer Sturm-V Einheit)


 Telegram - 23.08.25

Konstantin Iwanowitsch LozowanWir bedauern, Ihnen den Tod von Konstantin Iwanowitsch Lozowan mitteilen zu müssen.

Konstantin Iwanowitsch wurde am 6. März 1975 im Dorf Nowoselowka in der Region Sumy geboren, wo er aufwuchs und studierte. 1994 kam er zum Militärdienst in das Dorf Beringowski im Autonomen Kreis Tschukotka. Nach seiner Militärzeit verband ihn sein Leben mit Anadyr, wo er sich selbstständig machte und sich der Wohnungsrenovierung widmete.

Nach Angaben von Verwandten war Konstantin Ivanowitsch ein liebevoller Ehemann und fürsorglicher Vater, der sich durch seine Freundlichkeit, Reaktionsschnelligkeit und Hilfsbereitschaft auszeichnete. Verwandte und Freunde werden ihn als tapferen, mutigen, fleißigen, geselligen und stressresistenten Menschen in Erinnerung behalten.

Im Mai 2023 beschloss Konstantin Ivanowitsch, freiwillig an einer speziellen Militäroperation teilzunehmen und unterzeichnete einen Vertrag mit dem russischen Verteidigungsministerium. Er diente als Fahrer und Lader der Besatzung (Kampffahrzeug) des Raketenartilleriezuges der Militäreinheit 12274 unter dem Rufzeichen „Eugen“.

Am 15. August 2025 starb Korporal Lozowan bei Kampfeinsätzen im Rahmen einer speziellen Militäroperation auf dem Gebiet der DVR, der LVR und der Ukraine. Er erlitt lebensunerträgliche Verletzungen. Konstantin Ivanovich hinterlässt seine Frau und seinen Sohn.

Die schöne Erinnerung an ihn wird für immer in unseren Herzen bleiben.

Die Verabschiedung findet am Montag, dem 25. August, von 11:00 bis 11:30 Uhr im Bezirkshaus für Volkskunst statt. Der Soldat wird auf dem Stadtfriedhof von Anadyr beigesetzt. Ewiges Andenken an den Helden!


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