Aus der Republik Mordwinien haben wir bisher selten berichtet. Die Mordwinen sind ein finno-ugrisches Volk, das in der russischen Teilrepublik etwa 40% der Bewohner stellt. Aus Mordwinien (oder Mordowien) kommt eine unterdurchschnittliche Zahl von Toten im russischen Angriffskrieg. Die Hauptstadt ist Saransk, die zusammen mit der zweitgrößten und nicht weit entfernt liegenden Stadt Rusajewka das wirtschaftliche Zentrum Mordwiniens bildet. Das Dorf Susgarje, aus dem wir berichten, ist nur sieben Kilometer von Rusajewka entfernt.
Aus Susgarje kam ein junger Rapper mit recht dubiosem Lebenslauf. Über Nikita Doroschkin, der sich den deutschen Namen "Bastard" gab, handelt dieser Beitrag.
Im Video singt Bastard über den allgegenwärtigen Krieg, dass die Jugend sich gen Westen orientiert oder der Westen lockt. Aber schließlich gibt es auch Wodka und Frauen hier in Russland: „Hier fließt Wodka, hier kommen Leute.“
Nikita Doroschkin war 24 Jahre alt, als er im russischen Angriffskrieg in der Ukraine getötet wurde. Er hatte sich Ende 2024 freiwillig gemeldet, um einer Verurteilung zu entgehen. Am 25. Juni 25 wurde er in seinem Heimatdorf begraben.
Zunächst schien es, dass Nilikita eine kleinkriminelle Karriere beginnen wollte. Im Jahr 2019 bemerkte er beim Herumlungern ein nicht abgeschlossenes Motorrad, das Nikita sich schnell mal borgte. Bei der Spritztour Richtung Rusajewka beschädigte er das Fahrzeug. Kurz vor dem Strafverfahren beglich Nikita den Schaden, auf Antrag der Geschädigten stellte das Gericht das Verfahren ein.
Im Mai 2022 brachen Nikita und einige Komplizen in ein Privatgrundstück im Dorf Lewscha ein und stahlen Autoteile. Zwei Tage später wollten sie den Coup an der selben Stelle wiederholen, gingen dabei aber in eine Falle der Polizei. Auch hier gab es nach bewährtem Muster keine Verurteilung - Nikita einigte sich mit dem Bestohlenen. Dafür durfte Nikita das Dorf nicht mehr aufsuchen. Einige Dorfbewohner erklärten ihm das handfest.
Als Reaktion darauf suchte Nikita regelmäßig ein Fitnessstudio auf, wollte seine Muckies aufbauen und schnitt sich die Haare kurz. Doch der nächste Ärger folgte. Nikita hatte eine Beziehung mit einem minderjährigen Mädchen und verbreitete ein Video, das die beiden beim Sex zeigte. Der Mutter des Mädchens wurde die Aufnahme zugespielt, die Anzeige erstattete. Der Verurteilung entzog sich Nikita durch einen Vertrag mit dem russischen Militär. Auf seiner Social-Media-Seite (inzwischen gelöscht) veröffentlichte Doroschkin ein Foto von sich in Militäruniform und mit einer Waffe in der Hand, unterstrichen mit der Bildunterschrift: „Sie ist der Grund, warum ich versuche, mich zu ändern.“
Auch vom Kriegsgebiet aus produzierte sich Nikita weiter in der Öffentlichkeit - er zeigte Fotos und Videos in einem eigenen Telegram-Kanal. Einer seiner letzten Einträge: „Ich bin in den Sturm gegangen. Mama hat mir gesagt, ich solle auf mich aufpassen. Wir sehen uns dort, wo wir hingehören.“
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