
Das Foto zeigt das Dorf Janranai im Autonomen Kreis der Tschuktschen - ganz im nordöstlichen Teil Russlands. Das Dorf war mal das nördlichste Dorf in Tschukotka, es lag am östlichen Eingang zur Tschaunbucht, bis es 2015 von staatlicher Seite aufgelöst wurde. Dabei war das Dorf noch jung, es wurde erst 1960 gegründet, als eine noch weiter nördliche Siedlung aufgegeben und mehrere Staatsfarmen zusammengelegt wurden. Die Haupterwerbszweige der Einheimischen waren Rentierzucht und Fischerei.
Janranai ist nur über eine 35 Kilometer lange unbefestigte Straße mit Pewek verbunden, die Fahrzeit beträgt 40–50 Minuten.
Doch dem russischen Staat war der Unterhalt der Siedlung zu teuer. Es werden zwar die Erz- und Kohlevorkommen von Tschukotka in großem Stil ausgebeutet, für die einheimische Bevölkerung ist kaum Geld da. So wurden die Bewohner von Janranai im Jahr 2015 umgesiedelt, obwohl das Dorf gerade baulich modernisiert wurde. Die Dorfbewohner verließen das Dorf nur mit ihren persönlichen Dingen, alles andere blieb zurück. Sie wurden in Pewek angesiedelt, einer Kleinstadt mit Gulaggeschichte am Ostrand der Tschaunbucht.
Der russische Staat konnte bisher kein Konzept entwickeln, das die traditionelle Lebensweise der Bewohner dieser unwirtlichen Gegenden bewahrt und den Menschen dort eine Zukunft bietet. Dafür lockt das russische Militär die Tschuktschen mit viel Geld in den Krieg gegen die Ukraine. Wie zum Beispiel die zwei ehemaligen Dorfbewohner Wassili Kutuwgi und Alexej Rakwurgin, die im Krieg gegen die Ukraine getötet wurden.
Zum Tod von Alexej Rakwurgin haben wir diesen Beitrag aktualisiert und etwas erweitert. Der Ursprungsartikel stammt vom 03.09.2024.
Das verlassene Dorf Janranai
Man kann sich das Video mit Untertiteln ansehen, die man sich in deutsch übersetzen lassen kann. So versteht man den Sprecher einigermaßen.
Die übersetzten Berichte aus Tschukotka

SWO -- 23.08.2024 12:59
Ein Einheimischer aus dem Dorf Janranai, der während der Militäraktion ums Leben kam, wurde in Pewek verabschiedet.
Am Donnerstag, den 22. August, fand in Pewek eine zivile Gedenkfeier für den Soldaten Wassili Kutuwgi statt. Der 20-jährige Einheimische aus dem Dorf Janranai starb in der Zone einer speziellen Militäroperation, berichtet die Nachrichtenagentur Tschukotka.
Die Abschiedszeremonie für Wassili Kutuwgi fand im Kultur- und Freizeitkomplex Pewek statt. Es wurde von etwa hundert Anwohnern besucht – indigenen Bewohnern von Tschukotka, seinen Verwandten, Klassenkameraden, Freunden und Vertretern der Verwaltung. Die zivile Trauerfeier erfolgte im Einklang mit militärischen Traditionen.
„ Wassili kommt aus Janranai. Nachdem das Dorf geschlossen wurde, zog seine Familie nach Pewek. Als Kind nahm er an Mehrkampfveranstaltungen im Norden teil und boxte gern. Gleich nach der Schule trat er in die Armee ein. Dort entschloss er sich, Berufssoldat zu werden, unterzeichnete einen Vertrag und blieb im Fernen Osten.
2023 ging er an die Front. Während der Kämpfe getötet. Er war 20 Jahre alt “, wurde dem Korrespondenten der Nachrichtenagentur „Tschukotka“ mitgeteilt.
Wassili Kutuwgi ist auf dem Stadtfriedhof begraben. Die Verwaltung des Pewek-Zivilschutzes drückte der Familie, den Freunden und der Familie des Soldaten sein Beileid aus.
SWO -- 3. SEPTEMBER 2026 , 18:10 UHR
In Pewek findet eine Abschiedszeremonie für einen Einheimischen aus dem Dorf Janranai statt, der im nordöstlichen Militärbezirk ums Leben kam
Am Donnerstag gab die Stadtverwaltung von Pevek den Tod von Alexej Rakwurgin, einem Einheimischen aus dem Dorf Janranai, bei einem militärischen Einsatz bekannt. Er starb am 13. Juni 2025 im Dienst nahe des Dorfes Volnoje Pole in der Volksrepublik Donezk, wie die Nachrichtenagentur Tschukotka berichtete.
Alexej Alexandrowitsch Rakwurgin diente als Richtschütze und Funker in einem Feuerunterstützungszug einer Sturmkompanie der Militäreinheit 61424. Er wurde während seines Einsatzes als vermisst gemeldet. Kürzlich wurde bekannt, dass er bei einem Kampfeinsatz zur Befreiung des Dorfes Wolnoje Pole in der Volksrepublik Donezk gefallen ist.
Alexej Rakwurgin wurde 1990 im Dorf Janranai im Bezirk Chaunsky der Region Magadan geboren. 2008 schloss er die Pewek-Filiale der Technischen Schule Nordwest-Tschukotka in Bilibino ab. Nach seiner Ausbildung zog Alexej nach Magadan, um dort zu arbeiten und sich dauerhaft niederzulassen.
Laut einer offiziellen Erklärung des russischen Verteidigungsministeriums erfüllte Alexej Rakwurgin seine militärischen Pflichten gewissenhaft und mit großer Verantwortung und bewies dabei Mut und Tapferkeit bei der Teilnahme an einer militärischen Spezialoperation. Die Bezirksverwaltung sprach der Familie und den Freunden des Verstorbenen ihr Beileid aus und versicherte ihnen, dass er für immer als Vorbild an Mut und Heldentum, als wahrer Verteidiger des Vaterlandes, in Erinnerung bleiben werde.
Alexey Rakwurgin wird in Pewek, dem Wohnort seines Vaters, beigesetzt. Datum und Ort der Beerdigung werden später bekannt gegeben.
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